Beiträge von Timster

    Hallo Krümelmonster,

    finde ich stark von dir, dass du den Mut hattest deine "Manschetten" abzulegen und nach Hilfe gefragt hast ! Toll, einfach toll. Ich weiß, wie lange das bei mir gedauert hat, bis ich mir Hilfe gesucht habe und wie schwer ich es mir selbst dabei gemacht habe. Mittlerweile habe ich begriffen, dass Menschen, die sich helfen lassen wenn sie nicht weiterkommen, viel stärker sind als Menschen die immer alles alleine schaffen müssen (aber eben damit nicht weiterkommen). Ich wünsche dir Zufriedenheit für deinen Weg.

    Und ach ja, ich fand das Krümelmonster auch immer am Besten...:wink:

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Krümelmonster,

    ich schneie hier mal einfach so rein, wenn ich darf :D

    Als ich festgestellt habe, dass ich Alkoholiker bin, kam nach kurzer Zeit zuerst die Frage in meinen Kopf - warum wurde ich Alkoholiker und beim weiteren Graben stellte ich mir auch die generelle Frage 'Warum bin ich so?'. Ich habe mich dann abends oft selbst 'auf die Couch gelegt' und mir Gedanken darüber gemacht, wie ich in bestimmten Situationen handel und mich gefragt 'Warum?'. Da kam dann eins nach dem anderen bei mir zum Vorschein u.a. auch ein sehr mangelndes Selbstbewusstsein und -wertgefühl. Ich habe jedoch schnell gemerkt, dass mein reines nachdenken oft lückenhaft ist und auch Verknüpfungen leicht übersehen werden. Das Warum zu klären hilft mir sehr dabei es in Zukunft anders zu machen, denn ich (für mich) muss erstmal wissen wer ich überhaupt bin. Also habe ich mir meinen Lebensverlauf aufgeschrieben. Stück für Stück, Lebensabschnitt für Lebensabschnitt. Da kam dann ziemlich viel 'raus', was mal raus musste. Scheidung, eine ziemlich blöde Erkrankung, nämlich Haarausfall als ich 15 war, Zukunftslosigkeit, Antriebslosigkeit, Depression usw usw. Ich habe langsam ein ganz gutes Bild von mir, wer ich bin und warum ich so geworden bin. Mir hilft das sehr, weil ich mich selbst verstehen kann und damit auch mehr Geduld mit mir aufbringe. Ich beginne langsam zu mir selbst zu stehen, ohne wenn und aber. Ich bin bei Leibe nicht auf alles stolz, was in meinem Leben war (warum sollte ich das auch sein?), aber ich will es so annehmen, wie es nunmal für mich wirklich war, weil das meine Wirklichkeit war. Früher habe ich solche Sätze nur als leere Worthülsen verstanden, weil sie mir nichts gesagt haben - jetzt verstehe ich sie langsam. Hm.

    Du schreibst von Selbstmordgedanken und spielst es danach sofort herunter. Das ist verdammt gefährlich und ein Gang zum Therapeuten ist wahrscheinlich das Beste, was du tun kannst. Ich wünsche dir, dass du zu dir selbst findest und zufrieden mit dir wirst.

    Viele liebe Grüße,

    Timster


    Hallo Jean,

    vorab mal, heute ist mein 50. Tag ohne Alkohol, bin also kein alter Hase.

    finde ich gut, dass du eine so große Freundin des Wortes bist und versuchst so präzise und planmäßig zu sein. Das hilft mir persönlich weiter, weil 'Dinge in Worten auf den Punkt bringen' schon eine gewisse Kunst ist.

    Ich für mich meide die Wörter Richtlinien oder Regeln. Mein persönliches Verhältnis zu diesen Wörter ist nämlich verbunden mit dem Gefühl der Fremdbestimmung. Das führt natürlich früher oder später zu einer Verweigerungshaltung, die mir dann im Wege steht bzw. dazu führt, dass ich mir selbst im Wege stehe. Mir hilft vor allem 'ich will'. Aber du hast ja ebenfalls jeden Punkt auch auf dich selbst bezogen und kommentiert.

    Bei Punkt sechs komm ich allerdings ins Grübeln. Ich breche nicht unbedingt mit allen alten Bekannten, aber mit denen, die NUR Saufkumpane waren. Wer dagegen kein Problem hat auf Alkohol zu verzichten und sich mit mir zum Quatschen treffen will, der ist herzlich willkommen. Ich habe ohnehin nur wenige Freunde und ich empfinde es eher als Bestätigung der Freundschaft, wenn man sich dann weiterhin trifft und eben Tee oder Kaffee oder Fruchtcocktails zusammen trinkt.

    Deinen letzten Absatz fand ich heikel:
    "...ist und bleibt er ein Mensch, den ich mir vertraut gemacht habe und für den ich in einem gewissen Maß verantwortlich bin."
    Zwei (fast gleiche) Fragen dazu:
    1. Woher nimmst du dir das Recht Verantwortung für ihn zu übernehmen?
    2. Warum ist das für dich eine Pflicht für einen anderen Verantwortung zu übernehmen ?

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Wuezel,

    schön, das du wieder da bist. Das mit Zimmer renovieren ist mal ne gute Idee, könnte ich auch mal mit meiner Wohnung machen - vllt. im nächsten Urlaub? Den "99,9%" kann ich zustimmen, sieht bei mir ähnlich aus. Ist zwar noch nicht alles gut, aber es geht mir gut :wink:
    Deinen Mut zu sagen, 'nee Leute, Disco ist erstmal nichts mehr für mich', finde ich auch stark.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Jean,

    schön, das es dir wieder besser geht. Ich hab für mich auch das Spazierengehen entdeckt. Es gibt hier viele Weinberge und da kann ich prima herumwandern. Das macht mir auch den Kopf wieder freier und die Aussicht ist meistens toll. Steht öfters hier im Forum: Wenns einem im Kopf brummt, dann für ne Stunde raus und stramm durch die Gegend laufen - und es funktioniert.

    Ich finde es auch stark von dir, dass du den Mut gehabt hast mit deinen Leuten zu sprechen. Viel mir auch sehr schwer, aber da führt kein Weg dran vorbei und wenn mans gemacht hat, ist man hinterher auch ein wenig stolz auf sich. Ich muss für mich viele Gefühle erst mal wieder neu lernen bzw. den Umgang damit, auch das ich mal stolz auf mich sein kann. Wahnsinn, was man alles durch den Alkohol ersäuft. :roll:
    Das mit dem Belohnen ist auch eine tolle Sache. Meine Belohnung heute war u.a. ein heißer Vanillepudding mit ein paar Pflaumen. Naja, schön das du hierher gefunden hast.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Jean,

    ich denke das, was dir da so weh tut, ist, dass du dich noch nicht von deinem alten Leben verabschiedet hast. Ich schätze mal es ist den Leuten aufgefallen, das du nicht mehr trinkst, aber niemand weiß, das du Alkoholiker bist. Hast du dir das selbst schon eingestanden ? Würdest du ganz offen sagen, Leute ich kann mit Alkohol nicht umgehen und bei mir gibt es nur ein ganz oder gar nicht (und bei "ganz" würdest du alles verlieren), sieht in dir auch niemand mehr einen "Spielverderber", vor allem du selbst nicht. Allerdings erfordert das bei vielen mehr Mut und Kraft als der ständige Kampf gegen den Alkohol. Die Erleichterung hinterher, war bei mir sehr groß. Ich hoffe es steht dir da kein falscher Stolz im Weg.

    Viele Grüße,

    Timster

    Zitat von Tabaluga

    Hallo Timster,
    für mich spielt es her eher eine untergeordnete Rolle, was und wieviel jemand trinkt.
    Ich musste Gott sein dank auch nicht draußen schlafen und bin dennoch Alkoholikerin....
    Alkoholkrank zu sein mache ich nicht fest an der Alkoholmenge, sondern daran, dass ich es nicht lassen konnte, obwohl ich es mir vorgenommen habe, ich habe die Kontrolle über meinen Alkoholkonsum verloren und damit fast mein Leben.
    Auch das "echter" Alkoholiker, wenn auch in " " gesetzt, kribbelt mir in den Fingern....viele Menschen fragen sich, ob sie alkoholkrank sind oder nicht, da noch den Unterscheid in "echt" und "falsch" zu machen ... :wink:

    Tabaluga,
    trockene Alkoholikerin

    Hallo Tabaluga,

    ich stimme dir zu. Ich musste auch nicht draußen schlafen, um festzustellen, dass ich Alkoholiker bin. Ich kann mit Alkohol nicht umgehen und für mich gibt es auch nur noch ein entweder jeden Tag (und damit in letzter Konsequenz den Verlust von allem, auch dem Leben) oder ein gar nicht mehr. Ich will keinen Alkohol mehr trinken und seid 46 Tagen gelingt mir das auch, durch ständige arbeit an mir selbst und durch die Hilfe in diesem Forum.

    Mit dem Posting wollte ich vor allem klar machen, dass kein Unterschied zwischen Bier bzw. Wein und Vodka, Whisky, Schnaps besteht. Die absolut Mengen an Alkohol gleichen sich. Ich wollte damit zeigen, dass insgesamt zwischen "zwei Bierchen" am Abend und einer Flasche Schnaps, auf Dauer kein Unterschied besteht. Ich habe mich über die Mengen erschreckt, als ich mir das mal klar gemacht habe. Du hast recht damit, dass die Menge nicht darüber entscheidet, ob ich Alkoholiker bin oder nicht, sondern mein Umgang damit.

    Ich selbst habe lange gedacht, dass ich "nur" Biertrinker bin. Alkoholiker - so hab ich gedacht - ist doch was anderes. Aber es ist eben NICHTS anderes. Ich hatte meinen Bierkonsum überhaupt nicht mehr unter Kontrolle und mich selbst ebenfalls nicht. Menschen die sich fragen, ob sie nun ein Alkoholproblem haben oder nicht, kann ich nur sagen, dass darüber nicht die Art des Getränks entscheidet und auch nicht die Menge. Ob ich Alkoholiker bin oder nicht, entscheide nur ich allein. Und das muss auch jeder für sich selbst entscheiden.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo zusammen,

    wer zwei Bier jeden Abend trinkt, trinkt damit mehr als 1 Flasche Whisky pro Woche!

    Ich selbst habe meistens Bier getrunken. Am Abend. So nach der Arbeit. 3, 4 Halbe, am Wochenende natürlich mehr und mir häufig gedacht, was ist das schon? Alkoholiker sind doch vor allem die Schnapstrinker. Falsch gedacht. Es ist eine verdammt große Menge Alkohol, die in 2 Litern Bier steckt. Trinkt man 4 Halbe jeden Tag und das über eine Woche verteilt, nimmt man damit eine größere Menge an Alkohol zu sich, als in 2 Flaschen Whisky oder Vodka steckt. Das gilt auch für 1 Flasche Wein am Abend. Wer also zum Altglascontainer geht und seine 6-7 Flaschen Wein da reinschmeißt, und neben ihm steht jemand der 2 Flaschen Whisky entsorgt, braucht nicht zu denken - puh, soweit ist es mit mir ja noch nicht gekommen. Es ist sogar noch mehr Alkohol.

    Es ist recht erschreckend, wie schnell sich die Alkoholmenge "zusammenläppert". Für diejenigen dies interessiert mach ich die Rechnung mal auf:

    Bier hat ca. 5% Alkohol. Das sind 100 mL reiner Alkohol in 4 Halben.
    Whisky hat ca. 40% Alkohol. Das sind 300 mL Alkohol pro 0,75-Flasche.
    4 Halbe jeden Abend, das macht insgesamt 14 Liter Bier und somit 700 mL reinen Alkohol pro Woche. Das ist mehr als in 2 Flaschen Whisky steckt. Wer am Wochenende dann sogar noch ein bisschen mehr hinlangt und 6 Halbe trinkt, ist nicht weit weg von 3 Flaschen "hartem Stoff" pro Woche.

    Wein hat ca. 12% Alkohol. Das sind 90 mL reiner Alkohol pro 0,75-Flasche.
    Vodka hat ca. 40% Alkohol. Das sind 300 mL Alkohol pro 0,75-Flasche.
    Jeden Abend 1 Flasche Wein macht pro Woche 630 mL reinen Alkohol und damit sogar etwas mehr als 2 Flaschen Vodka.

    Naja, was ich damit sagen will, ist, dass man eben kein Schnapstrinker sein muss, um "echter" Alkoholiker zu werden bzw. zu sein. Das ist keine Zahlenspielerei. Der Satz 'Ach, ich trink doch nur Bier und Wein' kann ein gefährlicher Trugschluss werden, denn die Alkoholmengen sind erschreckend, wie ich finde. Wenn ich mich irgendwo verrechnet hab, korrigiert mich bitte!

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Swiss,

    heute ist Tag 46. für mich, aber ich kann bei mir keine verstärkten Träume feststellen. Vielleicht kommt das ja noch nach. Ich hab das schon des öfteren hier gelesen, dass in der ersten Trockenzeit viel geträumt wird. Mein Reim da drauf ist, dass sich durch den Alkoholmissbrauch viel unbewusster "Kram" ansammelt. Probleme die verdrängt werden, Dinge denen man aus dem Weg zu gehen versucht usw. Alles Dinge die man dann ins Unterbewusstsein abschiebt und sich im wachen Zustand nicht mit beschäftigen will/kann. Ich glaube auch, dass Alkohol die REM- also Tiefschlafphasen beeinflusst, welche sehr wichtig sind. Zum einen für, wie ich mir vorstelle, echte Tiefenentspannung und damit Regeneration des Körpers und zum anderen für die Verarbeitung des wachen Lebens in der Seele.

    Vor ein paar Jahren habe ich mir meine Träume mal aufgeschrieben, weil ich da gerade sehr intensiv und lebhaft geträumt hab. Dann hab ich das irgendwann wieder aufgegeben und mir gedacht - irgendwie, auch Quatsch. Zufällig sind mir dann jedoch diese Traumaufzeichnungen so zwei, drei Monate später wieder in die Finger gekommen und ich hab doch ziemlich gestaunt, denn mir ein wenig Phantasie konnte ich in den meisten eine Metapher finden für Dinge die mich damals beschäftigt haben. Dennoch finde ich Traumdeutung auch recht gefährlich, weil man sich schnell in was verrennen kann und ein Traum auch immer alles mögliche bedeuten kann. Manchmal ist eine Zigarre eben nur eine Zigarre und so :wink:

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Kiki,

    wie schon geschrieben, ist mir das mit straight-edge durch Hermanns Post wieder in den Sinn gekommen. Und genau wie du, hatte ich (bevor ich diesen Artikel bei Spon gelesen hab) noch nie davon gehört. Nach dem was ich bislang darüber gelesen hab, scheint es mir, dass das eine kleine, aber sehr eingeschworene Szene ist. Ich hab auch mal ge-youtubt und einige Konzertmitschnitte gesehen. Holla, die Waldfee. Da gehts richtig zur Sache und ich glaube da kommen viele mit einem blauen Auge aus dem Konzert vom "tanzen". Und dennoch gibt es da keine Schlägereien - absolut erstaunlich, wie ich finde und ich denke, wenn dort getrunken würde, würden da viele Bands nach dem ersten Song zusammenpacken können, weil die Polizei den Laden wegen einer Massenkeilerei räumen müsste.

    Wenn ich später mal Kinder habe und die in die Rebellenzeit kommen, wäre ich nicht unglücklich, würden sie sich zu straight-edge-punks entwickeln. :wink: Ich glaube da gibt es schlimmeres - so kanns gehen. Für mich selbst ist das jedoch zu heftig. Gerade im Moment möchte ich lieber alle Extreme so gut wie möglich meiden.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Kiki,

    herzlichen glückwunsch zu 100 Tagen :!:
    Ich wünsche dir, dass noch viele folgen werden. Für mich war es auch das erste trockene Sylvester seid langer Zeit und ich war allein bei mir zu hause. Hatte zunächst ein wenig bammel, wie ich mich fühlen werde, aber es war ein schöner, trockener Tag und Abend. Auf in ein frohes neues Jahr.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo zusammen,

    heute ist also Sylvester. Ich könnte noch nach B.b. fahren, will ich aber nicht, weil da heute abend heftig gesoffen wird. Das ist nichts für mich. Und ich glaube, da werde ich auch in Zukunft keinen Bock mehr drauf haben. Habe heute alle meine "Erinnerungs-Sauf-Gläser", wie auch je ein Sekt-, Hefeweizen- und Rotweinglas in der Tüte zerdeppert. Jetzt sind die "typischen" Saufgläser alle in der Tonne. Darüberhinaus hab ich auch noch alle Bücher von C.Buk. in kleine Streifen gerissen. Ich hab noch überlegt, sie der Stadtbibliothek zu schenken, aber ich will nicht, dass irgendwer das liest und auch noch denkt, "wow, was fürn krasser, cooler Typ". Denn er war eine ganz arme Sau. Als ich den Papierhaufen gesehen habe, wollte ichs eigentlich noch verbrennen, aber Bücherverbrennung war mir doch zu heftig. Nun liegt das alles in der Mülltonne und es tat irgendwie auch gut.

    Die letzten Tage ging es mir nicht so gut. Bis 39° Temperatur, dazu typische Erkältungsweh-wehchen. Deshalb bin ich auch nicht zum Kreuzbundtreffen gegangen. Das wird erst im neuen Jahr was. Ich bin mir deshalb aber nicht böse, weil es an dem Tag keinen Sinn hatte. Aber, wie ich hier immer wieder - zum Glück - lesen kann, heißt es am Ball bleiben. Im Moment ist es noch neu, dass ich mich nüchtern ehrlich mit mir selbst auseinandersetze. Ich merke jedoch, wie schnell das geht, dass ich den Bezug zu mir selbst verliere und mir Gedanken über alle möglichen Dinge mache, die niemanden einen Schritt weiter bringen. Schon gar nicht mich. Es sind deshalb bei mir (dank diesem Forum) sogar Alarmglocken losgegangen. Ich will auf mich selber aufpassen und jeden Tag an mir arbeiten. Heute ist mir aufgefallen, das das Wörtchen "muss" immer meinen natürlichen Trotz geweckt hat und ich es mir damit auf Dauer auch unmöglich gemacht habe dieses oder jenes Durchzuziehen. Das Wort "will" ist viel ehrlicher und besser.

    Sorry, scheint alles wirr heute zu sein. Wie dem auch sein: danke, dass ihr hier alle da seid und mich weiterbringt.

    Einen guten Rutsch wünsche ich euch allen. 2007 wird endlich trocken und damit spitze !

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Karin,

    ganz schön starker Tobak, den du hier schreibst. Die meisten Antworten gibst du dir ja selbst, dennoch liest du dich sehr verzweifelt. Ich weiß nicht, was du alles schon erlebt hast bzw. erleben musstest, aber ich glaube, man muss da kein Genie sein, um dir einen Gang zum Psychologen zu empfehlen.

    Hm, alles was ich da noch sagen kann, ist, dass es wohl ohne Alkohol ein verdammt schwerer Weg für dich wird, dein "primäres" Problem anzugehen. Jedoch mit Alkohol wirst du gar keine Chance haben und weiter betäuben, verdrängen und unglücklich bleiben. So ist es zumindest bei MIR.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo zusammen,

    So, Weihnachten ist vorbei und es war alles okay. Ich hab meine Mom für drei Tage besucht und es war ein schönes Weihnachtsfest. Allerdings merke ich wie sehr mich sowas noch aus der Bahn hauen kann. Ich muss dazu sagen, meine Mom wohnt 500 km weit weg in der Stadt in der ich groß geworden bin. Da hängen noch einige schlechte Erinnerungen in dieser Stadt, aber es wäre ja auch merkwürdig, wenn immer nur alles eitel Sonnenschein wäre. Dennoch ist es für mich ein ziemlicher Hammer jetzt wieder in meine Realität zurück zu finden. Vor allem das alleine sein, was ich schon sehr lange bin "fehlte" mir. Ich bin noch lange nicht soweit ständig Menschen um mich zu haben. Saufdruck hab ich keinen, aber ich merke, dass es mir nicht gut geht. Zum einen hab ich mir ne Erkältung eingefangen, die mich schwächt. Zum anderen kommen jetzt tatsächlich manchmal starke Angstgefühle auf, dass ich in mein "altes Leben" nur ohne trinken zurückgleite. Wahrscheinlich kommen die auch verstärkt durch meinen Aufenthalt in meiner Heimatstadt, welche ich verängstigt und depressiv damals vor sieben Jahren verlassen habe. Diese alte Angst schleicht sich jetzt wieder an.

    Morgen ist Kreuzbundtreffen. Ich bin gespannt wie Bolle, weiß aber noch nicht ob ich hingehen werde, denn diese Angstgefühle stehen mir gerade ziemlich im Weg. Wäre mein erstes Treffen, daher bin ich ohnehin schon entsprechend aufgeregt. Das Lesen hier im Forum über diese Gruppen macht mir jedoch Mut. Ich hoffe, dass das reichen wird um hinzugehen.

    Sieht ganz so aus, als ob nach der ersten Zeit mit viel Kraft, jetzt der Berg noch einen zacken steiler wird. Obwohl, nee, ich glaube eher, dass ich gerade ein wenig schwächer werde. Damit muss ich wohl auch fertig werden.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo zusammen,

    nach guten kommen auch weniger gute Tage. Im Moment bin ich ziemlich im Weihnachtsstress, auch wenn ich mich ohnehin sehr zurück nehme. Es ist so ein ungutes Gefühl und um das loszukriegen schreib ich einfach mal.

    Nüchtern nehme ich auf einmal all die Dinge war, die wirklich um mich herum passieren. Es gibt auf einmal 1000 Sachen über die ich mir Sorgen machen könnte bzw. die mir im Kopf herum gehen. Das will ich aber gar nicht. Zum einen fahre ich Weihnachten zu meiner Mutter. Das sind immerhin 500 km zu fahren und dort läuft es momentan alles nicht so rund. Ich hab mir überlegt, ob ich überhaupt hinfahren soll, finde jedoch die Alternative - nämlich Weihnachten allein zu Hause - noch schlechter. Hinzu kommt, dass ich dort Menschen wiedersehe, die bis zum Hals in Problemen stecken und mir aber dennoch viel bedeuten. Ich glaube die Ungewissheit wie das alles wird setzt mit im Moment so zu. Meine tägliche Routine ist mir tatsächlich recht lieb geworden. Aber gut, nutzt alles nichts, wenn ich ein schönes Weihnachten haben möchte, dann muss ich dafür auch den Hintern hoch kriegen. Ob es jedoch wirklich schön wird, weiß ich trotzdem erst hinterher.

    Sylvester werde ich auf jeden Fall bei mir zu Hause verbringen. Da hab ich auch nicht so ein Problem mit. Ich weiß zwar, dass die ganze Welt dann auf einmal meint man müsste Party machen, aber genau diese "ganze Welt" verstehe ich nicht mehr richtig. Es ist ja auch gar nicht die ganze Welt, aber leider ist es mir noch nicht gelungen, Leute zu finden die Sylvester alkoholfrei und damit eben wirklich und nicht besoffen feiern wollen. Daher werd ich eben alleine feiern.
    Es ist schon merkwürdig wie lange das gedauert hat, aber mir fällt jetzt endlich selbst auf wie unecht das besoffene Feiern ist. Vor gar nicht allzu langer Zeit waren Partys wo ich nüchtern war, schlechte Partys. Bin ohnehin kein großer Partygänger gewesen. Aber wenn ich tatsächlich mal nüchtern auf einer war dachte ich, mir fehlt die Intensität des ganzen. Der Kontrollverlust, der kick, das gewisse etwas. Hm. Ich glaube ich habe auch oft getrunken um Gefühle intensiver zu erleben. Ich wollte sie ja unbedingt so intensiv wie möglich, egal ob lachen oder leiden. Und wie "schön" hab ich doch gelitten. Man, man, man, alles selbstbetrug. Völlig verzerrt und am nächsten verkaterten Tag war auf einmal alles wieder weg und natürlich kaum mehr nachzuvollziehen. Ich bin wohl doch noch jünger als ich dachte und muss noch eine Menge lernen :roll:

    Viele Grüße,

    Timster.

    Hallo zusammen,

    vielen Dank für euer Feedback :)

    Achte auf deine Gedanken, denn sie sind der Anfang deiner Taten. Ja, das stimmt Lilly - ich hab den Spruch hier in einer Signatur gefunden und muss sagen das ich durch die Nüchternheit überhaupt erstmal meine Gedanken sortieren konnte. Jetzt kommt es mir vor, dass meine Gedanken und Gefühle im Suff gemacht haben was sie wollten und je höher der Pegel stieg, desto blöder, kranker, schiefer usw wurde das ganze. Naja, es kommt mir nicht nur so vor, sondern es war ja auch so. Ich war völlig hilflos und konnte mich weder gegen das eine, noch gegen das andere "wehren". Dazu gehört auch das fast zwanghafte Nachdenken über Probleme anderer Leute und was gut für sie ist. Ein wenig Kontrolle hab ich darüber jetzt erlangt, aber das muss noch besser werden.

    Ich hoffe vor allem, dass ich mich selbst nie wieder so verliere. Da fällt mir gerade so ein Filmzitat ein - keine Ahnung wo ich das aufgeschnappt habe, aber es hieß: Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit. Das trifft wohl auch auf mich zu, wenn ich trocken und zufrieden leben möchte. Ich fühle mich auch ein ziemliches Stück freier. Jetzt heißt es vor allem nicht wieder "einschlafen" und dabei seid ihr mir hier eine große und echt unschätzbare Hilfe.

    Momentan fange ich mit Sport noch nicht an, weil ich rauche (schlechter Grund, gebe ich zu. Hm, wieder so eine Selbstlüge). Das wird auch bald fällig werden damit aufzuhören, aber ich will mich lieber nicht überfordern. Eins nach dem anderen.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo zusammen,

    heute sind es dann also 30 Tage ohne Alkohol. Und soweit geht es mir gut. Ich spüre keinen Saufdruck, gehe Versuchungen aus dem Weg und lese jeden Tag hier im Forum. Soweit, so gut.

    Aktive Trockenheitsarbeit und nur nicht mehr trinken reicht nicht. Dies habe ich oft hier gelesen und konnte zunächst nur wenig damit anfangen. Jetzt weiß ich so langsam was damit gemeint ist und die Dinge werden konkreter. Es gibt wieder Gitarrenuntericht, die Wohnung ist sauber und ich gehe endlich wieder auf Menschen zu. Und ich arbeite an mir selbst. Zumindest versuche ich es. Jeden Abend frage ich mich wie es mir geht und was ich eigentlich empfinde. Warum fühle ich so, wie gehe ich damit um. Das ist sehr zeitaufwändig und ich habe gerade jetzt am Wochenende gemerkt, dass ich mich häufiger mal in Grübeleien versenke, die zu nichts führen. Mittlerweile habe ich auch gemerkt, dass ich seit langer Zeit mich vor allem um die Probleme und Sorgen anderer Menschen gekümmert habe. Immer wieder deren Probleme durchgedacht und "natürlich" auch immer die treffende Lösung parat gehabt. Wie unsinnig und was für ein Selbstbetrug das war, sehe ich nun selbst. Dabei hätte ich natürlich Stein und Bein geschworen, dass ich mich selbst und meine Probleme mindestens genauso gut kenne und natürlich alles im Griff hab. Was jedoch nicht der Fall war/ist. Nasses Denken. Auch mit diesem Begriff konnte ich am Anfang (und da bin ich ja immer noch) nur wenig anfangen und auch hier dämmert es jetzt, was das eigentlich bedeutet. Es scheint mir 100 mal leichter einem Anderen zu "helfen", als an mir selbst etwas zu verändern. Wobei ich mir nicht sicher wäre, ob es echte Hilfe ist, denn momentan brauche ich selbst ja noch jede Menge Hilfe. Damit bin ich nicht allein, wie ich auch immer wieder hier im Forum sehen konnte.

    Ich hatte vor drei Jahren einmal versucht "gesund" zu leben. Also Sport, ein wenig Meditation, gesundes Essen usw. Ich habe damals auch weniger Alkohol getrunken, jedoch nicht bewußt darauf geachtet. Und nach eineinhalb Monaten gings auf einmal los. Fast jeden Morgen wenn ich aufgestanden bin gabs ein neues "Zipperlein". Angefangen von Fusspilz über Augenentzündung, Zahnschmerzen, Verdauungsprobleme, Erkältung usw. Das hat mich tatsächlich zu der irrigen Vorstellung gebracht, mein Schicksal ist es nicht gesund zu leben. Bin dann auch losgegangen und hab mir ne Pizza in den Ofen geschoben und mich erstmal volllaufen lassen. Nasses Denken. Ich schätze mal es hängt viel vom Selbstbewusstsein und dem Selbstwertgefühl ab, aber ich habe auch tatsächlich lange Zeit gedacht für jeden Moment den ich glücklich bin, "sammel" ich einen Moment wo es mir beschi**en geht bzw gehen muss(!). Ich hoffe mal ich komme hier nicht durchgeknallt rüber. Aber das waren tatsächlich meine Vorstellungen. Und damit hatte ich auch immer eine bequeme Selbstlüge, um mich zu besaufen. Langsam löse ich mich zum Glück von solchen Gedanken. Nüchtern fällt es mir leichter bzw. ist es mir überhaupt möglich meine Gedanken unter "Kontrolle" zu halten.

    Es liegt wohl noch viel Arbeit vor mir, aber es geht berauf. Und auch wenn der Volksmund damit meint, dass es besser geht, so muss ich doch feststellen, bergauf ist auch verdammt anstrengend.

    Hm, wenn ich mich selbst so lese, beantworte ich mir auch gerade meine Frage selber, ob für mich eine Therapie sinnvoll wäre oder nicht. :wink:

    Nun denn, das wars erstmal und ich wünsche euch allen
    einen schönen, trockenen 3. Advent.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo zhig,

    ich schätze mal, als Musiker bzw. generell als Künstler, ist es nicht einfach sich ein alkohol-/drogenfreies Umfeld zu schaffen. Habe mir da gerade mal ein paar Gedanken drüber gemacht und im Image von vielen Rock-, Jazz-, Punk-, Funk-, Trallalagrößen (die ich so kenne) spielt Alkohol eine große Rolle. Ich glaube viele unbekannte Musiker laufen diesem Image nach und das prägt leider auch die Vorstellungen und Erwartungen wie ein "echter" Musiker zu sein hat.

    Allerdings gibt es genauso gegenteilige Leute die es "geschafft" haben. Farin Urlaub soll ja (der Legende nach) nur zum Erhalt der ersten goldenen Schallplatte mal am Sekt genippt haben, ansonsten strenger Vegetarier und Antialkoholiker. Ich glaube auch kaum, das Malmsteen, Petrucci, Satriani, Vay und die ganzen echten Gitarrencracks viel von Alkohol halten. Zittrige Finger können die sich nämlich einfach nicht leisten. Und Santana braucht ganz bestimmt keinen Alkohol um sich in einen "Rausch" zu spielen.

    Daher denke ich, dass es auch ohne Saufen gelingen kann ein guter und vor allem erfolgreicher Musiker zu werden. Naja, wird dir wahrscheinlich alles nicht viel weiter helfen, aber ich wünsch dir viel Erfolg.

    Viele Grüße,

    Timster

    Zitat von .Micha

    Aus meiner Sicht entscheidet jeder letztlich für sich, ob er/sie Alkoholiker ist oder nicht. Mich persönlich hat noch nie jemand als Alkoholiker bezeichnet außer ich selbst. Und das ist auch das einzige Kriterium, was für mich zählt. Nur ich kann das für mich erkennen.


    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo Micha,

    vielen Dank für diese klaren Sätze.

    Viele Grüße und natürlich auch von mir herzlichen Glückwunsch,

    Timster

    Hallo Zhig,

    mir hilft das gitarrespielen ungemein um den Alltagsstress ein wenig loszubekommen und das beste ist - endlich keine zittrigen Finger mehr und die Feinmotorik läuft auch viel besser.

    Wünsche dir viel Kraft für den weiteren, trockenen Weg !

    Viele Grüße,

    Timster