Beiträge von Timster

    Hallo Superman,

    mein persönlicher Tiefpunkt war der, an dem ich gesehen und mir eingestanden habe - ich bin Alkoholiker. Ich hatte noch keine massiven Entzugserscheinungen, als ich mit dem Trinken aufhörte. Ich hatte meine Arbeit noch, ich hatte meinen Führerschein noch, ich bekam noch Geld vom Automaten, ich hatte noch Essen im Kühlschrank und meine Wohnung. Ich schreibe 'noch' überall dabei, weil in fünf, zehn, fünfzehn Jahren das ganze anders ausgesehen hätte, da bin ich mir sicher. Und ich hatte noch etwas, nämlich einen riesigen Haufen Unzufriedenheit.

    Für mich ist der persönliche Tiefpunkt der Initialzünder, an dem ich etwas in meinem Leben verändern will und nicht nur will, sondern auch etwas dafür tue. Dafür braucht es grundlegende Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Um das zu dann wirklich zu machen, mich zu ändern, muss eine wirkliche, dauerhafte (!) Bereitschaft dazu da sein und wann diese Bereitschaft da ist, das ist bei jedem unterschiedlich. Der eine "begreift" das schneller, der andere muss erst noch Runden drehen, um zu sehen, dass das bisherige Verhalten falsch ist/war. Dieses Einsehen und Begreifen kann durch dramatische Lebenssituationen ausgelöst werden (dem Tod von der Schippe springen, Partnerschaft geht in die Brüche, massive Krankheit,...), bei mir war das Gott sei Dank nicht so. Der Knackpunkt ist dann, ich will etwas verändern, aber ich weiß nicht genau wie das geht. Und da ist das Forum eine große Hilfe, weil man hier sieht, was man wirklich tun muss, um stabil trocken und zufrieden zu werden. Man kann das auch in einer Therapie herausfinden und erlernen, was alles geändert werden muss. Nur nicht mehr trinken reicht nicht, sondern es muss dann auch etwas geändert werden, weil mein bisheriges Verhalten mich in die Alkoholsucht hineingetrieben hat. Verhalte ich mich weiter so wie bisher und lasse nur den Alkohol weg, dann wird das nicht lange dauern, bis ich wieder so unzufrieden bin, dass ich von allem weg will.

    Dein Thread heißt "abhängig?" und ich glaube, du fragst dich ob du wirklich alkoholabhängig bist. Wie White schon geschrieben hat, steht da ein Hintertürchen offen. Das ist an und für sich erstmal nicht schlimm, wenn du es zu machst und dir selbst ehrlich sagst, weil du weißt "Ja, ich bin alkoholabhängig". Dazu braucht es keinen großen Knall, zumindest nicht zwangsläufig.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Meni,

    das wir hier schreiben um Mitleid zu erhaschen, ist sehr kurzsichtig gedacht und geht am Kern der Sache vorbei. Der Kern ist für mich, dass ich hier lerne trocken zu leben. Ich bin hier, um etwas in mir und in meinem Leben zu ändern und das ist eben nicht so einfach, wie mancher das gerne mal von sich gibt. Das klappt gut mir dem Lernen bei mir. Es gibt hier genügend Mitglieder und Mods, die klipp und klar schreiben "red nicht rum, sondern geh los und ändere was", wenn man hier Postings reinstellt, die nur dem Selbstmitleid dienen. Wer dann nur hier ist um Mitleid zu bekommen, der wird entweder Streit vom Zaun brechen, oder verschwinden.

    Auch bin ich ein Mensch und manchmal brauche ich Trost. Nur die Leute, die immer alles alleine machen müssen (nicht wollen), meinen Trost wäre eine nicht duldbare Schwäche, was jedoch Unsinn ist. Ich bekomme hier Trost allein durchs lesen und dem Wissen, mir gehts eben nicht allein so. Aber ich bekomme hier eben auch die Möglichkeit mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo wassolls,

    ich stelle mir meist Fragen, die nach Möglichkeit konstruktiv sein sollen, wenn ich mich mit mir selbst beschäftige. Indem ich mir selber ehrliche Antworten gebe, finde ich heraus in wie weit sich die beiden Personen "wer ich sein will" und "wer ich wirklich bin" unterscheiden. Anschließend kommt dann die Suche nach möglichen Lösungen, beide "Personen" unter einen Hut, nämlich mich, zu bringen. Bei dir gingen mir solche Fragen durch den Kopf:

    Zitat von wassolls


    Wann ich den Kontakt zu meinen wahren Selbst verloren habe, weiß ich nicht mehr. Das mit der Fassade stimmt auch. Warum ich sie trage, weiß ich nicht.

    Das gilt es herauszufinden. Was bringt sie dir wirklich? Wann hast du das evtl. gelernt, dich so zu verhalten und warum? Was kostet dich dieses Verstecken? Was musst du dafür tun, um sie aufrecht zu erhalten? Was sind Alternativen dazu?

    Zitat von wassolls


    Wenn Menschen Probleme haben, denke ich immer sie sollen sich nicht so anstellen.

    Das Problem dabei ist nur, dass ich das auch von mir selbst gedacht habe. Ich mich ernst nehmen? Oh, besser nicht, ist doch alles halb so wild. Stell ich mich doch mal nicht so an, andern gehts ja noch viel schlechter. Und da liegt ein Knackpunkt, weil das ein verweigern von mir selbst war und insbesondere vor meinen eigenen Emotionen. Nehme ich meine "kleinen" Gefühle nicht ernst, nehme ich mich damit nicht ernst. Und weil diese kleinen Gefühle aber verdammt hartnäckig sind und nicht einfach weggehen, bleiben mir eigentlich nur wenig Möglichkeiten mit ihnen umzugehen. Eine davon ist die Flucht. Saufen ist so eine Flucht, funktioniert aber nicht, weil ich nämlich wieder nüchtern werde und somit keinen millimeter weiter gekommen bin. Die bessere Möglichkeit ist sie anzunehmen, sie ernst zu nehmen, aber auch sie zu hinterfragen. Warum gehts mir so, wenn ich in dieser oder jenen Situation bin? Was denke ich da eigentlich? Wie empfinde ich das ganze? Wo habe ich bzw. meine Emotionen eventuell Unrecht, wo haben sie Recht ?

    Zitat von wassolls


    Nach außen hin wirke ich unnahbar und so, als hätte ich keine Probleme. Wenn ich gut drauf bin, dann komme ich bei meinen Mitmenschen gut an. Sie lachen über und mit mir, mögen mich.


    Ja, ich glaube aber du meinst sie mögen dich nur, wenn du gut drauf bist. Dies ist bei Freunden aber nicht so. Die mögen dich nämlich auch, wenns dir nicht gut geht und du Sorgen und Ängste hast. Ich glaube auch, dass du für deine Freunde "da" bist, wenn sie dich brauchen. Vielleicht glaubst du aber du brauchst niemanden, weil das ja Schwäche zeigen wäre?

    Zitat von wassolls


    Ich weiß manchmal nicht, wie ich mich fühle, ob das jetzt echt ist oder...


    ...oder? Wenn Gefühle da sind, sind sie echt. Fakt. Ob sie richtig sind, ist was anderes. Warum sie da sind und was das genau für Empfindungen sind, ist auch etwas anderes. Echt, sind sie aber auf jeden Fall.

    Zitat von wassolls


    Zu meinen Gefühlen habe ich keinen guten Bezug. Ich lerne es langsam, aber bin grad noch so verwirrt. Ein bisschen Kunst hat mir geholfen mich auszudrücken. Aber um mit jemanden darüber zu reden, ist die Barriere zu groß. Das mit der Therapie versuche ich gerade. Deshalb geht es auch so drunter und drüber in mir und ich bin hier gelandet...

    Nimm dir Zeit. Echt viel Zeit. Ich musste erst einmal lernen mit mir selbst geduldig zu sein. Mache ich jetzt schon immer alles richtig? Nein, noch lange nicht, aber ich bin auf dem Weg. Ich bin jetzt 28 und ich habe tausende (!) Tage gebraucht um so zu werden wie ich bin. Wenn ich das ändern möchte, dann sollte ich mir auch viel Zeit zugestehen. Wenn ich meine in einem Monat werde ich zu einem neuen Menschen, dann ist das Utopie und wird nicht in Erfüllung gehen. Das heißt nicht, dass in einem Monat nicht viele Änderungen eintreten können, aber für mich braucht es Zeit, damit sich diese Änderungen auch verfestigen können.

    Wie du wahrscheinlich merkst, ist das alles nicht mal eben so zu managen. Es ist auch sehr anstrengend, aber unwahrscheinlich lohnend. Es kann einem selbst manchmal vorkommen wie eine Qual, aber mir wurde hier mal geschrieben, das diese 'Arbeit' an sich selbst eben keine Qual ist, sondern Erlösung von den Ursachen. Dem kann ich mich nur anschließen und diese Sichtweise ist auch eine große Motivationsquelle für mich.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo wassolls,

    als ich dich gerade gelesen habe, kam es mir so vor, als hätte ich das vor einiger Zeit geschrieben. Drum schreib ich mal was ich so denke. Es steckt eine große Unsicherheit und Angst dahinter, von der du wahrscheinlich nicht weißt wo sie eigentlich her kommt. Für die Menschen um dich herum muss immer alles in Ordnung mit dir selbst sein, so nach dem Motto 'Ich und Probleme? Nein, ich hab keine Probleme'. Der Haken ist nur, es ist kein echtes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen dahinter, weil du selbst nicht sicher weißt wer du bist. Es ist nur Fassade und niemand darf dahinter schauen. Du traust dich vielleicht selbst nicht hinter die Fassade zu schauen. Einzugestehen, das in dir Gefühle wie Unsicherheit, Angst, Verzweiflung und viele andere "unschöne" sind, gelingt nicht. Vielleicht hast du gelernt das man immer stark sein muss und willst das auch gerne sein, bist es aber nicht. Und ums mal zu sagen, dass kann keiner sein und, niemand ist immer stark. Dein Verhalten kommt dir unecht vor, aufgesetzt, vielleicht sogar wie eine Lüge manchmal. Das ist weil du dich anders verhälst, als du dich fühlst. Warum tust du das? Vielleicht hast du Angst davor, diese Gefühle wirklich da sein zu lassen? Hast du einen ehrlichen Bezug zu deinen eigenen Gefühlen? Oder kommst du dir da komisch vor? Niemand bringt einem bei, wie man mit seinen Gefühlen umgehen soll. Aber machen wir uns nichts vor, ich bin ein Mensch und habe damit 24 Stunden am Tag, ob ich wach bin oder schlafe, ob ich das will oder nicht, Gedanken und Gefühle. Und das ist bei allen Menschen so, wie sehr sie sich auch dagegen sträuben mögen. Sowas hat mir nie jemand gesagt, aber es ist Fakt und lässt sich nicht wegdiskutieren. Weil ich nun nicht wusste, wie ich diese Gedanken und Gefühle lenken kann, habe ich getrunken.

    Irgendwo und irgendwann scheinst du dich selbst verloren zu haben. Du weisst nicht wer du wirklich bist. Du machst dir darüber Gedanken wo deine Meinungen, Einstellungen, Gedanken herkommen. Was ist wirklich echt von dir und was ist erlernt und aufgeprägt. Du traust dir und deinen Gedanken sogar nicht mehr ganz, weil diese große Unsicherheit da ist. Genau so ging es mir, als ich anfing zu trinken und dadurch Jahre weggeschmissen habe. Ich bin jetzt seit nicht ganz drei Monaten trocken und finde nach und nach zu mir selbst, wofür ich sehr dankbar bin.

    Um zu sich selbst zu finden gibt es keinen allgemeingültigen Weg. Nachdem man sich selbst verloren hat, weiß man auch oft nicht - wo soll ich denn nur anfangen? Viele nutzen die Hilfe eines Therapeuten, was oft sehr sinnvoll ist. Andere (ich z.B.) schreiben regelmäßig über ihre Gedanken und Gefühle, wobei dafür Ehrlichkeit vor sich selbst da sein muss, wie ich denke. Mir hat es sehr geholfen mir meinen Lebenslauf, so wie er wirklich war - ohne Beschönigungen, ohne Verharmlosungen, sondern nüchtern und klar - aufzuschreiben und mich darin selbst zu sehen. Wie "das" dann alles so gekommen ist und warum, konnte ich dadurch ganz gut erkennen. Das ist allerdings 'nur' ein Anfang für mich gewesen.
    Ich glaube auch, dass dein momentaner Umgang mit dir selbst, also deinen Gedanken, Gefühlen, deinem Körper nicht zum Ziel hat, dass du zufrieden mit dir selbst wirst. So unwahrscheinlich dir dieses Ziel vielleicht im Moment auch erscheinen mag, es ist möglich! Was du dafür allerdings alles angehen musst, musst du selbst herausfinden. Ein Therapeut kann da eine große Hilfe sein.


    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Liebe Meni,

    da ich dich hier oft gelesen und über dich nachgedacht habe, stelle ich nun fest, dass du mir ans Herz gewachsen bist. Darum wünsche ich dir aus vollem Herzen alles Liebe für deinen Start in dein neues Leben. Ich hoffe dich auch weiterhin hier lesen zu können.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Lupe,

    ich glaube du solltest deine Erwartungen und Ansprüche an dich selbst überprüfen. Ich glaube du hast da ein Idealbild im Kopf wie Dinge deiner Meinung nach "richtig" gemacht werden. Ein totales ganz-oder-gar-nicht und je höher deine Ansprüche an dich selbst, desto besser ist das Gefühl für dich, wenn du es geschafft hast (oder denkst du dann, das war ja da mindeste, was du tun konntest?) und desto böser ist das Loch in das du fällst, wirst du deinen eigenen Erwartungen nicht gerecht.

    Bitte "ganz-oder-gar-nicht" nicht falsch verstehen, ich habe mit dem Trinken aufgehört, weil ich Alkoholiker bin. Es gibt für mich beim Alkohol auch nur noch ein ganz-oder-gar nicht. Das ist so, weil ich süchtig bin. Das ich mich jetzt dauerhaft, jeden Tag wieder, für das gar-nicht entschieden habe, ist eng damit verknüpft, dass ich mich, so wie ich bin, angenommen habe und ein schönes Leben führen will. Das kam aber erst nachdem ich mit dem Saufen aufgehört habe. Ich kann mit Alkohol nicht umgehen, aber das bedeutet nicht, das ich mit meinem Leben und vor allem mit mir selbst nicht zufrieden sein kann. Für mich ist das nicht-trinken von Alkohol kein Verzicht, sondern die Grundlage dafür mein Leben auf der Reihe zu haben (und der beste Beweis dafür, dass ich vor mir selbst nicht mehr davon laufe). Was ich mit dieser Grundlage jedoch anstelle, das liegt jetzt ganz allein in meinen Händen.

    Du schreibst du bist ungeduldig mit dir selbst. Deine Erwartungen sind wahrscheinlich immens hoch. Frag dich mal, warum ist das so? Wem willst du evtl etwas beweisen und warum? Wo kommen diese Ansprüche her? Sind die wirklich sinnvoll? Warum ist dir nur ein voll-power-konsequent-durchgezogen gerade mal gut genug?

    Auch das bitte nicht falsch verstehen, um vom Alkohol loszukommen gilt es einen konsequenten Weg einzuschlagen und konsequent zu sein. Ohne das gehts nicht, ich hoffe du weißt du was ich meine.

    Der erste Grund dafür, dass du von einem Extrem ins andere schleuderst, ist, weil du das so willst. Warum willst du das also? Es zwingt dich außer dir selbst wahrscheinlich keiner mehr dieses oder jenes im 200%-Stil durchzuziehen. Wo dieser Wille (oder Zwang?) herkommt, kannst nur du dir beantworten.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Eveline,

    als ich vor knapp zwei Monaten mit dicken Kopp hier ins Forum gestolpert bin, war dein Thread einer der ersten, die ich damals gelesen habe. Und er hat etwas in mir verändert. Dafür möchte ich dir danke sagen und natürlich auch: Herzlichen Glückwunsch zu sechs Monaten Trockenheit !
    Die fünfzig Seiten Leben, die du hier mit uns teilst, helfen vielen, denke ich zumindest. Besonders schön war und ist, dass du so oft von Geduld schreibst, auch wenns nicht immer gelingt sie zu behalten. Für jemanden wie mich, der das trockene Leben erst lernen muss bzw. lernen will, ist Geduld einer der wichtigsten Punkte.

    Das nur mal so als kleiner Zwischenruf, denn du schreibst hier ja für dich selbst, aber für den "Nebeneffekt" anderen damit zu helfen und Mut zu machen bin ich dankbar.

    Ich wünsche dir viel Kraft für deinen anstrengenden Weg.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Jörg,

    du stellst jetzt nach zehn trockenen Tagen fest, dass da noch viele nasse Gedanken im Kopf sind. Das ging mir ähnlich. Mir kam dann langsam sachlich und nüchtern zu Bewusstsein, was ich mir da eigentlich den ganzen Tag so 'zusammen gedacht' habe. Da hat mir das Forum sehr geholfen, weil ich viele ungesunde Verhaltensweisen in meinem Leben angenommen habe - ohne überhaupt mal darüber nachzudenken. Wie sehe ich mich eigentlich selbst und wie gehe ich mit mir und meinen Mitmenschen um? Wie und wer will ich eigentlich sein und wer bin ich aber wirklich - und, gerade bei diesem "Abgleich", wo mache ich mir die ganze Zeit selbst etwas vor? Warum mache ich mir da etwas vor?

    Da schreit eine Stimme "Du willst nicht krank sein". Mach dir da aber selber nichts vor, Alkoholismus ist eine Krankheit. Und wer diese Krankheit hat, kann daran nichts mehr ändern. Punkt. Unveränderliche Tatsache - da kann ich schreien, toben, heulen wie ich will - ich bin und bleibe Alkoholiker. Es ist Fakt, wie es Fakt ist, dass ich blaue Augen habe. Erst unbewusst, dann bewusst ging ich dann den nächsten Schritt, nämlich wie gehe ich damit um? Es gibt da nur eins, dass ich da tun kann und das ist es anzunehmen. Es ist eine unumstößliche Tatsache, ich kann das nicht mehr ändern, dass ich Alkoholiker bin. Wie gesagt, alles schreien, toben, argumentieren, hoffen und diskutieren, wird daran nichts mehr ändern und daher muss ich das annehmen - es führt da kein Weg drumherum oder vorbei, weil ich mich ansonsten immer selbst belügen würde bei der Frage: wer will ich sein und wer bin ich wirklich. Ich weiß, dass ich es nicht mehr ändern kann und weil ich ehrlich zu mir selbst sein muss und vor allem will, will ich diese Tatsache auch ungeschönt, so wie sie ist, annehmen.

    Dieses Annehmen ist allerdings nicht passiv, im Sinne von - oh weh, ich armer, armer Kerl - sondern aktiv, was kann ich dafür tun, damit ich zufrieden werde? Und da geht die Arbeit an sich selbst dann los. Wo stehe ich mir selbst im Wege, wie verhalte ich mich in bestimmten Situationen, wie ernst nehme ich mich selbst, ... da gehts dann ans Eingemachte.
    Das alles dauert aber seine Zeit und kommt erst nach und nach. Aber um den ersten Schritt, nämlich das Annehmen kommt keiner drum herum, wenn man trocken und zufrieden werden will.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Paula,

    es ist doch gut, das "es" nun einen Namen hat und zwar bipolare Depression. Jetzt kannst du das benennen und angehen. Das dein Arzt die Alkoholabhängigkeit eher sekundär sieht, finde ich ziemlich kurzsichtig. Wenn du nämlich trinken würdest, glaube ich nicht, dass eine Chance bestehen würde, die Depression dauerhaft zu heilen. Ich habe auch sehr zu depressiven Ansichten und Gefühlen geneigt, als ich noch getrunken habe. Erst als ich mit dem Saufen aufgehört habe und durch viel lesen hier im Forum, kam ich langsam zu mir. Und siehe da, da gibt es ganz viel, um das ich mich kümmern muss. Und jetzt auch endlich will. Selbstwertgefühl, sich selbst und seine Gefühle ernst nehmen, Prägungen die ich bislang erhalten habe,... Sich um sich selbst zu kümmern ist manchmal sehr anstrengend und die 'Flucht' sich dann lieber um andere zu kümmern, kenne ich auch recht gut, sie führt aber in eine Sackgasse. Diese Arbeit an sich selbst macht auch nicht immer Spaß, aber sie ist wirklich befreiend. Ich wünsche dir viel Kraft und Zufriedenheit für dich.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Annika,

    ich glaube, das Übermut und Überheblichkeit bei mir, als ich noch getrunken habe, ziemlich dicht beieinander waren. Und auch jetzt, nach 2 Monaten, bin ich vorsichtig - damit nicht eins in andere überschwappt. Beide Gefühle sind sich ein wenig ähnlich. Ich meine vor allem die Überheblichkeit gegenüber mir selbst damit, im Sinne von - Ich kann dieses, ich kann jenes, ich kann alles. Ist ein wenig übertrieben ausgedrückt, aber so ungefähr...

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Hans,

    das hört sich nach einer ziemlich brenzligen Situation an, pass jetzt gut auf dich auf. Ich bin auch seit längerem ohne Freundin und das nervt mich ebenfalls. Ich weiß aber, dass ich im Moment auch noch überhaupt nicht bereit bin und noch viel Arbeit an mir selbst habe, bevor ich mich wieder auf andere Menschen einlassen kann. Das macht mir die Sache ein wenig leichter, weil ich dadurch im Moment auch keine Freundin will.

    Das hört sich nach Selbstmitleid an, was du geschrieben hast, aber ist diese Situation wirklich völlig unabänderlich ??

    Zitat von HKS


    aufstehen - schuften gehen um sich Butterbrote kaufen zu können - abends nach Hause kommen, Butterbrote mümmeln - am Wochenende irgendwie alleine die Zeit totkloppen - ab und zu mal Knie- oder Kieferchirurg (meine Zähne sind eine Katastrophe) - und dann nochmal alles von vorne???

    Das liest sich nach "nur nicht mehr trinken" und das reicht ja bekanntlich nicht. Vielleicht ist es ja wirklich nur das Knie und der Ärger dadurch, was dich im Moment so fertig macht - wenns so ist, dann wünsche ich dir, dass das bald verheilt ist.
    Bei Vergleichen mit "anderen" ziehe ich auch immer den Kürzeren, wenn ich nur dorthin schaue, wo andere mir voraus sind. So ist das aber nicht und warum sollte ich mich überhaupt mit anderen vergleichen ? Das führt auf Dauer zu gar nichts, denn es gibt immer jemanden der besser oder schlechter ist und mehr oder weniger auf die Reihe bekommt im Leben - ich bin dabei trotzdem der Selbe.
    Ich bin ebenfalls gerade dabei meine Ziele im Leben neu zu stecken, aber ich will dabei auch realistisch bleiben - mich selbst nicht unter den Scheffel dabei stellen, aber auch keine zwanghafte Überforderung mit abwegigen Wünschen. Das Zauberwort ist für mich dabei Geduld, Geduld, Geduld. Ich wünsche dir, dass du Geduld mit dir hast.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Petter,

    erstmal herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Job. Ich wünsche dir, dass er dir viel Zufriedenheit bringt.

    Hermann hat hier mal geschrieben: Wenn es dir schlecht geht, dann geh in die Gruppe und wenn es dir gut geht, dann renn in die Gruppe!

    Ich hab das zuerst nicht so ganz verstanden, aber man muss ja auch nicht alles verstehen, sondern einige Dinge halt einfach nur machen. Ich hab festgestellt, bei mir gibt es keinen Saufdruck, wenn ich mich richtig glücklich fühle. Aber ich muss vor allem auf das "danach" aufpassen, wenn ich langsam wieder auf das normal-level runterkomme und all die schönen Gefühle eben nicht mehr in der Intensität da sind, wie sie kurz vorher noch da waren. Aber nüchtern kann ich sowas ganz gut in den Griff bekommen. Pass gut auf dich auf und nochmal Glückwunsch zu dem großen Erfolg!

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Meni,

    was auch immer da so schlimm heute war:

    HEUTE trinkst du nicht !
    Lass das saufen sein, Meni. Es wird gar nichts nützen. Null. Du wirst dir morgen sagen, das habe ich auch ohne den verdammten Suff durchgestanden.

    Wie es aussieht spitzt sich das immer weiter zu. Wie weit seid ihr mit der Wohnungssuche? Wann nimmst du dir die Zeit und die Ruhe, die du brauchen wirst, um zu dir zu finden? Ich denke mehr Abstand wird euch beiden helfen, endlich zur Ruhe zu kommen.

    Lass das erste Glas stehen, Meni. Du kannst das.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo liebe Meni,

    ich schreibe, wie immer, was ich denke. Dabei kanns auch passieren, das ich mal übers Ziel hinausschieße. Ich hoffe mein Posting ist sachlich genug geblieben. Meine Perspektive ist eingeschränkt. Ich selbst bin gerade mal zwei Monate trocken und daher, wie du weißt, kein alter Hase - trotzdem, schreibe ich was ich denke.

    Zitat von Meni


    Für mich war die Ausgrenzung schlimm, trotz aller Vernunft, die ich gern wie ein Schild vor mir hertrage, um meine Gefühle zu verstecken. Dass seine Exfrau nun zum zweiten Mal in kurzer Zeit auf "meinem" Platz saß, löste eine Kurzschlussreaktion aus. Blöde, ich weiß... Unsicherheit.

    Das war und ist der Knackpunkt, der dich zum Rückfall führte.
    Warum meinst du, dass sie auf "deinem" Platz überhaupt sitzen kann?
    Wo kommt diese Unsicherheit her?
    Warum bist du in solchen Situationen unsicher?
    Was sind die erlernten Verhaltensweisen, die dabei ablaufen?
    Was sagt dir dabei dein Verstand und was sagt dir deine Seele? Die Vernunft kann nicht über Gefühle siegen, sonst gäbe es keinen Alkoholismus und keine Rückfälle. Die Vernunft ist sehr praktisch, aber vernünftig GEGEN den eigenen Verstand (der ist nämlich nicht das selbe und im Verstand können ganz viele unvernünftige Sachen drin stecken) und GEGEN die eigenen Gefühle (die folgen nämlich dem Verstand in sekundenschnelle - andersrum dauert es meistens ein wenig länger (bei mir zumindest)) zu sein, klappt nicht.
    Warum hat dir dein Gefühl und kurze Zeit später auch dein Verstand gesagt 'Sie verdrängt dich, du bist ausgeschlossen, keiner will deine Meinung dazu wissen, (dann Trotzreaktion) dabei weiß ich sogar vielleicht noch besser als ihr beide was los ist,...'
    Was waren dabei deine ehrlichen Gefühle gewesen und warum meinst du hattest du sie?
    Welche Gedanken kamen dabei auf und wieso kreiselten sie immer, immer, immer weiter in deinem Kopf herum, ohne das du dir gedanklich gesagt hast: 'Stop! Das ist verdammt gefährlich, was ich hier denke!'

    Das alles erstmal zu klären wird dauern. Dabei sachlich und ehrlich bleiben, wird nicht einfach sein. Das kann nicht an einem Tag oder einem Abend durchgedacht werden. Ob du das alleine angehen solltest oder doch lieber mit einem Therapeuten zusammen, der dich dabei 'auf Kurs' hält, weiß ich nicht (ich schreibe es aber dennoch, weil ich mich so damit auseinandersetzen würde). Aber das wären für mich alles Dinge, die ich abarbeiten würde, wenn ich in deiner Situation einen Rückfall gebaut hätte. Durch diese 'Fragerei' Klarheit zu schaffen und zu mir zu finden, ist mein Fundament, das ich mir im Moment baue. Das bedeutet es für mich, mich um mich selbst zu kümmern. Anschließend kann ich mich dann fragen

    Welche Strategien überlege ich mir, um aus so einem gedanklichen und gefühlsmäßigen Strom herauszukommen?
    Welche Strategien überlege ich mir, um so etwas, wie es da geschehen ist, nicht wiederholen zu müssen?

    Zitat von Meni


    Ich habe noch nicht richtig verstanden, was Ihr damit meint, dass ich mich um mich selbst kümmern sollte. Ich lese das immer wieder, kann es aber nicht richtig umsetzen. :( Hier wäre ich für Rat besonders dankbar; denn meiner Meinung nach kümmere ich mich schon viel zu sehr um mich selbst (vielleicht laufe ich dabei auch bloß in die falsche Richtung :evil: )

    Schreibe doch mal als Liste auf, was du alles konkret und regelmäßig für dich und zwar nur für dich tust und anschließend, warum du meinst, dass das schon zu viel ist.

    Ich hab mal gezählt, du hast - in dem Posting aus dem die Zitate stammen - anschließend 11 (!) Personen im einzelnen auf ihre jeweiligen Postings geantwortet. Du versucht jedem gerecht zu werden und aus fast allem etwas herauszuziehen und an jeden zu denken und keinen zu vergessen. Das ist an Input aber viel zu viel, meiner Meinung nach. Das wird so nicht funktionieren, weil du -nachdem du etwas über dich selbst geschrieben hast- gleich wieder an alle anderen denkst.

    Du schreibst auch, dass du viele Wünsche hast. Erinnere dich aber daran, dass der größte Wunsch von ALLEN, der ist, trocken zu werden.
    ALLES ANDERE MUSS sich diesem Wunsch nach Trockenheit und Zufriedenheit mit sich selbst unterordnen. Auch dein Gefährte, auch die Kleine, auch die Ex-Frau. Das soll nicht heißen, herrisch die Befehlshosen anzuziehen und anderen ständig zu sagen, was sie tun und lassen sollen, aber es heißt, dass du zu dir selbst finden willst. Und das jeden Tag aufs Neue. Es kann durchaus sein, dass dabei andere Menschen im Wege stehen. Wie gehst du damit dann um?

    Ich wünsche dir von Herzen viel Kraft für deinen Weg. Ich hoffe, dass du dir richtig viel Zeit nimmst, für dich selbst und sie dir auch nehmen willst.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Meni,

    eine ehemalige Kollegin von mir sagte immer 'Nicht ist schlimmer, als die Ungewissheit'. Damit hatte sie aber nicht unbedingt recht, finde ich, denn den Großteil des 'schlimmen' an der Ungewissheit malt einem ja die eigene Phantasie/Vorstellung/Ahnung. Und man selbst ist ja auch nicht völlig machtlos, in Bezug auf das was passiert, sondern hat viele Fäden selbst in der Hand, wenn auch nicht alle.

    Was ich ganz toll finde, ist das deine gefühlsmäßige Krise "nur" einen Tag gedauert hat und es dir heute wieder besser geht. Die Klarheit von '...ich muss es ohnehin abwarten, da nützt Grübeln überhaupt nichts' hat da bestimmt zu beigetragen. Die Erfahrung von schlechten Tagen, an denen ich mich überfordert, hilf- und machtlos fühle ist für mich auch nicht gerade angenehm. Aber es gibt dann eine Zeit danach, wo es mir selbst wieder besser geht - obwohl die Situation sich nicht grundlegend geändert hat. Die Lilly hat mir mal geschrieben, dass es wichtig ist dann zu sagen 'Ich kann das', ich kann sowas aushalten und es wird wieder besser werden. Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Weg.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    PS: Mir gehts ganz gut, danke. Ich schwimme im Moment ein wenig mit meiner Zeit unter der Woche, aber das will ich in Zukunft besser hinbekommen.

    Hallo Jean,

    ich habe mich auch gefragt - hm...was ist denn für mich aktive Trockenheitsarbeit. Was tue ich aktiv (!) dafür, um trocken zu werden und zu bleiben? Für mich sind die Worte trocken und zufrieden mittlerweile miteinander verschmolzen und die Zufriedenheit, welche ich mir vorstelle, ist die Zufriedenheit mit mir selbst. Bin ich nicht trocken, kann ich keine Zufriedenheit erlangen - bin ich unzufrieden mit mir, mache ich es mir unwahrscheinlich schwer (wenn nicht sogar unmöglich) trocken zu bleiben.

    Die Dinge, die ich für mich persönlich als aktive Trockenheitsarbeit ansehe sind u.a.

    - mich jeden Abend nach der Arbeit in Ruhe zu fragen, wie es mir geht und ehrlich zu Antworten. Mich zu fragen was ist heute passiert? Wie fühle ich mich und wo kommt das eventuell her? Was kann ich realistisch besser machen? Wo sehe ich evtl. Gefahren für mich? Und ehrlich Antworten, also wie ich wirklich bin - nicht was ich gern wäre (das verstehe ich vor allem unter 'auf sich selbst achten'). Ganz wichtig dabei - Geduld.

    - hier im Forum lesen und schreiben und darüber nachdenken

    - ernsthaft das Gitarrespielen üben

    - mir meinen Tagesablauf zu strukturieren (ansonsten krieg ich vieles nicht auf die Reihe - bin da aber grad am Anfang und noch am Optimieren)

    - mir kleine Belohnungen und "schöne Dinge" zu gönnen. Z.B. hab ich mittlerweile einen Berg an Teesorten zur Auswahl - hatte zuerst Fruchtcocktails versucht, vertrags aber nicht vom Magen. Dann mehr auf mein Essen zu achten. Mich einfach mal für ein halbes Stündchen aufs Ohr hauen.

    - die Wohnung aufräumen und sauber halten zählt für mich dazu, mir ein schönes Umfeld aufzubauen.

    - mir jeden Morgen vorm Spiegel zu sagen, Timster, Alkoholiker - heute trinke ich nicht.

    - auf Erfolgserlebnisse ehrlich stolz zu sein, ohne den Hintergedanken 'Ja, ja, andere hätten das auch hinbekommen'

    - mich fragen wie es mit meinem Selbstvertrauen bestellt ist und warum das so ist (sowohl bei starkem wie mangelndem Selbstvertrauen - das schwankt bei mir nämlich noch)

    - mir kritisch meine Gedanken 'anzuschauen' - welche Gedanken, die ich habe sind wirklich richtig, wenn ich bewusst und nicht nach erlerntem Schema F über eine Sache nachdenke. Auch welche Gedanken mir gefährlich werden können und wie sehr ich diese Gedanken zulasse und wie stark sie sich mir aufdrängen. Auch hier nach Gründen dafür zu suchen.

    Die Liste lässt sich bestimmt noch um einige Kilometer erweitern, aber das sind für mich alles Dinge, die zum Ziel haben, das ich mit mir Selbst zufrieden werde und das stärkt meine Trockenheit (die wieder die Grundvoraussetzung für meine Zufriedenheit ist). Das alles ist sehr zeitaufwendig und geht oft nur langsam voran. Das schöne an dieser Langsamkeit ist, dass ich auch Geduld erlerne. Geduld, Geduld, Geduld sag ich mir. Ich bin sehr froh, dass mir meine Trockenheitsarbeit Spaß macht. Der Micha hat mal sehr schön geschrieben, dass man diese Arbeit als das begreifen kann, was sie eigentlich ist: nämlich keine Qual, sondern endlich Erlösung von den Ursachen. Für mich ist diese Sichtweise auch ein Schlüssel zur inneren Bereitschaft und Motivation für diese 'Arbeiten'.

    Leider vergesse ich manchmal auf das eine oder andere zu achten (was oben in meiner Liste steht), und komme dann ratzfatz an einen Punkt wo ich merke - hm, irgendwas stimmt grad nicht, was ist mit mir los? Das Forum hier führt mich dann oft wieder zu mir selbst und meiner Arbeit an mir.

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Trockenheitsarbeit !

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Meni,

    du liest dich wirklich gut. Ich glaube es bewegt sich langsam etwas ganz grundlegendes und generelles in dir. Was du über Rechte und gegenseitigen Respekt gesagt hast finde ich sehr gut. Ich muss darüber erstmal nachdenken. Ich wünsche dir, dass du dein Selbstvertrauen weiter wachsen lässt.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Kirsi,

    die Situation die du da beschreibst - genau davor habe ich auch einigen schiss. Wenn auf einmal irgendwer, der mir nicht nahe genug steht, um mich bei einem offenen Gespräch auch richtig beurteilen zu können, meint mir Alkohol andrehen zu wollen und mit Sprüchen wie 'ach komm, einer geht doch immer...' oder so einem Blödsinn kommt. Auch darum meide ich im Moment Kneipen, Discos, Partys. In Cafes hatte ich solche Sachen bislang zum Glück noch nicht.

    Hm. Es ist dann richtig zu sagen, das war ja nur ein "Fremder", aber runterziehen würde mich das auch, weil ich mich total unverstanden fühlen würde und auch noch nicht ernst genommen (bei einer Krankheit, die ich tot-ernst nehme) - ganz, ganz üble Mischung das. Sowas nagt am Selbstbewusstsein. Ich hoffe aber, dass du weißt, das DU richtig und der Wirt wirklich völlig falsch gehandelt hat.

    Vor deiner Handlungsweise habe ich daher gehörigen Respekt! Finde ich toll, wie du das gemacht hast - auch wenns weh tat. Ich wünsche dir viel Kraft.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Meni,

    toll, dass ihr den Mut und die Klarheit habt, das so durch zu ziehen. Es ist eine Chance zu sich selbst zu finden und da kann man zwar Hilfe für gebrauchen, aber den Weg selbst, muss ich für mich allein gehen. Du schreibst häufig von deinem Gefährten, ich denke weil du ihn liebst und er ein wichtiger Mensch in deinem Leben ist und dir gut tut, klar. Er kann dir deinen Weg jedoch nicht abnehmen. Ich denke auch nicht, dass er deine Essstörung nahezu heile gemacht hat, sondern das er dir "nur" die Möglichkeit eröffnet hat, das DU sie langsam in den Griff bekommst. Genau so, wie er dich nicht "trocken" machen kann. Da gibts nur eine die das kann und zwar Meni. Die oft genannte Zufriedenheit hier, heißt für mich Zufriedenheit mit mir selbst, erst dann mit meiner Situation, dem Leben etc. Ich muss mich sehr viel mit mir selbst beschäftigen, um für mich Zufriedenheit zu erlangen (bin damit aber noch lange nicht fertig :wink: ). Kein anderer Mensch kann das für mich tun. Damit ich mich in meiner Haut wohl fühle, muss ich mich fragen wie ich denke und fühle und warum das so ist und um ganz ehrlich zu sein, da lenken mich andere Menschen im Moment noch zu sehr ab. Auch mein Alltag "übernimmt mich" noch so manches mal. Ich weiß jedoch, dass das eines Tages besser wird und ich auch mit anderen Menschen zusammensein kann, ohne mich dabei selbst zu vergessen oder zu verleugnen. Ich wünsche euch beiden viel Kraft für euren Weg. Ich glaube ihr tut das richtige.

    Viele liebe Grüße,

    Timster