Hallo Kerstin...
Man man man... Das hört sich ja total mies an, was bei Dir momentan so abläuft. Ich nehm Dich mal virtuell in den Arm und drück Dich ganz dolle... Ich kann Dir nachempfinden wie schlecht es Dir geht. Weißt Du, wenn was kommt dann immer alles auf einmal
...
Während wir Pläne für die Zukunft machen passiert uns genau das Unvorhergesehene, nämlich Das LEBEN, wie es wirklich ist... Das habe ich schon oft genug festgestellt und ich könnte mittlerweile eine Romanreihe damit beginnen... Aber daurch unterkriegen lassen? NIEMALS!!
Diese tiefen Täler gehören (leider) nunmal dazu, und selbst wenn man denkt man ist schon an seinem Tiefpunkt angekommen GEHT ES SOGAR IMMER NOCH EIN BISSCHEN WEITER BERGAB... Aber das schöne an den Tiefpunkten ist, selbst der ALLERTIEFSTE geht auch wieder bergauf. Man muss es nur zulassen und ein bisschen dafür tun; es auch wollen, sozusagen in Bewegung bleiben und sich seelisch nicht von den Niederlagen lähmen lassen.
1.- Wieso hat man Dir Deinen Job gekündigt? Zwischen den Zeilen hörte es sich so an, als ob da irgendeine Ungerechtigkeit Dir gegenüber abläuft... Wenn Du möchtest kannst Du gerne darüber reden (auch per PN, wenn es Dir lieber ist).
2.-So hart wie es auch klingt (und ich bin sicher, dass Du das mittlerweile auch weißt), Du kannst nichts an dem Zustand Deines Vaters ändern (wie auch?). Wenn er sich so ein Ende ausgesucht hat, dann lass ihn. In Liebe loslassen, das ist etwas was uns allen schwer fällt. Deine Kleine braucht Dich jetzt mehr als irgendjemand anders auf der Welt und ihr ist nicht geholfen, wenn Du Dich wegen Deinem Vater seelisch kaputt machst.
Ichglaube (nur ein Rat von mir) in Eurem Fall wäre es echt besser, wenn Du den Kontakt zu ihm ganz abbrichst, einfach um Dich selbst zu schützen.
Ich weiß, ich weiß... Du bist angewiesen auf Deine Eltern was das Kinderhüten angeht. Aber wäre es nicht eine Möglichkeit, dass Deine Mutter bei Dir zu Hause auf die Kleine aufpasst? Gerade weil Du auch mal sagtest, dass Dein Vater der Kleinen schon öfter "seelisch" wehgetan hat??
Ich war auch eine Zeitlang regelmäßig darauf angewiesen meine Kinder in die "Obhut" meiner alkoholkranken Mutter zu geben... Und ich kann Dir echt nachempfinden was in Dir abläuft. Auch heute muss ich die Hilfe meiner Mutter noch hin und wieder in Anspruch nehmen... Ich habe aber nie ein gutes Gewissen dabei... Hast Du schon mal daran gedacht eine Tagesmutter zu suchen? Das Jugendamt hat da viele in ihrer Kartei, die sie empfehlen können. Und viele Tagesmütter sind recht flexibel was die Betreuungszeiten angeht... Vielleicht hilft Dir dieser Tipp ja weiter...
Glaub mir Kerstin, ich verstehe Dich sehr gut. Weißt Du, im Grunde bin ich sogar etwas neidisch auf Dich
... Deine Beiträge strahlen so viel Stärke und inneren Willen aus, dass es für mich zuweilen eine Wonne ist sie zu lesen. In der Vergangenheit, als ich neu hier war, haben sie mir oft Mut gemacht...
Und ich bin auch neidisch darauf, dass Du noch beide Elternteile hast (so doof, wie sich das jetzt im ersten Moment anhören mag...), aber weißt Du, ICH hatte nie die Möglichkeit meinem Vater noch das zu sagen, was mir auf dem Herzen und auf der Seele lag und bis heute (genau zehn Jahre nach seinem Tod) noch liegt. Ich hätte ihm vor seinem Tod, als er im Verstand noch wach war, so gerne noch gesagt wie sehr ich ihn liebe und wie toll ich in als Vater gefunden habe. Das ich ihn immer als eine starke Persönlichkeit angesehen habe und glücklich darüber war, so einen Vater wie ihn gehabt zu haben.
Und das es mich innerlich zerfressen hat hilflos zusehen zu müssen, von Beginn meines Lebens an, wie er sich vom Alkohol hat "verstümmeln" lassen. Das ihm das Saufen wichtiger war als unsere (und meine) Gefühle und unser Seelenheil... Das ihm unsere Liebe nicht wichtiger war als der Alkohol, sondern dass er sich für den langsamen, qualvollen Suchttod entschieden hat. Und das er obendrein zugelassen hat dass wir es voll miterleben müssen... Das er nicht nur sein Leben weggeworfen hat, sondern mich (und natürlich den Rest unser Familie) nachhaltig mit seinem Verhalten und seiner Lebensweise "seelisch" verstümmelt hat...
Ich bin daher neidisch, liebe Kerstin, weil Du noch die Möglichkeit hast Deinem Vater das alles zu sagen, was Du an ihm liebst und was Dich an ihm krank macht, einfach um mit Dir selbst ins Reine zu kommen. Und neidisch darauf, dass Deine Tochter noch ihren Opa kennengelernt hat. Auch wenn er sicher nicht der Idealfall eines Opas ist... Immerhin hat sie einen und hat ihn kennengelernt... Mein Vater starb 1997 an den Folgen seiner Sucht. Meine Tochter kam ein Jahr später zur Welt. Und mein Sohn erst im Jahr 2002... Sie kennen ihn nur von Bildern und von meinen Erzählungen und ich bin sehr sehr traurig darüber, dass sie ihn nicht mehr kennenlernen durften (Alkoholiker hin oder her...).
Gib Dir die Chance das loszuwerden, was Du an Seelenbalast mit Dir herumschleppst. Ich quäle mich seit zehn Jahren damit und bereue es heute zutiefst, nie offen mit meinem Vater über meine Gefühle und meine innere Verzweiflung geredet zu haben... Selbst wenn dann der Kontakt zwischen Euch abgebrochen wird bist Du es endlich los geworden und musst Dir keine Vorwürfe machen, falls Du Deine Wette gewinnen solltest, und er das nächste Weihnachtsfest nicht mehr erlebt...
Liebe Kerstin, ich wünsch Dir all das was Du an Kraft brauchst um nicht die selben Fehler zu machen wie ich...
Ganz lieben Gruß, KM