Beiträge von Brettman

    Juhu Hope,

    klar kann ich mit den Gedanken was anfangen. Trinken dürfte immer was mit Kompensation zu tun haben und ist auch bei mir exakt der Fall. Immer den Witzigen und Schlagfertigen raushängen lassen, was aber leider nur besoffen so richtig witzig und schlagfertig ist; und nicht mal oder erst recht nicht dann. Nur wer bin ich, wenn es doch über die Jahrzehnte vermeintlich geklappt hat? Das besch… war der Suchterwerb, den hätte man sich echt schenken müssen. LG

    Moin Stern,

    "Ist das tatsächlich so?

    Hat Alkohol dir wirklich ein Glücksgefühl verschafft?"

    Absolut und nahezu uneingeschränkt. Selbst das Wegtrinken der Entzugssymptome hatte natürlich einen Entspannungseffekt und hat den endorphin-lechzenden Körper jubeln lassen. Logisch, deswegen trinkt man ja auch weiter. Und jeder Schluck aus der Flasche hat (dann) ein Hoch ausgelöst. Und erst Recht nach einer Phase der Abstinenz. Da war schon allein das Gefühl an das baldige Saufen mit Glückshormonen nur so gepflastert; logisch, man war ja unmittelbar davor, dem Saufdruckteufel Recht zu geben. Ich glaube, dass Alkohol einen Glücksfaktor von 12 hat und das ist schon schwer zu topen. Klar, mit Drogen ginge das, aber die sind halt nicht so "cool" rundum die Uhr frei verfügbar. Jedenfalls hat m. E. Sucht mit einem Mangel an sonstiger Zufriedenheit zu tun und die muss man erstmal finden. Aber man ist ja auf dem Weg. LG

    Hallo Cadda,

    danke für die Rückmeldung. Ja, ich habe extreme Probleme damit, meine Interessen zu verlagern. Das hat mich auch immer rückfällig werden lassen. Weder die Liebe zu und mit meiner Frau noch die Anerkennung in meinem Job oder sonstige positive Aspekte konnten mich vom Suff abhalten. Warum? Weil ich scheinbar nix habe, was mein Glücksgefühl ähnlich befriedigt, wie eben Alkohol. Obwohl; nüchtern geht da was, aber warum nicht dauerhaft? Vielleicht sollte ich einfach (nur) am Ball bleiben!? LG

    … Festival nüchtern überstanden. Bin ich darauf stolz? Nö, weil es dermaßen bescheuert war, überhaupt da hinzufahren. Ich habe mich gelangweilt und war nur darauf fixiert, nix zu trinken. Insofern ein Memo an mich: Solange man nicht auch nur ansatzweise das Gefühl hat, einigermaßen stabil zu sein, sollte man ALLES lassen, was auch nur im Ansatz mit Konsum zu tun hat. Eigentlich heißt das nichts anderes, als es tatsächlich niemals ein stabiles Gefühl geben wird. Wie dem auch sei, Tag 15 ist rum, und? Noch 350 Tage für ein Jahr und das wirkt fast gar nicht so endlos lange. Und da ich eigentlich nicht älter als 87 Jahre werden möchte, ist es auch nicht mehr so lang. LG

    Tag acht nüchtern und hierbei sogar ein Konzert schadlos überstanden. Blutdruck normal und Sportprogramm schneller wieder aufgenommen, als es nach Rückfällen üblich ist. Theoretisch bin ich fast wieder da, wo ich die sechs Wochen vor der letzten lost week war. Theoretisch, denn die Postsuffdepression ist diesmal etwas ausgeprägter, weil es auch nach dem sechsten bis achten Anlauf zumindest insoweit nicht dauerhaft geklappt hat, als man es bereits erfolgreich und/oder motivierend bezeichnen könnte. Wie vermutlich einige bis viele hier (und dort) finde ich das Leben einfach öde und empfinde es als überwiegend belastend. Und das kreist permanent in meinen verbliebenen Hirnwindungen. Natürlich verspüre ich derzeit null Saufdruck, aber ich habe jetzt schon Angst vor dem Tag, an dem es mich wieder wie ferngesteuert zum Discounter zieht. Jedenfalls habe ich Kontakt zur Suchtberatung aufgenommen und ein paar ganz nützliche Tipps für meinen stationären Therapieantrag bekommen, die ich jetzt mit meinem Hausarzt und meinem Psychiater besprechen muss. Was ich aber eindeutig vermeide, ist ein manischer Aktionismus. Ich will mir für alles ausreichend Zeit lassen, da es neben mir auch noch anderes und andere gibt, um das und die man sich ebenfalls kümmern muss; und seien es nur unsere Katzen. Mag nicht empfehlenswert sein, ich will es aber so. Der Egoismus von Süchtigen ist mir zuwider, was die Sache natürlich ein stückweit Schizophren macht.

    - neue Sachen ausprobieren, um zu prüfen, ob einem doch etwas Spaß macht, was man nicht kennt,

    - wieder gemeinsam einkaufen, kochen, bewusste Ernährung,

    - wir reden ja schon immer oft und viel; früher gerne auch in der Kneipe. Plätze außerhalb eines Triggerepizentrums suchen, wo das auch geht,

    - mich mehr in die Gartenarbeit (haben einen KGV) einbringen (habe zwar auch schon immer mitgearbeitet, aber mehr so als Projektarbeit),

    - versuchen, an mehr gemeinsamen Interessen zu arbeiten,

    - die Tage abwechselungsreicher gestalten,

    - sich nicht mehr mit Leuten umgeben, die auch gut trinken, z.B. bei Gartenfesten (versteht sich zwar von selbst, haben das sonst aber gemacht, wobei ich die letzten Male auch immer nüchtern war),

    - den aus beruflichen Gründen erforderlichen Aufenthalt in meiner Zweitwohnung auf ein Mindestmaß reduzieren (ich trinke exessiv ohnehin nur ganz alleine und dort ist es dann natürlich besonders einfach)

    und noch ein paar andere Kleinigkeiten.

    ... ich bin ja schon in Therapie beim psychologischen Suchttherapeuten und natürlich haben wir den neuerlichen Rückfall bereits erörert. Jetzt will ich mich um einen stationären Therapiplatz kümmern, was ohne Rentenversicherung leider nicht so einfach ist und ein wenig vom goodwill der Krankenkasse abhängt. Aber vielleicht gibt es da ja doch Möglichkeiten. Dann habe ich mit meiner Frau diverse neue Strategieansätze erörtert, die es umzusetzen gilt. Zudem noch mal Kontakt zu einer anderen Suchtberatung aufnehmen, weil ich mit der ersten keine guten Erfahrungen gemacht habe. Und zu guter letzt werde ich nüchtern bleiben. Mehr fällt mir momentan nicht ein. Reale SHGs erstmal nicht, zumal mir dort schonmal gesagt wurde, SHGs helfen beim Trocken bleiben, aber nicht beim Trocken werden. Das beurteile ich natürlich nicht. Mit einem spirituellen oder christlichen Ansatz kann ich zudem nix anfangen und das wird auch so bleiben. Ach so, meine ganzen Suchtbücher wie z. B. das von Röhr lese ich noch mal, vielleicht habe ich beim ersten Mal irgendwas nicht verstanden. Das Blaue Buch hat mich etwas angestrengt, gebe ihm aber auch noch mal eine Chance.

    ... na klar, wem geht es nicht so. Man ist in den ersten Wochen nach dem letzten Absturz motiviert und versucht auch einiges an Hilfe zu realisieren. Dann kommt der Gedanke, dass man es schon alleine schafft und wenig später ist die erste Flasche auf. Und allerspätestens dann (eigentlich schon den Schritt vorher) setzt der Suchtmechanismus wieder voll ein und das Spiel beginnt von vorne. Und wenn im Leben sonst oder vielmehr trotzdem alles läuft (Ehe, Job, Finanzen, Haus, Freunde), dann kommt zumindest mir immer schnell der Gedanke: Ein paar Flaschen gehen schon, du darfst nur nicht abstürzen, ging doch früher auch. Nur wann war eigentlich früher...? LG

    Hallo Iwona,

    vielen Dank für die Nachfrage. Ich bin allein in meiner Wohung und mir geht es den Umständen entsprechend zunehmend besser. Der Arzt hat den Blutdruck auf ein sozial angemessenes Maß runtergeschraubt und was den Entzug unterstützendes in homöopatischer Dosis verordnet. Morgen noch mal kurze telefonische Zustandsklärung. In zwei-vier Tagen dürfte ich mit dem Körper durch sein und dann beginnt der schwierige Teil. Wichtig ist erstmal nur wieder zu schlafen und was zu essen runterzubekommen.

    LG

    ... vielen Dank für den Hinweis auf den Artikel, welchen ich schon interessiert gelesen hatte. Mein Problem ist, dass ich keinerlei nennenswerten Interessen habe und ich Angst habe, auch nichts zu finden, um dann schwupps wieder das einzige mache, was ich kann. Aber ich fange ja auch erst an und die Zeit spielt ebenfalls für einen. Jedenfalls wirken die Empfehlungen gut umsetzbar. Das ein oder andere muss man vielleicht noch auf sich übertragen.

    Guten Morgen,

    zunächst habe ich es erstmal geschafft, gestern nicht doch zum Kiosk zu gehen und noch mal nachzulegen. Die Versuchung war angesichts der Symptome natürlich hoch, aber das wäre dann eben nur ein weiteres Mal aufgeschoben. Dann werde ich gleich zum Arzt gehen und mir zumindest ein Notfallmedikament gegen den hohen Blutdruck verschreiben lassen. Bei meiner letzten Entgiftung war er auch extrem hoch. Von einer erneuten Einweisung in die Psychiatrie würde ich allerdings erstmal Abstand nehmen, da ich glaube, dass meine Krankenkasse nur einmal pro Jahr eine dortige Entgiftungsbehandlung anerkennt (meine, mal etwas Derartiges gelesen zu haben) und die habe ich hinter mir Irgendwie wird der Entzug bei vergleichsweise gering werdender Trinkmenge (8 - 10 0,5er Flaschen/Tag, früher durchaus auch mal eine gute Kiste) zunehmend unangenehmer, aber das ist vermutlich normal. Jedenfalls geht es beim Trinken schon gar nicht mehr so sehr um einen Rausch, sondern nur um Bekämpfung der sich anbahnenden Entzugssymptome (zumindest ab Tag 2-3). Meine Medis sind jetzt auch keine wahnsinnigen Hammerdinger mit Suchtpotential, sondern werden auch zur Abmilderung leichterer Entzugssymptome und eben gegen Depressionen eingesetzt (mir war nicht bewusst, dass hier keine Namen genannt werden dürfen und insofern sorry an die Moderation, für das unnötige editieren). Irgendwie habe ich eigentlich nie so wirklich aus Geselligkeit getrunken, sondern immer zur Kompensation von Problemen; sei es die alkoholbedingte Lockerheit oder bei Beziehungsstress. Und da ist der Suff schon ein verdammt guter Problemlöser, er schafft dummerweise halt ziemlich schnell neue. Klar ist, dass ich gar nicht erst über sowas wie kontrolliertes Trinken nachdenken muss, und auch alkoholfreies Hefeweizen wird von meiner Einkaufsliste gestrichen. Auch hatte ich noch keine gravierenden Konsequenzen aufgrund der Sauferei, auch wenn meine Frau an die Belastungsgrenze angekommen ist. Da geht es aber im Wesentlich um den immer gleichen Text. Wieder abgestürzt, tut mir leid, ich versuche es erneut, mir geht damit immer schlechter usw. Eine Platte mit Sprung kann schon nerven. Was mir nach so langer Zeit vielleicht schwer fallen wird, ist mein Leben neu zu ordnen und Abstinenz nicht als Belastung zu sehen. Aber das dürfte auch ein Lernprozess sein, der sich mit der Zeit zur Routine entwickeln könnte. Aber bei hatte immer alles mit Saufen zu tun und länger als drei Monate ohne habe ich es nie geschafft.

    LG

    Hallo zusammen,

    nachdem ich seit einer Woche wieder vollends abgekack bin, versuche ich gerade, kalt zu entziehen. Mir ist bewusst, dass das saugefährlich sein kann. Ich tigere allein in meiner Wohnung auf und ab, edit (gegen meine Depessionen) und hoffe, dass das Schwitzen und Zittern irgendwann aufhört. Wird schon🤯😂😱; was für ein Scheiß (der Kiosk liegt genau gegenüber und hat bis ca. 23:30 Uhr auf). Ich bin aber noch dem Trip, nie wieder trinken zu wollen. Morgen könnte es aber schwer werden. Also ja, ich trine noch. LG

    ... die Sucht bringt mich an den Rand der Existens. Noch trennt sich meine Frau nicht, sie ist aber mittlerweile auch am Ende ihrer Kraft. Eigentlich weiß ich, was zu tun ist und war auch schon bei den AAs. Ich habe mich hier angemeldet, um noch mal ein anderes Austauschformat zu haben. Das Spirituelle mit den 12 Traditionen sagt mir leider nur bedingt zu, was natürlich ein Fehler sein kann. Vielleicht kann hier ein Post bei wieder auftretenem Druck von dem Verlangen ablenken; so würde ich es erstmal verstehen. Ich bin auch in Psychotherapie und natürlich habe ich schon zwei Entgiftungen hinter mir; offensichtlich mäßig erfolgreich. LG