Liebe Stoepf ![]()
Ich habe deinen Post gelesen und habe mich bezüglich deiner Situation sehr angesprochen gefühlt, weil ich deine Gefühlslage total gut nachvollziehen kann. Mein Vater ist auch Alkoholiker seit dem ich denken kann und er macht was er will, egal wie viele Gespräche man geführt hat, egal was man ihm an Hilfe angeboten hat. Für mich war ein Kontaktabbruch sehr heilsam, da ich dadurch verstanden habe, dass ich nichts tun kann, da mein Vater trotz Kontaktabbruch (also Verlust des Kindes; ist mE vielleicht der WorstCase den Eltern erleben können) sich nicht bewegt hat um sich Hilfe zu suchen. Dazu muss ich jetzt aber sagen, dass der Kontakt wieder hergestellt ist, aber ich mit einer völlig anderen Sichtweise an die Thematik gehe.
Das Lesen im Forum hat mir oft sehr geholfen! Vorallem immer wieder zu lesen, dass der Alkoholiker alles selbst in der Hand hat..ich kann dir gar nicht sagen wie oft ich diesen Satz gelesen habe und lesen musste, damit ich ihn auch fühlen konnte.
Ein weiterer Punkt, der mir hilft ist ein Mantra aus dem Yoga "Gedanken kommen, egal ob positiv oder negativ, und ich kann und darf diese wieder ziehen lassen; ich akzeptiere, dass sie da sind und dann lass ich diese Gedanken wieder weiterziehen und kümmere mich um mich". Heißt für mich, ich denke über meinen Vater nach und fange an zu überlegen was er wohl treibt usw. Also alles was dazugehört und dann versuche ich die Emotionen rauszunehmen. Die Gedanken sind da, ich akzeptiere diese und dann geht's mit dem was ich gerade mache weiter...mein Vater kann Hilfe finden, wenn er möchte..er muss aber den ersten Schritt machen und es hilft ihm nicht, wenn ich mich in meinem zu Hause emotional reinsteigere. Und das soll überhaupt nicht wartend sein!! Bitte also nicht missverstehen!!
Zu Weihnachten werde ich es jetzt so händeln: Ich werde meinen Vater anrufen und ihm sagen, dass ich grundsätzlich gerne Weihnachten mit ihm feiere, aber nur unter der Bedingung, dass er nicht trinkt. Sollte das der Fall sein, werde ich nach Hause fahren. Er kann dann entscheiden was er damit macht und egal wie diese Entscheidung aussieht, ich habe einen Fahrplan für MICH.
Ich glaube es ist nicht möglich, auch wenn das lange mein Wunschdenken war, einen schönen Kompromiss zu finden mit dem sich alle wohl fühlen und keiner zu kurz kommt. Ich glaube in dem Umgang mit einem Alkoholiker braucht es ganz klare Regeln, an die ich mich als Angehörige halten kann.
Auch wenn du deinen Vater nicht gehen lassen möchtest (was ich soo gut verstehen kann), ist es, glaube ich wichtig, dass du dir klar machst, dass dein Papa halt auch macht was er will. Dein Papa macht sich ziemlich sicher nicht die Gedanken und die Sorgen, die du dir machst und das war, ehrlich gesagt, irgendwann ein Punkt, der mich selber total genervt hat. Warum soll ich meine Hirnmasse zerbraten für jemanden, der macht was er möchte? Der nicht darauf hört und die Sorgen, die kommuniziert werden nich ernst nimmt? Und ich finde das kann sehr sehr erschöpfend und ermüdend sein.