Hallo Morgenrot
Ah, ich wollte mein Mann hätte es auch schon verstanden! Er geht wie schon gesagt bloß aus gesundheitlichen Gründen und weil er sonst wohl seine Arbeit verliert (wo er schon 2,5 Jahre krank geschrieben ist). Also hat er auch Druck von außen, was ihn anscheinend doch (noch) etwas beeindruckt.
Ja, es ist eine Klinik für Alkoholkranke, also kommt das Thema zum Glück schon mal auf den Tisch. Allerdings weiß ich nicht, ob er sich auch seine Schmerzmittel "nehmen" lässt, welche leider nicht ganz ohne sind. Die bringen ihn nämlich hoch, wenn er doch Mal einen Termin wahrnehmen muss. Aber auch sonst. Er nimmt drei mal täglich eine, daneben noch Bluthochdruckmittel und Wassertabletten. Er geht zu zwei verschiedenen Ärzten (der eine für Wasser-und Bluthochdruckmittel, der andere für Schmerzmittel für mittelstarke bis starke Schmerzen). Natürlich wissen beide nichts voneinander. Ich fühle mich gerade zutiefst schuldig dass ich ihn das machen lasse, aber wenn ich ihn verpfeifen würde, dann würde er mir das nicht verzeihen und ich verliere ihn endgültig an seine Süchte. Das ist mein großes Dilemma, da heißt es immer man kann nichts tun als Angehörige und dennoch gebe ich deshalb mir die Schuld, dass er so weitermacht. Natürlich habe ich ihm immer und immer wieder gesagt, wie gefährlich das mit den ganzen Medikamenten und dem vielen Alkohol ist, aber er sagt dann immer bloß, daß er das selber wisse und ja dran sei, was zu ändern. Was soll ich darauf denn noch sagen.. überhaupt läuft jedes Gespräch darüber nur noch ins Leere. Er kann es schon nicht mehr hören und ich habe es inzwischen aufgegeben, diesbezüglich zu ihm durchdringen zu wollen. Was mir natürlich auch egoistisch von mir vorkommt, weil es mir das Gefühl gibt, ihn so im Stich zu lassen. Vom Kopf her weiß ich, daß das nicht stimmt. Dass ich ihn aber zu seinen Ärzten fahre und ihn sein Bier kaufen lasse, wenn wir einkaufen fahren, stürzt mich in schwere Gewissenskonflikte. Ich habe mich einmal geweigert, da dass er dann im Keller, gleich, schwitzend und zitternd und wäre beinahe kollabiert. Das hat mir doch eine Heidenangst gemacht. Die Verantwortung dass er dann plötzlich noch Krampfanfälle kriegen könnte, weil ich streike kann ich nicht tragen. Ich würde mir nie verzeihen, wenn er meinetwegen in lebensbedrohliche gesundheitliche Zustände kommen würde, oder schlimmeres. Einmal musste früher schon mal der Krankenwagen kommen, Kreislaufprobleme, hieß es. Später hat er mir dann gesagt, daß er versucht habe, nichts mehr zu trinken.
Ich muß ihn fahren, weil sein Körper das ganze Zeug braucht und ich auch gar nicht weiß, was ich anderes tun soll. Bitte glaube mir, ich habe wirklich alles versucht, was mir im Laufe der ganzen Zeit so eingefallen ist - geholfen hat gar nichts. Ich vermute einmal, du kennst das bestimmt selber auch von dir. Ich bewundere dich übrigens sehr dafür, dass du dreißig Jahre durchgehalten hast!! Und dieses Hoffen und Bangen ist auch eine Tortur. Im Moment bin ich wieder am Hoffen, allerdings mit einem ziemlichen
Kloß im Hals, denn ich bin inzwischen schon etwas realistischer geworden.
LG Mili