Beiträge von Anno

    Hmmh, ja, oder, um Eure Aufmerksamkeit zu bekommen? War er immer das "Sorgenkind"?

    Hallo Rennschnecke,

    Eigentlich sagt er immer, dass er von uns gar nichts will. Was offensichtlich nicht stimmt, da er wenn wir mal telefonieren oder uns sehen doch oft sehr redselig ist. Was ich sehr liebe. Sorgenkind nicht direkt. Wir sind drei Geschwister und haben alle unsere Baustelle, wenn man es so nennen kann. Mein ältester Bruder ist eben alkoholiker. Der jüngere hat eine Behinderung, die ihn aber eigentlich nicht so sehr einschränkt. Hat deshalb aber natürlich besonders viel Aufmerksamkeit von meiner Mutter gebraucht. Und ich als Nachzüglerin habe eine psychische Krankheit, mit der ich aber inzwischen gut lebe. Meine Mutter war alleinerziehend, da mein Vater sehr früh gestorben ist. War natürlich nicht leicht für sie. Mein ältester Bruder musste oder hat schon früh viel Verantwortung übernehmen. Wobei auch ich als jüngste viel getragen habe. Er war schon immer ein schlitzohr, hat viel Unsinn in seiner Jugend gemacht. Allerdings nie schlimmes. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre er da irgendwie von der Einstellung hängen geblieben. Ala ich will mich nicht festlegen. Ich will keine Verantwortung übernehmen. Will keine Rücksicht auf andere nehmen. Ist aber nur ein Gefühl meinerseits.

    So ein Geschwister (mit anderem Suchtmittel) habe ich auch, hatte auch Zeiten, wo ich dachte, nicht glücklich (mit meinem neuen Freund) sein zu dürfen, wenn das Geschwister (nenne mal bewusst kein Geschlecht) sich so mit seiner Sucht quält ...

    Das geht mir immernoch oft ganz genauso. Er hat mir einmal, kurz vor seinem zweiten Entzug sogar gesagt, dass er mich etwas beneidet weil ich eine so schöne Beziehung habe. Er hätte ja nichts wofür er sich bessern müsste. Tut echt weh das zu hören. Auch wenn ich weiß, dass er es mir gönnt und er froh ist, dass ich zumindest dahingehen glücklich bin. Würde mir aber natürlich wünschen, dass er auch etwas im Leben hat, wofür es sich lohnt sich anzustrengen. Er sieht da leider nichts. "Warum soll ich mich pflegen, ich bin eh hässlich und keiner will mich".

    Wie geht es dir und deinem Kind? Und bist du Bruder oder Schwester Deines Bruders?

    Ich bin die kleine Schwester 😉


    Mir bzw. Uns geht es gut. Meine psychischen Probleme holen mich immer wieder mal ein aber ich habe es soweit gut im Griff. Der Kleine lässt mir tagsüber zum Glück kaum Zeit zum grübeln. Aber nachts geht das gedankenkarussel gerade fast nur um meinen Bruder.


    Ich bin gespannt auf deine Geschichte. Denke da sind tatsächlich einige parallelen und bestimmt einige Impulse die mir helfen könnten.


    Liebe Grüße

    Hallo Anno, wie geht es Dir inzwischen?

    Es geht. Die sorgen und Ängste ploppen immer wieder auf im Alltag. Und das obwohl ich gerade wirklich viel um die Ohren habe und sehr für meine. Kleinen Sohn (18 Monate) da sein muss. Ich merke wie mich das Thema sehr beschäftigt und auchreizbarer macht als es mir lieb ist. Bisher ist er weiterhin trocken. Wir haben relativ viel Kontakt aktuell, da er Urlaub hat und mehr Zeit zum schreiben/Telefonieren hat. Seine Laune ist aber sehr durchwachsen. Ich höre ihm irgendwie an, dass er gerade nachdenklich ist.

    Zu meiner Mutter sagt er anscheinend, dass er diesmal kontrolliert trinken will. Ich habe ihm schon mehrfach gesagt, dass das nicht funktioniert und schonmal gar nicht, wenn er keinen notfallplan und einen Therapeuten an der Hand hat. Aber das will er nicht hören. Ich muss wohl einfach abwarten, ob er seine Ankündigung wahr macht oder er nur gezeigt haben möchte, wie dankbar wir ihm sind, dass er nicht trinkt....

    Vielen Dank für eure Antworten. Ich habe schon mein Leben lang ein großes Problem, mich von anderen Menschen die mir nahestehen bzw. Deren Probleme zu distanzieren. Ich kann ihn doch nicht einfach im Stich lassen!?

    Ich könnte mich rein theoretisch gut distanzieren, da ich 800km von meiner Familie entfernt wohne. Für meine Mutter ist es leider räumlich kaum möglich. Die beiden leben in einem Haushalt. Meine Mutter bringt es schon seit Jahren nicht fertig ihn "rauszuschmeißen" auch, weil das Haus zum Teil auch ihm und mir gehört. Wir haben alle schon viel durch im Leben. Wahrscheinlich fühle ich much auch deshalb für ihn und meken Mutter sehr verantwortlich. Und das obwohl er 10 Jahre älter ist.


    Er redet immer vom kontrollierten trinken. Vor ca. 5 Jahren hatte er das schon einmal vor. Da kam dan. Wieder der tiefschlag, gefolgt von einer Entgiftung. Seither ist er trocken. Trotzdem dreht sich bei ihm noch viel um Alkohol. Er sagt immer, dass es seine einzige Freude im Leben war, alles ist scheise seit er nicht nehr trinkt und er hätte ja nur für uns darauf verzichtet. Er hat seinen gesamten Freundeskreis nach der Entgiftung aufgegeben. Leider hat er keine neuen Freunde gefunden. Das einzige was ihm irgendwie halt gegeben hat war seine selbsthilfegruppe.

    Ich hab meiner Mutter gesagt, dass sie ihn einfach machen lassen muss. Wenn er meint wieder trinken zu müssen ist das leider so. Aber innerlich stehe ich gar nicht hinter meiner Aussage. Auch wenn ich natürlich weiß, daß man niemanden dazu zwingen kann, sich helfen zu lassen.


    Vor beiden entgiftungen hatte er eine entzündete Bauchspeicheldrüse. Das war dann der eigentliche Grund, wieso er gemerkt hat, dass es so nicht weiter gehen kann. Leider hielten diese Erkenntnisse nicht lange an. Auch wenn ihm die Klinik jedes Mal gut getan hat, er neue hobbies begonnen hat und viele Vorhaben hatte es besser zu machen.


    Ich bin einfach sehr traurig, dass ich ihm nicht helfen kann. Ich fühle mich hilflos und alleine gelassen mit der ganzen Situation. Ich liebe ihn ja!


    Viele Grüße

    Hallo zusammen,


    Ich habe einen Bruder, der alkoholkrank ist. Aktuell ist er trocken. Allerdings kündigt er immer wieder an, das er bald wieder trinken "darf". Bisher ging es immer um jahre und monate. Getrunken hat er dann nie. Nun jedoch kündigt er meiner Mutter an, dass er in zwei Wochen wieder trinken wird... ich weiß nicht wie wir damit umgehen sollen. Es belastet mich sehr. Ich habe die Hoffnung, dass er es wieder nur so sagt. Allerdings sind zwei Wochen jetzt doch ein fester Zeitraum und ich habe sehr große Angst, das er es diesmal wahr macht. Mit mir spricht er momentan nicht darüber. Er hat bereits zwei entzüge hinter sich leider hat er nie eine weiterführende Therapie gemacht. Seine selbsthilfegruppe fällt seit einigen Monaten oft aus. So hat er auch niemanden mit dem er aktuell drüber reden kann.

    Wie kann ich mich verhalten? Steckt jemand in einer ähnliche Situation? Was kann ich meiner Mutter raten, wie sie ihn unterstützen könnte es doch ein zu lassen?


    Vielen Dank für eure Antworten!