Beiträge von Dietrich04

    Hallo,

    heute ist mal wieder der Punkt an dem ich dieses Forum aufsuche.

    Ich war in Oktober zuletzt voller Willensstärke hier, ich hab einen Rundumschlag in meinem Leben gemacht.

    Ich habe mein Haus verkauft, nachdem ich ca. 3 Wochen nüchtern war. Nachdem der Termin beim Notar durch war und die neue Familie eingezogen ist, habe ich mir von dem Geld ein sportliches Auto gekauft. Neben dem Alkohol waren sportliche, Laute und tiefe Autos immer meine Schwäche. Mit meiner Freundin habe ich besprochen, dass ich eine kleine Selbstfindung mache.

    Ich habe gedacht dass das Reisen das ist, was mir meinen inneren Frieden bringt, entsprechend bin ich einfach mal losgefahren. Bis dato habe ich den Entzug völlig alleine durchgemacht. Aber das war okay, weil mich die Action abgelenkt hat. Also quasi jeden Abend zu schauen wo man pennt, wo man isst, egal was. Ich habe überwiegend seit Oktober auf dem Fahrersitz gepennt. Mein Rücken ist mittlerweile ne Katastrophe aber der STOP/ GO Knopf und die damit einhergehende soundwucht vom Auto hat mich immer wieder motiviert.

    Durch die Gegend fahren, geil. Alles sehen, alles hören. Nicht viel denken, keine Verpflichtungen, außer dass die Karre getankt ist.

    Irgendwann war ich in einem kleinen asiatischen Restaurant, irgendwo in einem kleinen kaff. Ente süß sauer, wie immer. 7,50€ to-go, 9,50 im Laden. Najo, to Go.

    Ich weiß nicht wieso, aber hat scheiße geschmeckt. Ich hatte schon immer das Gefühl dass ich kein Fleisch mehr essen will.

    Nun ja.

    Nachdem ich gegessen habe, wollte ich eigentlich weiter fahren, aber dieses Gefühl von... Wie soll ich es sagen? Ich habe das Lenkrad umgriffen und das Verlangen danach das Auto ab einer Öltemperatur von 90 - 105 Grad in den Arsch zu treten und auf Sport zu schalten war weg.

    Ich saß da und dachte What the fuck machst du hier? Und es war wie... Keine Ahnung. Ne Panikattacke? Ich saß da, ich wusste NICHTS mehr mit mir anzufangen.

    Ich wollte nach Hause, aber irgendwie auch nicht. Ich hab das Auto abgeschlossen, ging los.

    Irgendwann bin ich in eine Kneipe rein, ich hab draußen schon gehört wie sich 4 Typen rauchend über den Dart Sport unterhielten und dass der 17 jährige (littler) bald Meister wird. Dann wurde ich eingeladen, Korn Kola, Limette. Sport, wie man dieses Getränk oft nennt.

    Ich bin in irgendeinem Wohnzimmer auf dem Sofa aufgewacht, mir tat alles weh. Ich habe Gedächtnislücken von den ersten Pfeilen bis zu dem Moment wo ich ins Bett kam. Dieser beißende Geruch vom Restalkohol, das Gefühl kotzen zu müssen. Ich kann mir nur noch daran erinnern dass ich mit den Schrottpfeilen keine guten scores beim Dart hatte.

    Ich wollte weiter pennen, ging aber nicht. Alles hat sich so krass gedreht, ich war völlig fertig.

    Kurze Zeit später kam, ich weiß bis heute nicht wie der Typ heißt, ein junger Mann in Unterhose zu mir und schrie herum "geiler Abend juuuuunge" und fiel fast auf die Fresse. Ich bin einfach gegangen, kein Nummer austauschen, kein tschüss, nichts.

    Ich habe mich wertlos gefühlt, mit dem Restalkohol im Blut und bin weiß Gott wo hin getaumelt.

    Ich habe nach einer Weile ein Hotel gefunden, habe mich, stinkend wie sonst was eingecheckt und habe erstmal versucht auf mein Leben klarzukommen. Hab ewig geduscht, alles versucht damit es mir besser geht, aber es war grauenhaft. Die Waden taten weh, furchtbare furchtbare Gedanken, alles gleichzeitig.

    Ich hab dann dieses Asia Restaurant, nachdem ich ewig versucht habe zu pennen und es nicht klappte wieder gefunden, da stand das Auto. Ich dachte es wäre die beste Idee nach Hause zu fahren, wobei ich eigentlich keins habe. Aber Menschen die man kennt sehen, die Umgebung, all das.

    Meine Freundin und ich haben oft geschrieben, aber wie früher wenn ich völlig dicke ins Bett gegangen bin habe ich einfach geschrieben, alles gut. Entsprechend wusste sie nix von der Partynacht.

    Was soll ich sagen.

    Ich bin am selben Tag abends in den örtlichen Edeka gefahren, hab mir n Sixpack Bier geholt. Und da ging es wieder los.

    Dieses Gefühl, irgendwas spüren zu wollen ging wieder los. Und ich dachte, ab ans Meer. Mit Knallgas Richtung Nordsee. Der Gedanke daran zurück nach Hause zu fahren war ständig da, dann wieder weg. Dann ständig da, dann wieder weg.

    Ich hatte einen einzigen Gedanken, einen Gedanken: bitte lass es alles endlich vorbei sein.

    Auf der Autobahn bei über 250 Sachen ging es dann los, Regen. Wasser ohne ende, das Auto verhält sich wie ein Boot. Du darfst nicht bremsen, kaum lenken, du darfst nur ausrollen und hoffen.

    Mein Gott, ich war noch nie so entspannt. Einfach ausrollen lassen und warten. 30 Sekunden ca., da war ich bei 80 kmh und konnte langsam zur rechten Spur lenken. Rastplatz, veggie Bockwurst mit Weißbrot. Wie gesagt, kein Bock mehr auf Fleisch. Aber da der Gedanke das erste Mal wieder Lebenswillen.

    Ich bin zurück zu Hause. Seit ich Zuhause bin, trinke ich. Ich hasse es. Es ist nichts besonderes mehr, weder der Roadtrip, noch das Leben hier. Ich suche nach Reisen im Netz, aber ich weiß gar nicht wohin ich reisen soll.

    Ich habe für Montag einen Termin beim HA. zwecks allem, ich werde keine Sekunde meiner Sucht verheimlichen. Meine Freundin weiß es, ich habe mir die Seele aus dem Leib geheult als ich es ihr erzählt habe. Wegen dem Alkohol, aber auch wegen dem Gedanken, meinen inneren Frieden trotz der Reise nicht gefunden zu haben.

    Ich fühle mich wohl in ihrer Wohnung, noch. Wer weiß wie lange, nach einer Weile unter Menschen fühle ich mich überfordert.

    Ich will so sehr der Normalste Mensch auf der Welt sein, aber ich kann es nicht. Ich will es lieben, zu spazieren, Enten zu füttern, und einfach abends pennen zu gehen. Ich will nichts lieber, als das normalste leben der Welt zu genießen.

    Dieser Trip hat mich so viel Geld gekostet, aber was ist schon Geld.. funktioniert auch nur weil wir dran glauben.

    Tja, dumme scheiße. Danke im Vorfeld, mir war gerade danach hier mal zu schreiben.

    Hallo,


    immer und immer wieder habe ich mitgelesen, inzwischen denke ich, ist es Zeit mal den Schritt zu gehen und endlich loszulassen.

    Ich wurde oft verlassen, bereits als Kind stand ich ständig alleine da. Zig mal umgezogen, mit 16 hatte ich meine erste Wohnung. Viele Freunde sind weggezogen, meine Eltern haben sich ihr eigenes Leben, ein "neues" Leben mit neuen Kindern aufgebaut und Freunde zogen weg, Studium, Ausbildung, etc. Nirgendwo Platz gehabt und entsprechend hat mich die Einsamkeit oft runter gezogen.

    An Kindheit und Jugend habe ich einige wenige Assoziationen, überwiegend Existenzängste, finanzielle und emotionale Probleme, ein ständiger Krieg.

    Ein Kollege war immer für mich da, nämlich die Flasche Bier. Abends beim zocken gings los und ich habe Gleichgesinnte im Clan gefunden die mit gesoffen haben, entsprechend wurde es immer normaler.

    In den Alter war ich auch viel unterwegs, an den Wochenenden von Party zu Party gegangen und irgendwie habe ich es nie hingekriegt, mich nicht abzuschießen. Teilweise konnte ich mich gar nicht dran erinnern wie ich nach Hause gekommen bin, aber im Endeffekt hat der Sprit dann irgendwann wieder gewirkt, wie eine Ibuprofen nach ewig langen Kopfschmerzen.

    Ich hatte aber nie das Gefühl, dass ich über alles, das ich erlebt habe mit irgendwem reden konnte, alle waren mit ihren eigenen Sachen beschäftigt.

    Irgendwie war von Anfang an dieses Gefühl, in die Sucht zu rutschen da aber das exzessive Leben hat mich lebendig gehalten. Ich bin von Beziehung zu Beziehung geballert, habe gearbeitet bis zum umfallen, mir mit 20 meinen ersten Sportwagen genehmigt und bin durch die halbe Welt gereist. Aber ich habe mich immer weiter gebildet, Abi gemacht und das Studium durchgezogen. Nebenher immer gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet.

    Ich war lange mit einer Dame zusammen, die selbige Tendenzen hatte, wenn wir einen schlechten Tag hatten, haben wir gesoffen weil wir einen schlechten Tag hatten. Wenn wir einen guten Tag hatten, haben wir gesoffen weil wir einen guten Tag hatten. Wir haben aber völlig aneinander vorbei gelebt und erst ab der gewissen Promillezahl war die Lust aufeinander wieder da. Irgendwann haben wir uns getrennt.

    Immer wieder hatte ich nüchterne Phasen und das paradoxe ist, dass ich es gefeiert habe, wenn ich Mal keinen Kater hatte. Kein Bierschiss und einfach Hungergefühl am morgen. Der Tag war entspannt, ich hatte gute Laune aber dieser Drall, sich einen zu trinken war trotzdem da. Und ehe ich mich versehen habe, habe ich mir Abends die Biere aus dem Keller geholt. Die nüchternen Tage war ich wie ausgewechselt und ausgeglichen.

    Ich mache seit Mai wieder Sport und habe brutale körperliche Fortschritte gemacht. Hab das rauchen sein lassen und das gesaufe deutlich reduziert, aber ganz weg bin ich nicht.

    Der Kreislauf ist scheiße, weil ich trotz hohem Einkommen, einer wundervollen Frau an meiner Seite und einer tollen Immobilie Unzufriedenheit verspüre. Es ist der Job, der mich oft langweiligt. Die Routine, immer wieder die selben Abläufe, immer das gleiche zu erleben, das war schon immer mein Endgegner.

    Wenn ich zu viel Zeit habe, fängt das grübeln an. Dann geht die negative Spirale los, bei der ich allen und jeden in Frage stelle. Da mache ich mir oft einen Salbei Tee, nehme Baldrian oder Johanniskraut, das hilft ganz gut. Ich will zur Freiwilligen Feuerwehr, habe mich mit denen schon in Verbindung gesetzt und ich möchte wieder mit dem radeln anfangen. (Also Fahrrad, nicht Radler! :D)

    Beim Sport komme ich auf ganz andere Gedanken. Ich habe mir das Buch von Uli Borowka gekauft, der ehemalige Fußballprofi und Alkoholiker. Bin mal gespannt, ich will mich mit dem Thema auseinander setzen und alles verstehen.

    Nun ja, ich bin 48 Stunden sauffrei, hab kein Suchtdruck oder so. Permanente Beschäftigung lenkt mich aktuell ganz gut ab, die Arbeit z.B., auch wenn's nervt. Aber gut.

    Zuletzt habe ich mir abends meine 3 - 6 0,5er Biere genehmigt, aber ich will den Absprung in ein abstinentes Leben schaffen. Ich denke es ist wie mit dem Rauchen, ein Leben ohne die ganzen Laster ist tausend Mal einfacher und Bereichender.

    Am Wochenende hab ich frei und bin schon am planen, wie ich mich permanent beschäftigen, ablenken und auspowern kann.

    Danke, dass man sich hier einfach Mal die Seele aus dem Leib reden kann.

    Danke im Vorfeld, für alle Antworten.

    Ich bin Dietrich, 33 Jahre jung. Und seit ich 17 bin langsam, aber kontinuierlich in die sucht gerutscht. Ich sehe mich als Alkoholiker.

    Gibt's Sportler unter uns? Jemand der mir Mal seine Erfahrung gegeben hat, wie ist nach Wochen oder Monaten Abstinenz ist mit der körperlichen Fitness? Danke :)