Luisa LingLang , das sehe ich bei mir beides überhaupt nicht.
Ich nehme die Sucht meines Mannes nicht persönlich und mache auch ganz sicher nicht meinen eigenen Selbstwert davon abhängig.
Und ich hatte auch kein süchtiges Elternteil und vorher auch keine anderen süchtigen Partner.
Ich habe nochmal nachgedacht weshalb ich mich bisher nicht getrennt habe. Überspitzt gesagt: weil ich fest überzeugt bin, dass die Sucht eine grauenhafte Krake ist, die meinen Mann gefangen hält. Weil ich Sucht für eine Krankheit (des Gehirns) halte. Und nicht für eine willentliche Weigerung die Grundbausteine einzuhalten. 95 % Rückfällige bestätigen das.
Und ich sehe nun mal mit eigenen Augen, dass es ihm überhaupt keinen Spaß macht zu trinken, sondern er dann zu einem verzweifelten hilflosen Menschen wird, der nur noch versucht zu überleben und wieder in eine Klinik zu kommen, die ihn aber monatelang warten lässt, weshalb dann irgendwann der Rettungswagen kommen muss.
Weil er komplett aufblüht, wenn er nüchtern ist. Und ich sehe, dass er sich wünscht, dass das so bleibt. Er auch viel dafür tut. Und es trotzdem nie bei ihm reicht. Er mich niemals bedrängt oder etwas verlangt. Sich sehr schämt und immer wieder versucht alles wieder gut zu machen.
Mit "ekelhaft" hatte ich in erster Linie gemeint, dass ein Alkoholiker sagt er trinkt "gerne", ohne irgendeine Form der Verantwortung für seine Angehörigen, auch Kinder, zu zeigen. Zu erwarten: dann geh' doch, wenn's dir nicht passt - anstatt dann SELBST zu gehen. Dem nicht-trinkenden Elternteil und Kindern die Wohnung zu überlassen. Sie nicht aus dem gewohnten Umfeld zu vertreiben.
Dieses: "du kannst ja gehen, selbst schuld, wenn du bleibst", das ärgert mich sehr. Es verdreht die Tatsache, dass die Angehörigen hier "vertrieben" werden. Es wird keine Verantwortung für das Trinken und die Auswirkungen übernommen.
Es heißt jeder hat "das Recht zu saufen". Mein Mann würde dieses Recht gerne abgeben. Er hat einen Zwang zu saufen. Aber wer meint es so toll zu finden saufen zu "wollen", der kann doch dann gehen und seine Angehörigen in Ruhe lassen und aufhören sie anzulügen.
Mein Grund weshalb ich mit einem Alkoholiker zusammen gekommen bin war einfach Pech. Vielleicht noch, weil in meinem Umfeld schon immer viel Alkohol getrunken wurde, auch von mir. Und daher die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist einen Alkoholiker abzukriegen. Aber das stimmt wahrscheinlich auch nicht, denn gesoffen wird ja in allen Kreisen, auch dort wo es nicht vermutet wird.
Ich nehme das jedenfalls genauso wenig persönlich wie wenn mein Mann eine Psychose entwickelt hätte. Die Zeiten, in denen noch von einer "schizophrenogenen Mutter" und solchen Zusamenhängen gesprochen wurde, sind ja zum Glück vorbei.
Trotzdem muss ich raus aus dieser Dynamik. Also obiges bitte nicht falsch verstehen. Ich kann das aber indem ich nach Vorne schaue. Und ich muss dafür nicht zwangsläufig zuerst meine Persönlichkeit durchleuchten. Ich. Für andere ist das ja vielleicht anders. Manche sehen ja sogar eine "Chance in der Krise", weil es einen Anstoß gibt sich mit inneren Mustern etc. zu beschäftigen.
Ich mag aber keine Verallgemeinerungen und pauschale Zuschreibungen über Cos insgesamt. Die außerdem längst wiederlegt wurden. Es gibt genauso wenig eine Co-Persönlichkeit, wie es eine Alkoholiker-Persönlichkeit gibt. Und ich will mir das auch nicht einreden lassen.