Hallo mal wieder,
nach über einem Jahr schreibe ich mal wieder. Es hat sich an meiner Situation nichts verändert, außer, dass der Kontakt auch zu den Familienangehörigen mittlerweile kaum vorhanden ist (was mir auch ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle macht).
Ich selbst möchte einfach nichts über meinen Vater, sein Gesundheitsstatus, sein Alkoholismus etc. mehr wissen, aber ich frage mich immer wieder, ob das so in Ordnung ist. Es tut einfach zu sehr weh, aber gleichzeitig ist nichts zu wissen auch belastend.
Mir ist aber auch klar geworden, wie viel Angst ich immer vor ihm hatte. Nach der Scheidung meiner Eltern ist er niemals darüber hinweggekommen, es gab so viele Eifersuchtsdramen und Szenen, die ich miterlebt habe. Es war beängstigend. Er hat sich immer nur als Opfer gesehen, immer wieder was zusammengesponnen, mich immer wieder emotional damit belastet. Er hat uns nicht wirklich in Ruhe lassen, hat Grenzen nicht respektiert, ist vor unserem Haus immer wieder „zufällig“ spazieren gegangen und ich musste immer auf der Hut sein ihm zu begegnen. Manchmal besoffen, manchmal nicht. Aber immer wieder mit Vorwürfen, Schuldgefühlen und versuchter emotionaler Erpressung. Es war so unberechenbar, irgendwann habe ich ihm alles zugetraut. Kein Wunder, dass ich so froh war, als ich endlich wegziehen konnte. Ich bin regelrecht geflüchtet.
Ich verstehe manchmal nicht, wieso ich überhaupt so viel an ihn denke, wie es ihm mit seiner Alkoholsucht wohl geht. Bei den ganzen Vorfällen und meiner Angst VOR ihm ist das doch einfach paradox. Doch die Angst UM ihn ist trotzdem immer wieder präsent.
Ist wohl das Ergebnis von jahrelanger emotionale Erpressung seit meiner Kindheit. Wie schafft man eine emotionale Distanz? Wie schafft man seine innerlicher Zerissenheit zu bewältigen?
Liebe Grüße
Melli