Beiträge von Norma

    Ich werde mich damit abfinden müssen, dass meine Gefühle und mein Leid der letzten Monate nicht reflektiert wird. Ja, ich kann differenzieren dass das die Krankheit ist und nicht er als Mensch den ich liebe. Nichts desto trotz ist mir diese enorme Schaden zugefügt und ich kann das nicht vergessen. Diese Täter-Opfer-Umkehr, die vielen RedFlags, die Aggression, Beleidigungen, Angstgefühle, Angespanntheit und das nach Außen immer wieder in Schutz nehmen und Schadensbegrenzung betreiben während ich zuhause der Prellbock war und erniedrigt wurde - danach dann Situationensdemenz und nicht glauben wollen was er tat.

    Mit etwas Abstand nun, da er ja seit 3 Wochen in der Klinik ist und ich dadurch nun meinen Fokus auf mich lenken und alles mal auch für mich reflektieren konnte, bin ich nun gerade an dem Punkt, dass ich das nicht verzeihen kann und nicht nur eine räumliche Trennung, sondern eine generelle Trennung möchte. Er meldet sich auch nicht bei mir - bei seinen Freunden schon. Seit 3 Wochen keine Kontaktaufnahme. Er scheint sehr wütend auf mich zu sein - also will ich auch nicht da weitermachen wo es aufgehört hat - mit mir als Sündenbock und Aggressionsventil

    Guten Morgen in die Runde. Ich hätte mal noch eine Frage an die trockenen Alkoholiker hier:

    Wann kam bei Euch die Einsicht und die Reflexion wie massiv das Umfeld darunter leidet und dass Angehörige helfen wollen / nicht der Feind sind?

    Leider lese ich ja viel zu oft und habe das ja auch am einigen Leib erfahren, dass der Partner als Gefahr, Bedrohung und bösartig abgestempelt wird ab dem Zeitpunkt wo man mit der Sucht nicht mehr weiterleben kann und sich bemüht dem suchtkranken Partner zu helfen trocken zu werden.

    Unseren letzten Sommerurlaub hab ich im Grunde alleine verbracht, ich war da schon am Rande meiner Substanz und hatte mich auf unseren Urlaub zu zweit so sehr gefreut und lächtzend darauf hin gearbeitet um mich da dann endlich mal etwas erholen zu können und auch damit wir beide mal in einem entspannten Umfeld etwas runterkommen und uns wiederfinden - weg vom Alltag eben. Das Ende vom Lied war, dass er dort im Dauersuff war - trinken, schlafen, trinken und wieder schlafen. Keine gemeinsamen Aktivitäten möglich, kein Spaziergang und keine Zweisamkeit

    Er hat formuliert, dass er sich selbst enttäuscht und auch enttäuscht ist, dass er mich dabei traurig macht. Hatte dein Partner diese Phase der Selbstreflexion auch?

    Das hatte er zu Beginn unseres Zusammenzuges auch. Er wusste dass er mir wehtut und dass ich sein Prellbock bin der die Wut die er im Grunde auf sich selbst hat anfängt. Er weiß dass verletzt und das er mir nicht gut tut. Das sind alles sekne Worte. Wie schon erwähnt waren die ersten beiden Jahre wundervoll und ich hab mich bei ihm aufgefangen und zutiefst von ihm geliebt gefühlt. Deswegen sind wir dann auch zusammen gezogen. Du musst aufpassen - ich habe ihn halt aus Liebe geschützt und gedeckt und deswegen den Konsum umbewusst vorangetrieben und er hat von Monat zu Monat immer mehr und mehr weit über seinen "Normalpegel" hinaus getrunken und dann ist es immer wieder eskaliert. Am nächsten Tag wusste er davon gar nichts mehr, was mich noch mehr runter gezogen hat. Er konnte sich daran nicht erinnern aber ich und schon und er hat mir nicht geglaubt dass er so bösartig war weil er ja im Grunde ein ganz sehr liebevoller Mensch ist. Es war ein Kampf gegen Windmühlen und ich konnte mich niemandem anvertrauen, weil ich ihn zum einen dann veraten hätte und zum anderen mir das niemals jemand geglaubt hätte.

    Angehörige werden hier in meinem Fall nicht mit in die Therapie involviert. Ich habe seit zwei Wochen keinen Kontakt zu ihm, obwohl er mobil ist und sein Telefon benutzen kann

    Kann eventuell noch jemand von seiner Erfahrung berichten ob Einsicht und Reflektion nach einer Entzugstherapie festgestellt wurde? Ich fühle mich halt sehr unverstanden und bin traurig, dass ich dafür ihm helfen zu wollen sein Problem abzustellen als die Böse hingestellt werde und ganz viel Frust und Feindseligkeit erfahren habe. Mich würde einfach nur interessieren, ob in einer Therapie auch mit den Alkoholikern darüber gesprochen wird dass das auch für das Umfeld und für die Angehörigen eine enorm hohe und kräfteraubende Belastung ist, bis zur vollständigen Erschöpfung führt und das eigentlich niemand verdient hat dafür auch noch angefeindet wird sich selbst komplett aufzugeben.

    Der Ursprung waren die Sorgen - er trinkt seit 20 Jahren. Natürlich ist ab dem Zeitpunkt wo man abhängig wird egal ob da gerade Sorgen im Spiel sind oder nicht. Als wir zusammen gekommen sind war er überglücklich und hat ja trotzdem getrunken, eben aufgrund der Sucht. Ich mache mir inzwischen auch Vorwürfe dass ich durch die Co-Abhängigkeit alles noch verschlimmert habe. Aber ich hatte da ja auch keine Ahnung. Fakt ist aber, dass ich ihm von Anbeginn helfen wollte da raus zu kommen und das nie für gut befunden habe dass er trinkt. Ich war da auch irgendwie naiv weil ich geglaubt habe dass unsere Liebe so stark ist dass aufhört um das UNS nicht zu gefährden. Ist aber eine Krankheit im Grunde genommen, da ich ja Depressionen habe, ähnlich wie wenn jemand glaubt ich müsse ja nur mal ein Wellness Wochenende machen oder in den Urlaub fahren und dann ist man wieder fit.

    Ich schau mal was auf mich zukommt wenn er wieder da ist - wir hatten davor schon über die räumliche Trennung gesprochen und er war da einverstanden.

    Danke für die Antwort. Dass er ein Sorgentrinker ist weiß ich. Da waren Schicksalsschläge und er hat Trost im Alkohol gefunden - das war seine Bewältigungsstrategie, seine Therapie um den inneren Schmerz nicht fühlen zu müssen. Natürlich ist mir bewusst, dass man darüber niemals urteilen darf und ich habe auch immer versucht das zu differenzieren - es ist der Alkohol und nicht er als Person. Im Grunde ist er ein gebrochener Mensch der krank geworden ist. Ich versteh nur nicht, warum er so zerstörerisch mit anderen umgeht und das würde ich gern verstehen. Wenn man einen Menschen liebt, dann tut man ihm doch nicht bewusst weh nur um weiter trinken zu können.

    Darf ich mal in die Runde fragen was Eure Erfahrungen betrifft im Bezug auf Wesensveränderung und Einsicht. Mein Lebensgefährte war ja zuletzt nur noch kalt, aggressiv, auf Kravall gebürstet und feindselig zu mir, weil ich unbequem geworden bin Hinsicht seiner Sucht - sprich nicht mehr gedeckt habe und brav die Füße still gehalten. Er hat in mir dann eine Gefahr gesehen, weil ich seine Beziehung zum Alkohol nicht mehr mitmachen wollte. Da er ja nun in der Klinik ist und ich nicht weiß über was da auch alles gesprochen wird - kann mir jemand mitteilen wie da die Erfahrungen sind? Sind trockene Alkoholiker danach einsichtig dass Angehörige darunter sehr leiden und verstehen dass man eigentlich nur helfen wollte? Kommen sie auch "nüchtern" und reflektiert im Bezug auf ihr zerstörerisches Verhalten als sie noch nass waren zurück?

    Er kommt schon nächsten Donnerstag zurück aus der Klinik - zu wenig Zeit. Wir werden das Gespräch suchen wie der Weg danach für uns alle drei weitergehen wird und so wird das dann gemacht - eben genau aus dem Grund weil ich eben nicht mit einem nassen Alkoholiker leben will. Getrennte Haushalte damit jeder wieder zur Ruhe kommt und sich auf seine Themen fokussieren kann. Wenn er es schaffen sollte und trocken bleibt, und man sich bis dahin nicht getrennt hat, kann man zu einem späteren Zeitpunkt immer noch überlegen wieder zusammen zu ziehen. Das ist gerade der Plan. Wenn er wieder anfängt zu konsumieren - dann gibt es auch keine Beziehung mehr.

    Ja das verstehe ich. Was Co-Abhängigkeit ist habe ich tatsächlich auch erst vor kurzem erfahren - ich selbst hab das ja gar nicht registriert. Es war ein Schock für mich zu erfahren, dass ich im Grunde das alles noch unbewusst gefördert und angetrieben habe weil ich ihm und uns helfen wollte. Dadurch dass es aber für ihn nie Konsequenzen gab weil ich alles reguliert habe nach Außen und auch auf der Arbeit, er keine Reflexion von niemandem hatte außer mir - hat er weiter und weiter konsumiert. Es tut weh diese Erkenntnis zu erlangen. Auf Arbeit wird ihm erstmal nichts passieren, weil sie mich nicht verlieren wollen - aber sie wissen bescheid und wenn heraus kommt dass wir erstmal getrennter Wege gehen wird es sehr schnell gehen dass er gehen muss. Ist auch gut, denn ich will auch nicht mehr mit ihm in der selben Firma arbeiten

    Mal ganz abgesehen davon was er mich auch an Schaden zugefügt hat mit Erniedrigung, Demütigung und Aggression - mein Selbstwert ist komplett zerstört und ich war eine lebensfrohe, selbstsichere und starke Frau die das Leben umarmt hat - jetzt nur noch ein Häufchen Elend.

    20 Jahre - herje, wie hast Du das ausgehalten?

    Wie es eben ist, ich liebe diesen Mann und will ihn nicht verlieren - unsere ersten beiden Jahre als wir noch getrennt gewohnt haben waren wunderschön und ich hab mich wahnsinnig wohl mit ihm gefühlt. Inzwischen arrangiere ich mich mit dem Gedanken ihn loslassen zu müssen um mich selbst zu retten. Das tut so sehr weh - irgendwie hoffe ich immer noch dass nach der räumlichen Trennung alles wieder wird wie zuvor - er sein Problem in den Griff bekommt und wir nochmal von vorn beginnen können. Ich weiß dass das sehr unrealistisch ist aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt

    Mein Sohn ist 16 und hat sich im Grunde das letzte Jahr in seinem Zimmer verkrochen um ihm aus dem Weg zu gehen - er hat darunter auch massiv gelitten weil er ja seine Ausraster mitbekommen hat und Angst und Sorge um seine Mama hat.

    Wir stehen beide im Mietvertrag aber die komplette Einrichtung gehört mir. Seine Möbel aus der alten Wohnung sind eingelagert, es ist also nicht ganz so problematisch sich räumlich wieder zu entstricken.

    Seine Aggression ist "nur" verbal - er würde mir niemals körperlich etwas tun, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Er ist ohnehin ein sehr liebevoller und fürsorglicher Mensch - wenn er nicht zu stark alkoholisiert ist. Meine Familie ist inzwischen eingeweiht

    Vielen lieben Dank.

    Da dies seine allererste Entzugstherapie ist und diese auch nur 3 Wochen geht, gehe ich im Moment davon aus dass er auf Dauer nicht standhaft bleiben wird ohne eine Langzeittherapie anzuschließen. Er selbst ist sich der ganzen Sache gar nicht bewusst - glaubt nach den 3 Wochen ist alles durch und danach geht sein normales Leben wieder los. Er hat sich selbst nie mit der Thematik beschäftigt und seine Selbsteinschätzung und - wahrnehmung ist ohnehin total verzerrt. Wir haben auch seit der Einlieferung keinen Kontakt - macht mich irgendwie fertig weil ich nicht weiß wie es ihm geht, aber er soll sich ja auch jetzt auf sich konzentrieren und bracht dafür seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Mir wird nur etwas Angst vor dem Tag wenn er dann nachhause kommt, weil ich nicht weiß wie er auch uns gegenüber eingestellt ist - hab ihn ja im Grunde noch nie nüchtern erlebt und er mich auch nicht... Er hatte immer seinen Pegel - und da hat er ja nüchtern gewirkt und auch von sich selbst geglaubt nüchtern zu sein. Aggressiv war er immer nur sobald er darüber hinaus getrunken hatte - und das war eben im letzten 3/4 Jahr fast täglich so. Ich habe Angst einen vollkommen anderem Menschen gegenüber zu stehen dem ich dann erklären muss dass ich eine räumliche Trennung möchte

    Hallo ihr Lieben, ich erhoffe mir hier Klarheit für mich, Hilfe und Austausch mit anderen Angehörigen.

    Ich bin seit 3 Jahren mit einem Spiegeltrinker leiert. Vor etwas mehr als einem Jahr sind wir gemeinsam mit meinem Sohn zusammen gezogen. Das er gern und auch öfters etwas mehr getrunken hat habe ich schon sehr früh bemerkt, allerdings ist mir das Ausmaß wie schlimm es eigentlich ist erst aufgefallen als wir dann zusammen gezogen sind. Er ist dann auch gleich noch in die Firma in der ich arbeite gewechselt. Kurz nach unserem Zusammenzug hat es dann schon geknallt. Er wird sehr aggressiv sobald er über seinen Pegel hinaustrinkt - und das hat mich schon sehr früh veranlasst ihn darauf anzusprechen. Er hat auch gleich gestanden dass er ein Problem mit Alkohol hat und mir aber zugesichert das in Angriff zu nehmen da er selbst so nicht weitermachen kann und will. Im letzten Jahr ging es dann aber im Grunde von Woche zu Woche begab. Ich bin sehr schnell in Erklärungsnöte im Umfeld und auch auf Arbeit gekommen, was denn mit meinem Lebensgefährten nicht stimmt. Er hat immer wieder provoziert und gedemütigt und ich hab vor allem auf der Arbeit begonnen zu kontrollieren dass er nicht trinkt, bzw. seine Flaschen wegzuräumen damit das nicht auffällt. Nun weiß ich ja, dass ich damit auch sein Trinkverhalten noch gefördert habe, weil ich ihn nach außen geschützt und gedeckt habe, statt dass er die Verantwortung für sein Handeln selbst trägt. War halt im Grunde auch Existenzangst um unsere finanzielle Situation nicht zu gefährden. Gegen Sommer wurde es dann so schlimm, dass er regelrechtes Komatrinken betrieben hat - an den Wochenenden am schlimmsten - nur noch trinken wieder ins Bett legen und Rausch ausschlafen, wieder aufstehen und weitertrinken. Im Freundeskreis hat er auch sehr viel Schaden angerichtet und ich hab weiter entkräftet und entschuldigt während er mir gegenüber immer aggressiver wurde. Im Herbst war ich dann an dem Punkt dass ich depressiv war und mich in eine Tagesklinik begeben habe um meine Depression anzugehen. Seit diesem Zeitpunkt ist es dann ausgeartet - auf Arbeit ist es aufgefallen weil ich ja nicht mehr aufgepasst habe. Die letzten 3 Monate wurde ich aufs Böseste attackiert und fertig gemacht - es gab keinen Tag mehr ohne Streit, Feindseligkeit und Aggression. Nun habe ich mich an seine Freunde gewendet und die Karten auf den Tisch gelegt. Das hat ihm natürlich überhaupt nicht gefallen, weil er um seinen Ruf besorgt ist. Seine Freunde wussten das aber ohnehin - sie hatten nur nie den Mut ihn darauf anzusprechen weil sie Angst hatten ihn als Freund zu verärgern oder zu verlieren. Sie haben ihn nun ermutigt endlich eine Entziehung zu machen und nun ist er seit 2 Wochen in der Klinik. Zu meinem Stand - ich bin als er in die Klinik gegangen ist komplett zusammen gebrochen und habe nun zwei Wochen lang durchgängig geweint -fühle mich aber nun klarer. Es war auch gut dass das alles jetzt mal raus kam - ich hab so viel Schmerz runtergeschluckt und unterdrückt, nicht zugelassen, weil ich funktionieren musste, und erst da habe ich richtig realisiert wie sehr ich eigentlich am Ende war. Ich hatte davor gar keinen Raum zu verarbeiten weil mein gesamter Fokus auf ihm lag. Ich fühle mich nun klar und gelöst. Für mich steht aber nun auch fest, dass wir uns auf jeden Fall räumlich trennen müssen damit jeder für sich verarbeiten, wieder bei sich selbst ankommen und sich stabilisieren kann. Ich will und kann diese Bürde nicht weiter tragen und ich denke auch dass er den Raum für sich ebenfalls benötigt. Alles andere wird die Zeit bringen. Ich tue mir nun Gutes und blicke nach vorn - Fokus auf mich und meinen Sohn. Alles wird hoffentlich wieder gut🍀 nichts desto trotz bin ich gerade sehr kaputt gespielt und nervlich am Boden und erhoffe mir hier noch mehr Klarheit um zu verarbeiten, zu verstehen und auch Kraft zu tanken.

    So, langer Text - sorry 🫣