Beiträge von Ute55

    Hallo,

    ja - ein Tanz auf dem Vulkan - genauso kann man das beschreiben.

    Diese Woche war hier rein gar nichts mit Alkohol und man könnte meinen, die Ausrutscher vorher hätte es nicht gegeben. Aber ich weiß auch ganz genau, dass das nächstes Wochenende wieder ganz anders aussehen kann.

    Das ist wirklich immer das Schlimme, diese ewige Ungewissenheit, das Vertrauen geht komplett verloren und dann weiß man nie, wie es ausgeht, wenn derjenige getrunkten hat. Läuft es ruhig ab oder gibt es doch heftigen Streit mit heftigen verbalen Verletzungen.

    Genauso...wie ein Tanz auf dem Vulkan. Wie Brigitt sagt, die Stimmung kann von der einen auf die andere Sekunde umschlagen.

    Wo man dann auch wieder bei den 2 Persönlichkeiten wäre..

    Liebe Feli,

    habe gerade nochmal deine Beiträge gelesen und mich in so vielem wiedererkannt. Vor allem der Satz, man solle sich doch selbst mal untersuchen lassen. Das ist doch eine verkehrte Welt. Man könnte meinen, dass der Alkohliker des Öfteren 1:1 seine eigene kranke Welt dem Gegenüber überstülpen will. Manchmal überlege ich, ob er wirklich schon von seinen Aussagen so überzeugt ist und selbst glaubt, er würde nichts trinken (lallend vor einem stehend)- oder aber ob es wirklich nur Selbstschutz, Manipulation oder sonst was ist.

    Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß - jeder hat seine eigene Geschichte mit unterschiedlichen Umständen und Voraussetzungen, aber ich glaube, die Erkenntnis, selbst nichts am Alkoholiker ändern zu können und der Wille zur eigenen Veränderung sind der erste wichtige Schritt.

    In dem Zuge hilft das Reden innerhalb der Familie/engste Freunde ungemein.

    Mir hilft dieses Forum auch enorm, selbst wenn man nur mitliest - ich denke hier kann jede etwas für sich mitnehmen.

    LG,

    Ute

    Hallo Vierauge,

    vielen Dank für deine Antwort!

    Es ist wirklich erschreckend, dass sich die Geschichten hier wirklich nahezu alle mehr oder weniger ähneln. Man denkt irgendwie immer, dass jeder andere sich mit solchen Problemen nicht auseinandersetzen muss - aber dem ist ganz und gar nicht so.

    Man durchläuft wirklich verschiedene Phasen, das ist alles ein richtiger Prozess. Bei mir war es zumindest wirklich so, dass ich das Ausmaß sehr lange in der Anfangszeit nicht wahrhaben wollte, vertuschen wollte und mich selbst froh geredet habe. Mit der Zeit (ich meine hier viele, viele Monate) habe ich angefangen, mehr über das Thema Co-Abhängigkeit etc. zu lesen. Ich glaube der wichtigste Schritt ist erst einmal das Schweigen zumindest innerhalb der engsten Familie zu brechen, weil damit eine riesen Last von einem fällt. Auch habe ich angefangen, mich selbst wieder in den Mittelpunkt zu stellen und mir mehr Gutes zu tun. Allerdings liest sich alles immer so leicht, die Umsetzung ist selbst bei den banalsten Dingen schwer, wenn ansonsten der Alkohol immer an 1. Stelle gestanden hat.

    Ich selbst dachte, dass das Thema mit dem Alkohohl hinter uns liegt, da er 2 Jahre nichts mehr getrunken hatte und wirklich fast alles so war, wie vorher. Ein scheinbar geregeltes, normales Leben ohne Angst, wie er nach Hause kommt, wie schlimm der Streit wird etc.

    Nun gab es aber einige Situationen nach dieser langen Zeit, wo ich schon dachte, dass hier etwas nicht stimmt - und es war sogar oft mehr als offensichtlich. Ich meine, wenn jemand nach Alkohol riecht, sogar lallt und schwankt und dann einem noch erzählen will, was man denn will, er trinkt nichts mehr :?! Da habe ich wirklich an meinem Verstand gezweifelt - aber auf der anderen Seite behaupte icht, dass jeder Partner/-in hier auf 10 Meter Entfernung weiß, ob gesoffen wurde oder nicht. Es ist doch eine Schande nach einer so langen, trockenen Phase ist, dass nun am Ende wieder alles kaputt geht - aber da er ja vehement alles abstreitet, wüsste ich nicht, wie man hier wieder das Ruder rumreißen könnte.

    LG

    Hallo zusammen,

    ich lese schon einige Zeit die Beiträge von Angehörigen mit und möchte nun auch selbst diese Chance zum Austausch gerne nutzen. :)

    Ich habe bereits einige Jahre viele Hoch und Tiefs mit meinem alkoholabhängigen Partner durchlebt und konnte auch bereits im engsten Familienkreis mittlerweile über das Thema sprechen (was ich auch lange vorher so nicht getan habe - die Phase des Verheimlichen und Schönredens ist vermutlich fast allen bekannt..), dennoch ist es ein großer Unterschied sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder einfach "nur" gute Zuhörern zu haben, welche sich nicht wirklich in die Situation hineinversetzen können. Man hat leider doch immer wieder das Gefühl sich rechtfertigen und erklären zu müssen. Wobei man den unerfahrenen Zuhörern keinen Vorwurf machen darf, wenn ich ehrlich bin, hätte ich vor paar Jahren auch nie geglaubt, dass das Thema Alkohol sich so immens auf zweier Leben auswirken kann.

    Vor allem, wenn der Alkoholabhängige 2 Gesichter hat - nüchtern oder unter Alkoholeinfluss. Ich bekomme es immer noch nicht zusammen, wie sich ein Mensch so verändern kann und nichts mehr mit der eigenlichen Persönlichkeit gemein hat, so lügen kann, wenn es um das Thema Alkohol geht, ansonsten aber eigentlich das Gegenteil ist - oder zu sein scheint. Man zweifelt irgendwann selbst am eigenen Verstand, obwohl man instinktiv genau weiß, dass man richtig liegt.. Und das sollte doch wirklich nicht passieren.

    Ich freue mich auf den Austausch!