Liebe Matcha,
erst einmal möchte ich Dir sagen, dass ich es wirklich stark (und hilfreich für Dich) finde, wie Du Dich hier mitteilst und Dich mit unseren Rückmeldungen auseinandersetzt.
DAS ist, neben ganz viel Lesen in den vielen Erfahrungen hier, ein erfolgversprechender Weg zu einer zufriedenen Nüchternheit!
Gut, dass Du erkennst, dass der Alk bei Dir zum Teil noch positiv besetzt ist. Das ist - neben der nicht heilbaren Sucht- auch eine Denkgewohnheit. Und die lässt sich in neue Bahnen lenken, so wie Du es gerade mit dem Tomatensaft machst.
Mal ehrlich: Was ist am Alk noch positiv besetzt bei Dir? Ging es dir mit Alkohol wirklich besser? Eine wichtige Lehre aus Erfahrung lautet hier ja: Nur nicht trinken reicht nicht - wir müssen und können mehr ändern, und das ermöglicht uns spannende neue Erfahrungen und viel mehr Lebensqualität!
Zum Thema Tiefpunkt vs. Vernunftgründe:
Bei mir war es eine Mischung aus beidem: ich hatte für mich selbst im Laufe meines Lebens festgestellt: Ich muss der neugierigen Welt da draußen nicht alles sagen, aber wenigstens mir selbst gegenüber schonungslos ehrlich sein, sonst geht es irgendwann nach hinten los, egal, bei welchem Thema. ..
Und so konnte ich mir irgendwann nicht mehr einreden, dass ich meinen Alkoholkonsum, obwohl ganz klar zu viel und zu regelmäßig, noch "im Griff" hatte. Ich konnte nicht mehr verdrängen, dass die zunehmenden gesundheitlichen Probleme durch meinen Konsum nicht besser und wahrscheinlich sogar mitverursacht wurden. Ich habe auch große Angst vor Demenz. Ich wusste, dass das Thema Pflege der alten Eltern irgendwann ansteht, die durch Alk nicht einfacher wird. Ich hatte Angst, irgendwann bei der Arbeit oder im Straßenverkehr unangenehm aufzufallen. Ich hatte immer weniger Energie für Dinge außer dem bloßen Existenz- und Pegelerhalt. Und ich merkte, dass es mir langsam aber sicher gar nicht mehr so gut schmeckte und ich wegen der gewünschten Wirkung immer mehr und immer mehr durcheinander trank. Der Blick in den Spiegel (innerlich wie äußerlich) wurde immer unerfreulicher. Usw. Usw.
Da wurde bei mir irgendwann Ende 2022/Anfang 23 das Gefühl übermächtig: so geht es mit dem Alk nicht weiter, sonst gehe ich irgendwann unter.
Da bemerkte ich plötzlich "überall" in den Medien Berichte von zufriedenen Ex-Säufern und stellte fest: Ein Leben ohne Alkohol ist anscheinend gar kein spaßbefreites Jammertal, das hat mir wohl nur die Sucht (und die Werbung) eingeredet ...
Und dann recherchierte ich immer weiter, weil ich merkte: Ich will auch ohne Alk besser leben, aber ohne Hilfe schaffe ich das bestimmt nicht (da wusste ich noch nichts vom kalten Entzug). Da ging es mir auch ganz stark darum: Wie schaffe ich das, ohne mich vor aller Welt als Alkoholikerin outen und mich womöglich lebenslang kritisch beäugen lassen zu müssen? (Das hat mich da mehr beschäftigt als der lebenslange "Verzicht" auf Alk.)
Dann habe ich im Sommer 23 dieses Forum entdeckt, das war - neben vielen anderen Hilfsangeboten, die ich genutzt habe und noch nutze - das Beste, was mir passieren konnte, auch wenn meine Abstinenz erst ein gutes halbes Jahr später startete. Aber da war dann innerlich mehr als bereit dazu und sogar voller Vorfreude.
Sucht- und Verzichtsgedanken gab es in meinem ersten Jahr auch (und wird es vermutlich imner mal wieder geben können, denn: Gelernt ist gelernt) , auch eine gefährliche Situation, die ich erst später als Suchtdruck erkannte, aber keine Kämpfe. Denn ich hatte nicht nur vom Kopf her kapituliert und eingesehen: Alkohol und ich, das geht nicht mehr - und das ist auch gut so.
Warum ich das so ausführlich schreibe:
Du bist wohl nicht nur in den kalten Entzug , sondern auch ins kalte Wasser gesprungen, und kämpfst erst mal ums Überleben.
Aber das muss nicht so bleiben: Mit der intensiven Beschäftigung hier im Forum wird sich Deine Einstellung und Dein Bewusstsein positiv verändern, und dann wird es auch für Dich einfacher! Alles Gute, bleib dran!