Beiträge von Rennschnecke

    Hallo Lichtknüpfer,

    da Du um Rat gefragt hast: Ich würde hier nicht von Trinkbedürfnis sprechen, das klingt so normal und natürlich: Ein Trinkbedürfnis habe ich, wenn ich Durst habe und mein Körper Flüssigkeit benötigt.

    Du meinst vermutlich Suchtgedanken. Ja, die können kommen, die Sucht ist ja nicht besiegt, nur gestoppt, und will nur eins: Saufen (wie das exzessive Trinken hier im Forum gern unbeschönigrnd genannt wird, um es deutlich von nichtsüchtigem Trinken zu unterscheiden). Solche Grdanken kommen anfangs häufiger, verschwinden aber auch schnell, wenn man ihnen die rote Karte zeigt

    Oder meinst Du Suchtdruck? Angst muss ich auch davor nicht haben, wenn ich versuche, mich an die Grundbausteine zu halten, meinen persönlichen Notfallkoffer parat zu halten und hier regelmäßig im Austausch zu sein.

    Dann weiß ich, wie ich damit umgehen kann, weil er in der Regel, wie hier bei vielen zu lesen ist, nicht länger als 20, 30 min dauert.

    Und wenn es ganz schwer ist, gibt es hier ja noch die Möglichkeit, den SOS-Chat zu nutzen.

    Liebe Nika,

    die Aufarbeitung kommt später, jetzt hast Du zum Glück Deinen persönlichen Ausschalter gefunden und fängst noch einmal von vorn an.

    Schritt für Schritt kannst auch Du Dich aus Deinem Schlamassel befreien - und mit der neugestarteten Abstinenz legst Du den Grundstein dafür.

    Dafür meinen Respekt - und alle guten Wünsche! 🍀🍀🍀

    Weiß sie nicht,dass Du Akoholiker bist?

    Und was genau weißt Du denn erst seit ein paar Wochen, Thomson?

    Und was sind das für Feiern, sind die alklastig? Wem bietest du denn deine Fahrdienste an?

    (Bitte nicht als Vorwurf verstehen, sondern als Nachfrage im Sinne der Grundbausteine.)

    Und darf ich zum besseren Verständnis fragen, welcher Altersgruppe du ungefähr angehörst? Ü30/40/50/60 ...?

    (Selbst bin ich noch Ü50).

    Danke Dir, Thomson, "schaffen', d. h. Mit akuten Suchtgedanken klarkommen musste ich bisher zum Glück nur selten.

    Ansonsten bin ich einfach nur jeden Tag hier und werde nicht müde, mich mit dem Thema Sucht aus allen möglichen Blickwinkeln zu beschäftigen.

    Denn ich kann da noch viel lernen, bin ja noch nicht mal 2,5 Jahre alkfrei.

    Du siehst hier eher die Ausnahmen von der Regel, Sternie.

    Viele Süchtige schaffen es nie, weil sie sich ein Leben ohne "Freund" Alk einfach nicht vorstellen können.

    Und ob wir Trockenen bis zum Ende trocken bleiben, wird sich erst am letzten Lebenstag erweisen. Darum bin ich hier.

    Also vergleiche dich lieber nicht mit anderen, sondern wahre Deine Grenzen.

    Warte doch erst mal ab mit Schlussfolgerungen, Lichtknüpfer, nicht alle antworten so schnell wie Du. 😉

    Essig scheint mir eine Grauzone zu sein, da habe ich hier auch noch keine klare Info gefunden.

    In der Reha hieß es: Aceto Balsamico ist tabu, ansonsten seien die Restalkmengen von der Vergärung so gering, dass sie zu vernachlässigen seien, solange man keinen Essig nehme, bei dem der Alk im Vordergrund stehe, wie z. B. Rotweinessig.

    Senf und Fertigdressings (in der Regel mit Weinbrandessig) wurden aber selbstverständlich in der sehr kostenbewusst arbeitenden Reha-Kantine angeboten.

    Ich halte mich im Zweifel an eine Regel, die ich hier von Carl-Friedrich gelernt habe:

    Alles, was, schmeckt, riecht oder aussieht wie Alk, ist für mich tabu.

    D.h. also auch Getränke in bierförmigen Flaschen oder Gläsern. Auf Senf verzichte ich nicht, mache ihn auch nicht selbst.

    Ich kaufe keinen Alkohol, aber mein erwachsenes Kind hat welchen in seinem Zimmer bzw. draußen stehen. Wir haben es umgestellt, damit es außer meiner Sichtweite steht, dann stört es mich nicht. Ansonsten trinkt deren Clique Korn->das wäre nichts für mich. Da gehe ich nicht bei, da es zu ekelhaft wäre.(mein Geschmack)

    Aber dass es nicht gut ist, denke ich mir schon! Wenn ich getrunken habe, dann nur Bier. Das sollte auf jeden Fall verschwinden. Da sind noch 2 Sektflaschen, die ich am Wochenende zu einem Geburtstag verschenke.

    Da wundern mich Deine Suchtgedanken ehrlich gesagt nicht, Du scheinst noch sehr nah am Alkohol zu sein. Lies Dir die Grundbausteine noch mal genau durch, frage ggf. hier nach. DAS sollte Prio 1 für Dich haben.

    Deine Wohnung sollte dein sicherer Hafen sein. Das wird dein erwachsenes Kind bestimmt verstehen und unterstützen wollen, es kann ja ggf. auswärts trinken. Hier kursiert der kluge Spruch "Wer kein Problem mit Alkohol hat, hat auch keins ohne."

    Und warum verschenkst du Alkohol, noch dazu zum Geburtstag? Wird da auch getrunken? Kannst du das Geburtstagskind vielleicht ein andernmal besuchen, z. B. zum Kaffee?

    Bitte auch nicht selbst Alkreste wegschütten, sondern von anderen entsorgen lassen.

    Und noch eins: Bei akutem Suchtdruck ist die Quelle plötzlich komplett egal, der Sucht geht es nur um Umdrehungen. Wieg Dich da also besser nicht in falscher Sicherheit, weil Dir nicht jeder Alk schmeckt.

    In der Reha kannst Du all das lernen, was Du hier auch lernen kannst, vielleicht sortierter,und komprimierter. Besonders in die Tiefe ging es in meiner Reha aber nicht, musste ja allgemeinverständlich sein. Und es waren eben Theoretiker, (wenn auch sehr engagierte), ohne erkennbar eigene Suchterfahrung

    Eine therapeutische Beziehung aufzubauen, fand ich stationär eher schwierig, das geht m. E. Ambulant besser.

    Es wurde, glaube ich, schon mal geschrieben: Du möchtest offenbar sehr viel auf einmal.

    Vielleicht solltest Du hier bei Deinem Austausch priorisieren? Was brauchst Du aktuell, um Deine Abstinenz zu sichern und zu festigen, wenn Du noch verstärkt mit Suchtdruck zu tun hast?

    Alles andere, wie Sucht entsteht und warum, läuft doch nicht weg, das erfährst du nebenbei.

    Ach ja: Wenn ich bem Bäcker nicht sicher bin, frage ich laut und bestimmt nach, genauso im Restaurant. Denn ich muss mich nicht rechtfertigen und auch nicht schämen, dass ich keinen Alk trinke.

    Wie sieht denn eigentlich Dein Zuhause aus, ist das komplett alkoholfrei?

    Hallo Lichtknüpfer,

    Du KANNST nach Deiner Entgiftung, ergänzend zu Deiner SHG hier, eine Suchtreha machen - da gibt es unterschiedliche Formen: stationär, ambulant (2 Termine pro Woche oder Tagesklinik mit Übernachtung zu Hause) und diverse Mischformen.

    Zu den verschiedenen Möglichkeiten kann Dich am besten die örtliche Suchtberatung informieren - ganz unverbindlich.

    Es ist aber kein Muss für den langfristigen Abstinenzerfolg, wie Hartmut schon schrieb.

    Ich (auch mit psychischen Vorerkrankungen) habe eine Kurzzeitreha stationär (wohnortnah) und dann ambulant weitergemacht. Das war für mich persönlich die richtige Mischung, weil ich dringend eine Auszeit brauchte, aber auch nicht zu lange aus dem "echten" Leben wegwollte.

    Wie ist es bei Dir, was brauchst Du? Lass Dich am besten beraten und horch in Dich hinein.

    Hallo auch von mir.

    ich bin in erster Linie als Alkoholikerin hier, war aber auch lange Co-abhängig von einem Geschwister - und zeitweise auch von einem weiteren (beide Male andere Suchtmittel).

    Deine Gefühlslage kann ich daher sehr gut aus meiner Erinnerung nachfühlen. Ich hätte damals beinahe meine Ausbildung vergeigt, weil alles so unwichtig erschien angesichts der akuten Lebensgefahr für mein Geschwister. Dann waren da auch noch meine Eltern, die ich versuchte, in ihrer Verzweiflung und Überforderung zu stützen und zwischen beiden Seiten zu vermitteln.

    Ich habe damals sogar schon psychologische Beratung aufgesucht, konnte aber noch nicht verstehen und akzeptieren, dass ich als Angehörige so wenig tun können sollte. Hielt ich für herzloses Theoretikersprech.

    Bis ich irgendwann, auch aus der Lektüre von Büchern (Internet war noch ganz am Anfang), begriff: Aus Sicht des Süchtigen will ich ihm das einzige nehmen, was ihm vermeintlich Halt gibt: das Suchtmittel. Klar, dass er sich da bedroht und bedrängt fühlt und dichtmacht - ähnlich wie jemand, der zum Unverständnis seiner Familie trotz Krebs keine OP will.

    Aber: Kein Mensch darf zu seinem "Glück" gezwungen werden, jeder hat das Recht, sich durch sein Verhalten ggf. selbst zugrunde zu richten. Dieser Preis der Freiheit ist gerade für enge Angehörige schwer zu ertragen.

    Am Ende musste ich als Co ähnlich kapitulieren wie später als Alkoholikerin. Das konnte ich aber erst, als ich mir sicher war, "alles versucht" zu haben: reden, schreien, weinen, Vorwürfe, sogar Spott/Ironie...

    Von einer selbst betroffenen Bekannten wurde mir dann irgendwann ein Buch zum Thema empfohlen, das einen besonderen Ansatz hatte.

    Das habe ich nach eigenem beeindrucktem Lesen meinem Geschwister nach längerer Gesprächspause überreicht: mit der Bitte, es sich wenigstens mal anzuschauen, weil es anders ist, und der Zusage, dass ich nicht nachfragen würde, wie das Buch bei ihm ankam, weil es Sache des Geschwisters sei, was es daraus macht. Dass es aber bitte die Chance nutzen und es sich unverbindlich anschauen soll, wegen akuter Lebensgefahr - auch wenn es die selbst vielleicht gerade nicht sehen könne. Und dass ich damit am Ende meines Lateins war und mein Geschwister nicht mehr auf sein "Problem" ansprechen würde.

    Dann konnte ich für mich endlich einen Schritt zurücktreten und mich wieder mehr um mein eigenes Leben kümmern, das es dringend nötig hatte. Ob ich da selbst schon süchtig geworden war, kann ich gar nicht sagen. Ist heute auch egal, da unumkehrbar, nur aufhaltbar.

    Dein Bruder ist gerade in der Entgiftung. Das ist ein Anfang, nicht mehr und nicht weniger. Darauf sollte er sich konzentrieren, ggf. mit Mitbetroffenen und Fachleuten reden, wenn er Probleme hat, und mit deren professioneller Hilfe Anschlussmaßnahmen in die Wege leiten.

    Das ist allein seine Verantwortung und allein in seiner Macht, wenn er wirklich trocken werden will. Da brauchst Du ihm nicht telefonisch die Hand zu halten - Du brauchst bestimmt selbst mal eine Pause.

    Du hast Deine eigene Verantwortung: Dir selbst und Deinem kleinen Kind gegenüber. Kannst Du einen Schritt zurücktreten, um das zu sehen?