Ich weiß einfach nicht genau, wie es weitergehen soll von alleine wird er sich nie die Hilfe suchen können, die er braucht. Allein schon weil er gar nicht denkt, DASS er sie braucht.Es fällt mir einfach schwer zu glauben, dass unsere Beziehung nicht gut ist, es gibt so viele schöne Momente und seine Gehässigkeiten sind auch bestimmt nicht kalkuliert, das glaube ich nicht. Eher aus einem Selbstschutz heraus…
Das macht’s aber auch nicht besser, das ist mir eigentlich klar.
Die glückliche Zukunft scheint irgendwie so greifbar aber eben doch unerreichbar. Manchmal denke ich mir wirklich: „was mache ich eigentlich hier?“ wenn es ganz schlimm ist und ich komplett verzweifle.
Hallo Monstera,
Ich bin in unserer Beziehung der Alkoholiker, der nicht wusste, das ich Alkoholiker bin. Meine Frau war in einer ähnlichen Situation wie Du.
Diese Krankheit hat unendlich viele Gesichter, so unendlich wie es verschiedene Menschen gibt. Deshalb ist das sicher nicht auf Deinen Freund übertragbar. Dennoch schreibe ich es Dir mal aus meiner Sicht, wie es bei uns war.
Ich habe schon getrunken, als wir vor 13 Jahren zusammen kamen. Für mich war das einerseits normal, abends Alkohol zu trinken. Anderseits habe ich schon gemerkt, daß es schon viel ist, was ich da so Woche für Woche getrunken habe. Ich konnte da aber schon nichts mehr machen, weil ich da schon Alkoholiker war, was ich gar nicht wusste. Die Einsucht hat mir vollkommen gefehlt.
Das schlimme an dieser Krankheit ist, das sie nicht stehen bleibt. Sie wird immer schlimmer. Es ist wie ein Strick, den man um den Hals hat und der sich immer weiter zu zieht.
Ich habe ganz langsam immer stärkere Probleme bekommen, den Alltag zu bestehen, bis ich einfach nicht mehr konnte. Ich hatte ja nur abends getrunken, nie tagsüber. Die Krankheit wollte aber, das ich auch Tagsüber trinke und hat mir das ganz klar und deutlich an immer exremeren Entzugserscheinungen gezeigt, die ich tagsüber bekam, bis ich einfach nicht mehr konnte. Ich habe nie heimlich getrunken. Bis auf einmal:
An einem Samstag wollten meine Frau und ich Fahrrad fahren. Ich dachte natürlich wie jeden Tag an die bald auftretenden Entzugserscheinungen die mich den ganzen Tag wieder quälen werden. So kam mir die Idee, schnell mal am Kühlschrank einen tiefen Schluck Wein zu trinken damit ich wenigstens einen schönen Tag mit meiner Frau habe. Ich war danach ja nicht besoffen sonder würde nur gut funktionieren.
Prompt kam in dem Moment, als ich die Flasche am Hals hatte, die Ecke rum!
Sie war entsetzt und hat mich gefragt, was das soll. Na ja und da habe ich ihr offen und ehrlich gesagt, was mit mir los ist. Sie hatte auch gewusst, daß ich sehr viel trinke, zuviel. Aber sie hatte keine Ahnung, was mit mir wirklich los ist.
Nun bin ich ein sehr offener, gradliniger Mensch. Ich habe ihr gesagt, daß ich das angehen werde weil ich selber mit dem allen nicht mehr zurecht kam. Es hat noch ein halbes Jahr gedauert,bis es so schlimm wurde, das ich echt vor der Wahl stand: morgens auch schon trinken, mit allen Konsequenzen: Frau weg, Führerschein weg, Haus weg, Arbeit weg, Gosse oder Arzt. Ich habe mich für die Suchtberatung und den Arzt entschieden. War nicht die dümmste Entscheidung in meinem Leben.
Meine Frau hätte das auf Dauer nicht mitgemacht. Das war mir klar. Sie liebt mich sehr und wir passen wie die Faust aufs Auge zusammen aber auf Dauer wäre sie weg gewesen und das wäre für sie auch der einzig richtige Weg gewesen.
Seih wachsam. Alles Gute.