Beiträge von Siri

    Liebe Lea, liebe Elly,

    danke Euch sehr für Eure lieben Zeilen.

    @ Lea Ich finde es toll, dass Du so klar bist und Abstand hälst. Die Kraft, die man zur Verfügung hat, ist nicht unendlich, ebenso wenig die Zeit. Für mich ist diese Konfrontation noch wichtig, um die Mechanismen besser zu verstehen und zu sehen, dass ich heute ganz anders auf sie reagieren kann. All diese indirekten Wege meiner Mutter, um mich auf Kurs zu halten, die so schädlich für mich waren. Ich bin froh, für sie nicht mehr funktionieren zu müssen und mir ist es jetzt als ich bei ihr war auch viel besser gelungen, ihre impliziten Ansprüche zwar deutlich zu spüren, dann aber zu ignorieren, wenn ich das für richtig hielt – ganz ohne schlechtes Gewissen. Diese Erfahrung hilft mir auch in meinem eigenen jetzigen Leben, denn die Alarmglocken schrillen nun doch öfter, so dass ich auch da Grenzen ziehen, Ansprüche zurückweisen und mich selbst behaupten kann.

    Zu Deinem Nachhaken, Elly. Wenn ich genauer nachdenke, ist es vor allem die Trauer darüber, was war, wie mich das geprägt und welche Auswirkungen es bis heute für mich hat. Aber es ist auch merkwürdig zu sehen, dass meine Mutter sich mit diesem Verhalten selbst so sehr schädigt. Das macht mich schon auch traurig. Das hat nicht nur mit dem Alkohol zu tun, sondern sehr viel auch mit der Persönlichkeit meiner Mutter. Da merke ich deutlich, dass es Grenzen des Nachvollziehens und Verstehens gibt.

    LG Siri

    Hallo, Ihr Lieben,

    ich bin wieder zu Hause. Es war für mich wichtig, meine Mutter zu sehen. Es geht ihr zwar nicht gut, aber sie ist fitter als ich befürchtet hatte. Sie hat sich sehr über unseren Besuch gefreut, es genossen, nicht allein zu sein und bekocht zu werden.

    Ich habe beschlossen, das Negative nicht mehr auf mich zu beziehen. Das klappt gut. Zum Beispiel lobt meine Mutter das aufwendig gekochte Essen, schließt daran jedoch sofort eine hasserfüllte Tirade über zu klein geschnittenes Gemüse (Brei!) an, das mein Mann ihr beim letzten Mal serviert hätte, wo sie doch dann nichts schmecken würde. So ist es bei ganz vielen Dingen. Die kleinsten Unstimmigkeiten in Bezug auf ihre Bedürfnisse werden mit extremen Abwertungen und Tiraden kommentiert.

    Das entspricht wohl ihrer Persönlichkeit, denn es war strukturell schon immer so. Der einzige Unterschied ist, dass in solchen Situationen nun auch viel Verzweilfung aus ihr spricht. Aber vielleicht war das auch früher so. Vielleicht konnte ich es damals nur nicht wahrnehmen, weil ich die gegen mich gewandte Aggression damals nicht auf Distanz halten konnte und dem Drama vollkommen ausgeliefert war. Diesen Hass erneut zu erleben, den sie plötzlich hat, ist mittlerweile vor allem befremdlich für mich, auch wenn es mich als Erwachsene schockiert zu sehen, was ich als Kind aushalten musste.

    Die Abwertungen und emotionalen Ausbrüche wegen Nichtigkeiten sind so extrem, dass ich heute als Erwachsene gar nicht mehr umhin komme, es als völlig skurril zu sehen. Ich kann es jetzt mit einem gewissen emotionalen Abstand als Teil einer Unfähigkeit mit Emotionen und eigenen Bedürfnissen umzugehen verstehen, auch wenn es das nicht entschuldigt. Meine Mutter kann zum Beispiel um nichts bitten, sondern versucht über Abwertungen indirekt zu erreichen, dass die Dinge so gemacht werden wie sie das will. Das Muster zu erkennen, hilft mir dabei Distanz zu halten. Und es hilft mir bei der Einordnung meiner Kindheitserlebnisse. Das Negative, die Abwertungen, all das, was mir so viele Scham- und Schuldgefühle beschert hat, hatte in erster Linie mit ihrer Persönlichkeitsstruktur zu tun. Vieles entsprang dieser Unfähigkeit und dem dysfunktionalen jähzornigen Verhalten meiner Mutter. Jetzt an ihrem Lebensende hält dieses Verhalten sie leider vollkommen in für sie endlos sich wiederholenden Enttäuschungen gefangen und führt zu einer großen Verbitterung.

    Da meine Mutter ja erst am späten Nachmittag aufsteht, hatten wir die Tage dort für uns. Wir haben den Garten auf Vordermann gebracht, was uns selbst große Freude bereitet hat. Auch meine Mutter hat sich darüber gefreut.

    Dennoch ist es nach wie vor schwer damit umzugehen, dass es jeder Zeit ganz aus dem Ruder laufen kann, zumal meine Mutter nachts oft so viel trinkt, dass es zum Filmriss kommt (sie trinkt tatsächlich nun aus kleinen Gläsern, die sie aber, wie hier jemand einmal treffend kommentiert hat, nun öfter nachfüllt :S).

    Meine Mutter ist während unseres Aufenthaltes einmal gestürzt, zum Glück ohne Verletzung. Ich bin vom Rumpeln aufgewacht und habe ihr wie in meiner Kindheit wieder aufgeholfen. Am nächsten Morgen konnte sie sich nicht mehr erinnern.

    Wir haben eine Pflegerin gesprochen, die gestern kam. Das war ein sehr hilfreiches Gespräch. Sie hat berichtet, wie es so läuft mit der Pflege und betont, dass jederzeit eine extreme Verschlechterung eintreten könne, vor allem was die Demenz betrifft. Sie werden mich dann informieren. Die Pflege ist hervorragend und das gibt mir Sicherheit. Absolut professionell, sie sind klar in den Ansagen, aber zugewandt und verurteilen meine Mutter nicht.

    Mein Leben geht weiter und ich bin froh über den größer werdenden emotionalen Abstand zu meiner Mutter und ihrer Situation, auch wenn die Trauer dadurch nicht weg ist. Die Aufenthalte sind deshalb so anstrengend für mich, weil ich wie in der Kindheit angespannt bin...immer in Angst, ihr könnte etwas passieren. Zu Hause habe ich diese Anspannung nun zum Glück nicht mehr (das war nach dem Schock des ersten Wiedersehens nach sehr vielen Jahren so), aber wenn ich dort bin, ist es so extrem, dass ich unter Dauermigräne leide. Ich muss sehr gut haushalten mit meinen Kräften und kann es mir deshalb nicht allzu oft erlauben, dort hinzufahren.

    Heute ruhe ich mich aus, werkel ein wenig zu Hause herum und gehe noch in die Physiotherapie.

    Viele liebe Grüße Siri

    Liebe Lia,

    auch ich will Dir noch etwas von mir da lassen. Wie Linde habe ich nach jahrelangem Kontaktabbruch wieder (seltenen) Kontakt zu meiner nun pflegebedürtigen und sehr kranken Mutter. Auch ich muss sehr gut auf mich acht geben, bei jedem Kontakt, um mich nicht von meiner Mutter und ihren Alkoholdramen vereinnahmen und herunterziehen zu lassen.

    Du bist sehr jung und ich möchte Dich ermutigen, wirklich einmal konsequent Abstand zu nehmen. So gewinnst Du Zeit und Raum für Deine eigene Entwicklung. Das ist so wichtig. Jeder Mensch trägt ein großes Potenzial in sich, das es zu erkunden und entwickeln gilt. Gib das nicht auf für Deine Eltern! Es wäre sicher nicht in ihrem Sinne, wenn es ihnen klar würde, und es wäre auch vergebens. Sie müssen ihre Probleme selbst lösen, es steht nicht in Deiner Macht das für sie zu tun. Menschen, die in gesunden Familienstrukturen aufgewachsen sind, können das einfach so, ihren Weg gehen, ohne dies als im Stich lassen der Eltern zu empfinden. Für viele EKAs ist das eine riesen Sache und nicht leicht zu lernen. Aber es geht und es ist gut, dass Du Dir therapeutische Unterstützung geholt hast.

    Liebe Grüße und eine dicke Portion Mut und Zuversicht für Dich

    Siri

    Ich schaffe es nur noch nicht „härtere Worte“ an meinen Vater zu richten. Bislang habe ich immer versucht ihn Verständnis entgegen zu bringen. Eben da ich Angst habe, dass es sonst noch schlimmer wird. ....
    Ansonsten ist das einzige was mir wirklich hilft eigentlich der räumliche Abstand. Bin auch nur höchstens alle drei Monate mal für ein, zwei Tage da.

    Liebe Lia,

    diese Angst, dass Du die Sucht Deines Vaters verschlimmern könntest, ist nachvollziehbar, aber absolut nicht begründet: Denn Du hast keinerlei Einfluss auf seine Sucht und sein Verhalten. Nur er allein ist für sich und seine Gesundheit verantwortlich. Du bist auch nicht verantwortlich dafür, Deinen Vater über seine Sucht aufzuklären. Er ist erwachsen und kann sich selbst bei den entsprechenden Stellen informieren.

    Was für Dich wichtig ist: ihm Deine Grenzen klar zu kommunizieren und sie dann auch einzuhalten und danach zu handeln.

    Du schreibst, das einzige, was Dir gerade wirklich hilft, ist der räumliche Abstand. Dann nehme ihn ein und auch wenn sich das zunächst falsch anfühlen mag!

    Selbst wenn Du einmal das Bedürfnis haben solltest gar keinen Kontakt mehr zu Deinem Vater zu haben, ist das in Ordnung. Das muss ja kein Kontaktabbruch für immer sein, aber selbst das dürfte sein. Du hast das Recht selbst zu bestimmen, was Dir gut tut und was nicht. Es ist gesund und richtig, dass Du Dich selbst schützt. Vertraue Deiner Intuition in dem, was Du dazu brauchst, dass es Dir besser geht.

    Viele liebe Grüße Siri

    Hallo liebe Lia,

    auch von mir ein ganz herzliches Willkommen. Auch ich bin EKA. Es ist super, dass Du hierher gefunden hast. Es ist sehr traurig zu realisieren, dass man zu Hause auf seinem Lebensweg so gar keine Unterstützung bekommt und noch schlimmer, die eigenen Gefühle nicht zeigen zu dürfen. Das ist auch extrem anstrengend und auf Dauer ungesund. Auch wenn es schwer fällt, die Abgrenzung zu Deinen Eltern ist sehr wichtig, damit es Dir gut geht. Und Du hast jedes Recht darauf, dass es Dir gut geht! Denn es ist ja leider tatsächlich so, dass Du wirklich nichts tun und nichts an der Situtaion Deiner Eltern ändern kannst. Das können nur sie selbst.

    Scham- und Schuldgefühle kenne ich auch sehr gut. Es ist wichtig und toll, dass Du Dich mit ihnen auseinandersetzt. In Deinem Alter war ich längst noch nicht so weit! Du trägst keinerlei Schuld an der Situtation Deiner Eltern. Das weisst Du ja. Es aber auch wirklich zu verinnerlichen, ist trotz dieser Erkenntnis nicht ganz so leicht. Aber es kann gelingen und ein befreiender Prozess sein, der zu mehr Selbstsicherheit, Gelassenheit und Verständnis für sich selbst führen kann, auch wenn es oft auch ein schmerzhafter Prozess ist.

    Viele liebe Grüße Siri

    Hallo liebes Forum!

    Ein kurzes Update von mir.

    Mir geht es gesundheitlich viel besser. Endlich kann die Physiotherapie beginnen. Nach Monaten kann ich nun auch wieder meist durchschlafen ohne vor Schmerzen alle paar Stunden zu erwachen.

    :) Es geht bergauf! :) Die Sport-Reha fängt bald an und ich kann auch endlich wieder arbeiten :).

    Mit meiner Mutter komme ich viel besser zurecht. Ich habe akzeptiert, dass sie selbst trotz aller Schwierigkeiten und der vielen gefährlichen Stürze nicht in ein Pflegeheim will (nach Auskunft der Pflegerin, mir gegenüber äussert sie das nicht). Angemeldet habe ich sie ja in verschiedenen Heimen, doch werde ich dort nichts forcieren. Bei dem Mangel an Plätzen müsste man eigentlich die Dringlichkeit wiederholt anmelden, um tatsächlich berücksichtigt zu werden. Das werde ich aber erst tun, wenn mich meine Mutter explizit darum bittet.

    Mein Mann hat verschiedene Heime mit ihr zusammen angeschaut, so dass sie nun eine konkrete Vorstellung hat. Es tut mir gut zu wissen, dass wir nun alles getan haben und es nun bei ihr liegt, wie es weitergeht. Die Ärztin wird eingreifen, wenn es aus medizinischer Sicht zu Hause nicht mehr zu verantworten ist.

    Auch die regelmäßigen Telefonate nehmen mich nicht mehr so mit. Ich kann mich mittlerweile gut abgrenzen.

    Als sie vom letzten Sturz so erzählt hat als wäre er gerade eben erst passiert, war ich aber doch sehr alarmiert. Es hat gedauert zu bemerken, dass sie ja von der Vergangenheit erzählt. Zum Glück ist es einigermaßen glimpflich verlaufen. So schwer zu stürzen muss aber diesmal traumatisch für sie gewesen sein. Diese Verzweiflung zu spüren, tut weh. Ich versuche sie dann zu trösten und zu beruhigen, was auch funktioniert. Ich denke, dass meine Mutter tief im Innern weiß, dass sie sich in einer lebensgefährlichen Situation befindet.

    Es ist gut für mich zu spüren, dass mein eigenes Leben weitergeht und ich nicht mit ihr untergehen muss. Das gibt mir Kraft und Zuversicht.

    Ich habe das tiefe Bedürfnis sie zu sehen und habe beschlossen, zu Ostern zu ihr zu fahren.

    Liebe Grüße Siri

    Hallo AliJe,

    auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.

    Zu lesen, dass Du Deinen Vater bei Dir aufgenommen hast, hat mich ehrlich gesagt schockiert. Ich wusste lange nicht, wie ich auf Deinen Post reagieren soll. Ich kann gut nachvollziehen, dass das überfordernd und völlig unhaltbar ist.

    Auch wenn es sich für Dich vielleicht falsch und herzlos anfühlen mag, denke ich, dass Dein Vater baldmöglichst wieder ausziehen sollte, damit Du nicht selbst immer weiter in seinen Strudel mit hineingerätst.

    Hast Du bereits versucht Dir vor Ort Hilfe für Dich zu holen (z.B. Suchtberatung für Angehörige)?

    Für mich wäre es völlig undenkbar mit meiner alkoholkranken Mutter ein Haus zu teilen und ich würde alles daransetzen, diese Situtation so schnell wie möglich zu beenden.

    Du schreibst von vielen Krankheiten und großer Schwäche. Ist Dein Vater eventuell pflegebedürftig, so dass ein Pflegeheim in Frage käme? Auch wenn das jetzt sehr hart klingt, selbst ein Heim für schwer Suchtkranke und Obdachlose würde ich in Erwägung ziehen und ihm als Möglichkeit vorschlagen.

    Ganz wichtig finde ich, dass Du Dir für Dich selbst Unterstützung holst, damit Du jemanden hast, der Dich mental und psychisch stärkt. Mir hat bei der erneuten Konfrontation mit meiner suchtkranken Mutter und den damit verbundenen heftigen Emotionen (Verzweiflung und Panik, Wut, Trauer und Schuldgefühlen) der Sozialpsychatrische Dienst sehr geholfen (Kriseninterventionsdienst). Dort konnte ich viele Wochen psychologische Unterstützung erhalten bis ich einen Therapieplatz gefunden habe.

    Liebe Grüße

    Siri

    Liebe Anonymi,

    Dein Bericht ist erschütternd und ich verstehe Deine Verzweiflung.

    Es ist die Sucht, die den Alkohol an die erste Stelle setzt, und das unbedingte Verlangen weiterzutrinken mit allen Konsequenzen, die das hat. Mir hat eine Suchtberatung für Angehörige, die ich über mehrere Monate in Anspruch nehmen konnte (Krisenintervention) geholfen, das zu erfassen. Es ist unendlich traurig, dass es so ist und sehr schwer akzeptieren zu lernen, dass es ausserhalb der eigenen Macht steht, den Angehörigen vor der Sucht und vor sich selbst zu retten. Auch die Ärzte vermögen das nicht ohne Einsicht und gegen den Willen des Patienten, auch wenn sie in der jetzigen Situation sicher alles für Deinen Bruder tun.

    Aus Deinen Zeilen lese ich eine tiefe Verbundenheit mit Deinem Bruder. Ich denke, dass er Deine Präsenz sicher spüren wird.

    Alles alles Gute,

    Siri

    Hallo Anonymi,

    Du wirst sicher bald von den ModeratorInnen offiziell begrüsst. Inzwischen von mir (EKA) ein herzliches Willkommen.

    Ich möchte Dich am liebsten in den Arm nehmen und fest drücken. Ich kenne solche widersprüchlichen Aussagen von Ärzten und Pflegern auch, gerade wenn es um die Einschätzung des gesundheitlichen Zustands geht. Da steckt ja niemand wirklich drin und eine Verschlechterung kann sehr plötzlich massiv eintreten, eventuell auch für das Gesundheits- und Pflegepersonal unerwartet.

    Lass Dir bitte kein schlechtes Gewissen einreden. Aus der Ärztin spricht womöglich auch ein gewisses Mass an eigener Überforderung. Die Ärzte im KH stehen ja unter enormem Druck.

    Du und Deine Mutter, ihr habt gekämpft und sicher alles versucht.

    Die Hürden jemanden zwangseinzuweisen sind vom Gesetzgeber sehr hoch angesetzt. Deshalb sind die Ärzte diesbezüglich sehr zurückhaltend. Erst die Feststellung eines geistigen Gebrechens, das die Willensbildung verunmöglicht, würde eine Zwangseinweisung möglich machen. Die Folgen der Alkoholsucht allein reichen hierzu nicht aus, auch wenn die Sucht bereits kognitive Einschränkungen und starke körperliche Symptome zur Folge hat. Bei einer unmittelbar lebensbedrohlichen Situation ist das dann anders. Das ist schwer nachvollziehbar und für mich als Angehörige ist es auch nicht leicht zu akzeptieren, dass es nicht in meiner Macht steht, meine Mutter in ein Pflegeheim einzuweisen, so dass ihr die nötige Fürsorge zukommt. Es ist unendlich traurig mitansehen zu müssen, wie ein vertrauter Mensch diesen Weg nimmt.

    Ihr tragt keinerlei Schuld an der Situation! Das möchte ich Dir hier lassen.

    Dir und Deiner Mutter viel Kraft.

    Liebe Grüße Siri

    Hallo liebe Melli,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier bei uns.

    Du hast Schlimmes durchgemacht und es ist gut, dass Du Dich um Dich selbst kümmerst und Dir Unterstützung für Dich geholt hast. Lass Dir bitte kein schlechtes Gewissen von Deinen Verwandten oder sonstwem einreden. Du bist nicht für das Leben und Wohl Deines Vaters verantwortlich, das ist ganz allein er selbst. Er selbst ist für seine Lebenssituation verantwortlich. Du kannst nichts dafür!

    So wie ich es aus Deinem Text herauslese, weisst Du tief im Innern, dass Deine Entscheidung, den Kontakt abzubrechen, richtig ist. Zu Menschen, die Dich dabei verunsichern, würde ich entschieden auf Distanz gehen.

    Auch ich kenne das Gefühl, als Kind die Verantwortung zu Hause für einen Elternteil und den Haushalt übernehmen zu müssen, die Angst, dass sonst alles entgleist und den Bach heruntergeht. Auch ich habe den überlauten Fernseher jede Nacht abgestellt, wenn meine Mutter endlich auf dem Sofa eingeschlafen war und sie teilweise ins Bett gebracht. Wenn man so lebt, steht man immer unter Spannung und Strom, die gesamte Kindheit, das ist sehr anstrengend psychisch und physiologisch. Ich selber habe mehrere chronische Krankheiten wohl auch deshalb entwickelt, unter anderem eine extrem schlimme Migräne. Es dauert lange bis sich die seelischen und körperlichen Folgen bessern, aber es kann mit professioneller Hilfe von aussen wirklich besser werden, auch wenn es Geduld braucht. Das kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen.

    Dass Du Dich abgrenzt und den Kontakt zu Deinem Vater abgebrochen hast, ist eine gesunde Reaktion und ein wichtiger Schritt auf dem langen und immer wieder auch schweren Weg zur Heilung und zu Dir selbst. Lass Dich auf diesem Weg bitte nicht beirren. Niemand hat das Recht darauf, sich hier einzumischen und Dich zu verunsichern.

    Liebe Grüße

    Siri

    Liebe Sare,

    dass das wahrscheinlich so sein wird, sehe ich auch. Ich rechne damit. Deshalb fühle ich mich nicht schlechter oder besser. Wenn ich ihr die eingehenden Heimplätze nicht anbieten würde, würde ich meine eigenen bisherigen Bemühungen selbst unterminieren. Darin sehe ich keinerlei Sinn. Eine Planänderung würde mich mehr Kraft kosten, da sowas ja Überlegung/mentale Energie kostet. Die Umsetzung werde ich aber weitgehend delegieren, das werde ich mir alles nicht antun.

    Die Vorwürfe meiner Mutter perlen an mir ab. Traurig daran macht mich nicht, was sie mir vorwirft, sondern dass solche Strategien, mich kleinzuhalten und von meinen Plänen abzubringen, früher so lange gefruchtet haben und ich diese falschen Bilder von mir selbst internalisiert habe. Das hat mich im Leben oft davon abgehalten, mich durchzusetzen. Es ist gut, das jetzt so genau anzusehen und zu durchschauen, wie diese Mechanismen funktionieren, an welchen Punkten sie bei mir ansetzen und welche Funktion sie für meine Mutter erfüllen sollen. Meine Mutter ist ja nicht die einzige Person auf der Welt, die Strategien anwendet, um andere kleinzuhalten und in ihrem Sinne zu manipulieren. Tatsächlich ist so etwas ja weit verbreitet. Menschen (ich auch) sind keine :saint:.

    Ich verspüre aber auch keine Rachegelüste nach dem Motto Soll-sie-doch-schauen-wie-sie-zurecht-kommt. Ich weiss ja, dass sie nicht ohne Hilfe zurecht kommt und werde das Erforderliche machen/veranlassen, aber auch nicht mehr als das.

    LG Siri

    Liebe Sare,

    ich verstehe Deine Sicht, aber ich habe meine Mutter ja bereits mit ihrem EInverständnis bei verschiedenen Heimen angemeldet und werde es so durchziehen wie geplant. Es ist für mich am einfachsten und wenigsten aufreibend, einfach den einmal gefassten Plan durchzuziehen.

    So klar ist es zudem nicht, dass meine Mutter einen Umzug generell ablehnt. Meine Mutter ist nicht mehr in der Lage ihre Situation richtig einzuschätzen. Sie überblickt ihre Situation nicht mehr und ich bin auch rechtlich verpflichtet Vorsorge zu treffen. Es wäre natürlich auch persönlich für mich eine große Entlastung sie in einem Pflegeheim versorgt zu wissen, auch wenn sie dort ebenso stürzen könnte. Ich hoffe einfach, dass sie bis zur Heimaufnahme nicht schwer verunglückt.

    Je öfter sie im KH oder beim Unfallarzt vorstellig wird, desto eher kann ich beim Betreuungsgericht eine Heimeinweisung erwirken. Diesen Weg werde ich gehen bzw. werde jetzt die Hausärztin bitten, das zu übernehmen, sobald es rechtlich aufgrund ihrer kognitiven und sonstigen Einschränkungen möglich ist. Die Diagnosen, die im KH erstellt wurden, helfen die Weichen hierfür zu stellen. Ich selber kriege die Arztberichte nicht, doch die Hausärztin erhält sie und hatte mir ja versprochen die Heimeinweisung zu erwirken, sobald es möglich ist.

    LG Siri

    Hallo Ihr Lieben,

    meine Mutter ist am frühen Morgen unserer Abreise leider wieder einmal schwer gestürzt und ins KH gekommen. Nach einem Tag Beobachtung wurde sie zum Glück wieder entlassen. Das hat unsere Rückreise überschattet. Sie ist nun bereits 3 Mal in 6 Wochen so schwer gestürzt, dass sie ärztliche Versorgung benötigt hat. Obwohl sie das selbst durchaus besorgt, zieht sie das Alleinewohnen weiterhin vor.

    Ich bewerte es nicht mehr, sondern werde einfach weiterhin meine Linie fahren und ihr Wohnheim-Plätze anbieten, sofern es sie denn geben sollte. Ob sie diese annimmt oder nicht, ist ihre Sache.

    Es ist hart, mitanzusehen, dass sie diesen schweren Weg nimmt. Sie fühlt sich allein, das merke ich ihr beim Telefonieren an. Zugleich nimmt es mich nicht mehr so sehr mit. Da meine Mutter versucht ihre eigene Schwäche zu überspielen, indem sie mir am Telefon Vorwürfe macht, fällt die Distanz nicht allzu schwer. Es ist gut, dass ich nun anders als in meiner Kindheit verstehe, mit welchen Mechanismen meine Mutter mich klein gehalten hat, um in allen Situationen nur ja immer die Oberhand und vermeintlich die Kontrolle zu behalten, und dass diese Mechanismen nicht mehr wirken. Dennoch ist es traurig, das so klar vor Augen zu haben. Dieses blöde und dumme Verhalten war für mich sehr schädlich. Und nun, wo es das nicht mehr ist, führt es zur völligen Isolation meiner Mutter. Denn ich kann und will mich nicht selbst verraten und beende dann immer konsequent das Gespräch, ohne dass ich mich aufrege oder ihr Vorwürfe mache, aber doch sehr bestimmt und unmittelbar.

    Ich vermisse den Strand und das Meer, aber heute habe ich die erste Nacht wieder durchgeschlafen. Der Nerv, der mich seit Monaten in den Wahnsinnn treibt, hat wohl endlich klein bei gegeben und tut nun kaum noch weh! Gleichzeitig bin ich unendlich müde und erschöpft, obwohl (oder vielleicht gerade weil?) sich die gruselige Versteifung und die Verspannungen langsam zu lösen beginnen.

    Es geht nun wohl endlich aufwärts und ich trete somit aus dem IAS-Club ab sofort wieder aus! :)

    Stattdessen werde ich mich bei einem Aquafit-Kurs anmelden. Das hat eine sehr hilfreiche persönliche fachärztliche Beratung bei meiner Krankenkasse als Option ergeben und wird, wenn alles gut geht, sogar von der Kasse über sehr lange Zeit unterstützt. Die wirklich hervorragende und detaillierte Beratung hat mich davor bewahrt, mich im Dschungel der IGEL - Leistungen zu verirren und alle Optionen dargelegt, die die gesetzliche Versorgung bereitstellt und wie man sie bekommt. Ich war sehr positiv überrascht und kann nur empfehlen, das kassenärztliche Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen, wenn man nicht mehr weiter weiss mit einer Erkrankung.

    LG Siri

    Schmerztabletten nehme ich keine, weil die üblichen gegen Nervenschmerzen nichts helfen und weil ich um den Teufelskreis weiß. Das einzige, was wohl Aussicht auf Erfolg hätte, wären sehr heftige Medis und Nervenblockaden, die Medis alle mit Suchtgefahr, die Blockaden mit hohen Risiken behaftet. Die Medis, zumal sie alle Benebeln kommen für mich nicht in Frage, bei der Option Nervenblockade bin ich am überlegen, das wäre im Krankenhaus. Besser wäre es ohne durchzukommen.

    Es wird aufhören, das weiss ich auch aus Erfahrung, deshalb ist Aufgeben keine Option. Aber es ist gerade sehr schwer, sich das immer und immer wieder vor Augen zu halten. Ich werde einfach Ausflüge für mich planen, um wenigstens kleine Ziele und dann auch Auszeiten zu haben.