Beiträge von Pott

    *lach*

    Hallo Diandra,

    erstmal möchte ich mich kurz vorstellen: Heike, 32, voll berufstätig, 4 Kinder, Co, Hund, Katze und verflucht große Whg, wenn man sie putzen muss. Ach ja, mein Mann ist Alkoholiker, Hausmann und ich warte auf den 2 Januar -da will er zur Entgiftung.

    Ich habe deinen kompletten Threat mit einem lachenden und einem weinenden Auge gelesen und weisste was: Hut ab!!!!! Deine Geduld und Stärke hätte ich nicht. Im Übrigen suche ich auch Anschaffungen, die 100 EUR übersteigen mit meinem Mann zusammen aus. Auch Staubsauger fallen in diese Kategorie, weil das einfach nicht mein Job ist (hört sich besser an als "Öhm, hab ich keine Ahnung von und Staubsaugerbeutel....oha ")

    Deine Katze ist in etwa so gepolt wie meine. Meine geht nicht mehr an den Baum seit ich ihn festgebunden hab. Sieht zwar nicht so toll aus, aber entweder hat man Kinder und Tiere oder einen intakten Weihnachtsbaum mit Krippe....beides geht ja nich *seufz*

    Ein schönes zweites Adventswochenende wünsch ich dir

    Hallo Meni, schönen guten Morgen,

    ich habe diesen ganzen Threat gelesen und musste manches Mal wirklich ganz ungläubig mit dem Kopf schütteln.

    Vorher muss aber noch was raus: TOLL, dass du schon so lange trocken bist - du kannst sehr stolz sein!

    Ich erzähle dir jetzt eine Geschichte, einmal als Betroffene und einmal als Co.
    Ich habe vor 11 Monaten mit dem rauchen aufgehört. In meinem bevorzugten Selbsthilfe NR Forum habe ich sehr viel Unterstützung erfahren, anderenfalls hätte ich es nicht geschafft. In diesem Forum sind auch viele trockene Alkoholiker, die die Nikotin- und Alkoholentwöhnung gleichstellen, manche sagen, das Nikotin schlimmer sei -nu ja, ich will das nicht kommentieren,ich habe nämlich keine Ahnung.
    Als ich aufhörte zu rauchen, fiel es meinem rauchenden Mann zunächst nicht auf. Er rauchte überall, in der gewohnten Menge (60 ca) und völlig rücksichtlos: "Was kann ich dafür wenn DU nicht mehr rauchen willst?"
    ich weiss noch, wie sehr ich mich darüber aufgeregt habe und wie unverstanden und allein gelassen ich mich fühlte.
    Dann weiss ich auch noch, wie man das Gefühl hat, dass man total verblödet und wie der Suchtdruck auf einmal wieder hochkommt, aus dem Nichts, einfach so.... und man kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.

    Ich habe mir dafür eine humorvolle Redensart ausgedacht: Dein Hirn verar*scht dich.... das ist alles subjektiv und nicht objektiv ...lass es erstmal reifen und denk dann drüber nach....

    Du wirst lachen, es hilft. Ich denke, dass die Mechanismen in diesen beiden Süchten, die ja direkt aufs Belohnungszentrum im Hirn einwirken, ziemlich gleich sind. Als Nichtmehrraucher (NR bin ich in einem Monat) schlug mir der Neid der noch rauchenden entgegen und sie versuchten, mich klein zu halten....schaffste ja doch nicht....als sie merkten, dass es mir ernst ist, wurde mehr Rücksicht geübt.
    Mein Mann raucht nur noch im Büro und nimmt sich wirklich sehr zurück. Ich denke, das muss sich erstmal einspielen und wird gerade am Anfang des Entzugs emotional zu hoch eingestuft. Ich denke keinesfalls, dass er es böse meint oder dich kleinhalten will - es wird dir nur so vorkommen.

    Die andere Seite des Co: Du musst als Co wirklich gut organisieren und vertuschen. es ist nicht nur die Lügerei. Am schlimmsten ist, es einem geliebten Menschen bei der Selbstzerstörung zugucken zu müssen und nicht helfen zu können. Als Co schwankst du zwischen Vertuschung nach außen und vor den Kindern, der Erhaltung der Familie, der finanziellen Gratwanderung, der Übernahme der Pflichten des kranken Partners und gleichzeitig darf es nicht nach außen dringen, den Anforderungen deiner Berufstätigkeit (da darfste auch nix sagen, von wegen befristeter Vertrag, usw, kenn ich) und er zunehmenden Isolierung, weil du es nicht mehr verbergen kannst. Und zusätzlich musst du mit dir auch noch klar kommen....
    Das funktioniert so lange der Partner nass ist. Ist er trocken, wird der Co, der sich in die Sucht und die Mechanismen nicht einfühlen kann, denken: "Juchhe, endlich habe ich einen Partner und kann mich auch MAL anlehnen"...weit gefehlt, nun muss er immer noch funktionieren, weil der süchtige Partner ja mit sich klar kommen muss. Das hat er aber in seiner nassen Zeit auch getan, war egoistisch, hat seinen trockenen Partner im Regen stehen lassen und sich nur auf seine Sucht konzentriert.
    Der trockene Partner sieht Parallelen und bekommt Angst: Angst, dass es ewig so weitergeht, Angst, dass er anstelle eines Partners ein weiteres "Kind" erhält, Angst, dass er niemals seinem Partner Verantwortung abgeben kann.

    Ich muss ehrlich sagen, als ich manche Statements von trockenen Alkoholikern hier gelesen habe, ist mir kurz die Galle hochgekommen.
    Wir Cos wollen euch nicht klein halten, wir wollen nicht, dass ihr in der Sucht stecken bleibt, wir wollen, dass ihr gesund werdet!
    Wenn uns dann ab und zu aus Nichtwissen das Verständnis fehlt, dann redet mit uns, aber vergesst nie, dass wir aus Liebe bei euch sind und nicht weil wir euch unterdrücken wollen! Vergesst bitte niemals, dass wir nicht hellsehen können und auch nur begrenzt belastbar sind - was wir im Laufe eurer Sucht alles eingesteckt haben, solltet ihr euch mal durch den Kopf gehen lassen. Uns dann auch noch "ich hab immer brav gekuscht, als ich noch nass war - das kannste jetzt vergessen" hinzuwerfen, ist mehr als unfair!
    Wir wissen, dass ihr krank seid, wir wissen,das ihr gegen euch selbst kämpft, aber das ihr als trockene Alkoholiker immer noch kein Verständnis oder wenigstens mal ein "Danke,dass es dich gibt" für uns übrig habt, das kann auf Dauer nicht gut gehen, denn auch der trockene Partner hat Rechte, nicht nur Pflichten und ist die meiste Zeit sehr verzweifelt!

    Guten Morgen,

    erstmal vielen Dank für die netten Begrüßungen, die mich in meiner Sichtweise noch bestärkt haben.
    Doch, Meni, mein Mann weiss, dass er krank ist und er wartet nur noch auf den Kostenübernahmebescheid der LVA. Der ging vor 3 Wochen raus und seitdem streiten sich Nord und Süd, wer zuständig ist und haben an Speyer geschickt. Typisch deutsche Bürokratie.

    Er wollte eigentlich in eine stationäre LZT, aber nachdem ich bei Diandra gelesen habe, meine Freundin, die selbst in einer Suchtklinik war, bestätigte, dass die Familie einfach weggeschoben wird, damit man den Patienten bei null halten kann um ihn dann nach den Vorstellungen der Therapeuten zu formen und ich letzte Woche ein beklemmendes Erlebnis hatte, will er nun außerplanmäßig mit der Suchtberatungsstelle einen Termin um auf eine ambulante Therapie mit Besuch der AAs umzuswitchen
    Mein Erlebnis war für mich ziemlich schockierend, beklemmend und ich wusste gar nicht wie ich darauf reagieren sollte. Die Wut kam später:

    Ich bin in der Mittagspause in einen Teeladen gefahren und habe dort eine frühere Klassenkameradin getroffen. Wir haben uns unterhalten, ich habe von der anstehenden Therapie meines Mannes erzählt. Die Inhaberin des Teeladens mischte sich ein und fragte, wo denn die Klinik sei,. Ich nannte Namen und Ort der Klinik und sie sagte, dass diese Klinik gut sei, denn sie selbst wäre dort in der Psychiatrie gewesen (die haben eine Suchtklinik und eine Psychiatrische).
    Ich müsste mich darauf einstellen, dass mein Mann einsehen würde, dass ich an seiner Trinkerei schuld wäre, und mich aufgrund dessen verlassen würde. Das sei einfach so in der Therapie, dass die Patienten endlich (!!) erfahren,warum sich süchtig sind und diese Personen dann endlich(!!) aus ihrem Leben schmeissen. Außerdem sollte ich mal schleunigst selbst in eine psychiatrische Klinik gehen, denn ich hätte meine Familie zerstört und meinen Mann in die Abhängigkeit getrieben.
    POAH !

    Das kam dann wieder hoch als ich Diandras Tagebuch (ich nenns mal so) las.....
    Was bilden die sich eigentlich ein?
    Meinem Mann fiel irgendwie ein Stein vom Herzen, denn er wollte eigentlich gar nicht in eine LZT, sondern meinte, dass die Erfolgsaussichten somit die größten wären....Kann man ihm hier aber klar widerlegen

    Schönen Sonntag! :D

    Hallo,

    ich heiße Heike, bin 33, habe 4 Kinder, voll berufstätig und mit einem Alkoholiker verheiratet.

    Mein Mann trank schon, als ich ihn kennen lernte. Allerdings nur am Abend, dachte ich. Er versuchte eine zeit lang nur jeden 2 Abend zu trinken - damals waren es 4x 0,5 ltr Bier täglich - aber gab das bald auf.
    Es vergingen weitere 2 Jahre bis zur Hochzeit (die Kinder sind nicht seine leiblichen) und 1 Woche vor der Hochzeit fuhr ich nach Paris um mir zu überlegen, ob ich das wirklich will. Eigentlich wollte ich nicht, aber ich wollte ein normales Familienleben, Geborgenheit und die Sicherheit eines Zuhauses.
    Wenn ich so überlege, war ich wohl auch stolz, die erste Frau zu sein, die länger mit ihm als 2 Jahre zusammen blieb und die er heiraten wollte -trotz ihrer 4 Kinder. Und seine Familie war aus Hamburg angereist, was sollten die denn denken?
    Wir heirateten, machten beiden unsere Umschulungen und ich dachte es ginge bergauf.
    Seit 2 Jahren sorge ich allein für unseren Lebensunterhalt, er will gar nicht arbeiten und redet sich damit raus, dass man mit 4 Kindern nicht Doppelverdiener sein kann. Die Kinder sind zwischen 14 - fast 8 und die Kleineren werden in der Ganztagsschule betreut.
    Mittlerweile weiss ich, dass er es auch nicht kann. Er trinkt seit seinem 15 Lj, ist 38 und hat seine Krankheit eingesehen. Er hat sich Hilfe gesucht, die Langzeittherapie ist beantragt, noch nicht bewilligt, aber er hat das Ziel am 2 Januar in Therapie (zuerst Entgiftung) zu gehen.

    Abgesehen davon, hat sich nichts verändert. Er trinkt unverändert, mittlerweile 10x 0,5 ltr am Tag (von denen ich weiss), isst kaum, hat Gedächtnislücken und wird zunehmend verbal aggressiv. Nach außen wahrt er den Schein und geht im Anzug zu seinen Suchtberatungsterminen.
    Er versucht mir Angst zu machen und mein " ich werde es zum positiven regeln, wenn du in Therapie bist" zieht er ins lächerliche. Er versucht mir auch Angst vor seiner Therapie zu machen -> Du wirst es sehr schwer haben, wenn ich weg bin. Es wird nicht einfach für dich mit den Kindern und deinem Job.
    Ich muss tägl 1 Stunde fahren, um ins Büro zu kommen und bin auch öfter mal im Ausland.
    Ich muss dazu sagen, dass ich einmal zu seinem Suchtberatungstermin mit ging und die Dame mir erzählte, dass ich ihm keinesfalls seine Aufgaben wegnehmen darf.
    Also schreibe ich ihm morgens Zettel, was im Haushalt zu tun ist (das Meiste machen die Kinder) und habe ihm die Finanzen überlassen.

    Ich sage es ungern, aber ich bin froh wenn er weg ist. Ich habe gestern erkannt, dass ich auch Hilfe brauche, denn ich bin co-abhängig.
    Diese Erkenntnis hat mich ziemlich getroffen, denn eigentlich habe ich immer gedacht, ich sei nicht betroffen. Ich sehe es aber auch als große Chance, denn ich will nicht mehr immer verheult rumlaufen und mir 5x überlegen, ob ich etwas sagen kann oder nicht. Wir vereinsamen zunehmend, ich habe keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern oder Freunden und ich habe beschlossen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
    Ich weiss zwar nicht, wie es ausgehen wird, aber es kann nur besser werden.
    Ausschlaggebend war, dass ich durchgesetzt habe, dass ich anteilsmäßig schon im Nov Weihnachtsgeschenke kaufe und er mir vorwarf, dass es ja unbedingt nötig war, jetzt schon zu kaufen (wir reden über 70 EUR) und das wir deshalb diesen Monat pleite sind.
    Ich habe mit " Es ist bezeichnend, dass wir weder 38 EUR jährlich haben um den Hund zu impfen (wäre jetzt dran gewesen und ist auf Dez verschoben) oder 80 EUR für Weihnachtsgeschenke jährlich, aber wöchentlich 60 EUR für Bier und Zigaretten!" geantwortet.
    Ich rauche und trinke nicht und wenn ich nachdenke, fällt mir auf, dass immer Geld für Zigaretten und Alkohol da sein muss -egal, ob die Kinder oder ich andere Sachen benötigen. So langsam kommt der Ekel vor ihm und das macht mir Angst.
    Ich habe ihm gestern abend gesagt, dass ich es nicht mehr toleriere, dass wir 5 unter seinen Süchten leiden und dass es zukünftig so sein wird, dass wir erst die Dinge, die nötiger sind kaufen werden, als seine Suchtmittel. Er meint, ich sei arrogant.

    Ich will kein Mitleid, denn ich bin an meiner Situation selbst schuld - ich hätte nur gerne den Austausch, denn ich bin zwar nach aussen hin stark, aber ich weiss innerlich nicht, ob ich das alles richtig mache.
    Danke fürs zuhören!

    Grüße
    Heike