Beiträge von Jump!

    Er ist in der Entgiftung. Er hatte wieder wahnsinnig Glück, dass dort ein Bett frei war und er direkt dort hin durfte.

    Er ist jetzt sehr froh dort zu sein.

    Das ist das was ich nicht verstehe. Vorher geht es ihm so dreckig, aber er will partout nicht hin. Und wenn er da ist, dann bedankt er sich und ist erleichtert.

    Ich habe vor zwei Stunden hier gerade eine lange Antwort formuliert... Hatte geschrieben wie gut ich das verstehe was du schreibst wieweiter. Und dass ich vor einer ähnlichen Situation stehe.

    Mein Mann ist eigentlich völlig am Ende, weint am Telefon, hat Schmerzen, weiß er kann nicht mehr...und trotzdem geht er nicht in die Entgiftung. Er hätte dort nur anrufen müssen und er wäre gestern aufgenommen worden...

    Ich habe dann gestern geschrieben, dass ich die Schnauze voll habe und dann nicht kommen werde. Eigentlich hatte ich nämlich vor heute hin zu fahren.

    Und während ich das hier geschrieben habe, kam eine Nachricht von ihm: du musst kommen, ich sterbe.

    Ich habe geantwortet er soll den Rettungswagen rufen. Nix, keine Antwort. Dann: ich bin tot.

    Natürlich habe ich überlegt, ob er mich jetzt zwingen will zu ihm zu kommen...aber ich wusste ich muss jetzt handeln, sonst werde ich im Fall der Fälle nicht mit der Schuld klar kommen.

    Ich habe also meine Schwester angerufen. Sie hatte zum Glück Home Office und konnte mich fahren. Parallel habe ich die Rettung angerufen. Und meine Katzensitterin, die einen Schlüssel hat, um die Sanitäter rein zu lassen.

    Als ich kam waren sie schon drin. Ja, es ging ihm sehr schlecht, aber er war noch weit davon entfernt zu sterben. Will mich an meckern, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe...dann fängt er an zu weinen, ein Häufchen Elend.

    Und dann mal wieder das, was du kennst wieweiter. Wohin mit ihm? Überall Aufnahmestopp. Dann die seltsame Vorgabe sie würden ihn in die Entgiftung nur aufnehmen, wenn er nicht stark alkoholisiert sei. Er müsste ins Krankenhaus. Hin und her. Jetzt haben sie ihn in die Psychiatrie gefahren, aber ob er dort bleiben kann ist unklar.

    Für mich war es das erste Mal, dass er sowas geschrieben hat. Er dachte wohl ich komme zu ihm und keine Ahnung was... Ich denke es war richtig direkt alles in Bewegung gesetzt zu haben. Auch damit ihm klar wird, dass es Konsequenzen hat, wenn er sowas schreibt.

    Tja, und jetzt warte ich ab. Bleibt er da. Wo kommt er hin? In Windeseile Koffer gepackt und vermutlich alles vergessen. Ich selbst komplett in Aufruhr.

    Jetzt muss ich erst mal selbst zur Ruhe kommen.

    Jump! 🏵️

    Hallo mendo,

    es tut mir sehr leid, dass deine Frau verstorben ist.

    Als Angehörige ist es so schlimm zuzusehen, wie sich der liebste/wichtigste Mensch im Leben selbst zerstört. Und nichts dagegen machen zu können. Das Selbe mache ich auch gerade durch. Es ist für mich einfach nicht nachvollziehbar, weshalb der Süchtige nicht aufhört, trotz allem, trotz Lebensgefahr, Schmerzen, Qualen. Denn ich selbst habe einen klaren Verstand und sehe es von Außen. Wie es Innen ist werde ich nie verstehen, kann es nur erahnen.

    Hast du denn eine Familie und Freunde, die dich unterstützen? Wie kommst du zurecht?

    Oben die Punkte, die du aufgezählt hast, die gelten ja auch für dich selbst. Etwas für dich zu machen, damit du nicht in deiner Trauer unter gehst.

    Alles Gute, Jump! 🏵️

    Liebe Vayana,

    ich kann deine Fragen gut verstehen.

    Für mich ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Krankheit Alkoholismus auch wichtig (gewesen). Ich hatte ähnliche Fragen wie du und musste Antworten dazu finden und habe auch so lange weiter gesucht bis ich das innerlich abschließen konnte. Ich bedaure es auch, dass die Fragen der Angehörigen sofort als Co-Verhalten gewertet werden. Ich sehe das anders.

    ABER ich habe verstanden, dass dies hier ein Selbsthilfe-Forum ist und die "wissenschaftliche" Auseinandersetzung hier weg führt vom eigentlichen Sinn und Zweck des Forums, nämlich meine ganz eigene persönliche Auseinandersetzung. Und das Teilen von eigener Erfahrung.

    Meine beste Freundin, die gar nicht im Sucht-Thema drin ist, aber sehr gut analysieren kann, die hat mir selbst vor einiger Zeit meinen empörten Kopf zurecht gerückt. Denn sie meinte auch ganz klar, dass meine "wissenschaftliche" Auseinandersetzung in einem SH-Forum nun mal unpassend ist. Weil es hier um das eigene Erleben geht.

    Ich habe meinen Wissensdurst dann anders gelöscht.

    Bei meinem Mann habe ich durchaus im Laufe der Zeit unterschiedliche "Schweregrade" der Sucht miterlebt. Also hin zu immer schlimmer und immer weniger Kontrolle. Körperliche Entzugserscheinungen sind Höllenqualen und nach dem was ich miterlebt, gesehen, gehört habe, macht das einen großen Unterschied.

    Ich bin froh, dass ich das nicht mehr miterlebe! Und du hast dich auch raus gezogen und gehst deinen eigenen Weg.

    Ich würde mich freuen, wenn du nochmal ein bisschen von dir selbst erzählen würdest. Was dir hilft? Was deine Anker sind?

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Da bin ich mal wieder 🐣,

    ich war zwischdrin ein bisschen abgetaucht, weil ich im Urlaub durch ein paar Tiefs gekrabbelt bin.

    Es war emotional, aber auch körperlich eine sehr schmerzhafte, aufwühlende Zeit.

    Hatte einen langen Sandsturm, wurde von einer Qualle erwischt, hab viel an früher gedacht und rum geheult und war dort schließlich in der Notaufnahme, weil ich mit Hexenschuss und Ischias quasi bewegungsunfähig war...

    Dann habe ich auch noch einen Großeinsatz der Polizei bei meinem Mann ausgelöst, nachdem er sich länger nicht gemeldet und ich mich rein gesteigert hatte, dass er bewusstlos oder tot ist. Aber er hatte nur geschlafen 🙈.

    Und als ich dann eigentlich aufgegeben hatte und ich nichts mehr erwartet habe oder erzwingen wollte, da habe ich in den letzten Tagen des Urlaubs doch noch die Kurve gekriegt:

    Ich habe durch Zufall eine wunderbare Kunstausstellung entdeckt. Und diese Bilder haben mich so berührt und ich war so nah bei mir selbst, dass ich einen völlig neuen Zugang zu der Insel und meinem inneren Erleben finden konnte. Und ich habe dann dort tatsächlich meinen inneren Frieden geschlossen.

    Zuhause musste ich dann direkt nochmal zum Arzt. Wurde eingerenkt. Mal sehen. Ich denke die psychosomatische Bedeutung liegt auf der Hand. Bewegungsunfähig zu sein. Diese Starre. Hilflosigkeit.

    Jetzt geht es aber wieder besser.

    In meiner Wohnung fühle ich mich langsam wohl. Es ist nun wirklich ein Nest. Ich liebe die Sonnenauf- und Untergänge über dem Wasser. Das Glitzern. Die Geräusche von schnatternden Enten und Vögeln. Die Ruhe.

    Ja, das wünsche ich euch und mir selbst: dass ich dieses Jahr ganz nah bei mir selbst bleibe. Dass ich wieder Lebendigkeit leben und zulassen kann. Und den Blick auf das Schöne um mich richte.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Liebe Silberstreifen,

    ich kann das sehr gut nachvollziehen!

    Ich erlebe Treffen mit Freundinnen oft einfach anstrengend. Wenn ich nichts darüber erzähle wie es mir geht (weil ich einfach abschalten will) dann fühlt es sich komisch an, wie fake. Und wenn ich drüber rede, dann überfordert es mich. So als ob ich einen Koffer aus schütte und dann stehe ich da mit dem ganzen Krempel und krieg ihn nicht mehr zurück gepackt, weil alles durcheinander ist.

    Ich habe auch keine Kapazität mehr anderen zuzuhören, schweife ab.

    Und auch das, was du über die körperlichen Reaktionen zeigst kenne ich total. Ich habe zur Zeit ständig was anderes und kämpfe dauernd gegen irgendwelche Schmerzen, was mich hilflos macht. Außerdem bin ich unglaublich müde und erschöpft.

    Ich sage mir auch ständig, dass ich alles positiver sehen muss, halte mich auf Trab, stelle mir "Aufgaben"... Aber ich glaube ich muss einfach total viel Geduld für mich selbst aufbringen. Und Vertrauen.

    Dir alles Liebe, ich lese dich gerne,

    Jump! 🌴

    Hallo Felicitas,

    ich glaube dein "Denkfehler" ist, dass du fest davon überzeugt bist, dass er früher nur getrunken hat, weil er einsam war. Und dass du selbst quasi sein Garant für Nüchternheit bist. Du sagst du hast so viel geopfert und immer zu ihm gehalten. Und trotzdem verlässt er dich. Das ist eine tiefe Kränkung.

    Zu Denken ich bin als Einzige in der Lage meinen Partner vor dem Alkohol zu retten/vom Trinken abzuhalten ist eine komplette Selbstüberschätzung und ein Symptom für co-Abhängigkeit.

    Es kann furchtbar schmerzlich sein nach so vielen Jahren zu erkennen, dass all das "Aufopfern" gar nichts genutzt hat, sondern unbeabsichtigt vielleicht sogar das Gegenteil bewirkt hat.

    Ich weiß nicht wie du darauf kommst, dass er aus Einsamkeit getrunken hat. Mein Mann hat, wenn ich weg war, viel getrunken, weil er es konnte. Niemand da die sonst sauer ist. Und weil er wusste, dass er aufhören "muss", wenn ich wieder da bin, hat er vorsorglich extra viel getrunken. Aber ich dachte auch sehr lange er "braucht" mich als externe Kontrolle, weil er es selbst nun mal nicht kann.

    Ich wünsche dir, dass du dich hier ein liest. Dich nicht abschrecken lässt.

    Alles Gute, Jump!🏵️

    Jetzt hatte ich selbst das "Vergnügen" mit dem e-Rezept.

    Habe mir beim Hausarzt mein Asthma-Medikament verschreiben lassen. Alles klar, hier das Kärtchen. Ich: haben Sie auch die 3-Monats-Packung verschrieben? Oh, nein, das wusste sie nicht, muss sie ändern.... Mist, ändern geht nicht, ist schon übermittelt. Aber sie schreibt mir noch ein zweites Rezept drauf, das soll ich dann einlösen.

    Ich zur Apotheke und alles erklärt. Apotheker guckt und guckt und guckt in den Bildschirm. Da seien jetzt aber drei Einzelne drauf und dann müsste ich drei Mal Zusatzbeitrag zahlen. Daher solle ich doch zurück zum Arzt und....

    Ich kleines Tantrum geschmissen, da ich sowieso gerade ein Ventil für meine schlechte Stimmung brauche. Da hat er seine Kollegin geholt und tip tip tip, plötzlich ging es dann doch.

    Hab ihn gefragt ob nur ich dauernd Pech habe mit dem E-Rezept oder wie seine Erfahrung ist?: "Gemischt" meinte er mit Grabesstimme. Sichtlich entnervt.

    Ich habe deinen Faden gerade gelesen und ich bin ehrlich gesagt schockiert. Dein Mann erpresst dich um Sex zu erzwingen. Ich formuliere es extra Mal so hart. Er sagt ja er würde nur aufhören zu trinken, wenn du ihn körperlich befriedigst. Das verschlägt mir den Atem.

    Jetzt ist das hier alles im www und daher sicher nicht der Ort um über solche intimen Sachen zu schreiben. Mir ist es nur ein Anliegen dir nochmal bewusst zu machen was da passiert. Das ist keine Lappalie, das ist schlimm!

    Ich habe den Eindruck er hat dich schon so weit manipuliert, dass du deine Grenzen nicht mehr gut spürst. Das kann ich verstehen. Du schreibst du bist ein weicher, lieber Mensch gegenüber deinen Kindern. Hört sich für mich an, als seist du aber eher ihm gegenüber zu nachgiebig.

    Ich dachte früher übrigens auch, es sei etwas "besonderes", dass mein Mann noch so gut funktioniert. Mittlerweile weiß ich, dass fast alle Alkoholiker noch funktionieren, arbeiten, nach Außen eine Fassade aufrecht erhalten. Mein Mann hat bis heute seinen Arbeitsplatz, den Führerschein, es ist Zuhause alles picobello gepflegt, obwohl er täglich zwei Flaschen Vodka trinkt und vermutlich bald stirbt.

    Indem die äußere Fassade noch aufrecht erhalten wird, wird das Suchtsystem gestützt. Er kann sich auch weiter selbst vormachen es sei doch alles okay. Damit will ich nicht sagen, dass du schuld bist, auf keinen Fall. Aber es ist ein Nebeneffekt, wenn du die "Familie zusammen halten" willst. Wenn du gehst trinkt er vermutlich ebenfalls weiter, aber du hast eine klare Grenze gezogen.

    Weißt du, ich werfe mir vor nicht früher ganz klare Kante gezeigt zu haben. Ich habe mitgemacht. Zum Glück ohne Kinder.

    Gut, dass du hier bist.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Liebe Katharina,

    es tut mir sehr sehr leid was du erleben musstest. Ich fürchte das wird auch noch auf mich selbst zukommen. Du hast mein volles Mitgefühl.

    Ich war dabei als mein Mann einen (grand mal) Anfall hatte. Und kann dir immerhin sagen, dass er selbst absolut nichts! von dem Anfall mitbekommen hatte. Er war komplett bewusstlos, auch wenn es von Außen anders gewirkt hatte. Null Erinnerung. Er wurde erst wieder wach, als der Notarzt ihm ein Medikament gespritzt hatte.

    Dir alles Liebe, Jump! 🏵️

    Liebe Sonnenschein,

    Irgendwo in dieser Hülle aus Haut und Knochen steckt mein einst Seelenverwandter. Doch ob der jemals wieder zum Vorschein kommen kann oder ob ich den nicht bereit unwiederbringlich verloren habe, dass frag ich mich gerade.

    Ich fühle hier gerade sehr mit dir mit! Genauso geht es mir auch. Wobei ich mir immer mehr eingestehen muss, dass "unwiederbringlich verloren" wohl zutrifft.

    Gut dass du deinen Weg gehst!

    Oh releasme, wie sehr ich deinen Schock nachfühlen kann, als er wieder mit dem Bier da stand! Hoffnung geplatzt wie eine Seifenblase. Gedanken, die wie ein Zyklon durcheinander wirbeln.

    Dass er trotzdem die Medikamente weiter nimmt ist bedenklich.

    Ich hoffe du findest die Kraft dich selbst zu schützen.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Ist es denn ein normales Krankenhaus? Keine Psychiatrie? Dort müsste er doch jetzt auch eine Weile bleiben, oder?

    Weißt du, es geht auch nicht darum, dass du dort "fragst", ob die was machen, sondern, dass du offiziell mit teilst, dass er wohnungslos ist und keine Angehörigen hat. Was der SD dann macht oder nicht ist dann deren Verantwortung. So würde ich das sagen und mir auch ihren Namen buchstabieren lassen. Vielleicht würde ich das auch schriftlich machen. Und die Ärztin ins CC setzen.

    Ich würde außerdem den Sozialpsychiatrischen Dienst informieren. Oder den auch noch ins CC setzen. Also eine Mail an alle.

    Vielleicht ist das Schwachsinn was ich hier vor schlage, aber jedenfalls ist mein Impuls, dass du deutlich machst, dass er ab jetzt komplett alleine da steht. Ihm selbst und dem zuständigen Helfersystem. Und fertig.

    Ich wünsche dir ganz viel Abgrenzungs-Power 🦸🏼‍♀️ und eine gute Nacht!

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Liebe wieweiter, das hört sich grauenvoll an. Gut, dass er jetzt in der Klinik ist. Die Wohnung ist gekündigt, oder? Ich würde im Kliniksozialdienst gleich morgen Bescheid geben, dass er keine Wohnung hat und auf die Straße entlassen wird. Ggfls. mit dem Vermieter klären, dass der Mietvertrag sofort aufgehoben wird, Schloß gewechselt - also alles so, dass er nicht mehr zurück kann. Und er sollte das auch selbst wissen, nachdem er durch die Entgiftung hoffentlich einen klaren Kopf bekommt. Dann kann er Hilfen beantragen, kann mit dem Sozialdienst klären ob er wo hin kann.

    Also ich denke es ist wichtig, dass du dich jetzt komplett raus ziehst. Dich nicht wieder einbinden lässt. Diese Situation jetzt "nutzt", so befremdlich sich das anhört.

    Ich stelle es mir emotional so schwer vor das zu sehen und auszuhalten. Die Bilder im Kopf. Der Geruch.

    Natürlich habe ich Angst, dass es mir auch bald so geht. Alles schnürt sich zu.

    Ich hoffe du kannst trotzdem heute Abend wieder durch atmen und zu dir selbst finden. In deiner kleinen, gemütlichen, sicheren Mini-Bude.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    aber wiedermal den Eindruck, dass Du mit meinen Beiträgen nicht so viel anfangen kannst/magst

    Liebe Lananana, da denk ich jetzt drauf rum. Ich schätze deine Beiträge doch sehr. Und mag sie. Nehme sie ernst.

    Ich weiß wohl einfach nicht worauf du hinaus wolltest mit:

    Vielleicht hilft es Dir, selber nochmal in Deinem Faden zu lesen?

    Bei was genau soll mir das helfen? Ich dachte du denkst ich würde die frühere Zeit verklären und meinen Jump vielleicht bereuen, weil es mir jetzt so mies geht. Deshalb hatte ich das geantwortet. Aber dich wohl falsch verstanden.

    Guten Morgen 🌞,

    das sind gute Denkanstöße, Danke!

    Ja, ich schaue ab und zu noch in die Immobilienanzeigen. Die Wohnung hat halt wirklich außergewöhnlich viel Licht, aber auch Schatten. Die Lage, der Blick, der Preis, die Zimmer selbst - sind wirklich top. Baustelle heißt auch aktuell nicht, dass es laut ist. Aber es muss im Haus noch extrem viel gemacht werden und dafür muss durch meinen Flur gegangen werden, der aktuell noch komplett offen ist. Ich habe also keine eigene Haustür! Das wird alles noch gemacht, die Tür ist auch schon da...aber es verzögert sich dauernd alles. Antworten bekomme ich nicht.

    Die Leute sind nett, sie lassen mich auch in Ruhe, bisher habe ich das obere Stockwerk für mich. Letztens als ich von der Arbeit kam, haben sie was abgeschliffen, aber sofort aufgehört als ich kam und sich zurück gezogen.

    Aber der offene Flur ist kalt, und der Vermieter raucht und es zieht natürlich hoch zu mir. Gestern hatten sie Gäste und der Essensgeruch kam hoch. Ich glaube wegen meiner Migräne habe ich einen extremen Geruchssinn. Aber ich denke, wenn der Flur dann abgetrennt ist, dann wird es gut sein. Ich weiß auch nicht ob ich einfach zu dünnhäutig bin. Oder mich nicht genug einlasse.

    Es wäre auch verrückt wieder auszuziehen. Die Wohnung hat auch etwas sehr Besonderes und eigentlich mag ich ja das Alte, Unperfekte.... Kurzum ihr merkt: ich bin zur Zeit nicht ganz Zurechnungsfähig 🥴 und sollte sowieso lieber still bleiben, weil ich mir in jedem zweiten Satz widerspreche.

    Tja, genauso ambivalent ist es mit dem Urlaub. Es ist genauso wie Silberstreifen und Cadda geschrieben haben: das Vertraute wäre so wohltuend und vielleicht könnte ich meine Festplatte auch überschreiben oder dadurch was verarbeiten und irgendwie will ich auch in der Lage sein das verdammt nochmal alleine zu genießen.

    Elly, deine Fragen sind auch sehr gut. Wenn ich hier bleibe könnte ich vielleicht meine beste Freundin treffen, die eventuell her kommt. Allerdings wäre ich hier schon auch viel alleine. Im Urlaub auch, aber da macht mir das irgendwie nix aus.

    Liebe wieweiter , ich finde es toll, dass du deine Wohnung als Schutzraum sehen kannst. Ich muss wahrscheinlich auch noch Geduld haben. Ich bin ja jetzt erst eine gute Woche fest hier. Du hörst dich so tapfer an - ich muss deinen Faden nochmal lesen.

    Api, ganz lieben Dank! Ich komme demnächst mal zu dir und würde gerne wissen wie es bei dir weiter geht aktuell. Ich fühle mich dir sehr verbunden.

    Koda, Momo! Ich lese euch soo gerne.

    Lananana, keine Sorge, ich weiß weshalb ich meinen Weg gehe. Ich bin mir da auch sicher. Es tut nur gerade weh. Aber wat mut dat mut.

    Heute gehe ich auf einen anderen Weihnachtsmarkt, mal sehen, da treffe ich bestimmt viele Bekannte. Ich muss mir einen neuen Freundeskreis aufbauen. Heute früh bin ich schon einmal Rund um den kleinen Hafen hier gelaufen, hab mir frische Brötchen geholt, schon zwei leckere Milchkaffee geschlürft. Ich muss meinen Fokus auf das Positive lenken.

    Danke euch!

    Was für treffende, wohltuende, liebe, klare Worte von euch!

    Nein, ich wollte auch niemanden speziell kritisieren wegen dem "Druck", ich weiß schon sehr genau wie das jeweils gemeint ist. Hab da einfach aus der Verzweiflung raus geschrieben.

    Ich bin so froh, dass jetzt Wochenende ist. Das Arbeiten war wirklich grenzwertig. War in der Heul-Phase, wobei der Ausdruck nicht stimmt, ich war eher in der Ich-unterdrücke-meine-Tränen-Phase. Weil die gerade nur in den unpassendsten Momenten hoch steigen wollen. Andererseits habe jetzt auch etwas Panik vor der vielen freien Zeit am Wochenende.

    Ich habe jetzt wieder ein Urlaubs-Problem. Wir fahren ja sehr häufig weg und das ist immer schon ein Jahr vorher gebucht. Und über Weihnachten fahren wir seit vielen Jahren fast immer auf eine bestimmte Insel. Jetzt weiß ich nicht ob ich alleine fahre oder ob ich es komplett storniere.

    Wenn ich alleine fahre habe ich Angst dort nur permanent an unsere gemeinsame Zeit dort erinnert zu werden und vielleicht von einem Heulflash in den nächsten zu rutschen. Außerdem wäre es nur ein Bruchteil so schön, weil ich ohne Auto nicht in die Berge und an die Wanderpunkte komme und auch nicht zu den tollen rustikalen Restaurants.

    Andererseits wäre ich am Meer. Im Warmen. Weit weg von allem. Und ich kenne mich dort super aus, es wäre also kein Stress und ich habe zwei sehr schöne neue Häuser/Wohnung gemietet. Bis nächste Woche kann ich die noch stornieren. Der Flug wäre futsch.

    Ich bin hin und her gerissen. Mal denke ich: klar, mach' ich. Dann wieder: auf keinen Fall. Die Vorstellung hier zu sein wäre aber auch grauenvoll.

    Als ich auf dem Weihnachtsmarkt war, war ich nicht drauf vorbereitet, dass dort so eine Art Lightshow zur Eröffnung gemacht wurde. Das hat mich dann mit einem Schlag zurück versetzt ins letzte Jahr, wo wir sowas zusammen erlebt hatten. Wir waren so begeistert gewesen, dass wir jeden Abend zu dieser Kathedrale sind und uns das angeschaut haben...

    Vor solchen Erinnerungen habe ich Angst.

    Mit meiner Wohnung freunde ich mich nur schwer an. Das Haus ist immer noch eine riesige Baustelle und ich denke das wird auch so bleiben. Ich habe keine Kraft für Auseinandersetzungen, bin aber vorsorglich in den Mieterschutzbund eingetreten.

    Ich fühle mich sehr alleine. Meine Freundinnen haben alle ihr eigenes Leben und ich kann nicht erwarten, dass sie plötzlich dauernd Zeit haben. Ich will auch nicht nerven. Ich glaube nicht, dass ich aktuell ein gutes Gegenüber bin.

    Eben war ich spazieren. Außerdem habe ich mir fest vorgenommen heute endlich mal zu kochen. Ich habe einfach keinen Appetit mehr. Mir ist oft übel, ich habe ständig Migräne.

    Kennt ihr das früher als Kind, wenn ihr versucht habt die Rutsche hoch zu laufen. Ich hab mich dann seitlich fest gekrallt und mich Stück für Stück hoch gezogen. So fühle ich mich. Wenn ich kurz nach lasse, dann rutsche ich ab und muss wieder von vorne anfangen.

    Anscheinend bin ich gar keine starke Persönlichkeit. Anscheinend hatte ich mich die ganze Zeit noch an dieses Fitzelchen Hoffnung geklammert und war nur deshalb so taff. Jetzt steh ich da. Ein Schaf im Wolfspelz.

    Jump! 🐑

    Ich fühle mich als hätte ich eine Zwangsjacke an. Oder wie in einer Sackgasse. Ich komm' nicht vor und nicht zurück.

    Ich glaube nicht, dass ich es schaffe mit der Situation klar zu kommen. Ich mache alles was vernünftig ist, ja. Wir haben keinerlei Kontakt. Ich versuche über alle Löcher zu springen, die sich vor mir auf tun und gut für mich zu sorgen. Heute gehe ich auf den Weihnachtsmarkt, morgen abends mit Leuten essen... Es ist aber alles mechanisch und kostet mich so viel Kraft.

    Ich wusste, dass er schwer krank ist - aber jetzt weiß ich, dass es kein Halt mehr gibt. Für mich ist es wie, wenn ein Arzt mitteilt, dass die Behandlung leider nicht geholfen hat und die Lebenserwartung nun nur noch kurz ist. Da sind die Angehörigen doch auch im Schock. Weinen. Trösten sich. Da sagt niemand: sieh es doch positiv, jetzt kannst du nur auf dich selbst gucken.

    Ich kann es niemandem erzählen, weil es kaum jemand versteht. Und auch hier spüre ich den Druck jetzt doch erleichtert sein zu müssen.

    Ich habe mich aber nicht jahrelang nur aufgeopfert. Ich habe immer auch sehr viel zurück bekommen. Solange er noch konnte. Jetzt kann er nicht mehr.

    Ich kann mich fern halten, ja. Aber nach fast 30 Jahren ist da eine tiefe innere Bindung. Die bleibt. Das ist nicht so wie früher, wenn ich mich verliebt hatte, mich getrennt habe, dann irgendwann jemand anderes. Das ist eher vergleichbar mit meiner Bindung zur Familie. Das ist mehr als romantische Liebe. Und ganz sicher keine emotionale Abhängigkeit. Es ist ein Zusammengehorigkeitsgefühl im tiefsten Inneren nach fast 30 gemeinsamen Jahren. Eine tiefe Bindung.

    Ich weiß ja, dass der Mensch, mit dem ich diese Gemeinsamkeit spüre, nicht mehr wirklich existiert. Dass er nur noch diese "komische Kopie von sich selbst ist" (wie buymyselfflowers mal meinte). Das wird ein sehr langer, harter Trauerprozess. Da werde ich euch noch gehörig auf die Nerven gehen.