Beiträge von Rennschnecke

    Glückwunsch, Paul, zu Deinem tollen Meilenstein und zu Deiner Selbstreflexion, weiter so! 💐 🍀

    Zum Thema Sozialkontakte: Hast Du mal ergänzend über eine SHG vor Ort nachgedacht? Das plane ich nach der Nachsorge, um Leute für alkoholfreie Freizeitaktivitäten kennenzulernen ...ist immer auch Glückssache, aber mir auf jeden Fall einige Versuche wert ...

    Das geht natürlich nicht, dass die "Konkurrenz" extrem übergewichtig ist, das muss schon mehrfach betont werden ... (Ironie off).

    Solche Beziehungsdramen sind unschön, aber der Alkohol spielt hier allenfalls eine Statistenrolle, habe ich den Eindruck, und unsere vielfältigen Reaktionen prallen scheinbar ungelesen an Dir ab ...

    Ist dieses Forum wirklich der richtige Ort dafür, frage ich mich schon länger ...

    So, hier also endlich mal mein Update: Die Reha ist mittlerweile beendet, demnächst geht es wieder ans Arbeiten (gut, dass es neben Euch auch noch eine Nachsorge gibt, da der Job immer für Konflikte gut ist, von denen ich mich abends gern mit Alk abgelenkt habe).

    Ich hatte ja von den vier Phasen berichtet, die ich während der Reha erlebte: in der 5. Phase kam zum Glück die Entwarnung, dass die im CT untersuchte "Stelle" nicht bösartig ist, wenn auch eine Weiterbehandlung nicht ganz einfach sein wird. Der großen Erleichterung und Dankbarkeit folgte schon bald ein Todesfall im näheren Umfeld, der zwar abzusehen war, mich aber trotzdem sehr mitgenommen hat.

    Ich bekam deswegen Sonderurlaub und fühlte mich dabei in meiner Abstinenz nicht sicher ...ist aber gut gegangen, auch weil ich hier ständig mitlese ... Und dann war schon bald das Rehaende in Sicht, mit Abschied und Rückkehr in den Alltag.

    Mein Fazit: Die Reha an dem Ort war die richtige Wahl, es hätte zwar etwas mehr Fachwissen vermittelt werden können, aber dafür habe ich ja das Forum. 😊Am allermeisten hat mir der Austausch in Gruppen zu verschiedenen Themen gebracht, neben ganz viel Entspannung, Sport und Natur.

    Nun bin ich dabei, mein häusliches Umfeld weiter umzugestalten, um auch im Alltag nicht zu sehr an meine frühere Trinkroutine erinnert zu werden. Und ich möchte vieles, was mir in der Reha gutgetan hat, auch in meinen Alltag integrieren, ohne dass es in Stress ausartet. Der Frühling kommt, und ich bin guten Mutes, aber alles andere als übermütig ...

    Gemischte Gefühle in so einer Situation sind bestimmt normal, die Frage ist doch aber, wovon Du Dich leiten lässt. Du hast Dir gewünscht, dass sie geht, jetzt hat sie es getan. Jetzt bist Du dran: Was machst Du z. B , wenn sie Dir besoffen schreiben oder nach ein paar Tagen wieder vor Deiner Tür stehen sollte?

    Mit diesen Denkanstößen ziehe ich mich mal eine Weile aus diesem Faden zurück und überlasse erfahrenen COS den weiteren Austausch. Muss mal wieder vor der eigenen Tür kehren ...Alles Gute!

    Das ist doch schon mal eine gute Basis. Dann hoffe ich, dass Ihr Euch heute einen schönen und entspannten Sonntag machen und auf andere Gedanken kommen könnt, vielleicht mit einem Besuch im Tierpark?

    Kannst Du denn morgen mit Deiner Psychologin sprechen, wie Du jetzt für die Kinder und Dich Stabilität schaffen kannst, unabhängig davon, was Deiner Frau im Alkoholwahn als Nächstes einfällt? Mir ist spontan "Türschloss austauschen" eingefallen ....

    (Ich bin aus der Alkoholiker-Fraktion, habe aber auch Co-Anteile und konnte mich meiner eigenen Sucht erst stellen, als mein Ex und ich uns räumlich getrennt haben und ich mich nicht mehr an seinem Trinkverhalten abgearbeitet habe. Deshalb lese ich (und schreibe manchmal) auch bei den COs mit und hoffe, das ist ok...)

    Hallo Momo,

    "Co-Verhalten" ist ja kein Schimpfwort, sondern eher eine Zusammenfassung für Verhaltensweisen, die weder dem Co noch dem Süchtigen auf Dauer weiterhelfen.

    Die Absichten und Leistungen der meisten Cos sind bestimmt meistens ehrenwert (ich formuliere das bewusst offen, weil eben manchmal doch eine versteckte Agenda dahinterstecken kann, wie etwa Suche nach Anerkennung für die eigene Opferbereitschaft).

    Ich erlebe es hier so, dass jeder für seinen eigenen Kampf beglückwünscht wird: die Alkoholiker für zufrieden trocken gemeisterte Zeit und Bewältigung von Suchtdruckmomenten, die Cos für erfolgreiche Selbstfürsorge für sich und betroffene Kinder.

    Wenn der dazugehörige Alkoholoker dann noch selbst die Kurve kriegt und nicht nur notgedrungen, sondern aus eigener Überzeugung eine dauerhafte und zufriedene Abstinenz anstrebt, umso besser. Das wird hier niemand madig machen.

    Aber das Lob dient hier m. E. in erster Linie der Bestärkung für den weiteren Weg, nicht der Beweihräucherung.

    Hallo Iphigenie, auch hilfreich: Vorher schon überlegen, was man am besten wie formuliert, und ruhig aufschreiben und den Zettel mitnehmen. Das ist wegen der allgemeinen Zeitnot sowieso für jeden Arztbesuch empfehlenswert.

    Die Scham kenne ich auch. Aber wir gehen es ja jetzt an, und dafür brauchen wir uns wirklich nicht zu schämen, im Gegenteil, Kopf hoch! ... . .

    Hallo Miata,

    ich habe mir wg. Deiner Erfahrung bei der lokalen SHG noch mal Deinen gesamten Faden durchgelesen, empfehle ich Dir auch, das ab und zu mal zu machen.

    Mein Fazit: Du hast doch längst für Dich erkannt, dass Du Dich innerhalb von zwei Jahren von Null auf Hundert gesoffen hast. Mag ja sein, dass Deine Suchtgeschichte nicht ausreicht, um einen abendfüllenden Film daraus zu machen.

    Am Ende zählt jedoch allein das Ergebnis, nicht die Zahl der Flaschen oder der daraus bisher resultierenden Probleme. Und Du sagst ja auch selbst, dass Dein Rückfall Dir noch mal gezeigt hat, was bei Dir Sache ist.

    Die Verunsicherung rührt wohl daher, dass tief in Dir drin eine Stimme (manche sagen " Suchtteufel" dazu) frohlockt und sich durch die unbedachten Äußerungen bestätigt fühlt: Siehst Du, so schlimm war es bei mir/dir doch noch gar nicht, die anderen, die haben echte Probleme... Und schon ist das Hintertürchen ("Vielleicht kann ich nach einer gewissen Zeit ja doch wieder was trinken") geöffnet....

    Ähnlich ist es mir zu Beginn meiner Reha gegangen, weil meine Suchtgeschichte zwar lang war, aber größtenteils vermeintlich "sozialverträglich" abgelaufen ist. Für ein ausgezeichnetes Suchtgedächtnis hat es aber dicke gereicht, das habe ich schon bei der ersten Erprobungsfahrt feststellen dürfen ....