Beiträge von Siri

    Hallo Lunalia,

    bei einem Kind ist es sicher sehr sehr schwer.

    Hast Du psychotherapeutische Unterstützung? Regelmäßige Gespräche können wirklich sehr helfen. Auch wenn es schwer ist einen Platz zu ergattern und oft auch anstrengend in der Therapie, es lohnt sich sehr. Du könntest über psychologische Fachgesellschaften, die ausbilden, nach einem Platz suchen, da ist es oft einfacher, ein passendes Therapieangebot zu erhalten.

    Was mir in akuten Situationen hilft: ins Grüne fahren, spazieren gehen, die gute Luft, schöne Landschaft, Vogelgesang etc. genießen, also versuchen sich ganz auf den Moment zu konzentrieren und all das bewusst wahrzunehmen und dabei einen Schritt vor den anderen zu setzen. Das hilft mir, um mit überwältigenden/überflutenden Gefühlen umzugehen und mich aus der Erstarrung zu lösen: Ein Schritt vor den anderen in meinem Tempo in einer schönen, grünen und für mich beruhigenden Umgebung.

    Alles Gute für Dich!
    LG Siri

    Auch ich wünsche Euch beiden einen schönen Urlaub und schließe mich den Vorschreiberinnen an:

    Vielen Dank für Eure unermüdliche und so hilfreiche Unterstützung Aurora und Morgenrot! <3

    Hallo liebes Forum,

    mal wieder etwas von mir. Mir ging es in der letzten Zeit besser. Meine Therapie hilft mir sehr. Das zentrale Thema, das mich dort beschäftigt, ist, die Emotionen anderer auszuhalten. Sie also nicht auf mich zu beziehen und/oder auch nicht auf sie einzusteigen, in dem Sinne dass ich meine, ich sei für den emotionalen Haushalt anderer verantwortlich, also dass es dem anderen bald besser gehe.

    Ein Beispiel: Wenn ein Mitglied unserer Gruppe wegen irgendetwas in seinem Leben in der Gruppentherapie aggressiv rüberkommt, dann habe ich zu Beginn wirklich Ängste entwickelt, nun kann ich es besser einordnen und empfinde es nicht mehr als Gefahr oder Angriff auf mich selbst oder als unterschwelligen Arbeitsauftrag, sondern als ein Problem, mit dem das Gruppenmitglied zu kämpfen hat -- nicht meins. Das ist ein großer Fortschritt für mich.

    Nun ist meine Mutter erneut gestürzt und mit einem Bruch im Krankenhaus. Es ist aus ärztlicher und pflegerischer Sicht klar, dass sie nicht mehr nach Hause zurück kann. Meine Mutter will dies nicht wirklich wahrhaben, doch hat sie einer Kurzzeitpflege nun endlich zugestimmt. Ihre Wohnung ist nicht Rollstuhl geeignet. Auch die ambulante Pflege meint, dass es kein zurück mehr geben wird, da meine Mutter viel zu schwach geworden sei in den letzten Wochen. Erstaunlich ist, dass sie seit sie im KH ist nicht von Alkohol gesprochen hat. Könnte sie den Alkohol vergessen haben (Korsakow-Demenz, völlige Verwirrung)?

    Das in der Therapie Gelernte hilft mir. Dennoch ist es teils sehr schwer auszuhalten. Ich muss nun einen Langzeitpflegeplatz suchen (das KH sucht einen geeigneten Kurzzeitpflegeplatz), entscheiden wo die Langzeitpflege sein soll (weit weg von mir oder doch in der Nähe von uns), die Wohnung meiner Mutter auflösen und mit ihren Gehässigkeiten zu Rande kommen. Ohne therapeutische Begleitung und ohne meinen Mann würde ich an eine rechtliche Betreuung übergeben. So komme ich einigermaßen zurecht, auch wenn es psychische Einbrüche in Form von schlimmern Angstattacken gibt. Es ist aber auch heilsam, das ganze Debakel meiner Kindheit und Jugend nun in aller Klarheit vor Augen zu haben. Ich habe mir nichts davon eingebildet, wie meine Mutter mich und andere immer glauben machen wollte. Davon kann ich hier im offenen Bereich nicht berichten. Für mich ist es wichtig, alles schwarz auf weiß vor mit zu haben und die Lügen meiner Mutter nun klar als solche benennen zu können. Für mich ist klar: ich suche einen geeigneten Pflegeheimplatz für sie, aber ich lasse mich nicht mehr von ihr schikanieren. Bereits seit einiger Zeit verlasse ich dann konsequent den Raum, lege den Hörer auf etc. Dennoch geht es mir nach solchen Attacken dann immer eine Zeit lang schlecht. Da muss ich noch an mir arbeiten. Es ist ihrs, nicht meins.

    LG Siri

    Hallo NeuesLeben,

    es ist sehr gut für Dich und Deinen Sohn, dass Du ausgezogen bist!

    Momentan liegt die Selbstmorddrohung schwer auf meiner Seele er schreibt mir doch ernsthaft dass er sich jetzt Vodka klauen geht weil er es nicht mit dem Gürtel machen will. Unter dem Hintergrund dass sein Vater sich umgebracht hat als er 13 war bin ich nun total verunsichert. Es ist aber nicht dass erste Mal daß er mit sowas kommt aber was wenn es diesmal wikklich so ist?

    Als mich ein Ex-Freund vor vielen Jahren mit Selbstmorddrohungen verunsichert und nicht auf mein Angebot reagiert hat, sich professionelle Hilfe zu suchen, hat meine Psychologin mir sehr deutlich gemacht, dass das allein die Entscheidung meines Freundes sei, ich keinerlei Verantwortung trage, falls es passieren sollte. Es sei richtig, sich abzugrenzen und vor solchen Manipulationsversuchen zu schützen, sonst könne es leicht passieren, dass man mit in den Abwärtsstrudel gerissen wird. Du hast Verantwortung für Dich und Deinen Sohn, nicht für Deinen Ex-Mann.

    Liebe Grüße Siri (EKA)

    Hallo Fritzchen,

    Mein Kopf muss es verstehen, dass ich keine Schuld an allem habe. Aktuell bin ich noch im „was wäre wenn…“ Hamsterrad gefangen.

    Dein Kopf und Dein Herz müssen lernen es zu verstehen. Bei mir war das ein Prozess und die Trauer darüber kommt immer wieder hoch.

    Etwas sehr einfaches, was vielleicht merkwürdig klingt, mir aber geraten wurde und auch tatsächlich geholfen hat, möchte ich Dir weitergeben: Ich habe mir auf eine Karte in schönen Lettern den Satz "Ich kann nichts dafür!"

    geschrieben und an die Kühlschranktür gehängt. Jeden Tag schaue ich auf den Satz und manchmal sage ich ihn mir laut vor oder meinem Mann, der ihn dann wiederholt und mich auch oft in den Arm nimmt. Das hat mir tatsächlich geholfen bei der Akzeptanz, dass ich nichts ändern kann und es nicht in der Hand habe, dass es meiner Mutter gut geht. Es ist die Wiederholung, die hilft, aber es ist auch einfach eine Tatsache, dass es so ist: Du kannst für das Schicksal Deiner Eltern nichts, es ist nicht Deine Schuld.

    Sei lieb gegrüßt, Siri

    Ich mache mir große Vorwürfe. Wäre es mir nur früher ausgefallen, dann hätte man vielleicht noch was machen.

    Hallo Fritzchen,

    Dich trifft keinerlei Schuld an dem Alkoholismus Deiner Eltern, das möchte ich Dir gleich sagen. Es ist ganz wichtig, dies zu verinnerlichen. Du kannst leider nichts an der Alkoholkrankheit Deiner Eltern ändern. Das ist schwer auszuhalten.

    Mir hilft das Zusammensein und sprechen mit mir nahen und lieben Menschen. Es hilft mir mit der eigenen Verzweiflung und Trauer umzugehen und zur Ruhe zu kommen. Zu Beginn meines erneuten Kontakts zu meiner alten alkoholkranken Mutter haben mir auch regelmäßige Gespräche beim Krisendienst meiner Stadt sehr geholfen. Ich habe zudem wiederholt bei der Telefonseelsorge angerufen, um mir meinen Kummer von der Seele zu reden. Und nun mache ich eine Gruppentherapie. Auch hier im Forum zu schreiben und zu lesen hat mir sehr geholfen. Ich bin sehr froh und dankbar für diese Unterstützung. Für mich ist ganz wichtig zu wissen, dass ich nicht allein bin in dieser schwierigen Situation. Das wünsche ich Dir auch sehr.

    Es ist gut, dass Du hier bist. Du wirst hier gelesen und triffst auf Menschen, die Deine Situation verstehen.

    Herzlich willkommen Fritzchen!

    Liebe Grüße, Siri

    Was ich gerne verinnerlichen möchte, weil es mir wichtig ist:

    Dank von anderen einfach annehmen. Und dann z.B "gerne"/"gern gemacht" sagen, statt abzuwiegeln und zu murmeln "nichts zu danken" o.ä.

    Ich ärgere mich jedesmal, wenn mir wieder einmal so etwas herausrutscht. Denn mich freut der Dank und die so erfahrene Wertschätzung, genauso wie ich mich ja auch gerne bedanke, wenn ich Unterstützung von anderen erhalte.

    Was für ein nerviges und hartnäckiges Muster aus meiner Kindheit diese Abwehr von Dank ist! Gestern ist es mir wieder einmal passiert.

    Vielleicht sollte ich mir die Male notieren, wo mir ein fröhliches "sehr gerne!" gelingt? Vielleicht ist das wirksamer als mich über den Automatismus des alten Musters zu ärgern, wenn es mal wieder nicht geklappt hat?

    Wie gelingt es Euch, Euch in solchen Dingen "umzuprogrammieren"?

    Hallo Izzy,

    ich bin keine Alkoholikerin, sondern EKA, kenne aber die Bagatellisierung von Krankheit. Deshalb erlaube ich mir, Dir zu antworten.

    Ich glaube, da hilft nur Distanzierung, wirklich resolute Abgrenzung am besten in freundlichem Ton, ruhig und entschieden.

    Lass Dich da auf keinerlei Diskussionen ein!

    Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es nichts bringt, sich zu erklären. Im Gegenteil, es schwächt die eigene Position. Mir jedenfalls geht es besser, seit ich das lasse, und das gilft nicht nur in diesem gesundheitlichen Bereich, sondern in vielen anderen Bereichen: Man muss sich nicht dauernd erklären und rechtfertigen!

    Ich habe seit der frühen Kindheit schwere Mirgäne und eine weitere chronische Krankheit, die viele Schmerzen macht. Dieses Kleinreden und Ignorieren durch meine Mutter war sehr schädlich für mich. Es hat lange gedauert, bis ich mir als Erwachsene medizinische Hilfe für mich organisieren konnte. Ich hatte ja gelernt, dass das alles nicht so schlimm und nicht der Rede wert sei. Unter anderem wegen dieser fortdauernden Verharmlosung hatte ich vor vielen Jahren und für lange Zeit den Kontakt zu meiner Mutter ganz abgebrochen.

    Meine Mutter ist Alkoholikerin, doch denke ich, dass dieses Verharmlosen nicht an ihrer Alkoholkrankheit liegt, sondern in ihrer Persönlichkeit bergündet ist.

    Auch die Selbstüberschätzung, von der Du bei Deinem Vater berichtest, das Abfragen von irgendwelchen Symptomen, Behandlungen oder Werten, kenne ich. Meine Mutter macht das heute noch. Doch ich lasse mich nicht mehr darauf ein. Ich sage dann so etwas wie: danke, dass Du Dir Gedanken machst, aber ich habe sehr guten ärztlichen Beistand und ich vertraue dem Urteil meiner Ärzte.

    Es macht mich wirklich sauer, wenn ich Deinen Bericht lese. Ich kann das Bedürfnis, die Krankheit zu erklären, und so Verständnis für Dich und Deine Situation zu erhalten, sehr gut nachvollziehen. Ich denke aber, dass es bei Deinem Vater aussichtslos ist.

    Ich habe in den letzten Jahren gelernt, mich an Menschen zu halten, die mich in meinen Belangen, Sorgen und Nöten ernst nehmen und mir wohlgesonnen sind. Auf die Meinungen von anderen lasse ich mich nicht mehr ein.

    Alles Gute für Dich!
    LG Siri

    Ich bin überzeugt, dass meine Mutter sich für dieses Leben entschieden hat. Zumindest zelebriert sie ihren Alkoholkonsum immer wieder als eine bewusste Entscheidung.

    Zu Beginn des erneuten Kontakts hat meine Mutter mich, wie früher, immer zu provozieren versucht: sich lustig gemacht, dass ich beim Abendessen nicht mittrinken will, mir zugeprostet (komm, geht doch auch mit Wasser, das haben wir doch bereits gemacht, als Du ein Kind warst ...). Früher hat mich diese Form der Nötigung auf die Palme X( gebracht, heute bleibe ich äußerlich cool 8). Innerlich siehts manchmal anders aus, da schießt mir ab und an dann doch ein Gedanke in den Kopf wie: Du doofe Z...e kannst es immer noch nicht lassen. Wie nervig:!:

    Ihr Verhalten ist für mich ein klares Anzeichen dafür, dass sie saufen will, und dass sie andere, die Alkohol nicht trinken, abwertet (sind keine Erwachsenen ect.).

    Mittlerweile bewerte ich ihren Alkoholkonsum konsequent nicht mehr. Ich reagiere einfach nicht, wenn sie auf Alkohol zu sprechen kommt. Wenn sie mich zu ihrem Alkoholkonsum direkt fragt, betone ich, dass es ihre Entscheidung ist und ich das nicht bewerten möchte.

    Seit meine Mutter weiß, dass ich ihren Alkoholismus nicht bewerte, ist sie weniger aggressiv. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie sogar tatsächlich ab und zu ins Nachdenken über ihre Sucht kommt. Aber auch wenn sie zum Beispiel beim erneuten Einschenken Mal sagt, dass sie süchtig ist, kommentiere ich dies nicht. Ich sage höchstens, dass nur sie dies wissen kann, ob das so ist. Mehr nicht.

    Meine Mutter weiß, dass sie mich um Hilfe bitten kann, falls sie etwas an ihrer Sucht ändern möchte. Sie weiß dies, weil ich ja auch ansonsten sofort reagiere, wenn es ihr an etwas fehlt, zum Beispiel Medikamente oder ein Arztbesuch zu organisieren ist oder oder oder.

    Bei all diesen Dingen bittet sie um Hilfe. Ich schließe daraus, dass sie dies in Bezug auf ihre Alkoholkrankheit nicht will.

    LG Siri

    Ich sehe es genauso. Es ist der Alkohol, der Deiner Mutter verunmöglicht am Leben teilzunehmen.

    Bei meiner Mutter fordern die versoffenen Nächte am Morgen ebenso ihren Tribut. Das war schon in meiner Kindheit so und ist nun im Alter extrem. Sie ist bis zum späten Nachmittag/frühen Abend nicht ansprechbar. Dann ist der Tag schon vorbei. Der Pflegedienst hat sich weitgehend darauf eingestellt und kommt am frühen Nachmittag, aber auch das hat natürlich Grenzen. Meine Mutter ist ja nicht die einzige, die Pflege benötigt. Wenn sie die Konsequenzen spürt, passt sie sich laut Pflegedienst immer wieder eine Zeit lang an.

    Für mich ist es wichtig hier deutliche Grenzen zu ziehen: Zu Beginn meiner Vorsorgetätigkeit hat meine Mutter oft am späteren Abend bei mir angerufen. Das habe ich entschieden unterbunden und sie gefragt, wie es für sie wäre, wenn ich um 7:00 Uhr vor der Arbeit bei ihr anrufen würde. Sie hält sich nun daran. Für mich ist das wichtig, damit ich mich am Abend entspannen kann.

    Du siehst, es ist ein typisches Verhalten von Alkoholikern. Das hat nichts mit Dir zu tun. Es ist unmöglich, sich darauf einzustellen, geschweige denn das eigene Leben danach zu richten. Für Deinen Sohn ist es besonders wichtig vorgelebt zu bekommen, dass Ihr Euer eigenes Leben führt.

    LG Siri

    Hallo liebes Forum,

    Hallo liebes Forum,

    Zeit wieder einmal ein paar Gedanken zu mir hier zu lassen.

    Die Distanz zu meiner Mutter tut mir gut. Allerdings plagt mich zwischendurch immer wieder die Ungewissheit.

    Paradox ist, dass für mich sowohl der Gedanke, dass der Alkoholismus meine Mutter immer weiter in den Abgrund führt und sie daran qualvoll sterben kann, wie auch der Gedanke, dass sie sich stabilisiert und es ihr besser geht (es gab zum Beispiel seit dem Winter keine Stürze mehr), für mich gleichermaßen schwierig sind.

    Ich suche nach Wegen, mit der Situation meiner Mutter im Frieden zu sein, ohne wissen zu können, wie es kommen wird. Auf ihren Lebensweg habe ich ja keinerlei Einfluss. Es gelingt mir jedoch leider nicht gut, die Situation einfach anzunehmen wie sie ist ohne besorgt in die Zukunft zu gucken.

    Gut getan hat mir vor ein paar Tagen die Aussage meiner Ärtzin, dass ich mir für mich wünschen darf, dass die Sache für mich hoffentlich bald ausgestanden sein wird.

    Das war zunächst ein so befremdlicher und schlimmer, ja verbotener Gedanke. Aber ich kann ihn ja auf meine Situation begrenzen: Für mich wäre das gut. Und meine Mutter bestimmt selbst, was für sie gut ist.

    Vielleicht ist das der Trick, der das Dilemma von oben löst? Denn ich bedaure nicht, dass ich die Vorsorge für meine Mutter übernommen habe.

    So schwer und schlimm die erneute Konfrontation mit meiner Mutter im vergangenen Jahr auch war, so habe ich mich dadurch meiner Kindheit im Haushalt einer Alkoholikerin und psychisch kranken Mutter gestellt und bin nun dabei ein realistischeres Bild von mir selbst zu entwickeln. Auch spüre ich meine Grenzen jetzt viel besser und bin selbstbewusster geworden. Es gibt zwar immer noch viele Baustellen in meinem Leben, die ich bearbeiten will. Viel hat da mit sozialen Kompetenzen und dem Gespür für Grenzen zu tun. Aber das zu sehen und zu bearbeiten, ist ja positiv.

    Wahrscheinlich geht da der Weg für mich lang und wenn mir dabei hilft, dass ich von der Zähigkeit und dem Durchhaltevermögen meiner Mutter genervt sein darf, dann darf ich mir das vielleicht auch einfach eingestehen und es zulassen? Ich sorge ja trotzdem für die Pflege meiner Mutter. Was sie draus macht, ist ihre Sache.

    LG Siri

    Es ist ein altes Wohnhaus (100 Jahre) in das nie wirklich investiert wurde. Ich müsste die Fenster tauschen, der Stromkasten wurde noch nie erneuert, es wird mit alten Nachtspeicheröfen geheizt, zum Teil hängt die Decke durch (vermutlich ein gebrochener Balken?), das Bad ist in einem katastrophalen Zustand. Also ich schätze alleine in die obere Wohnung müsste man mindestens 50.000 € investieren, wenn nicht mehr, wenn man das in Eigenleistung macht.

    50.000 € scheinen mir nicht realistisch bei einem so alten Haus. Man kann ja nicht in eine Wohnung investieren, wenn die Substanz des Hauses marode ist.

    Schlimmer scheint mir jedoch, dass Du dort keine Privatsphäre hast. Wenn ich meine Mutter besuche, geht mir dies ebenso. Ich kann dort nie ganz entspannen, obwohl ich mich auf eine andere Ebene zurückziehen kann. Das ist nur aushaltbar, weil ich ja nur sehr selten hinfahre und nie länger als zwei Tage dort bin.

    Die Missachtung der Grenzen wurde mit mit zunehmendem kognitiven Verfall durch den Alkoholismus bei meiner Mutter extrem. Angelegt war dies jedoch bereits in ihrer Persönlichkeit.

    Hallo Mia,

    Dein Bericht ist erschütternd. Nichts davon könnte ich für meine Mutter tun, -- und ich hätte kein schlechtes Gewissen (mehr), es nicht zu tun.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du tief im Inneren erkennst, dass Du für die Lebensituation Deiner Mutter keinerlei Verantwortung trägst und Dich distanzieren darfst. Es ist nicht Deine Schuld, dass Deine Mutter in diesen Umständen lebt.

    Wenn Deine Mutter nicht mit dem Pflegedienst kooperiert, dann ist das ihre eigene Wahl. Ich würde ihr das klipp und klar sagen und dann auch konsequent danach handeln und ihr keinesfalls mehr zu Hilfe eilen. Sie spürt sonst die Konsequenzen nicht. Als meine Mutter das verstanden hat, hat sie sich auf die Hilfe eingelassen und kooperiert nun meist mit dem Pflegedienst. Wenn sie nicht kooperiert, spürt sie die Folgen unmittelbar und reisst sich dann wieder für eine Weile zusammen.

    Die meisten meiner Verwandten wollen nicht sehen, wie schlimm es mit meiner Mutter ist, und beschwichtigen. "Das eine mal wirst du ja ihre Wäsche waschen können, sie ist doch schließlich deine Mama. Das kann doch mal passieren"

    Deine Verwandten bagatellisieren, wie schlimm die Situation für Dich ist. Ich empfinde das als sehr übergriffig und würde es entschieden von mir weisen.

    Ich weiß, sie wird an dieser schrecklichen Krankheit sterben, aber davor fürchte ich mich gar nicht mehr. Sondern davor, dass alle sagen werden: "Warum hast du dich nicht/zu wenig gekümmert?"

    Du hast Dich nicht zu wenig gekümmert. Hoffentlich kannst Du dies bald verinnerlichen und Dich so vom Urteil Deiner Angehörigen frei machen.

    Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dir klar machst, dass das Nicht-Kümmern auch eine Chance für Deine Mutter sein kann. Nur wenn sie selbst an ihren Tiefpunkt gelangt, besteht die Möglichkeit, dass sie etwas verändern will. Im Forum wird in diesem Zusammenhang von Hilfe durch Nichthilfe gesprochen. Dazu können Dir andere im Forum besser Auskunft geben als ich.

    Es ist gut, dass Du hier ins Forum gefunden hast. Es ist so wichtig, sich in solch einer Situation Hilfe zu suchen.

    Ich selbst habe für mich viele Monate Einzelgespräche beim Kriseninterventionsdienst in Anspruch genommen bis ich dann endlich einen Therapieplatz gefunden habe. Das hilft mir, mit der belastenden Situation und meiner Kindheit besser klar zu kommen. Als es akut war udn ich nach langen Jahren ohne Kontakt mit der Situation meiner Mutter konfrontiert war, habe ich den gerontopsychatrischen Dienst bei meiner Mutter vor Ort aufgesucht und auch dort hat man mir sehr professionell weitergeholfen. Auch die Telefonseelsorge habe ich schon einmal angerufen.

    Jedes einzelne dieser Gespräche war für mich hilfreich und entlastend. Vor allem hat mir die so erfahrene Unterstützung, ebenso wie hier im Forum, dabei geholfen, die Schuldgefühle loszuwerden. Das wünsche ich Dir auch von ganzem Herzen.

    Viele liebe Grüße Siri

    Hallo Kari,

    Aber es fällt einfach schwer zu verstehen, das die anderen das nicht sehen oder anders wahrnehmen und dann zweifelt man eben doch mal, ob man das alles so richtig sieht.

    klar fällt das schwer. Aber: Für die anderen ist es doch viel leichter und praktischer, sich nicht auf Deine Sichtweise und Deine (berechtigten und völlig rationalen) Bedenken einzulassen: So können sie einfach alle Probleme und Risiken auf Deinen Schultern abladen und ohne sich selbst zu hinterfragen weiterleben. Und damit sie aus dem Schneider sind, machen sie Dir auch noch ein schlechtes Gewissen und hoffen dabei womöglich, Dich so im maroden Familiensystem zu halten.

    Es fällt einfach nur schwer so zu sein, wir hatten ansonsten immer ein gutes Verhältnis.

    Es ist unendlich schwer, nicht offen mit den eigenen Eltern kommunizieren zu können. Auch wenn ich selbst in einer völlig anderen Situation bin, fällt mir das immer noch schwer: Nie offen mit meiner Mutter kommunizieren zu können, einfach weil das immer schädlich für mich selbst wäre.

    Lindes Warnung würde ich sehr ernst nehmen. Alkoholiker reagieren ja oft unberechenbar. So eine Sucht verändert die Menschen leider massiv.

    Mir hat sehr geholfen hier bei den trockenen Alkoholikern mitzulesen, vor allem wenn sie auf Fragen von Cos oder EKAs antworten. Für mich war oft tröstlich zu lesen, dass auch die trockenen Alkoholiker betonen, dass die Angehörigen nichts an der Sucht ändern können und es nicht möglich ist, das von der Sucht geprägte Verhalten rational nachzuvollziehen.

    Ja ich arbeite daran meinen Weg zu gehen und werde das auch schaffen.

    Ich finde es sehr schön zu lesen, dass Du so klar und zuversichtlich bist. Du darfst sehr stolz auf Dich sein, dass Du das so entschieden in Angriff nimmst! Aus eigener Erfahrung, weiß ich, wie schwer das ist und was für ein Kraftakt.

    Es ist gut, dass Du Dir hierzu Unterstützung holst.

    LG Siri

    Hallo Kari,

    auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Ich musste schlucken, als ich von den Vorwürfen Deiner Schwester gelesen habe. Was die Leute denken, ist ja wohl das geringste Problem. Dafür will Deine Schwester also Dein Leben und das Deines Kindes "opfern"? Auch die Erwartungen hinsichtlich der Sanierung des Hauses Deiner Eltern machen mich sprachlos. Das ist ein Fass ohne Boden.

    Ich finde es richtig, dass Du Dich von all dem abgrenzt und distanzierst.

    Ist das wirklich herzlos von mir an mich und mein Kind zu denken?

    Nein, das ist es nicht.

    Im Gegenteil: Es ist gesund und zeigt, dass Du ein verantwortungsvoller Mensch bist, dem das eigene Wohl und das des eigenen Kindes wichtig ist.

    Lass Dich bloß nicht davon abbringen und lass Dir bitte kein schlechtes Gewissen einreden! Das ist in Familien mit Alkoholismus leider sehr verbreitet. Es ist aber grundfalsch.

    Du hast jedes Recht, Dich und Dein Kind in Sicherheit zu bringen.

    LG Siri

    Hallo Seb,

    herzlich Willkommen im Forum. Schön, dass Du uns gefunden hast. Mir hilft der Austausch hier sehr.

    Mein Beileid zum Verlust Deines Vaters.

    Deine gefühlsmäßige Ambivalenz in Bezug auf Deinen Vater kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich kenne solche spannungsreichen Gefühlslagen. Meine Mutter lebt allerdings noch. Mir hilft es sehr, die immer wieder mal hochkommende Wut zuzulassen, denn aus ihr kann ich Kraft für meinen eigenen Weg schöpfen.

    Komm ersteinmal in Ruhe hier an.

    Liebe Grüße

    Siri

    Hallo Mia,

    auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Leider ist es sehr oft so, dass alkoholkranke Angehörige sich nicht helfen lassen wollen. Genau das unterscheidet dieses Krankheitsbild auch von anderen Krankheiten, bei denen die meisten Erkrankten an der Verbesserung der eigenen Situation mitwirken. Das ist traurig und zusammen mit dem zunehmenden Verfall für Angehörige kaum auszuhalten.

    Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu spüren und sich abzugrenzen, wenn es für einen selbst zu viel ist. Das hat nichts mit Egoismus zu tun.

    Du hast zudem geschrieben, dass Du sehr viel für Deine Mutter getan hast. Funktioniert denn der mobile Pflegedienst noch? Ich selber organisiere die Pflege meiner Mutter aus der Ferne. Für mich ist die Distanz sehr wichtig und ich delegiere das allermeiste.

    LG Siri