Beiträge von wieweiter

    Ich danke Euch.

    Ich mach gerade eine schlimme Zeit durch.

    Die Rentenversicherung will gerade wissen wie es mit der Erwerbungsunfähigkeitsrente weitergeht, die ja bis Juni 2025 befristet war obwohl sie schon eine Sterbeurkunde haben. Der Handyanbieter schreibt es tue ihm leid, dass er er den Vertrag kündigt und ob er nicht einen besseren Vertrag haben möchte, obwohl ich geschrieben habe, dass er verstorben ist. Nur die Verwaltung des Sonnenstudios schrieb herzliches Beileid und hat den Vertrag sofort gelöscht.

    Ich hab mich auch immer wieder gefragt, ob es richtig ist seine Familie einzuweihen. Schließlich waren sie ja weit weg und haben uns nur einmal im Jahr gesehen und da hat er sich immer sehr zusammengerissen. Ich hab auch oft an mir gezweifelt ob ich nicht übertreibe und ob ich sie damit belasten soll und darf.

    Jetzt bin ich froh es gemacht zu haben. Sie hätten es wohl nicht verstanden und mir vielleicht Vorwürfe gemacht, warum ich nichts gesagt habe.

    Ja wie geht es weiter? Im Moment habe ich viel zu tun, mich um die Beisetzung kümmern.

    Die Wohnung auflösen, mich von Dingen trennen. Erste Interessenten haben schon die gekündigte Wohnung besichtigt.

    Heute war schönes Vorfrühlingswetter und ich habe im Garten wilde Brombeeren entfernt.

    Gartenarbeit macht mir Spass und ich freue mich schon auf den Frühling.

    Meine Traurigkeit zulassen und erkennen, daß die Angst um ihn weicht. Keine Angst mehr zu haben was mich beim Betreten der Wohnung erwartet. Keine Verzweiflung mehr wie es weiter gehen soll.

    Alleine sein, mit der Erkenntnis, dass ich es schon lange war.

    Weiter geht es Schritt für Schritt.

    Ich seh da schon eine Parallele. Ich müsste dringend abnehmen, schaffe es aber irgendwie nicht. Immer wenn ich Single war, war ich schlank. In Beziehung habe ich lecker gekocht. Dann zu wiederstehen und nichts zu essen ist schwer. Ähnlich für einen Alkoholiker nichts zu trinken. Für den Alkoholiker, der Abstinend bleiben will ist ein alkfreies Umfeld eine Hilfe. Genauso ist es für jemand der abnehmen muss oder will einfacher, wenn das Umfeld auf Dickmacher verzichtet.

    Wenn ich einem dickmachenden Essen nicht widerstehen kann, kann ich mich schon ein wenig in den Alkoholiker rein versetzen. Nur dass Essen kein Nervengift ist und Du bei zuviel nicht den Führerschein verlierst.

    Ich bin eigentlich niemand, der Verlustängste hat. Aber mein xy hatte furchtbare Verlustängste. Ich hab auch oft so Sätze zu hören gekriegt wie Du weißt ja gar nicht was alles mit mir los ist, ich sage Dir ja gar nicht alles.

    Er tat alles damit ich ein schlechtes Gewissen hatte. Ich hatte zwei gescheiterte Ehen hinter mir und dachte diese Beziehung setzt Du nicht wieder in den Sand. In guten wie in schlechten Zeiten. Zumal er körperlich mein totaler Knuddelbär war. Und ich gebe zu, er erinnerte mich optisch an meinen Vater als der jung war. Mein Vater hat nie getrunken aber er hatte ein Problem mit Nähe, zumindest zu mir.

    Ich hab zum Glück eine gute Konstitution, ich bin weder depressiv geworden noch krank. Ich bin nur furchtbar traurig über einen so sinnlosen Tod eines doch liebenswerten Menschen, der einfach nicht von seiner Sucht weg kam.

    Ich glaube Du bist noch jung, es wird ein neues Glück für Dich geben. Lass ihn los.

    Alles Liebe

    Er sagte immer Sätze ohne das zu sagen was er sagen wollte. Ich weiß nicht ob ihr das versteht. Kein Satz wurde zuende gesprochen und ergab einen Sinn. Aber dann nach einer erneuten Entgiftung war alles wieder anders. Er hatte sich so regeneriert, dass ich manchmal dachte, so schnell und viel kann man doch gar nicht reden. Leider hielt es nicht lange an und er fiel wieder zurück in die Sucht

    Es gibt sovieles zu tun. Und es lenkt mich ab.

    Schwer ist es immer, wenn ich jemanden treffe, der mich und ihn kennt oder kannte.

    Ich beschönige nichts. Es ist wie es ist, er war Alkoholiker und hat es nicht geschafft davon wegzukommen

    Ich frage mich ob ich etwas anders hätte tun können. Mehr Liebe, mehr Verständnis. Aber ehrlich, ich habe alles probiert. Es lag nicht in meiner Macht.

    Ich lasse ihn in Liebe los.

    So geht es mir auch. Ich versuche jeden Tag etwas zu erledigen, in kleinen Schritten. Verträge kündigen, immer ein bißchen was entsorgen. Ich stehe vor den Schränken und fühle mich wie gelähmt.

    Ich hatte gestern nochmal ein Gespräch mit der Bestatterin und es hilft mir sehr, dass ich sie ganz gut kenne.

    Mir hilft es, dass er keine Schmerzen mehr hat und ich keine Angst mehr um ihn haben muss. Für die Beisetzung habe ich mich für das Lied von Reinhard Mey, lass nun ruhig los das Ruder, entschieden.

    Ich wünsche Euch viel Kraft.

    Ich heule und trauere um eine Illusion. Was hätte sein können, aber nicht war.

    Ich fühle mich allein und verlassen und war lange Zeit vorher schon allein.

    Die schlimmen Dinge werden ausgeblendet, die wenigen schönen Momente überbewertet.

    Was ich eigentlich schon lange wusste ist eingetreten. Dennoch tut es weh.

    Ich fühle mich allein obwohl ich schon lange allein war. Schaut auf Euch und entscheidet euch für das Leben

    Ich Frage mich, warum da dann doch immer wieder diese Gewissensbisse kommen. Mach ich es noch schlimmer wenn ich ihn alleine lasse? Würde er wirklich endlich aufhören zu trinken?

    Diese Gedanken kenne ich nur zu gut.

    Ich hatte auch die Hoffnung, dass er sich endlich besinnt. Es wurde schlimmer, aber es war seine Entscheidung. Ich denke aber auch, dass es schlimmer geworden wäre, wenn ich geblieben wäre. Auch für mich.

    Wir können immer nur sehen was passiert, wenn wir eine Entscheidung getroffen haben. Wie es gekommen wäre, wenn ich anders entschieden hätte, werde ich nie erfahren und das ist auch gut so.

    Entscheide was Du für Dich und Dein Kind für richtig hältst. Ob er weiter trinkt oder für Euch aufhören will, ist seine Entscheidung. Es ist nicht Deine Schuld

    Ich sah richtig unglücklich, abgekämpt, verhärmt aus, egal ob ich mich "schick" gemacht hatte oder nicht.

    So geht es mir auch, wenn ich in den Spiegel schaue. Es sind vor allem die Augen. Früher war da ein Strahlen und das möchte ich wieder zurück, aber es wird dauern.

    Ich kannte xy ja schon bevor wir zusammenkamen. Und seine damalige Lebensgefährtin kenne ich auch. Immer wenn ich sie traf, dachte ich mir, sie sieht so verhärmt aus. Sie hat sich dann von ihm getrennt, weil sie seinen Selbstmord auf Raten nicht miterleben wollte.