Liebe Angy,
auch ich bin EKA wie Du. Daher wundert es mich, dass Du deinen Thread nicht bei den EKAs eröffnet hast.
Alles was hier im Bereich der Coahängigen geschrieben wurde ist sicher richtig.
Ich stimme zu, dass die Liebe zu einem Alkoholiker ( oder auch zu irgendeinem anderen Menschen) in der regel keine selbstlose Liebe ist, dass diese Art von selbstloser Liebe in kaum ( oder gar keiner) einer Beziehung zu finden ist, vielleicht bei Eltern-Kind-Beziehungen?. Die Menschen ( auch ich) stecken voller Erwartungen und werden dementsprechend auch immer wieder enttäuscht.
Das zu erkennen ist schonmal ein wichtiger Punkt, finde ich.
Zu selbstloser Liebe zu finden ist sicher noch schwieriger als die Coabhängigkeit zu überwinden.
Du nennst hier Gründe, warum Du Dich nicht trennen kannst, was Dir heir so im Kopf herum schwirrt.
1. Er hat dann niemanden
Frage ist auch: braucht er überhaupt jemanden? Du beschreibst ( und viele andere in ihren threads auch), dass
der XY immer wieder auszeiten hat, wo er sich nicht meldet.
Vielelicht können die ALkoholiker ja mal schrieben, was der Abhängige in diesen Auszeiten macht. Leidet er, denkt er an seine Frau/ Familie, voller Sehnsucht, betrübt... oder trinkt er einfach in Ruhe und genießt dieses gefühl ungestört, unkritisiert seiner Sucht nachzugehen?
Du hast Angst davor, dass er sich ne andere sucht. besonders , wenn er in Therapie geht und dort eine kennenlernt.
Muß er sich dafür eine andere suchen? Denkst Du nicht, dass er nicht aus seiner Sicht besser ohne ist und in Ruhe trinken möchte?
Überlege mal, was 'seine Bedürfnisse' als Alkoholiker sind und was 'Deine Bedürfnisse' sind.
Glaubst Du mir, wenn ich behaupte, dass diese Bedürfnisse sich zur Zeit nicht decken?
Ich vermute (meine These), dass es ihm auch reichen würde Dich alle 14 Tage mal zu sehen.
Würde Dir das reichen und ist es dann noch eine Beziehung, wie Du sie Dir vorstellst?
Wenn es so ist, dann kannst Du es ja so machen, dass Du ihn alle 14 Tage bei ihm und nüchtern triffst. Deine Kinder würden nichts mitbekommen.
Ist es dann noch eine Beziehung, wie Du sie Dir vorstellst?
Du möchtest aber sicher mehr und versuchst ihn in diese Richtung zu drängen, zu überreden. Das wird ihm sicher nicht passen und so entsteht immer wieder dieses Hin und Her. Alles, weil DU Erwartungen an eine Beziehung hast. Sei Dir dessen bewußt. Dein Leid entsteht doch quasi aus diesen unerfüllten, von dir Gewünschten Erwartungen, die ER aber nicht erfüllen kann. Es könnte funktionieren, wenn Du also Deine Erwartungen auf fast Null zurückschraubst, Deine Leben lebst und ihn machen( trinken) läßt. bedenke, dass er auch ein Recht darauf hat. Auch er kann bestimmen, wie und wie oft er Dir seine Liebe ( vorausgestzt , dass er DIch liebt) zeigt und wieviel zeit er mit anderen Freunden ( alkohol) verbringen möchte. Die andere, vor der Du so Angst hast ist bereits da, die andere ( alkohol) gibt ihm im Moment so ziemlich alles was ER braucht. Glaubst Du er denkt so viel an Dich, wie Du an ihn denkst. Glaubst Du mir, wenn ich behaupte, dass er jeden Moment so sehr an die andere denkt, wie DU täglich an ihn denkst?
Ist das die Beziehung, wie Du sie Dir vorstellst?
Was wäre, wenn er in einer Therapie eine andere kennenlernt? Frage Dich mal, ob Du es wirklich willst, dass er eine Therapie macht. Denn auch, wenn er sich 'Dir zu Liebe' drauf einläßt kann er in einer Therapie eine andere kennenlernen, die ebenfalls betroffen ist und ihn besser versteht, mit der er mehr Gemeinsamkeiten hat.
Frage Dich, ob Dir seine Gesundheit wirklich an erster Stelle steht oder soll er gesund werden, um Deine Bedürfnisse nach Liebe befriedigen zu können.
Alles Fragen, die Du einfach mal durch deinen Kopf gehen lassen solltest und für DICH ehrlich beantworten solltest.
Er ist gefangen in seiner Sucht. Aber auch Du bist gefangen in Deinen Gefühlen zu ihm, Deinen Bedürfnis nach Liebe, dass Deiner Meinung nach nur er erfüllen kann, aber offenbar nicht tut.
Und jetzt setzt ich noch ein drauf. Als EKA ist mir hier beim Lesen der EKA threads bewußt geworden, dass wir noch dazu ich nenne es mal 'geblendet' sind. Wir kennen das chaotische Leben, die Auf und Abs, Schriereine, Prügeleien usw.
Wir verabscheuen es - aber es war für uns in einer wichtigen Phase, wo wir geprägt wurden eine Normalität.
SO sah für uns Familie aus. So fühlten wir uns zuhause.
Ich denke, dass wir EKAs eine noch gefährlichere höhere Toleranz gegenüber dieser Misere haben als Coabhängige, die in solche eine Beziehung hineingeschlittert sind.
Darum wundert es mich nicht, wenn Du hier noch mehr 'rumeierst' als es vielleicht andere tun.
Das auch mal zum Verständnis der anderen hier.
Dieser ganze Mist, den man in allen Threads hier liest war unser( EKA) Leben und wir haben uns leider dran gewöhnt und sind schon von daher beziehunggestört.
Das erschwert alles um so mehr und ich denke, dass es sehr schwer ist ohne eine Therapie da auf die Schnelle raus zu kommen.
Übrigens wenn in diesem Zusammenhang gefragt wird, ob man lieber zuschauen möchte, wie der Partner zum Pflegefall wird, ob man ihn noch pflegen möchte und beim Sterben zusehen möchte, frage ich mich,was das für eine Sinn haben soll. Diese Situation hätte man auch, wenn man einen krebskranken Partner an seiner Seite hat. Diese Einstellung wäre schon gewissermaßen selbstlose Liebe.
Diese Einstellung hätte nichts mit coabhängikeit zu tun. Es wäre sicher schwer, aber wäre nicht schlimm, solange der Partner nicht darunter 'leidet', oder? Soll jemand also nur motiviert werden eine beziehung zu beenden, weil der Partner krank ist und in absehbarer Zeit zum Pflegefall wird?
Ich möchte an dieser Stelle auch erwähnen, dass Trennung nicht immer die Lösung zum Erfolg ist. Es gibt auch Paare, die es gemeinsam durchstehen und noch zusmamen sind.
Es sollte daher nicht auf Trennung gedrängt werden, sondern an der Coabhängikeit gearbeitet werden. Die ist nach einer Trennung auch nicht weg, da wird dann unter Umständen auch weiter 'geeiert' , zB unbewußt mit einem neuen Partner.
Wenn man begriffen hat wie der andere tickt und wie wenig Chancen die Beziehung hat, wenn man enttäuscht genug ist, dann kommt sicher irgendwann die Trennung von selbst.
Auch Coabhängige brauchen ihren Tiefpunkt. Und ich glaube, dass der von EKAs auf Grund dieser Familiensituation ( Gewöhnung/ Normalität) noch schwieriger zu erreichen ist.
Dass Du allein mit Deinen Kindern lebst ist schon mal eine gute Grundsituation und auch eine typische für EKAs. Darin zeigt sich auch, dass wir von vornherein vorsichtiger sind und uns davor schützen wollen, dass uns das Erlebte selbst widerfährt. Das ist die Vernunftsebene.
Leider haben wir auf der anderen Seite auch die Gefühlsebene, die uns dieses oben schon beschriebene Gefühl der Normalität von Alkohol und all seinen Konsequenzen vermittelt hat. Man steckt also voller Widersprüche.
Darum erhoffe ich mir auch immer von den Coabhängigen , dass sie an ihre Kinder denken, sich trennen, damit diese GENAU SO nicht werden.
Und vielleicht hilft es Dir, Angie auch mal darüber nachzudenken, ob Du Dich darin wiedererkennst und Du möchtest, dass Deine Kinder auch so werden.
Es stimmt doch, dass die Kinder mitbekommen, wenn Du immer darüber nachgrübelst warum er wohl so oder so ist. Wenn Du dich ärgerst, wenn er nicht anruft, sich tagelang nicht meldet. Sie haben dann eine traurige Mutter vor sich. Das belastet sie sehr. Und Du überforderst Deine Kinder auch damit.
Was ich denke, was Dir noch fehlt ist die Einsicht, dass es sich bei Deinem Partner um eine Krankheit handelt, an der auch er momentan nichts ändern kann.
Das bedeutet, dass Du nur die Wahl hast die Beziehung zu beenden, wenn Du so nicht leben kannst und willst. oder aber MIT dieser Krankheit zu leben, mit all seinen Konsequenzen. Konsequenzen wären, dass Du akzeptierst, dass er launisch ist, sich nicht meldet, unberechenbar ist, aggressiv wird, zum Pflegefall wird, irgendwann Halluzinationen haben wird, Du also den gesamten verlauf seiner Krankheit ( die immer schlimmer wird) an seiner Seite sein möchtest. Du liebst einen kranken süchtigen Mann.
Das was Du Dir wünscht kann er Dir nur noch hin und wieder geben, reicht Dir das?
Ich sehe, dass Du sehr stark auch von verlustängsten geplagt bist. In Deiner Fantasie malst Du Dir aus oder befürchtest Du, dass eine andere Deine Stelle einnehmen würde. Der anderen würde es nicht anders gehen als Dir. Auch sie würde sicher leiden wie Du jetzt. Wenn es so käme und Du erstmal über den trennungsschmerz weg bist würdest Du nicht mehr mit ihr tauschen wollen.
Selbst wenn er trocken werden würde müßte 'die andere' immer mit der Angst leben , dass es einen Rückfall gibt. Vielleicht (nein, mit Sicherheit) ist er, wenn er trocken ist auch ein ganz anderer Mensch. Weißt Du jetzt überhaupt, ob Du ihn dann noch so haben willst? Und wie ich es sehe, gibt es doch gar kiene Anzeichen dafür, dass er in absehbarer zeit trocken wird. Selbst Du bist ja scheinbar weit davon entfernt.
Was kannst Du jetzt überhaupt tun?
Fange an umzudenken. Sorge als erstes dafür, dass Deine Kinder in Sicherheit sind, dass sie nicht seinen Launen ausgesetzt sind. ich denke, da hast Du recht gut für gesorgt udn ich hoffe es bleibt auch so. Und dann kommst Du.
Fange an auch für Dich gut zu sorgen. Erwarte von ihm NICHTS. Alles was Du brauchst soll von Dir selber erfüllt werden. Du mußt Dich um Dich selbst kümmern. Ich wette, dass Du das als EKA auch schonmal lernen mußtest und genau so mußt Du es jetzt auch tun. Gib die Verantwortung für Dein Wohlergehen nicht an andere ab, so sehr Du es Dir auch wünscht. Gib diesem ( niemals zu erfüllenden) Wunsch nicht nach. Es ist eine Illusion zu glauben, dass ein Alkoholiker Dich glücklich machen kann und er braucht es auch nicht. Akzeptiere, dass ER alles hat um glücklich zu sein. Leider ist es so, dass er Dich gerade nicht so braucht wie Du es meinst ihn zu brauchen. Das tut sicher weh, es so zu sehen. Aber das ist Realität. So sieht die Sucht aus.
Da Du ja alleine mit Deinen Kindern lebst nehme ich an, dass Du die üblichen Dinge der Coabhängikeit nicht einmal bedienst wie: Für ihn Dinge übernehmen, die er wegen des ALkoholkonsums nicht mehr alleine schafft, für ihn zu lügen, immer für ihn da sein, auch wenn es dir nicht in den Kram paßt. Sei Dir bewußt, dass Du Dich unterscheidest in Deinem verhalten von vielen Coabhängigen hier, denn Du bist ja ein EKA. Das macht es aber nicht einfacher für Dich.
Aber sei Dir bewußt, dass Du beides kennst. Du hast sowohl Alkoholabhängigkeit als auch Coabhängigkeit erlebt. Du hast irgendwo Anteile davon in Dir, auch sicher Abscheu dagegen.
Vielleicht würde es Dir weiterhelfen Dich damit auseinanderzusetzen, wie EKAs ticken, wie kompliziert es ist und wie widersprüchlich.
Ich erkenne mich in vielem wieder. In deiner Art zu denken. Darin, dass ich vieles unnötigerweise auf mich beziehe. Bis heute fühle ich mich noch verletzt von den beschimpfungen meines Vaters. Obwohl ich jetzt erwachsen bin und vieles gelesen habe und verziehen habe, mir bewußt bin, dass er krank ist. Die Gefühle des 'gekränkten Kindes' haben sich so sehr manifestiert, dass ich Schwierigkeiten habe mit meinem vernünftigen Denken das kaum ausgleichen kann.
Und es kann sein, dass dieses gekränkte Kind, was sicher auch in Dir schlummert, es sich immer wieder versucht zu beweisen, dass es doch wert ist geliebt zu werden, besonders von einem süchtigen Menschen ( der ein ja in der Kindheit enttäuscht hat und einem das Selbstwertgefühl genommen hat ). Das ist ein erbärmlicher Kampf um Liebe, Zuneigung, Anerkennung. Vor allem ist es ein Kampf, den man ja nicht gewinnen kann, da man ihn ja mit ienem Süchtigen aufgenommen hat, der das garnicht erfüllen kann ( ebenso wenig wie der damals süchtige Elternteil). So ungefähr stelle ich mir unser Innenleben als EKA vor. Ich denke, wir müssen lernen zu akzeptieren , was möglich ist und was Illusion ist. Vor allem aber, dass WIR nichts damit zu tun haben. Die Sucht eines anderen, auch eines geliebten Menschen, ist die Abhängigkeit von einem Stoff = alkohol, ist aber völlig unabhängig von UNS. Also all dessen Tun ( oder auch Nicht tun) und Handeln hat mit uns nichts zu tun.
Ich habe auch eine Idee warum wir das nicht so einfach akzeptieren wollen. als Kind waren wir dieser Sitaution hilkflos ausgeliefert. Wir waren ohnmächtig und konnten nichts dagegen tun.
Wenn wir aber nun irgendetwas hätten, was wir verändern könnten haben wir ja ein wenig Handlungsspielraum.
Wir können also in uns Gründe suchen, die das trinken rechtfertigen, bekomnen ja auch gerne mal etwas vorgeworfen. Wenn wir also anfangen besser zu sein, gut zu sein, besser als alle anderen zu sein müßte er doch aufhören zu trinken. Das kann halt deswegen nicht funktionieren, weil wir ja garcicht schlecht sind, sondern wir in unserer Sucht uns ja selbst niedermachen und Gründe suchen für die Sucht des anderen. Genauso macht der Alkoholbahängige es auch. er sucht nach Gründen. Vielleicht sogar bei uns.
Das verletzt uns aufs neue, erweckt aber in uns wieder die Illusion, dass wir ja was ändern können an der sucht des anderen, fühlen uns also nicht mehr ohnmächtig wie vorher, fangen wieder an alles mögliche zu tun, um seine Gunst zu erhalten, damit er sich als Belohung dann für uns ändert.
Räumlich bist Du ja bereits von ihm getrennt, bzw hast Dich garnicht erst auf diese Art der Nähe eingelassen. ( vernünftiger Selbstschutz?) Emotional hängst Du aber tief drin. Ich denke, Du kannst zu innerem Seelenfrieden kommen, wenn Du all Deine Gedanken nochmal überprüfst und nicht alles auf Dich beziehst, wenn Du ihn einfach machen läßt, ihn sein läßt wie er ist als Süchtiger. Lass die Was-wäre-wenn-Gedanken sein und stelle Dich der Realität.
Als Kind warst Du ohnmächitg, aber jetzt bist Du erwachsen und kannst handeln. Du kannst weggehen, wenn es Dir nicht paßt. Du kannst Dir eine eigenen Meinung über Dich machen. Du kannst und darfst Dich anderen Menschen zuwenden, die Dir geben was Du brauchst und er Dir nicht geben kann.
Ob Du es glaubst oder nicht: Heute hast DU es in der Hand.