Beiträge von Sahnehaube

    Hallo Schratte,

    da würde ich auch meinen,dass kein Ehepartner völlig frei von ist. Ich kann den Begriff Co-Abhängig ganz schwer definieren. Gleichgültigkeit geht ja auch nicht. Sich informieren und versuchen ist zu viel? Ich weiß nicht, bin da unsicher.

    Ich bin übrigens eine der Alkoholikerinnen,die keinen äußeren Tiefpunkt hatte. Mein Leben lag nicht in Schutt und Asche, als ich aufgehört habe zu trinken. Wenn ich mich an die Gespräche erinnere,die mein Mann und ich über meinen Alkoholkonsum geführt haben: Das waren keine richtigen Gespräche,ernsthafte,ehrliche. Also von meiner Seite aus,ging gar nicht,die Sucht war so omnipräsent. Entweder hab ich mich danach selbst bemitleidet oder geschämt oder oder…eigentlich egal welches Gefühl,jedes hat nur wieder dazu geführt,dass ich trinke.

    Das find ich selbst voll schlimm im Nachhinein. Die Sucht war wichtiger,immer. Wichtiger als mein Mann und wichtiger als meine Kinder. Find ich ganz schlimm und brutal.

    Erst ein innerer Tiefpunkt,an dem ich dachte,so kann und will ich nicht mehr weiterleben und dann der Austausch mit anderen Suchtkranken hat dann irgendwann dazu geführt,dass ich aufgehört habe.

    Was hätte ich mir für meinen Mann gewünscht in meiner Trinkzeit?

    Dass er nach sich schaut, schaut,dass es ihm gut geht. Geht,wenn er es nicht mehr erträgt.

    Sich nicht für etwas verkämpft, für das sich das kämpfen nicht lohnt. Und vor allem nicht selbst kaputt geht und zu einem Menschen wird,der er nicht sein will und ein Leben lebt,das er so nicht leben wollte.

    Danke dir,Newchance,für deine Erfahrung! Das hilft mir schon mal,zu merken,dass diese Angst eben doch nicht so irrational ist, wie ich es gedacht habe.

    Ich merke einfach,dass im Moment eine Phase ist, in der ich so sehr aufmerksam sein muss und gebe meiner Sucht wieder sehr viel Raum. Sie gehört zu mir,sie ist ein Teil von mir. Ich muss mit ihr leben und muss an ihr arbeiten. Das war im ersten Jahr bei mir noch nicht so. Da war ich einfach dankbar und mir sicher,dass ich niemals wieder in die Falle tappe,weil ich (immernoch) nicht glaube,dass ich das nochmal überlebe. Ich fühle mich nicht mehr komplett ausgeliefert,aber nach wie vor sehr verwundbar.

    Ich bin froh,hier zu sein.

    Hallo Seeblick,

    beruflich habe ich einen anderen Weg eingeschlagen,was absolut nötig und wichtig war. Aber ansonsten habe ich nicht viel verändert. Da ich nur alleine so schlimm getrunken habe und mich in Gesellschaft zurückgehalten habe,habe ich in Sachen Bekanntenkreis nichts verändert. Ich gehe aber nicht zu allen Abenden,zu denen ich eingeladen bin. So abendliche Feiern mit viel Alkhol kann ich nicht und will ich nicht. Fühlt sich nicht gut an. Essen gehen oder so ist für mich ok,weil ich viele Bekannte habe,die auch gar keinen Alkohol trinken bzw. ist es in den Situationen auch ok für mich. Das muss ich im Moment noch von Situation zu Situation und Tagesform entscheiden. Ich habe nie Alkohol zuhause. Mein Mann wusste natürlich immer Bescheid und war,glaube ich,nie gefährdet co-abhängig zu sein. Er unterstützt meine Nüchternheit und trinkt selbst zuhause nie Alkohol und in Summe eh kaum. Ich glaube,aus dem Punkt,den du ansprichst bin ich hier. Ich fühle mich nicht sicher,habe so eine irrationale Angst,dass ich irgendwann ein Glas trinke. So als hätte ich dann einen Aussetzer und könnte es nicht kontrollieren. Da habe ich seit einiger Zeit richtig Angst vor.

    Liebe Grüße

    Ein Hallo in dieses Forum,

    mein Name ist Sahnehaube. Ich bin seit Herbst 2021 trocken. Immernoch jeden Tag mindestens einmal dankbar und demütig. Ich lese schon eine Weile in diesem Forum im offenen Bereich ohne Anmeldung.

    Der Verlauf meines Trinkens war wohl nie normal. Ich habe,glaube ich,mit 18 Jahren das erste Mal Alkohol getrunken und dann direkt missbräuchlich (gegen meine Schüchternheit auch in der Schule u.a.). Dann einige Jahre lang, wenn ich getrunken habe, fast immer zuviel aber es fiel in meiner Jugend nicht so auf,da alle es genauso gemacht haben. Ich denke richtig seltsam wurde es dann mit ca. 30, als ich auch angefangen habe alleine zu trinken und auch teilweise tagsüber (seltsam fand ich selbst es allerdings damals noch nicht,eher fand ich es seltsam,dass andere das nicht tun und auch einfach so nach einem Glas aufhören zu trinken. Die Reflektion darüber setzte erst später ein). Bedingt durch Schwangerschaften inkl. Stillzeiten,in denen ich nicht getrunken habe,gab es ca. 6 Jahre in denen der Alkoholkonsum überschaubar war (allerdings wenn,dann nie kontrolliert). Richtig schlimm wurde es ca. 2019 und während der Zeit der Pandemie. Ich habe alles versucht,Trinkpausen,kontrolliert trinken mit gewissen Tagen und Anzahl an Getränken. Lächerlich…hat nicht ein einziges Mal funktioniert. 2020 habe ich aus Verzweiflung die AA besucht. Beim ersten Treffen bekam ich eine Münze: if nothing changes,nothing changes. Ich bin noch zu ein paar Treffen gegangen,aber ich habe gemerkt,dass es nicht mein Weg war. Einzig die Münze war für mich ein Schatz. Tiefpunkte hatte ich im Laufe des Jahres 2021,in denen ich nicht wusste,wie ich weiterleben soll und ob ich das überhaupt will. Nachts nicht geschlafen,morgens getrunken um zu funktionieren, auch völlig egal was,entzügig,mal bisschen betrunken,mal zu viel. Grausam. Eine wahnsinnig-machende Spirale,schambesetzt…kann nur langsam wieder dran denken,ohne mich wahnsinnig zu schämen. Nach ganz schlimmen Tagen,dann im Herbst 2021 einfach aufgehört (ich weiß,nicht gut). Mir war aber alles egal,auch ob ich sterbe. Der Gedanke an die ersten Tagen bereitet mir fast Panik Attacken. Ich bin so unendlich dankbar,dass ich nicht mehr trinke und mein größter Wunsch ist,dass ich nie nie wieder in diese Falle tappe. Ich merke langsam,da die Gedanken verblassen,dass ich den Austausch brauche. Um mich zu erinnern und nie nie nie wieder zu trinken. Hab die letzten Wochen Träume,in denen ich ein Glas trinke und wache panisch auf und bin so dankbar,dass es nur ein Traum war.

    Ich danke euch fürs Lesen dieses langen Textes.

    Sahnehaube