Beiträge von Timster

    Hallo Wasted Days,

    bin auch noch frisch dabei. Heute ist Tag 24 für mich und ich trinke heute nicht. Kann dir auch nicht allzu viel sagen über das wie und was. Meine(!) Grundvoraussetzungen für das Aufhören, die ich mir hier durch viel lesen und erste Schritte selber zu gelegt habe, sind für mich folgende. Zum einen - kein Alkohol in der Wohnung. Is ja auch logisch, wenn ich aufhören will, dann kauf ich mir kein Bier mehr. Weiter - auf jeden Fall den Arzt aufsuchen und "die Hosen runterlassen". Es gibt so viele Grade des Alkoholismus und vor allem so schwerwiegende (tödlich) mögliche Entzugserscheinungen, dass man da am besten medizinischen Fachverstand einschaltet. Dann - im Moment beschäftige ich mich viel mit mir selbst und nüchtern ist das etwas ganz anderes für mich. Was denke ich, wie empfinde ich und vor allem, wie kann ich das kontrollieren bzw. damit fertig werden (das wird noch ein ganz großer Brocken). Und - für mich das wichtigste im Moment ist, hier zu lesen. Zur Zeit jeden Abend. Das hilft mir gegen mögliche Langeweile, aber auch um hier Erfahrungen, Ansichten und Wege zu finden. Hinzu kommt das ich mich dadurch ständig sensibilisiere für das Thema und Sätze wie "Ach, komm. Das bisschen tut doch nicht weh" sofort als den Unsinn - für mich selbst! - ansehe, der sie sind. Auch für mich wichtig - Belohnungsriten ersetzen. Hab mir gerade einen Cocktail mit Grenadine, Kirschsaft, Sahne und ein wenig O-saft gemacht. Trotz kaltem Wetter mit Eiswürfeln und es ist echt cool. Ein ernstes Gespräch über das Thema mit meinen (400km weg wohnenden) Eltern hatte ich auch bereits...

    Gibt 1000 weitere Sachen die man noch machen kann und jeder muss seinen eigenen Weg finden - wie gesagt, heute ist auch für mich erst Tag 24 und das ist das was ich im Moment so mache,

    !! zum echten Ratschläge geben bin ich aber noch viel zu "jung" !!

    Viele Grüße und viel Erfolg,

    Timster

    Liebe Meni,

    ich wünsche dir von herzen, dass du durchhälst. Die Situation ist ziemlich beschi**en und wahrscheinlich sind alle Selbstzweifel und -hassgefühle neu angefacht worden. Warum sowas gerade jetzt ?! Verdammt. Schade, dass du von deinem Gefährten keine Anerkennung für das bekommst, was du bereits getan hast. Nämlich trocken zu werden und ein Fundament zu bauen, auf dem die ganzen Träume und Hoffnung, Sprachkurse und Geschichten wachsen können. Du bist ein wertvoller Mensch und ich wünsche dir wirklich, dass du es schaffst.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Stärke. Fühl dich lieb umarmt.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Meni,

    ich hab jetzt gerade den ganzen Thread durchgelesen und einfach nur gedacht: Was für ein bewundernswerter Mensch!

    Das soll keine Lobhuddelei sein oder sowas. Ich bin selbst gerade bei Tag 16 angelangt und merke auch, dass sich viele Türen nach und nach bei mir öffnen und angegangen werden müssen. Darum finde ich das so toll, wie ehrlich und offen du über dich schreibst und auch von den vielen anderen inneren Kämpfen (neben dem großen Kampf gegen den Alkohol). Und auch davon das man oft so ist, wie man gar nicht sein möchte - und genau daran arbeitet. Du machst mir echt Mut.

    Ich wünsch dir schöne trockene 24 Stunden

    Viele Grüße,

    Timster

    Moin Ren_he,

    die Probleme die durch Einsamkeit entstehen, kenne ich auch leider ganz gut. Bin vor vier Jahren wegen einer neuen Arbeitsstelle in diese schöne Stadt hier gezogen und kannte keinen Menschen. Und das ist eigentlich so geblieben. Ich bin häufig recht eigenbrödlerisch und natürlich kommt dann dadurch früher oder später ganz große Langeweile auf. Für das Selbstbewusstsein ist das auf Dauer auch ziemlich schädlich und durch den Suff gab es immer wieder ping-pong Effekte in der Art: Heute sauf ich, weil ich allein bin und morgen gehts mir so schei**e, dass ich keinen sehen will und das immer immer wieder von vorne. Für mich persönlich stellt sich auch die Frage, ob ich nicht in eine Therapie gehen sollte. Die Überweisung zum Therapeuten habe ich hier und hingehen werde ich auch, ob daraus jedoch eine evtl. Therapie wird muss ich erstmal abwarten. Und, auch wenn sich das verdammt blöd anhört, gegen die Einsamkeit gibt es nur ein Mittel und das sind andere Menschen. Der Alkohol bringt einen da nicht einen Millimeter weiter.

    Sorry, dass ich hier anscheinend nur über mich schreibe, aber ich erkenne mich halt echt in deinen Postings wieder.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall Stärke und Durchhaltevermögen.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo,

    heute bin ich also zum Arzt gegangen. Hatte seit gestern abend ein - hm - schwer zu beschreibendes Gefühl. Hab hier noch einiges gelesen gehabt, aber es war schon zu spät für Postings. Bin auch über einen Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung gestoßen und da sind dann auch einige Türen bei mir aufgegangen, was alles noch vor mir liegt. Aber zurück zum Heute. Ich hab dem Arzt halt meine Geschichte erzählt und wir haben ein gutes Gespräch gehabt. Bewusstwerdung, eventuelle körperliche Schäden und natürlich Selbsthilfe. Er meinte eine SHG wäre das wichtigste und beste was man machen könnte, denn - hat er selbst zugegeben - Betroffene haben eine ganz andere Perspektive und Einsicht in die Materie. Hab dann noch eine Überweisung zum Therapeuten bekommen und einen Termin für Blutabnahme und Leberwertcheck. Außerdem hat er mir noch geraten meine -sagen wir- Selbstliebe und Selbststolz, kurz Selbstbewusstsein, zu stärken. Wie ich das angehe, weiß ich zwar noch nicht so ganz genau, aber es gibt halt keinen Schalter, den man umlegen kann und keinen Knopf den man einfach drücken muss, um mit sich selbst im Reinen zu sein. Aber ich hab endlich einen nüchternen Kopf um in mich selbst hinein zuhören und ich weiß, dass das der Grundstein für alles weitere ist.

    Nun gut. Jetzt steht erstmal Gitarrespielen auf dem Plan. Das mit dem vielen Wassertrinken ist übrigens ein erstklassiger Tipp, auch wenns die Abwasserrechnung in die Höhe treibt ;)

    Viele liebe Grüße euch allen,

    Timster

    Hallo Craving,

    ich war heute auch beim Doc und hab ihm erzählt, dass ich ein Problem mit dem Alkohol habe. Bin jetzt seit 12 Tagen trocken. Er hat sich viel Zeit genommen und wir haben auch ganz gut miteinander geredet. Er hat mir jedoch auch gesagt, dass er mir zwar die Adresse und eine Überweisung zu einem Therapeuten - "der da viel Erfahrung hat" - ausstellt, die einzige Lösung für dieses Problem aber in mir selbst zu finden ist. Fand ich zunächst etwas sehr schwammig, die Aussage. Aber was sollte er auch sagen...?

    Das erlernen eines "neuen Lebens" und neuer Lösungsstrategien für Probleme etc. ist wohl für jeden sehr individuell und es gibt hier viele Ratschläge - die man auch beherzigen sollte. Aber diese ganz konkreten Dinge, was für einen selbst passt und was man selbst als aktive Trockenheitsarbeit hier bezeichnet, muss wohl jeder für sich selbst herausfinden. Und für mich ist z.B. das Gespräch mit einem Therapeuten (war ich zwar noch nie, aber es gibt ja immer ein erstes Mal) ganz sicher ein Schritt, den ich als Trockenheitsarbeit ansehe. Ob ich dann eine Therapie anfange, ist natürlich etwas anderes. Aber zunächst mal Hilfe annehmen.

    Viele Grüße,

    Timster

    Hallo Demi,

    toll, dass du das geschafft hast. Ich steh selber auch noch am Anfang und es tut wirklich gut, zu lesen und zu wissen, dass andere Menschen einen ähnlichen Weg gehen wie man selbst. Ich drück dir auf jeden Fall alle Daumen die ich habe :) Werde diese Woche auch noch zum Arzt gehen.

    Viele Grüße

    Timster

    Hallo euch,

    um ganz ehrlich zu sein, ich freue mich sogar auf die Änderung meines Umfeldes. Ich kam ja als "nobody" in diese Stadt. Mittlerweile lebe ich fast vier Jahre hier und habe kaum etwas anderes getan als gearbeitet und eben gesoffen. Immer wieder sind Menschen auf mich zugekommen, aber ich habe immer abgeblockt. Konsens war bei mir immer - die haben ja alle gar keine Ahnung vom "richtigen" Leben. Das war ein ziemlich starkes Wechselspiel von Depristimmung und Saufen. Ob sich bei mir eine ausgewachsene Depression eingeschlichen hat, kann ich kaum sagen - momentan gehts mir sehr gut.
    Ich werde aber diese Woche noch zum Arzt gehen, die "Hosen runterlassen" und einen körperlichen Check machen lassen. Wahrscheinlich wird da auch eine Therapie dran geknüpft werden, mal sehen was da auf mich zukommt.

    Viele Grüße,

    Timster

    Euch allen hier ein ganz großes DANKESCHÖN das es euch gibt und das ihr das hier möglich gemacht habt !!

    Wäre ich nicht über dieses Forum gestolpert, ich würde immer noch besoffen auf der Couch sitzen und denken - ach was, ich trink doch meistens nur Bier.

    Habe heute meine Wohnung nun auch auf komplett alkoholfrei umgestellt. War doch ein kritischerer Moment als ich gedacht habe, aber nun ist alles den Ausguss runter und gegen den Geruch wurde kräftig nachgespült.

    Viele liebe Grüße,

    Timster

    Hallo Rene,

    bin selbst gerade mal bei Tag 8 und somit noch "Frischling". Was mir momentan sehr hilft, ist mir immer und immer wieder zu sagen - Nie wieder Alkohol. Betonung auf NIE. Das ist keine Trinkpause. Es gibt kein Saufen bei Partys mehr und es gibt kein davonlaufen mehr.
    Momentan fühle ich mich körperlich gut, aber gerade vor sowas wie einer Erkältung oder gar Grippe hab ich im Moment richtig schiss. Weil ich mich dann körperlich einfach geschwächt fühle und das überträgt sich auch auf das seelische Empfinden. Und dort kann ich Schwäche im Moment überhaupt nicht brauchen.
    Sorry, dass ich nicht so die richtigen Worte finde, drum kurz und gut:
    Ich hoffe, dass du durchhälst, weil es mir nämlich irgendwann ähnlich gehen wird und ich dann ebenfalls durchhalten will. Ich hoffe das läuft noch unter gesunder Egoismus.
    Darum wünsch ich dir die Kraft fürs durchhalten und dass du dir einen schönen Lindenblütentee machst, 2 Liter Wasser trinkst und dich im Bett so einmummelst, dass es wärmer nicht mehr werden kann - hilft gut gegen Erkältung.

    Viele Grüße,

    Timster

    @ Karsten,

    ich denke mir, dass du meinst es ist gefährlich zu denken, dass (für mein momentanes Befinden) große Teile der Bevölkerung Alkohol trinken. Stimmt - von dort aus kann man in die Gedankenkette von "der trinkt und der auch und der auch und ich (?)" kommen. Momentan bin ich jedoch der Meinung, dass trinken in kaum einer Weise "normal" ist. Vielleicht übertreibe ich da ja auch ein bisschen, wenn ich meine, dass auf einmal überall Alkoholiker um mich herumgeistern. Ganz so heftig ist es nicht. Ich habe mich selbst soweit in die soziale Isolation gesoffen, dass überhaupt kaum mehr Menschen um mich sind. Und das ist auch ein großes Problem von mir, an dem ich jetzt - nüchtern - aber endlich arbeiten kann und werde.

    @ Demi,

    sehe ich genauso. Den Grund dafür sehe so: Ich kenne Leute, die auf einer Party oder einem Sit-in ohne Alkohol den ganzen Abend nur mürrisch in der Ecke sitzen und kaum den Mund aufbekommen (ich zum Beispiel). Wird aber getrunken verschwinden die Hemmungen und Ängste und es hindert nichts mehr "echten Spaß" zu haben. Dann wird jejohlt und alle fühlen sich richtig lebendig. Wie man jedoch seinen Ängsten richtig und vor allem ehrlich gegenüber sich selbst begegnet, dass muss ich wohl auch erstmal neu lernen... Das ganze wird viel Arbeit an mir selbst, freue mich jedoch darüber.

    Gruß an euch,

    Timster

    PS: hoppla, wie die Zeit verfliegt...heute ist nicht mein 7, sondern schon mein 8. tag ;)

    Hallo Doro,

    das das ganze wirklich ein gesellschaftsübergreifendes Problem ist, wird mir auch langsam klar. Discobesuche kommen für mich daher auch erstmal überhaupt nicht in Frage. Dafür ist es noch zu früh und ich hab auch keinen Bock drauf im Moment. Wir hatten hier am Freitag Weihnachtsfeier und wie sowas abläuft dürfte ja klar sein. Eigentlich wollte ich absagen, hab mich dann aber doch als Fahrer gemeldet und bin hingegangen. Ich hab dann mal nüchtern mitbekommen wie saufen eigentlich abläuft. Selbst registriert man das ja überhaupt nicht, wenn man noch trinkt. Und schwupps da waren sie also versammelt: Mädels mit Wirkungstrinken und späterem Schwipps, sonst eher stille Mäuschen aber auf einmal... Dann natürlich die Herren, die einen guten Schnapps immer zu schätzen wissen und später mit ihren armseligen Hammerstories den Dicken spielen wollen...Auch die selber Nach-Hause-Fahrer, die "mit dem Essen doch eine gute Grundlage für ein Glas Wein" geschaffen haben, später aber noch Bier trinken und auch mal den Schnapps probieren müssen...die Rotweinparade...

    Ich werde da ganz bestimmt niemanden direkt drauf ansprechen, denn da hast du recht - es wäre wirklich Zeitverschwendung. Ich weiß gut wie ich selbst darauf reagiert hätte. Vor gar nicht allzu langer Zeit. Naja, werd das ganze mal auf mich zukommen lassen.

    Schönen trockenen Sonntag wünscht dir,

    Timster

    Jetzt also seit 7 Tagen keinen Alkohol mehr und wenn ich mir jetzt mal wirklich nüchtern betrachte wie groß die Rolle des Alkohol und wie allgegenwärtig er ist, reibe ich mir immer wieder die Augen.

    Was mich momentan besonders beschäftigt ist folgendes. Ich habe für mich mein Problem erkannt und habe mir selber eingestanden, dass ich keinerlei Kontrolle über meinen Alkoholkonsum habe und ich Alkoholiker bin. Nun gibt es allerdings recht viele Leute in meinem Umfeld (vor allem auf der Arbeit) bei denen ich ebenfalls glaube, dass sie Alkoholiker sind. Ich wohne in der Pfalz und das weintrinken gehört hier "gefälligst zur Kultur"!

    Ums mal ein bisschen überspitzt auszudrücken: Ich sehe auf einmal überall Alkoholiker! Wirklich kontrolliertes und "Genuss-Trinken" kaufe ich nur noch ganz ganz wenigen Leuten ab.
    Für mich ist Alkohol ein riesen Thema geworden, dass ich in keinster weise mehr verniedlichen, verharmlosen oder gar verherrlichen kann. Natürlich renn ich jetzt nicht durch die Gegend und sage den Leuten - hey, du bist alkoholiker. Dafür habe ich auch zuviel mit mir selber zu tun. Aber es wird auf jeden Fall ein Thema werden in der kommenden Zeit. Sei es auf der Arbeit, sei es in meinem privaten Umfeld. Und ich glaube es werden viele sagen: ach, jetzt komm mal wieder runter, alles halb so schlimm, du übertreibst, warum machst du denn daraus ein Problem etc. Und zwar gerade die Leute, die sich selbst einreden, dass zu einem guten Essen doch eine gute Flasche Wein gehört. Oder zwei. Und einen Schoppen für die Sauce. Ich habe die Befürchtung dann recht schnell aus der Haut zu fahren. Hmm...wie begegne ich solchen Menschen am besten ? Viele haben hier mehr Erfahrung

    Viele Grüße an euch,

    Timster

    Hallo zusammen !

    Heute ist mein 7. Tag ohne Alkohol. Habe mir eine Strichliste an den Kühlschrank gepinnt und will dieses DIN A4 Blatt vollkriegen.

    Noch vor ein paar Tagen habe ich gedacht, dass Alkohol zum Leben einfach "dazu gehört". Wie falsch das war erkenne ich langsam jeden Tag mehr. Angefangen mit dem Trinken habe ich in meiner Pubertät. Die ersten Male besoffen nach Hause gekommen bin ich mit 14 oder 15 Jahren. Habe dann auch die ganze Nacht auf dem Klo verbracht, weil es sich gedreht, gedreht, gedreht hat. Ich wollte dazu gehören und habe mir mein Selbstbewusstsein angesoffen. Später ging es dann los mit dem ersten Job. Musste dafür in eine andere Stadt ziehen und um dort neue Kontakte zu knüpfen gings öfters abends raus auf die Piste. Und wieder saufen bis zum (damals noch) unvermeindlichen Toilettenbesuch. Allein habe ich damals nur selten getrunken. Mochte den Alkohol eigentlich gar nicht. Ein paar "Versuche" welcher Wein zu welchem Essen passt haben mir das auch immer wieder deutlich gemacht.

    Hab dann jedoch, um mich finanziell über Wasser zu halten(Fernbeziehung mit sehr teuren ICE-Fahrkarten), nebenbei angefangen in einer Cocktailbar zu arbeiten. Und nach Schichtende gabs natürlich erstmal 2 oder 3 Cocktails aufs Haus. Das pendelte sich dann bei 3 Abenden die Woche ein. Die Wochenenden waren dazu auch noch nass, wenn ich nicht zu meiner Freundin gefahren bin. Aber das das ganze aus dem Ruder laufen könnte oder überhaupt in irgendeiner Weise gefährlich ist - hab ich überhaupt nicht gesehen. Naja, mit meiner damaligen Freundin gings dann irgendwann auch zu Ende. Gleichzeitig wurde mir ein neuer Job angeboten und ich hab ihn damals angenommen. Ich denke heute, dass ich recht lange an einer verkappten Depression gelitten habe, die mich einfach alles und jeden unerträglich und schlecht und böse hat sehen lassen. Der Alkohol hat das aber immer wieder - völlig unbewusst - in eine Ohnmacht umgewandelt, "weil, man kann ja doch nichts machen...".

    Nun denn. Wieder neue Stadt, neuer Ort, neue Leute. Trotzdem gab es wieder das alte Bier und den alten Wein. Hab dann ein nettes Mädel kennengelernt, sie war Irin und für ein halbes Jahr zu einem Praktikum dort. Und ja, dann gings also richtig los. Jeden Abend Bier oder Wein. Jeden Abends ins Irish Pub. Sie war verdammt stolz auf ihre Trinkfestigkeit und das konnte ich mir ja als Kerl nicht "bieten" lassen. Tja nachdem sie dann wieder zurück nach Irland geflogen ist, saß ich recht allein dort herum und die Abende mit ihr fehlten mir. Sie war nicht mehr da, aber der Alkohol blieb.

    Als nächstes gings dann in die Arbeitslosigkeit. Für neun Monate. Und heute denke ich von dieser Zeit, dass ich dort "richtig" alkoholabhängig geworden bin. Die Idee sich mal zwei Sechserträger mit nach Hause zu nehmen und in 1,5 Tagen durchzuziehen erschien auf einmal richtig verlockend. War ja eh alles so schei**e. Und dann gabs also tagelanges dauerbreitsein. Morgens gings da noch, aber sobald sich langsam der Nachmittag in den Abend wandelte - Zack, Bier auf und dann gib "ihm". Trotzdem hatte ich noch das Glück einen neuen Job zu bekommen und - na klar - wieder neue Stadt.

    Hier gings dann nicht mehr auf die Piste, sondern "gemütlich" zu Hause zulitern. War teilweise sogar "stolz" darauf so "viel" zu saufen. Echte Männer machten das ja so. Heute erscheint mir das unglaublich was für krumme Gedanken man sich durch Alkohol einhandeln kann. Wobei ich da noch vorsichtig sein muss, denn ich habe ja erst seit nun 7. Tagen nichts getrunken. 7 Tage neues Verständnis gegen gut 7 Jahre intensiven Alkoholkonsum.

    Puhh. Das ganze wird eine Menge Arbeit werden, schätze ich. Und genau darum habe ich mich hier im Forum angemeldet. Jetzt, da ich sensibel gegenüber dem Thema Alkohol geworden bin, bin ich abgewechselnd erstaunt, erschreckt und verwundert in wie vielen Bereichen des "normalen Lebens" Alkohol seinen festen und gesellschaftlich anerkannten Platz hat (aber das wird mal ein eigener Thread, glaub ich).

    Sorry übrigens, dass das jetzt alles so lang und ausführlich geworden ist.

    Naja, wenn ihr bis hierhin gelesen habt, vielen Dank dafür.

    Ganz lieben Gruß und trockene 24h.