Liebe ava, da hast du den finger gleich auf mehrere wunde punkte gelegt. Ja, es stimmt, die schuldgefühle kommen aus alten mustern, das um jemanden kämpfen hab ich glaube ich ziemlich internalisiert. Jetzt kommen mir auch die tränen während ich hier schreibe. Ich habe ihn mit mühe zu einem besuch bei einer ambulanz überreden können, er bekam dort eine diagnose, die normalerweise eine sofortige einweisung nach sich gezogen hätte, aber er fällt statusbedingt durch alle raster. Ähnlich wie ein obdachloser, nur das er bei mir (noch) ein zimmer hat. Ich kann hier nicht zu viel schreiben, nur das das klassische geflecht aus arbeit, freunde, geld, partner, versicherungsschutz, familie nicht existiert. Seine äusserungen sind teilweise alarmierend, gestern meinte er er ist kurz davor den verstand zu verlieren. Ich habe aber bei aller dramatik eine entscheidung getroffen, in 2 monaten zieht eine freundin bei mir ein, was auch schon seit monaten im raum steht. Es war von anfang an nur als vorübergehendes obdach gedacht, allerdings sah es anfangs noch so aus, als könnte er sich selbst organisieren, und sein leben in die hand nehmen. Stattdessen gings steil bergab. Das alkoholprobrem habe ich auch unterschätzt. Bzw. mich überschätzt.
Unterstützung erfahre ich hauptsächlich durch freunde. Das thema therapie ist wie gesagt eine baustelle. Aber ich merke wie mein alter widerstand dagegen bröckelt. Ich werde aber jetzt mal den sozial psychiatrischen dienst kontaktieren.
Danke fürs mitlesen und deine lieben worte, bin etwas ruhiger jetzt. Und seit ich das auszugsdatum kommuniziert habe, schlafe ich etwas besser.