Hallo Meni, schönen guten Morgen,
ich habe diesen ganzen Threat gelesen und musste manches Mal wirklich ganz ungläubig mit dem Kopf schütteln.
Vorher muss aber noch was raus: TOLL, dass du schon so lange trocken bist - du kannst sehr stolz sein!
Ich erzähle dir jetzt eine Geschichte, einmal als Betroffene und einmal als Co.
Ich habe vor 11 Monaten mit dem rauchen aufgehört. In meinem bevorzugten Selbsthilfe NR Forum habe ich sehr viel Unterstützung erfahren, anderenfalls hätte ich es nicht geschafft. In diesem Forum sind auch viele trockene Alkoholiker, die die Nikotin- und Alkoholentwöhnung gleichstellen, manche sagen, das Nikotin schlimmer sei -nu ja, ich will das nicht kommentieren,ich habe nämlich keine Ahnung.
Als ich aufhörte zu rauchen, fiel es meinem rauchenden Mann zunächst nicht auf. Er rauchte überall, in der gewohnten Menge (60 ca) und völlig rücksichtlos: "Was kann ich dafür wenn DU nicht mehr rauchen willst?"
ich weiss noch, wie sehr ich mich darüber aufgeregt habe und wie unverstanden und allein gelassen ich mich fühlte.
Dann weiss ich auch noch, wie man das Gefühl hat, dass man total verblödet und wie der Suchtdruck auf einmal wieder hochkommt, aus dem Nichts, einfach so.... und man kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Ich habe mir dafür eine humorvolle Redensart ausgedacht: Dein Hirn verar*scht dich.... das ist alles subjektiv und nicht objektiv ...lass es erstmal reifen und denk dann drüber nach....
Du wirst lachen, es hilft. Ich denke, dass die Mechanismen in diesen beiden Süchten, die ja direkt aufs Belohnungszentrum im Hirn einwirken, ziemlich gleich sind. Als Nichtmehrraucher (NR bin ich in einem Monat) schlug mir der Neid der noch rauchenden entgegen und sie versuchten, mich klein zu halten....schaffste ja doch nicht....als sie merkten, dass es mir ernst ist, wurde mehr Rücksicht geübt.
Mein Mann raucht nur noch im Büro und nimmt sich wirklich sehr zurück. Ich denke, das muss sich erstmal einspielen und wird gerade am Anfang des Entzugs emotional zu hoch eingestuft. Ich denke keinesfalls, dass er es böse meint oder dich kleinhalten will - es wird dir nur so vorkommen.
Die andere Seite des Co: Du musst als Co wirklich gut organisieren und vertuschen. es ist nicht nur die Lügerei. Am schlimmsten ist, es einem geliebten Menschen bei der Selbstzerstörung zugucken zu müssen und nicht helfen zu können. Als Co schwankst du zwischen Vertuschung nach außen und vor den Kindern, der Erhaltung der Familie, der finanziellen Gratwanderung, der Übernahme der Pflichten des kranken Partners und gleichzeitig darf es nicht nach außen dringen, den Anforderungen deiner Berufstätigkeit (da darfste auch nix sagen, von wegen befristeter Vertrag, usw, kenn ich) und er zunehmenden Isolierung, weil du es nicht mehr verbergen kannst. Und zusätzlich musst du mit dir auch noch klar kommen....
Das funktioniert so lange der Partner nass ist. Ist er trocken, wird der Co, der sich in die Sucht und die Mechanismen nicht einfühlen kann, denken: "Juchhe, endlich habe ich einen Partner und kann mich auch MAL anlehnen"...weit gefehlt, nun muss er immer noch funktionieren, weil der süchtige Partner ja mit sich klar kommen muss. Das hat er aber in seiner nassen Zeit auch getan, war egoistisch, hat seinen trockenen Partner im Regen stehen lassen und sich nur auf seine Sucht konzentriert.
Der trockene Partner sieht Parallelen und bekommt Angst: Angst, dass es ewig so weitergeht, Angst, dass er anstelle eines Partners ein weiteres "Kind" erhält, Angst, dass er niemals seinem Partner Verantwortung abgeben kann.
Ich muss ehrlich sagen, als ich manche Statements von trockenen Alkoholikern hier gelesen habe, ist mir kurz die Galle hochgekommen.
Wir Cos wollen euch nicht klein halten, wir wollen nicht, dass ihr in der Sucht stecken bleibt, wir wollen, dass ihr gesund werdet!
Wenn uns dann ab und zu aus Nichtwissen das Verständnis fehlt, dann redet mit uns, aber vergesst nie, dass wir aus Liebe bei euch sind und nicht weil wir euch unterdrücken wollen! Vergesst bitte niemals, dass wir nicht hellsehen können und auch nur begrenzt belastbar sind - was wir im Laufe eurer Sucht alles eingesteckt haben, solltet ihr euch mal durch den Kopf gehen lassen. Uns dann auch noch "ich hab immer brav gekuscht, als ich noch nass war - das kannste jetzt vergessen" hinzuwerfen, ist mehr als unfair!
Wir wissen, dass ihr krank seid, wir wissen,das ihr gegen euch selbst kämpft, aber das ihr als trockene Alkoholiker immer noch kein Verständnis oder wenigstens mal ein "Danke,dass es dich gibt" für uns übrig habt, das kann auf Dauer nicht gut gehen, denn auch der trockene Partner hat Rechte, nicht nur Pflichten und ist die meiste Zeit sehr verzweifelt!