Beiträge von Cardiaca

    Inzwischen habe ich begonnen, mich in Bezug auf das Thema Alkohol anderen Menschen anzuvertrauen: Meine Eltern und zwei meiner Freundinnen wissen Bescheid. Diejenige Freundin, die selbst mit einem alkoholkranken Vater aufgewachsen ist, steht auf dem Standpunkt, ich möge meinen Partner bitte sofort verlassen!

    Aktuell möchte ich daran jedoch noch nicht denken. (Bin eher der Typ, der alles ausprobiert haben möchte, bevor er das Handtuch wirft.) Wir haben uns mit sehr viel Mühe ein gemeinsames Leben aufgebaut. Haus renoviert, ein Ehrenamt angenommen, das wir nun mit viel Elan betreiben. Mein Partner ist ein guter, feinfühliger und treuer Mensch. Ich will ihn nicht abschreiben; will ihn nicht aufgeben.

    Er hat mich schließlich auch noch nicht abgeschrieben, obwohl sich meine bereits seit langem bestehenden Autoimmunerkrankungen in den letzten Jahren verschlimmert haben. Insgesamt sind wir uns einig, dass wir gemeinsam sehr viel besser dran sind, als alleine.

    Da ich ihn und seine Sucht nicht ändern kann, möchte ich mich darauf konzentrieren, was ICH tun kann? Bildlich gesprochen: Wie halte ich meine Straßenseite sauber? Ich habe mir zum Beispiel eine örtliche Al-Anon-Gruppe rausgesucht und möchte zum nächsten Treffen gehen ... 💪🏻

    Zudem wünsche ich mir Tipps zum Umgang mit meinem Partner. Wie widerstehe ich dem Drang, erneut Alkohol-Polizei zu spielen? Wie schaffe ich es, seine Sucht zu akzeptieren?

    Hallo zusammen,

    mein Partner und ich sind seit Jahren zusammen. Seit wir auch zusammen leben, weiß ich, dass er trinkt. Es gibt für ihn keinen Tag ohne Alkohol. Ich halte ihn für einen "funktionierenden Spiegeltrinker". Je härter sein Arbeitstag war, desto früher beginnt er mit dem Trinken. Manchmal holt er sich bereits auf dem Heimweg etwas und trinkt noch im Auto während der Fahrt. Bevor er das Haus betritt, besprüht er sich mit Deo oder Parfüm, gurgelt mit Mundwasser oder kaut scharfe Kaugummis. Ich rieche es trotzdem. Er füllt das harte Zeug gerne um in Saftflaschen, versteckt seine Vorräte im Kleiderschrank oder unter der Dreckwäsche - oder er schmuggelt den Schnaps über den Garten ins Haus. Das Leergut verschwindet meist ungesehen früh am Morgen. Ich höre es trotzdem klirren. Vor dem Schlafengehen ist er häufig gut betankt. Er lallt dann und ist unkoordiniert - redet sich aber mit "Müdigkeit" raus. Manchmal schläft er im Fernsehsessel ein oder kollabiert noch angezogen und mit Licht an auf dem Bett. Er ist häufig unwirsch und schlecht gelaunt, ist aber bisher nie aggressiv geworden.

    Mehrmals habe ich bereits versucht, ganz in Ruhe mit ihm darüber zu sprechen, was ich beobachte und dass ich mich sorge. Habe Hilfe angeboten und vorgeschlagen, gemeinsam Unterstützung zu suchen. Er blockt jedoch alles ab. Sein Konsum sei gar nicht so schlimm, wie ich immer denke. Und überhaupt könne er jederzeit aufhören.

    Wir hatten vereinbart, dass zumindest die Lügen und das Verheimlichen rund ums Trinken aufhören sollen. Es nützt aber alles nichts, er trinkt weiterhin im Verborgenen - denn er möchte "keine Diskussionen darüber" haben.

    Ich habe große Angst um seine Gesundheit und um unsere Beziehung. Gerne möchte ich einen gangbaren Weg für uns finden. Ich weiß nur nicht wie?

    Vermutlich mache ich vieles falsch im Umgang mit ihm und mit seiner Sucht.

    Ach, was fange ich bloß an?

    Traurige Grüße

    Cardiaca