Beiträge von koda

    Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob das einordnen wirklich immer so hilfreich ist. Die gefahr sehe ich in zuviel verständnis für den trinkenden partner und sein eigentlich desaströses verhalten, das dann wiederum dazu führen kann, daß man sich noch mehr aufbürdet, noch mehr erträgt, weil man jetzt ja noch verstehen kann, warum der andere sich so verhält. Die eigenen symptome wie übelkeit, schlaflosigkeit, weinen fand ich da als wegweiser für mich hilfreich. Als du geschrieben hast, du wünschst dir mal jemanden, der sich schützend vor dich stellt, das ist eine wichtige info, die von dir selbst kommst, das du das jetzt brauchst.

    Hallo, das ist ja ne schlimme situation in der du dich befindest. Gemeinsame kinder, gemeinsame wohnung und gemeinsame firma. Kein wunder, daß dir das über den kopf wächst, zumal er ja den alkohol überall integriert hat und dich damit unglaublich rein und runterzieht. Hast du eine freundin, die dich unterstützen Kann? Das mit dem anwalt finde ich auch eine gute idee. Hol dir hilfe, du hast JEDES recht dazu.

    Pass auf dich auf!

    Also wenn er schon morgens trinkt, dann kann es ja theoretisch immer sein, daß er mit pegel auto fährt, und damit ist die fahrt und das kind einem riskiko ausgesetzt. Je nach level, den er braucht, kann das ja immens viel werden, ohne daß du es merken würdest. Aus sicht des alkoholikers ist es kein problem, weil er ja vielleicht erst funktioniert ( und aus seiner sicht dann sicher fahren kann) wenn er auf level ist.

    Ich trinke ja selbst selbst seit monaten nichts mehr, und habe kneipenausflüge auch eher vermieden. Jetzt bin ich am wochenende mal wieder mitgegangen, und trotz nichtkonsums mit übelkeit und erbrechen aufgewacht. Vor zwei wochen hatte ich die gleichen symptome schon mal, allerdings ohne kneipenbesuch. So ganz verknüpfen kann ich die beiden sachen also nicht. Ich tippe auf meine psyche, die die erlebnisse im frühjahr noch nicht verarbeitet hat. Und in der kneipe all die trinkenden menschen zu sehen, hat mich vielleicht mehr gestresst, als ich in dem moment wahrnehmen konnte. Ich wollte das gerne mit euch teilen, aber auch mal in die runde fragen, ob das jemand kennt.

    Irgendwo bin ich aner auch „sauer“ dass es nie so ernst genommen worden ist, wenn ich gesagt habe dass mein Vater ein Alkoholiker ist :(

    Diese Gleichzeitigkeit an Gefühlen und Gedanken, die scheinbar so widersprüchlich sind, kenne ich auch nur zu gut. Mir wurde manchmal vorgeworfen, daß ich nicht genug Position beziehe, weil ich doch diejenige war, die den meisten Einfluss, weil engste Bindung zu unserem Vater hatte. Das hat immer solch einen Druck erzeugt, als hinge es an mir, und mir alleine, meine Verbindung zu nutzen, um ihm ins Gewissen zu reden. Ich bin so dankbar für dieses Forum, weil ich hier zum ersten Mal seit Jahren lesen durfte, was ich schon seit langem gespürt habe, daß es nicht in meiner Macht steht, meinen Vater zu ändern, und das auch nie der Fall war. Ich habe meistens darauf beharrt, daß ich das nicht kann und auch nicht will, aber es war nicht einfach, den Vorwurf auszuhalten, daß ich mich nicht genug "reinhänge".

    Willkommen hier, Mace. Schön, daß du hierher gefunden hast.

    Abstand ist gut! Und wenn es soweit ist: darüber reden.

    So habe ich das auch erlebt, ich bin ebenfalls in einem sehr destruktiven Suchthaushalt groß geworden, ohne die Dynamiken irgendwie zu überblicken, habe ich die Auswirkungen auf die Atmosphäre zuhause immer als durchtränkt von seelischer Not, Schwere, Wut und Stagnation empfunden. Ich bin auch früh ausgezogen, weil es buchstäblich nicht zum Aushalten war, nicht ganz ohne schlechtes Gewissen, weil ich meinen Bruder damit alleine liess, aber ich bin froh, daß sich da eine Art Überlebenssinn durchsetzte, der mich darin bestärkte, mir ein Zuhause zu suchen und zu schaffen, an dem ich mich sicher fühle, und an dem ich frei atmen kann. Das Drüber reden kam deutlich später, ich bin auch jahrelang in den Rückzug, und ich bin nachwievor sehr vorsichtig, was ich mit meinen Eltern besprechen möchte. Als hilfreich habe ich immer eher den Austausch mit anderen empfunden. Auch das Schreiben, und Tagebuchführen hat mir sehr geholfen.

    Trotzdem habe ich mich Anfang des Jahres an der Seite eines triefnassen Alkoholikers wiedergefunden, und habe über die Auseinandersetzung in diesem Drama eine neuerliche Auseinandersetzung mit meinem Elternhaus begonnen. Vorallem die Beziehung und Rolle meines Vaters sehe ich gerade mit anderen Augen, sehr lange bin ich einfach seiner Opfererzählung gefolgt, und konnte aus seiner Sicht immer nachvollziehen, warum er getrunken hat. Was aus heutiger Sicht völliger Quatsch ist, denn woher soll ein Kind wissen, warum ein Erwachsener trinkt – und wie kommt der Erwachsene überhaupt dazu, sein Kind darüber aufzuklären, warum er trinkt, außer mit der Intention es zu seinem Ally zu machen, was das Zuhause mehr zu einem Kriegsschauplatz macht, als zu einem sicheren Hafen.

    Den Prozess empfinde ich auch gerade am schmerzhaftesten: die eigene Erzählung aus meiner Kindheit zu überarbeiten, daß die Täter-Opfer-Dynamik so eindeutig nie war, und ich als Kind gehörig instrumentalisiert wurde. Anders wahrnehmen, anders aufschreiben, und das Geschriebene sowie das hier jetzt auch als Momentaufnahme sehen. DIe Wahrheit gibt es nicht, es gibt nur meine Sichtweise darauf. Woran orientiere ich mich? Ist mir seit ich hier angemeldet bin und mitlese, manchmal schreibe, auch immer wieder eine Frage: mein Körper erscheint mir da ein wichtiger Partner, vielleicht mein wichtigster. Gedanken, auch, z.B. wenn ich nachts vom Grübeln wachwerde, aber es ist vorallem mein Körper, der sie vor mir hört, oder sie als bewusst/wach wahrnimmt.

    Drüber reden würde ich für mich weiter fassen. Einen Ausdruck finden, es aus meinem Kopf (ungeordnet, fragmentiert, ein Gebilde aus Erinnerungen, Momentaufnahmen, Gefühlen) hinüber in die materielle, physische Welt befördern, ordnen, sortieren, als Text, als Gespräch, als Bild. Hatte jetzt schon öfters ein Gefühl der Erleichterung, weil es anderen hier ähnlich ging/geht wie mir. Das Gefühl nicht alleine zu sein, und dranzubleiben, mich zu bewegen.

    Da bin ich auch drauf gestossen.

    Hier noch mal was du selbst vor ein paar tagen geschrieben hast

    Imzwischen trinkt er täglich, vom frühen Morgen. Er ist kaum noch ansprechbar, wenn ich ihn über was Ernstes anspreche, fängt er an, mich zu beleidigen und beschimpfen. Neulich sind dazu Drohungen gekommen.

    Und

    Wenn meine Tochter ihm was sagt, dass ihm nicht passt, fängt er an, mich anzubrüllen, ich wäre sie gegen ihn anspielen.

    Dein kind bekommt alles mit und wird mit reingezogen. Es kann sich nicht schützen, und IST damit gefährdet. Und wenn gedroht wird, seid ihr beide in Gefahr. Ich bin selbst in einem Suchthaushalt gross geworden, in meinem fall war es die schreiende co abhängige mutter, und es hat mich ziemlich traumatisiert. Ich wollte als erwachsene auch nicht mehr in dem haus schlafen, wo sich soviel ereignet hat.

    Was kannst du tun, um dich und dein kind zu schützen?

    Es gibt ja auch Fälle in denen ein Eingreifen lebensrettend ist. Der Süchtige tatsächlich nicht mehr handlungsfähig ist.

    Guten morgen Ich51 , ich habe deinen faden still mitgelesen und mich da auch ein Stückweit wieder gefunden, vorallem was die immense Sorge angeht und das Gefühl der Hilflosigkeit, daß du beschreibst, wenn er wieder vor deiner Tür steht, und nicht mehr klarkommt - oder dir das Gefühl vermittelt, nicht mehr klarzukommen. Du bist seine erste Anlaufstelle, und solange du ihn immer wieder hereinlässt, wird das auch so bleiben. Vielleicht schaffst du es ja, in solchen Momenten kurz durchzuatmen und zu überlegen, wie sinnvoll seine Bitte gerade ist. So wie die anderen es auch schon geschrieben haben, Wasser gibt es hierzulande aus der Leitung, und Tabak kann er sich auch selbst kaufen (oder halt keinen, wenn er kein Geld hat). Bei mir war es so, daß ich in einer akuten Krise auch ein Zimmer bezahlt habe für ihn, weil ich solche Angst hatte, daß er die Nacht auf der Straße zubringen muss, kannst du bei mir nachlesen. Im Nachhinein war das auch ganz schön dumm von mir, ich wusste mir in dem Moment nicht besser zu helfen. Es war nachts, er völlig betrunken, ich wusste nur, ich will ihn in seinem Zustand nicht in der Wohnung haben, und gleichzeitig habe ich mich so verantwortlich gefühlt, daß er einen sicheren Ort hat zum schlafen.

    Im Endeffekt hat er das Zimmer noch nicht mal benutzt, sondern sich doch selbst ein Zimmer gesucht. Da kam dann echt auch Wut in mir hoch. Weil er eben kein fünfjähriges Kind mehr ist, um daß man sich kümmern muss, sondern ein erwachsener Mann, der auch im betrunkenen Zustand sich ein Hotelzimmer buchen kann. Der Weg über mich und die Bitte bei mir zu schlafen war natürlich erst mal einfacher - für ihn. Und während er keinen weiteren Gedanken daran verschwendet hat, daß ich umsonst ein Zimmer gebucht hatte, hatte ich tagelang ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht genug macht habe. An der Stelle hats bei mir geklickt. Bis dahin hatte ich mir immer gesagt, er würde das gleich auch für mich tun. Aber nein, würde er nicht, und hat er nicht, und konnte er nicht. Weder war ich dafür verantwortlich, daß er überhaupt in Notlage kam, noch ihn da wieder rauszumanövrieren.

    Vielleicht hilft es dir ja auch, ein bisschen mehr auf deine Wut zu hören. Denn die gibt es ja auch, und sie kann eine gute Orientierungshilfe sein, um dir zu vermitteln, wo deine Grenzen überschritten werden/wurden.

    Hoffnung wieder besseren wissens, so würde ich das für mich formulieren. Ich hab das als mit dem Kopf durch die Wand wollen erlebt, die fixe Idee, wenn man selbst nur lang genug alles versucht, daß das irgendwann reichen könnte. Bei mir war/ist das tief in meiner Persönlichkeitsstruktur angelegt. Bei meiner Arbeit führt es dazu, daß ich so lange dran bleibe, bis die Dinge werden / fertig und schön. In Beziehungen ist es komplizierter, weil der andere ja kein Projekt ist, und einen eigenen Willen hat.

    Ich wünsch dir einen tollen Tag liebe Lütte, ich finde es klingt toll wie du es angehst!

    Koda

    Immer wieder Flashbacks von Situationen in meinem Leben, in denen der Alkohol eine Rolle gespielt hat, und in denen ich mich ausdrücklich nicht zurückgezogen habe, sondern erst recht die Begegnung mit Betrunkenen gesucht habe: wenn sie bedürftig wurden, sich "öffneten" oder meine Hilfe brauchten, - was ich dann schon fast reflexartig mit Nähe verwechselt habe, und mich besonders verbunden gefühlt habe. In meiner Wahrnehmung tranken für mich besondere Menschen oft besonders viel Alkohol, und wurden dann besonders interessant. Das Muster in Teilen war mir schon länger über mich bekannt, bloss den Alkohol hab ich dazu ausgeblendet. Wie konnte ich so blind sein?

    Sie sagt ins Bezirkskrankenhaus könnte sie nicht, weil auf der geschützten Station wird man nur angenommen, wenn man dort quasi klingelt und man müsste betrunken sein

    Dannn kann sie ja klingeln. Klingt eher wie eine ausrede.

    Ich kann berichten, wie ich es erlebt habe. Um auf der suchtstation aufgenommen zu werden, braucht es neben der krankeneinsicht des kranken papiere. Versicherungsschutz. Es muss klar sein, wer die kosten übernimmt. Hat deine mutter vollen versicherungsschutz? Sonst ist alles ungleich schwieriger. Man bekommt nur einen platz, wenn es einem wirklich körperlich schlecht geht. Krämpfe, entzugserscheinungen, blut im stuhl etc. Eine überweisung vom hausarzt, in unserem fall dann noch eine unterschrift von der suchtberatung. Uns haben sie auch in der notaufnahme weggeschickt, mit dem rat weiterzutrinken. Der zustand des kranken war noch nicht prekär genug. Einen platz hat er dann dennoch bekommen, weil es dann lebensgefährlich wurde, und er selbst die hilfe einforderte bzw an den punkt kam, wo er kapitulierte vor der sucht. Alles davor, warum dieser und jener weg nicht ging, waren ausreden um weiter zu trinken.

    Ich bin eigentlich jeden Tag hier, und lese mit. Hab auch schon so oft angesetzt, einen text in meinem eigenen faden verfasst und dann wieder verworfen. Vorallem aus Angst vor Wiedererkennung, aber irgendwie auch, weil ich merke, dass so viel in mir arbeitet, und ich trau mich kaum in worte zufassen, was da eigentlich grade losgespült wird. Eigentlich hab ich mich ja wegen meines freundes hier angemeldet. er ist auch noch in meinem leben, es ist soviel passiert, und wurde vor 2 monaten sehr dramatisch. Ich saß an seinem bett auf der intensivstation und hab mich wiederholt gefragt, was eigentlich hier gerade passiert. Darum solls jetzt aber gar nicht so viel gehen. Er geht seinen Weg, und ich bin, dadurch, daß wir nicht mehr zusammenwohnen, in einer deutlich befreiteren lage. wenn es zuviel wird, meide ich den kontakt.
    aber das intensive begleiten hat mich ja so sehr auf meine eigene geschichte als EKA zurückgeworfen. Und das Bild meines Vaters fängt an zu bröckeln. Ich war immer ein papakind eigentlich. Daß er trinkt, war immer normal, er hat gemeinsam mit meiner mutter die momente in denen er nicht klarkam (verkatert im bett lag) anders dargestellt. Papa verträgt den Wein nicht, also musste dann eine andere Sorte her. Oder er ist zwischendurch von Wein, dann wieder Bier, dann mal Apfelwein umgestiegen. Es gehörte einfach zu ihm, so fest so dermaßen fest in mir verkeilt, ihn IMMER mit alkohol zu sehen.

    Ich habe früh Partei ergriffen, für mich war er immer das Opfer einer übermächtigen kontrollierenden Ehefrau. Daß Wort Co-Abhängigkeit kannte ich bis vor einigen Monaten nicht, und seit ich mich soviel damit beschäftige, fallen mir dauernd Schuppen von den Augen. EKA verbinde ich grade vorallem mit Erwachsenes Kind einer Alkoholikerfamilie, auch wenn meine Mutter keinen Tropfen getrunken hat, hat sie auch jahrelang das Bild vermittelt, daß Trinken zumindest bei Papa einfach dazugehört. Herausgebildet hat sich bei mir eine unglaubliche Anziehung für gebrochene Persönlichkeiten. Als würde ich als Erwachsene reparieren wollen, was ich als Kind nicht hinbekommen habe. Mein Vater wurde nie ausfälig, wenn er betrunken war, allenfalls kam er aus sich heraus. Trinken als Zungenlöser, persönliche Bekenntnisse, (die dann im nüchternen Zustand vergessen sind), schaffen eine emotionale Verbundenheit, und haben wahrscheinlich ganz früh die Weichen für Co-Abhängigkeit gelegt. Gekümmert habe ich mich um beide Eltern, die das auch beide einforderten, ich habs aber auch bis zu einem gewissen Zeitpunkt gerne gemacht.

    Bis heute kämpfe ich damit mich gescheit abzugrenzen. Betrifft alle Bereiche. Beruflich. Persönlich. Ich gebe 150%.

    Mist jetzt wurde ich kurz rausgerissen, aber ich willdas jetzt nicht wieder löschen, es soll mal raus.

    Guten mlorgen sorrowful,

    Ich schreib dir mal aus der perspektive eines EKA,(erwachsnes kind v alkoholikern) mein vater hat getrunken, viele jahre lang moderat, regelmässig wie ein uhrwerk. Moderat schreibe ich weil mir als kind gar nicht bewusst war, dass er zuviel trinken könnte, bzw. Das regelmässiges trinken nicht zum feierabend dazu gehört. Meine prägung war also, trinken gehört dazu.

    Meine mutter war damit sehr unglücklich und hat ihn vergeblich davon abzuhalten versucht. Will sagen er war ok mit seinem konsum, sie nicht. Ihr argument, wenn die familie dir wichtig ist trink bitte nicht, hat ihn schlichtweg nicht interessiert.

    Sie ist bei ihm geblieben. Für uns kinder. Was schlimmeres hätte sie uns nicht antun können damit. Es wurde zum dauerthema. Und als mein vater sich schliesslich trennte, war sein neues umfeld wieder betroffen. Es trifft immer die ganze familie. Erst partner, dann kinder. Schwiegerkinder, wer auch immer dann der nächste angehörige ist.

    Ich hab Angst wenn der Beitrag öffentlich ist, was ist wenn er den liest? Kann man diese Beiträge als Nichtmitglied lesen?

    Die bedenken sind nicht ganz unberechtigt. Der bereich hier ist offen. Das forum findet man sehr schnell. Aber du kannst selbst vorsorge treffen

    ‐ schreib keine details die auf ort, alter oder zu spezifisches hinweisen

    - erzähl ihm nix davon. Auch wenn du hilfreiches hier findest was in deinen augen ihm auch helfen könnte.

    -suchchronik täglich löschen, nur an deinen eigenen geräten drauf zugreifen. Nix offen lassen

    - sollte er unabhängig von deinen vorsichtsmaßnahmen hier aufschlagen, dann sucht er vielleicht wirklich hilfe, drauf bauen kannst du aber nicht

    Wir haben ein Kind zusammen, ich liebe ihn und würde ihn ungerne im Stich lassen

    Das haben meine Eltern auch durchgezogen. Es hat mich bis heute sehr beschädigt, daß für mich eine untragbare Situation so lange aufrecht erhalten wurde. Heute glaube ich, daß es ihre Aufgabe gewesen wäre uns zu schützen, und uns aus einem vergifteten Umfeld herauszuholen.

    Liebe Mariella,

    Pistole auf die Brust setzen funktioniert nicht. Wie du schon selbst geschrieben hast, gehört das Lügen und Vertuschen zum Krankheitsbild, ebenso wie das Beteuern, nie wieder zu trinken, wenn Druck von außen kommt. Es muss aber aus ihm heraus die Erkenntnis kommen, daß es so nicht weitergeht. Es gibt hier unzählige Angehörige, wo sich der Trinkende an den Rande des Todes bringt, oder auch daran stirbt, ohne jegliche Einsicht. Die Sucht hat dann sosehr die Kontrolle übernommen, daß alles andere (Familie, Kinder, Partner, das eigene Leben) nur noch an zweiter Stelle kommt.

    Mein Vater war schon etliche Male im Krankenhaus (Thrombose, Lungenembolie) und selbst diese Erfahrungen haben bei ihm zu keiner Einsicht geführt. Da können wir Angehörige noch so sehr drohen, oder Versprechen einfordern/erbetteln, die der Kranke auch gar nicht erfüllen und einhalten kann. Er MUSS trinken.

    Ich habe langsam das Gefühl, dass der Alkohol schon das Gehirn geschädigt hat - sie kann sich nichts mehr merken, erzählt Dinge innerhalb von 15 Minuten drei mal.

    Das erlebe ich bei meinem vater auch, er hat eigentlich immer getrunken ('nur abends, nur bier oder wein', so hat er das glaube ich für sich legitimiert, wurde ja nie schlimmer in seinen augen, der pegel blieb gleich, jedenfalls glaube ich das. Vielleicht hat er auch heimlich getrunken und ich habs nie gemerkt), aber jeden abend solange ich mich erinnern kann. Und mittlerweile habe ich das gefühl, er kann eigentlich nichts mehr denken und spult nur noch sätze ab die er schon immer gesagt hat.

    Erst als erwachsene, eigentlich in den letzten fünf jahren realisiere ich so langsam, dass das nicht normal ist. Dss erschrickt mich oft am meisten, wie sehr ich verinnerlicht hatte dass feierabendtrinken einfach dazugehör(t)e.

    Gibt es ein krankenhaus mit separater entgiftungsstation bei euch in der nähe? Manchmal werden auch kurzfristig betten frei, wenn jemand rausfliegt wegen konsum zum beispiel. Allerdings muss dein bruder es wollen. Aber wenn es ihm so schlecht geht bleibt dran. Nicht in die notaufnahme sondern direkt zur entgiftungsstation. Ich war vor einigen wochen an einem ähnlichen punkt mit jemandem der mir sehr nahesteht. Er hatte eine zusage für ein bett, aber es hätte zu lange gedauert, und er baute täglich mehr ab. Wir sind dann ins krankenhaus, sein zustand so kritisch, dass es plötzlich doch ging und sie ihn aufnahmen.