Beiträge von stef2303

    Hallo liebes Forum!

    Heute nur kurz (ja, das gibt es bei mir auch ;)):

    Habe mir gerade den Film "Rückfälle" angesehen (hier im Forum empfohlen), und jetzt habe ich wieder einen Grund mehr, die Finger von der Flasche zu lassen. Der Film ist echt schockierend und in der Wirkung wohl einmalig.

    Bin gespannt, ob ich davon heute träume (kann gut sein), denn der Streifen geht wirklich unter die Haut und rüttelt einen wach...

    LG

    Stef.

    Bono59 :

    Ich kann da nur zustimmen, und:

    Es gibt Berufsgruppen, da wird gebechert, was das Zeug hält. Damit man so manches überhaupt erträgt, vielleicht auch gegen das Zittern, für die notwendige Eloquenz und und und...

    ABER wehe man gibt als Mitglied zu, dass man Alkoholiker ist, dann ist man gesellschaftlich unten durch und kann sich in aller Regel einen neuen Job suchen oder gleich auswandern...

    Hallo, liebes Forum!

    Es ist Sonntag und hier bei mir auf dem Land ist es ruhig, sehr ruhig, furchtbar ruhig. Ganz im Gegensatz zum Trubel unter der Woche hält hier die Stille Einzug. Und nachdem ich diesen Zustand nur sehr schwer aushalte, war ich heute bereits in einer Messe, wärme mich gerade im Büro bei ein, zwei Kaffee auf und gehe dann mal eine größere Runde laufen. Im Anschluss steht noch Schreibkram an; aufgrund eines eher "hässlichen" Rechtsstreits muss / sollte ich ein paar Dinge für meinen Rechtsanwalt zusammenstellen.

    Nicht zuletzt auch eben dieser Rechtsstreit, der jetzt schon über Jahre geht und sich innerhalb der näheren Verwandtschaft abspielt, hat mich - neben anderen Umständen - speziell in den beiden vergangenen Jahren in die Ablenkung und die tröstenden Arme von Bier, Wein und sonstigem getrieben. Mit all seinen unschönen Konsequenzen.

    Doch eigentlich geht es um das gar nicht.

    Es geht darum, dass wir heute Sonntag haben, Stille herrscht und viel Zeit zum Nachdenken da ist.

    Und das tue ich wieder mal:

    Viele Jahre lang (zwar mit regelmäßigen und durchaus auch langen Trinkpausen) habe ich mich Stück für Stück in die Abhängigkeit, Krankheit und in das - vor allem - soziale Aus gesoffen. Das mit dem Ergebnis, dass ich jetzt zu Beginn meiner zweiten Lebenshälfte stehe und in vielen Bereichen wieder von vorn anfangen kann. Traurige Tatsache ist, dass ich mir so viele schöne Jahre, in denen ich Bäume hätte ausreißen können, ruiniert habe. Freundschaften sind zerbrochen (ein paar konnte ich noch retten), mit Teilen der Familie herrscht nur noch Streit und von der Partnerschaft gar nicht zu reden. Wie schon mal gesagt: Das hat sich auch erledigt. War die Sauferei das alles wert? Natürlich nicht. Dennoch (und im besten Wissen und zumindest in der Vorahnung dessen, was kommen wird) wurde fleißig weitergetrunken. Das Leid und Schicksal vieler Alkoholiker, nehme ich an. Ich gehe auch nicht davon aus, dass es nur mir so geht. Auch in den AA-Meetings bekommt man Dinge zu hören, die zeigen, was unsere Volksdroge so alles anrichten kann bzw. angerichtet hat.

    Habe mir gerade wieder einmal die Einteilung der Trinker nach Alpha-, Beta-, Gamma-, Delta- und Epsilon-Trinkern durchgelesen und versucht, mich hier irgendwie einzuordnen. Ja und es ging nicht. Eigentlich war ich - außer dem klassischen Spiegeltrinker vielleicht - alles irgendwann mal. Bzw. war ich auch mehreres zugleich. Was die Sache aber auch nicht besser macht. Egal, wie der Alkohol konsumiert wird, ich denke im Ergebnis geht es praktisch immer auf den Abgrund zu.

    Für mich, und deshalb schreibe ich auch hier und freue mich und bin auch dankbar dafür, dass es diese Möglichkeit und dieses Forum hier gibt, ist die Zeit derzeit nicht ganz einfach. Vieles ist neu auf die Beine zu stellen, was natürlich nicht von heute auf morgen geht. Familiär ist nichts mehr zu retten (wobei die Streitigkeiten wenigstens nicht den Alkohol als Grund haben). Jedenfalls mein Sozialverhalten muss ich weiter ändern - hier hat der Alkohol schon einen massiven Einfluss auf das Miteinander (v.a. in der Arbeit) gehabt. Meine Wohnsituation sollte ich ebenfalls bald ändern (hier erinnert mich alles an die Vergangenheit - und das ist nicht gut, deshalb bin ich z.B. jetzt ja auch im Büro), ebenso wie die Freizeitgestaltung wieder in normale Bahnen gelenkt werden muss (Vereine, Ehrenamt). Überhaupt ist es mir aufgefallen, dass mich der Alkohol zu einem maßlosen Egozentriker verkommen hat lassen, dem so ziemlich alles und jeder egal ist, außer er hat unmittelbar einen Vorteil davon. Im Nachhinein betrachtet ist das auch schlimm... Und meine Psychotherapeutin wird hier noch einiges zu tun haben.

    Ja und so plage ich mich derzeit herum - bin aber doch der guten Hoffnung, dass ich in absehbarer Zeit wieder etwas Positives berichten kann und nicht in ständigem Grübeln versumpfe...

    In diesem Sinne danke fürs lesen und noch einen schönen Sonntag!

    Euer Stef.

    Liebes Forum!

    Melde mich zurück, nach ein paar ruhigen Tagen über Silvester und Neujahr. Nach einem turbulenten Jahr 2024 fand ich es sinnvoll, einmal in Ruhe und Abgeschiedenheit über mich und die Zukunft nachzudenken. Deshalb buchte ich ein entsprechendes Seminar weit weg auf dem Land mit psychologischer, psychotherapeutischer und - ja - auch klerikaler Unterstützung. Das Ganze dauerte mehrere Tage.

    Abgesehen davon, dass ich derzeit mehrere Baustellen zu bewältigen habe, brachte mir diese Einkehr mit vielen Impulsen auch in Bezug das Thema Alkohol etwas:

    Zum einen fand ich heraus, dass eine geregelte Tagesstruktur mit gewissen Fixpunkten (z.B. Frühstück um xx Uhr, Mittagspause, abendlicher Spaziergang usw.) und das Verbringen des Tages mit "erfüllenden" Aktivitäten (Arbeit, Sport, Sozialkontakte, ehrenamtliche Tätigkeiten oder auch "nur" Spaziergänge, Lesen usw.) so auf meine Psyche einwirkte, dass während meines "Urlaubes" in der ländlichen Abgeschiedenheit Alkohol zu keiner Zeit ein Thema war. Und das, obwohl man im Seminargebäude sogar Alkohol hätte konsumieren können (z.B. beim Essen - was aber niemand tat). Zentraler Aspekt für mich war, dass der Tag so genutzt wird, dass ich am Abend zufrieden entspannt und müde, aber nicht erschöpft bin. Sagen zu können: "Das war heute ein guter Tag. Heute habe ich das, was ich mir vorgenommen habe, umgesetzt. Jetzt bin ich zwar müde, aber ich freue mich schon auf morgen." Oder etwas in der Art.

    Das zweite, was ich für mich mitgenommen habe, ist, dass ich - auch was die Aufrechterhaltung der Abstinenz betrifft - nicht nur (aber freilich vor allem) meine innere Einstellung auf "Kein Alkohol!" festigen muss, sondern auch meine äußeren Umstände von Grund auf neu regeln bzw. definieren muss. Alles im Sinne von: Weg vom alten Leben, das mich stetig und konsequent dem Abgrund näher gebracht hat. Tag für Tag. Bin daher bereits am überlegen, ob ich mir z.B. nicht eine neue Wohnung suchen soll (vielleicht im Nachbarort)!? Das würde an meinen Sozialkontakten kaum etwas ändern, aber eine (tatsächliche wie auch mentale) Distanz zu dem Ort, an dem die Sucht so ausufernd ausgelebt wurde, schaffen. Ob das nicht sogar besser wirkt, als die Wohnung umzuräumen? Ich weiß es nicht, kann mir das aber durchaus vorstellen.

    Und vielleicht hilft auch das System von "Belohnungen" etwas, um die Motivation zur Abstinenz aufrechtzuerhalten. Z.B. möchte ich mir ein E-Bike kaufen. Kaufe ich mir das sofort, hätte das (als solches) direkt wohl null Auswirkung auf das Vorhaben und den Wunsch, nüchtern zu bleiben. Wenn ich jetzt aber z.B. hergehe und für jeden Tag, den ich nichts getrunken habe, am Abend vor dem Schlafengehen z.B. 10 Euro (oder so) in ein Sparschwein oder sonst wohin werfe, weiß ich, dass ich mir in einem Jahr von diesem Geld ein Bike kaufen kann. Hier motiviert einerseits der Gedanke des "Sammelns" und irgendwann gibt es dann auch die Belohnung. Natürlich sollte danach ein neues Projekt angegangen werden, schon klar. Ich denke mir, auch so etwas hilft bzw. steigert ebenfalls die Motivation. Und: Neben der Einstellung und der festen Überzeugung, dauerhaft nüchtern zu bleiben (was natürlich am wichtigsten ist), braucht es wohl auch einer entsprechenden Motivation hierfür - zumindest macht eine solche die Sache wohl leichter.

    Wie andere Forumsmitglieder richtig geschrieben haben, stellt sich natürlich immer die Frage, welcher Schlüssel nun eigentlich der richtige ist, mit dem man das Schloss zur dauerhaften Nüchternheit knackt. Und für jeden / jede Alkoholiker/-in ist der Schlüssel ein anderer.

    Für meinen Teil fand ich die Inputs, die ich über die letzten Tage erhalten habe, interessant und ich denke mir, dass ich auch ein wenig in diese Richtung gehen werde.

    Vielleicht könnt ihr auch etwas damit anfangen...

    Ich werde mal den Versuch wagen... ;)

    LG Stef.

    Ich habe damals den Tod meiner Eltern und beider Großmütter absolut verdrängt. Für mich waren sie halt nicht mehr da. Als ob sie auf Weltreise wären... Und wenn die Trauer, Einsamkei oder Sehnsucht kam... schnell eine Flasche Wein runter (im schlimmsten Fall auf ex in der Garage) und alles war für mich wieder gut...

    Zu Zeiten als ich zu oft zu viel getrunken habe...

    Leider, aber das Sorgen-Wegsaufen, scheint eine gern praktizierte Methode zu sein...

    Liebes Forum!

    Bin gerade für 5 Tage auf einem Seminar über Silvester und Neujahr, wo Selbstreflexion und Weiterentwicklung Thema sind.

    Gestern mussten wir uns unter anderem Situationen in Gedächtnis rufen, die 2024 eingetreten und richtig schiefgegangen sind. Naja, bei mir gab es da mehr als genug...

    In meinem Vorstellungsposting hier habe ich abschließend festgehalten, dass ich die richtig peinlichen Ausrutscher, was mein Trinken betrifft, vorerst weglassen möchte.

    Aber schreiben hilft ja bekanntlich und man dann sich dadurch auch leichter von der Trinkerei distanzieren... Auch im Nachhinein, wenn man sich wieder mal vor Augen führt, wie man gelebt und gehandelt hat.

    Urlaub im Ausland. 2 Wochen. Der Klassiker: Während meine Partnerin am Pool war, habe ich mich auf dem Hotelzimmer zugeschüttet. Minibar - na klar!

    Am Abreisetag schickte mich meine Partnerin mit den Koffern in die Tiefgarage zum Auto. Dann kam ich wieder hoch zur Rezeption und wollte die Hotelrechnung bezahlen. Mein "Pech" war nun aber, dass meine Partnerin gerade schon am bezahlen war. Und sich in einer recht aufgeheizten Auseinandersetzung mit dem Rezeptionisten befand.

    Als ich kam, sagte sie zu mir: "Du, die wollen uns Dinge verrechnen, die wir nicht konsumiert haben! Aus der Minibar angeblich. Der spricht von Vodka und Weißwein und Bier. Schau Dir das an!!"

    Wohl wissend, dass ich die Minibar täglich leer geräumt hatte, sagte ich nur knapp: "Das wird schon stimmen.", packte die Rechnung weg und meine Partnerin zahlte fertig. Das alleine war schon richtig unangenehm, kann man sich denken...

    Und dann, als ob das nicht schon genug gewesen wäre, fragte mich meine Partnerin, wieviel ich eigentlich aus der Bar genommen habe (wurde ja täglich wieder ausgefüllt) und bevor ich antworten hätte können, antwortete der Rezeptionist (ein junger Bursche und ich glaube sogar völlig ohne Hintergedanken): "Das steht alles auf der Rechnung drauf." Dann las er die Getränke und deren Anzahl laut vom Monitor ab (ich wurde immer kleiner) und meinte zuletzt: "Das ist aber ganz schön viel, was da während Ihres Aufenthalts zusammengekommen ist!". Dass an der Rezeption auch andere Gäste gestanden sind und diese Geschehnisse in erster Reihe fußfrei miterleben durften, war klar.

    Die Heimfahrt war - man kann es sich denken - ein Horror. Stundenlang sagte keiner etwas.

    Ich glaube, da habe ich das erste Mal ans gänzliche Aufhören mit der Trinkerei (und nicht bloß an eine Trinkpause) gedacht, weil ich mich einfach so dermaßen geniert habe...

    Ein bisschen hat es zwar noch gedauert, bis ich tatsächlich aufgehört habe mit der Trinkerei, aber ich denke, auch solche Momente der absoluten Peinlichkeit können ungemein helfen, einen Anstoß zu geben, sein Leben zu ändern.

    So etwas - auch wenn es für andere bloß eine unbedeutende Kleinigkeit sein sollte - hängt einem ein Leben lang nach. Will man so etwas nochmals erleben? Ich nicht. Mir hat das gereicht!

    Vielleicht hilft es, wenn man während der Phasen des Zweifels in der Trockenheit an solche Ereignisse zurückdenkt, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass man so etwas nicht mehr erleben möchte.

    LG Stef.

    Liebe Leute!

    Bevor sich der Tag seinem Ende zuneigt:

    5 kleine Dinge, die mir heute - weil sie auch tatsächlich heute passiert sind - bewusst geworden sind, jetzt nach ca. zwei Monaten Abstinenz. Kleinigkeiten, unbedeutend und vielleicht auch geradezu lächerlich, über die ich mir nie so richtig Gedanken gemacht habe, aber über die ich mich jetzt so richtig freuen kann:

    Auf Alkohol zu verzichten bedeutete heute für mich (in keiner bestimmten Reihenfolge):

    - Im Restaurant endlich wieder einmal eine Suppe bestellen zu können und diese so zu essen, dass mir weder Hand noch Löffel zitterten und ich nicht die Hälfte verschüttete. [Das war früher richtig peinlich, weshalb ich zuletzt nie mehr eine Suppe bestellte.]

    - Die Frage der Kellnerin: "Eine Cola light wie letztes Mal!?" [Man kann sich denken, wie früher gefragt wurde.]

    - Eine Arbeitskollegin, die meinte, dass meine Weihnachtsfeiertage wohl super gewesen sein müssten, so ruhig und ausgeglichen wie ich heute im Büro sei. [Kein Alkohol und damit weniger Frust und Unausgeglichenheit.]

    - Die Einladung eines Bekannten, ob ich Anfang des Jahres mal mit ihm eine Trainingseinheit machen wolle und ich sagte tatsächlich "Ja!". [Früher fragte man mich gar nicht mehr, weil man die Antwort ohnehin schon kannte.]

    - Die Bemerkung ebenfalls einer Arbeitskollegin heute morgen (und das rüttelte mich wirklich wach), ob mir eigentlich bewusst sei, dass ich sie heute das erste Mal gefragt habe, wie es ihr und ihrer Familie gehe? [Derartige Befindlichkeiten waren mir damals in der Regel so was von egal.]

    Das alles war nur heute.

    Auch solche Kleinigkeiten, die einem an sich selbst selbst und auch anderen auffallen, sind doch die beste Motivation weiterzumachen, oder?

    LG und gute Nacht!

    Stef.

    Liebes Forum!

    Im Umgang mit der Sucht sucht man immer wieder neue Wege, damit klarzukommen und schwierige - "verlockende" - Situationen zu meistern.

    Aus einem Buch, das eigentlich ein ganz anderes Thema behandelt, habe ich vor einiger Zeit für mich und auf meinen Sucht- bzw. Saufdruck bezogen eine dort vorgestellte Übung oder Verhaltensweise etwas adaptiert. Seit ich nichts mehr trinke, wende ich diese - wenn es passt (in größerer oder lauterer Gesellschaft funktioniert das leider nicht so toll) - an. Und ich muss sagen, zumindest mir hilft sie tatsächlich im Umgang mit dem Verlangen, etwas trinken zu wollen, vor allem dann, wenn der plötzlich kommt und es schnell gehen soll:

    Das Suchtgedächtnis vergisst nicht, niemals und es meldet sich. Manchmal selten, manchmal öfters, aber doch immer wieder. Im Alltag, in Ausnahmesituationen. Das lässt sich nicht vermeiden.

    Kommt nun der Suchtdruck und klopft dieser an meine (Gedanken-)Tür, dann sehe ich diesen inzwischen als anstrengenden Bekannten aus alten Tagen (ich weiß, das klingt jetzt erstmals etwas irre) oder als aufdringlichen Nachbarn (wie mein lieber Onkel F.), der zwar immer mal wieder gerne vorbeischaut, den man aber gar nicht so gerne um sich haben will, an.

    Kommt dieser unangekündigte "Besuch" (ich sage jetzt bewusst nicht Gast!!) bzw. höre ich das Klopfen, dann konzentriere ich mich genau auf diesen Besuch und auf den Bereich meines Körpers, wo es gerade flau wird (meist Bauch / Magen). Es folgt ein langsames Ein- und Ausatmen zur Beruhigung. Im Geiste und wenn ich ruhig bin, öffne ich sodann die Tür und grüße den Besuch freundlich im Sinne von "Hallo xy, ach bist Du auch wieder mal da!?" oder was auch immer, lasse ihn aber gar nicht erst zu Wort kommen und sage schon an der Türschwelle, dass ich jetzt nicht über die alten Zeiten, über die wir ohnehin schon so oft geplaudert hätten, reden könne, weil ich in der Wohnung gerade Besuch habe: Mein neues Leben! Dann verabschiede ich mich mit ein paar höflichen, aber bestimmenden Worten (z.B. "Du, ich habe jetzt wirklich keine Zeit, das musst Du bitte verstehen. Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag!" und schließe die Tür.

    Danach habe ich nicht nur ein gutes Gefühl, sondern ist bei mir der Saufdruck weg und mir geht es insgesamt besser. Kaum zu glauben, bei mir funktioniert das. Im Grunde trickst man seine Gedanken dabei zwar ein wenig aus bzw. lässt sie vor der Tür stehen - mich wundert es aber nach wie vor, dass das bei mir so gut klappt.

    Klar klopft das Suchtgedächtnis immer wieder an (das wird es immer tun), aber vielleicht merkt es sich ja auch, dass der "Gastgeber" gerade keine Zeit hat!? Und kommt dann seltener... ;)

    Auf was man nicht alles kommt, oder?

    LG

    Stef.

    Natürlich, das Eingeständnis, der Alkoholsucht zu unterliegen und der Wille, dauerhaft Abstinenz zu sein und danach zu handeln, ist das einzig probate Mittel, um erfolgreich sein zu können. Das steht außer jedem Zweifel. Die Beweggründe sind selbstverständlich individuell.

    Ich denke mir nur, sich bildlich vorzustellen, wieviel man getrunken und was das gekostet hat oder noch viel (viel!) besser: wieviel Gift (Flaschen) man sich dem Körper eigentlich erspart hat (und wieviel Geld dadurch auch im Portemonnaie geblieben ist), das kann schon glaube ich auch eine gewisse Motivation sein, abstinent zu bleiben.

    Ich stelle mir da immer Reihen von Flaschen vor, die ich seit Beginn der Abstinenz nicht getrunken habe (und sonst getrunken hätte) - diese Reihe wird von Tag zu Tag länger...

    Irgendwie gibt das schon ein gutes Gefühl...

    Hallo, liebes Forum!

    Zwei, drei Gedanken am heutigen Tag...

    Es gibt viele Anstöße und Denkansätze, die Sauferei zu lassen. Bei jedem sind diese individuell. Heute morgen bei meiner inzwischen täglichen Laufrunde fielen mir wieder einmal die Aspekte "Menge" und "Kosten" ein. Und auch was das betrifft, so hat mein inneres Ich letztlich die Stop-Taste gedrückt.

    Wieso?

    Denke ich an meine besonders intensiven Saufzeiten, so hatte ich in Summe täglich ca. 1 bis 2 Flaschen Wein (je 0,75 l)in unterschiedlicher Form (Schorle, pur) und 3 bis 5 Flaschen Bier zu je 0,33 l konsumiert. Manchmal auch mehr, selten weniger.

    Da mir dieser Konsum auf Dauer zu viel war, stoppte ich das Trinken regelmäßig zur Gänze. Faktisch soff ich so Pi mal Daumen gerechnet ein halbes Jahr (oder sieben Monate), den Rest vom Jahr nix.

    Und nun ein Rechenbeispiel: Wenn ich aus den Mengen oben eine Durchschnittsmenge nehme und bei einem halben Jahr (sagen wir von Juli bis Dezember) täglich zumindest 1,5 Flaschen Wein (= 1,125 l) und 4 Flaschen Bier (= 1,33 l) getrunken habe, dann sind das (und die Saufereien bei Feiern und sonstigen Anlässen lasse ich jetzt mal weg) bei 184 Tagen 207 l Wein und ca. 245 l Bier. Oder anders: 276 Flaschen Wein zu 0,75 l und 736 Flaschen Bier zu 0,33 l. Das sind also 1.012 Glasflaschen. Stellt diese mal in einen Raum!!! Alleine wenn ich mir das vorstelle, wird mir schon schlecht!

    Damit hat sich's für mich schon deshalb, da dieser Menge nur ein Körper (meiner) zur Verfügung steht.

    Und weiter (auch nicht zu unterschätzen): Bei einem derzeitigen Preis von ca. € 10 für eine Flasche Wein und € 1,33 für eine Flasche Bier ergibt das für ein halbes Jahr € 2.760,-- für den Wein und € 978,88 für das Bier. Also knapp € 3.750,-- in einem halben Jahr nur für den Alk zu Hause!! Selbst unter Ausnützung von Sonderangeboten, Rabatten udgl.: auf € 2.500,-- kommt man immer, außer man kippt sich den kompletten Fusel runter. Von den Getränken in den Restaurants, Kneipen, Almhütten etc. gar nicht erst zu reden.

    Ist es einem das wert? Tausende Euro nur dafür zu verwenden, sich und sein Umfeld körperlich und seelisch kaputt zu machen? Mir nicht mehr.

    Rechnet man dies auch noch auf ein ganzes Jahr hoch, dann wird alles noch viel mehr und ich kann da nur mehr den Kopf schütteln - die schiere Menge bildlich dargestellt genügt mir vollends. Mir, glaube ich, auch für eine dauerhafte Abstinenz in Zukunft, weil, wenn ich umrechne, wieviel ich die letzten Jahre in mich hineingeschüttet habe (und was das gekostet hat), dann reicht das jetzt schon für drei oder mehr Leben (die ich aber nicht habe)...

    Als Mensch, der immer schon mit Zahlen gespielt hat, hilft mir auch dieser Ansatz.

    Glaubt ihr, dass man mit so einer Denkweise die Abstinenz zusätzlich unterstützen kann oder sind derartige Gedanken zwar schön und gut, dem Suchthirn jedoch einerlei?

    LG

    Stef.

    Hallo, liebes Forum!

    Ich dachte mir, Folgendes möchte ich loswerden - schreiben hilft ja bekanntlich:

    Gestern, der 24. und der Heilige Abend, verlief erstaunlich gut. Gut, mein Tag war so dermaßen durchgeplant, da konnte ich gar nicht auf die Idee kommen, was zu trinken...

    Vormittags um 10 Uhr ein Theatervorstellung besucht (der Betrieb, wo ich arbeite, bietet so etwas immer am 24.12. an), dann mit zwei guten Bekannten Kinderpunsch (ja, wirklich!) auf unserem Hauptplatz getrunken, in weiterer Folge etwas gelesen, dann am Nachmittag eine große Runde laufen gewesen, danach wieder ein wenig lesen, essen gefahren (Himbeerlimo - die Kellnerin schaute etwas ungläubig), dann auf den Friedhof gegangen (da war ich schon lange nicht mehr), das Grab der Eltern und Großeltern besuchen und Kerzen anzünden, später nach Hause geeilt, am Online-Meeting der AA teilgenommen, dann Weihnachtswünsche verschickt, etwas telefoniert, um 23.00 Uhr war noch Christmette in der Kirche und um 1.30 Uhr bin ich tatsächlich hundemüde bei einem Hörbuch eingeschlafen...

    Den ganzen Tag nicht eine Spur von Saufdruck.

    Aber um das geht es eigentlich gar nicht.

    Gestern, beim AA-Meeting, war das Thema "Zufriedenheit und Glücklichsein". Auch wenn ich meist nur zuhöre und selten was sage, musste ich diesmal schon was loswerden - sinngemäß Folgendes:

    Dass mir der Alkohol in den vergangenen Jahren so dermaßen viel kaputt gemacht hat, kann mich natürlich nicht glücklich und zufrieden machen. Ganz im Gegenteil: Die Sauferei hat mir einen Teil meines Lebens ruiniert und vieles dauerhaft und irreparabel zerstört. Was nicht hätte sein müssen, aber leider eingetreten ist. Als ich das alles realisiert hatte, war es zu spät.

    Und dennoch: Heute (also gemeint gestern, am Heiligen Abend), auch wenn ich seit vielen Jahren zum ersten Mal allein in Wohnung sitze und mein künftiges Leben (ein paar Jährchen habe ich hoffentlich noch) von Grund auf neu ordnen und gestalten muss, bin ich trotzdem in dieser an sich schmerzlichen und für mich völlig neuen Situation glücklich und zufrieden, und zwar, weil ich erstmals hier auf dem Sofa sitze und mich eben NICHT mit ein paar Flaschen Wein oder anderem zuschütten muss, um mit all den Schwierigkeiten klarzukommen. So etwas gab es früher nie, da wurde alles Unangenehme sofort im Alkohol ersäuft - geholfen hat es freilich nicht.

    Diese Einstellung (und dies wurde mir erst heute wieder bewusst) hilft mir sehr, nüchtern durch das Leben zu gehen. Vielleicht hilft dieser Denkanstoß auch hier im Forum jemandem, der über sich, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft nachdenkt...

    Danke fürs zuhören / lesen.

    Noch einen schönen Weihnachtstag!

    Stef.

    Dem kann ich mich nur anschließen! Alkohol am Heiligen Abend hat fast immer noch bei mir zu Stress und Streit geführt.

    Und weil Du, liebe AnnaBlume, die sprichwörtliche Schwiegermutter ansprichst: Ja, das kenne ich auch nur zu gut. Die Schwiegermutter abends in trauter Einigkeit mit der Tochter - da wusste ich schon vorher, wie das abläuft. Mein Alkoholkonsum zu Weihnachten vor allem vor dem gefürchteten Zusammensein am Heiligen Abend war dann schon heftig. Auf dem Weihnachtsmarkt bereits am Vormittag Glühwein und Jägermeister. Entsprechend war ich dann abends beieinander. Hätte ich das mal bloß gelassen - viel Ärger, Streit und auch Tränen hätten wir uns alle erspart... aber es war damals noch keine Einsicht da. Schuld waren immer die anderen. Glaubte noch, dass ich nur mit einem ordentlichen Pegel den Abend überstehen könnte... oh Mann!

    Dann ergab halt wieder mal ein Wort das andere und der Streit war perfekt.

    Der folgende Morgen war dann natürlich besonders schlimm. Weihnachten sollte eigentlich anders sein.

    Jetzt liegt aber die Betonung auf "war". Heuer wird es anders. Abgesehen davon, dass mich meine Schwiegermutter (übrigens in meinem Haus!) nicht mehr sehen will, trinke ich ohnehin nix mehr.

    Und ich schließe mich AnnaBlume an: Toitoitoi für heute, es ist ein weiterer Tag, der so schön sein kann - auch ohne Alkohol!

    LG

    Stef.

    Liebe Leute!

    Danke erstmal für euren Input. Es ist immer schön zu wissen, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist.

    Nach einer eher kurzen Nacht mit viel Kopfkino war der Tag heute bislang gar nicht mal so übel, weil:

    1. Bei der Arbeit war heute Mittag noch das große Zusammensein mit ca. 30 Leuten aus dem Büro. Mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr, danke zu sagen und Ausblick auf das neue Jahr. Zum "Frohe-Weihnachten"-Wünschen und natürlich auch um die besten Wünsche für 2025 auszusprechen. Das übliche halt. Während manche sich mit Sekt, Wein oder Bier zuprosteten und sich selbst feierten oder ob manche - das sah man - bloß ihren Frust hinunterspülten (alle 5 bis 10 Minuten ein weiteres Glas - wenn man als trockener Alkoholiker hinsieht, dann fällt das wirklich sofort auf)... Ich blieb bei zwei Gläsern Orangensaft (extra auch noch im Limoglas und nicht im Sektglas) und ging dann. Und lächelte ein wenig in mich hinein, alleine schon weil ich mir bei zwei, drei unserer "Partytiger" dachte: Wenn die jetzt schon zu Mittag so saufen, dann haben die morgen sicher einen "tollen" Weihnachtstag.

    2. Dann war ich mich heute in einer Pflegeeinrichtung in meiner Stadt vorstellen. Wegen der ehrenamtlichen Tätigkeit im Sozialbereich. Die Heimleitung freute sich sehr und Anfang Jänner kann ich anfangen. 1 bis 2 x die Woche für 2 bis 3 Stunden ältere Menschen und Kranke ein wenig unterhalten und ablenken (plaudern, spazieren gehen, Karten spielen usw.) Da freue ich mich auch sehr drauf. Abgesehen, dass dort Alkohol gar kein Thema ist, lenkt diese Beschäftigung sicher nicht nur die bewohner, sondern auch mich ab.

    3. Kontaktierte heute einen Freund, den ich beim Heer kennengelernt hatte und den ich auch schon Jahre nicht mehr getroffen habe. Früher wären wir auf ein Bier gegangen - diesmal geht es nach 3 oder 4 Jahren des Nicht-Sehens (weiß nicht mehr so genau) tatsächlich auf einen Kaffee. Auch er hat sich geändert!

    4. Was den Heiligen Abend anbelangt, den ich dank meiner Sauferei heuer allein verbringen darf, habe ich einen neuen Denkansatz gefunden, welcher mir sogar ein bisschen gefällt: Nachdem die letzten drei Heiligen Abende allesamt eine mittelschwere Katastrophe waren (Vorwürfe, Streit, schweigend vor dem TV sitzen, da man sich eigentlich nichts mehr zu sagen hatte - ok, man kann sich denken, dass hier mein Alkoholkonsum seinen durchaus gewichtigen Anteil daran hatte), ist es vielleicht tatsächlich mal besser, den Abend - wenn auch alleine - ruhig und gelassen zu verbringen, vielleicht abends zur Christmette in die Kirche zu gehen und dann bei einem Hörbuch einzuschlafen. Und das alles: trocken! Außerdem gibt's es morgen ein Online-Weihnachts-Meeting der AA bei uns. Diesen Austausch finde ich auch hilfreich. Auch da sieht man, dass man nicht alleine mit seiner Abhängigkeit ist.

    5. Sitze jetzt noch im Büro (habe aber schon Schluss gemacht) und höre draußen vor dem Fenster die Musik von unserem Weihnachtsmarkt. Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann sehe ich haufenweise Leute mit Glühwein in der Kälte stehen, manche wirken schon jetzt alles andere als nüchtern. Allein wenn ich das sehe, wird mir flau im Magen. Das finde ich aber ein gutes Zeichen und trinke lieber meinen Kaffee aus. Ich möchte da gar nicht runter und mich dazustellen. Gehe daher durch den Hintereingang raus und das war's, oh du mein Office!

    Irgendwie fühle ich mich heute viel besser als gestern! :) Hoffe, das bleibt so!

    Danke fürs zuhören / lesen!

    LG

    Stef.

    Jetzt haben wir nach Mitternacht und die Gedanken kreisen wieder mal...

    Immer wenn ich (so wie jetzt) über die vergangenen Jahre des Suffs und der Schauspielerei nachdenke (nix anderes war es - beruflich wie privat), komme ich zu dem Ergebnis, dass ich mir vor allem privat durch die Sauferei fast alles ruiniert habe: Die Frau ging vor einiger Zeit und baut sich gerade ein neues Leben auf, mit den meisten Freunden gibt's keinen Kontakt mehr (weil mir die im nassen Zustand komplett egal waren), der letzte Rest meiner Familie und ich sind auch zerstritten... der Privatbereich ist somit fast zur Gänze weggebrochen. Gut zumindest, dass das mit der Arbeit klappt.

    Jetzt im trockenen Zustand realisiere ich, dass ich mir das alles, also diesen privaten Knock-out, ausschließlich selbst zuzuschreiben habe. Bloß kann man die Vergangenheit auch nicht wieder rückgängig machen...

    Versuche nun, im sozialen Umfeld wieder Fuß zu fassen. Aber das geht nicht von heute auf gleich. Das dauert.

    Suche mir eine neue Wohnung für einen Neuanfang, eine ehrenamtliche Tätigkeit (Hilfe in einem Pflegeheim) ist auch geplant, Kontakt mit den noch vorhandenen Freunden und Bekannten wird auch so gut und unaufdringlich wie es geht gepflegt.. Dazu eine echt nette Psychotherapeutin, die sich auch Gedanken macht und in mentaler Hinsicht eine große Hilfe ist.

    Aber trotzdem ist die derzeitige Situation unangenehm...

    Früher hätte ich mich angesichts dieser Umstände ohne jeden Zweifel entweder in einer Bar oder zuhause zugeschüttet - aber diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.

    Dennoch birgt die Situation derzeit schon ein gewisses Risiko.

    Daher meine Frage an diejenigen, denen es vielleicht ähnlich geht: Wie geht ihr vor, dass ihr über die kommenden (für manchen sicher nicht leichten) Tage über die Runden kommt? Ohne Alkohol versteht sich...

    LG

    Stef.

    Hallo Nayouk!

    Da ich mit dem Handy schreibe, wird es knapper...

    Ich trauere dem Alkohol nicht nach, nein. Auch als eben meine Ex-Partnerin vor 2 Stunden wieder ein paar Sachen aus der Wohnung geholt hat, kam mir kein Gedanke an Alkohol. Früher hätte ich aus Frust oder Traurigkeit oder beides wahrscheinlich sofort nachdem sie weg war eine Flasche Wein aufgemacht und diese in Limo-Gläsern ausgetrunken. Und dann wohl noch eine drauf.

    Das gibt es nicht mehr; ich bin gelassen und akzeptiere das, was ohnehin nicht zu ändern ist.

    Der Traum hat mir aber aufgezeigt, dass das, was ich bin, inzwischen alt und verbraucht ist. Und der Abgrund näher ist als man glaubt. Aber es gibt doch noch ein Aufbäumen gegen den Untergang. Für mich ist das auch eine Art Weckruf, eine Warnung: Bleibe beim "Nein!", dann kannst Du es noch schaffen...

    Andere, so interpretiere ich den Traum, haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden, aufgegeben, resigniert.

    Mein inneres Ich stemmt sich dagegen.

    Denke, von der Psyche her gesehen, ist das gut - aber angenehm sind derartige Erlebnisse nicht...

    Guten Morgen allerseits!

    Träume sind doch bekanntlich der Versuch des Unterbewussten, Dinge zu verarbeiten, oder?

    Ich träume selten (oder zumindest kann ich mich oft nicht daran erinnern - das lag vielleicht damals auch an der Sauferei...).

    In der Nacht auf heute hatte ich aber einen Traum, so klar und emotional aufrüttelnd, den musste ich aufschreiben und ich glaube irgendwie, er passt auch hier gut rein:

    Ein kühler, verregneter Herbsttag. Es ist Nachmittag und düster. Zwei große Reisebusse stehen an der Straße und ein Mann sagt etwas in der Art wie: "Ihr müsst einsteigen, wir fahren noch ein letztes Mal hin." Viele Menschen, männlich und weiblich, junge und alte, steigen in die Busse. Ich auch. Man kennt sich aber nicht. Die Busse fahren los und halten in einer fremden, einsamen und tristen, aber doch irgendwie vertrauten Gegend. Hier stehen Häuser, größere Wohnhäuser mit mehreren Wohnungen. In einem nicht mehr so ganz neuen bzw. tadellosen Zustand sind sie. Haben schon mal bessere Zeiten gesehen. Beim ersten Haus halten die Reisebusse. Menschen steigen aus. Der Mann von vorhin sagt: "Schaut hin! Ein letztes Mal. Verabschiedet euch und dann war es das." Die Menschen starren auf das Gebäude, steigen wieder in die Busse und während die Busse abfahren, sieht man, wie Kräne mit Abrissbirnen das Haus niederreißen. Es bleiben: Schutt und Trümmer.

    So geht es dahin, Haus für Haus. Immer dasselbe. Dann kommt meines. Mein "Haus" (Leben? / Beziehung? / soziales Umfeld?) soll also auch abgerissen werden. Ich und andere steigen aus. Dasselbe. Bloß ist das Gebäude etwas weiter weg und wir gehen langsam und traurig darauf zu. Man kennt sich irgendwie und doch wieder nicht. Es ist "unser" Haus.

    Vor dem Haus befindet sich eine Art kleinere Lagerhalle. Hinter dem Haus die Kräne. Abwartend. Vor der Halle steht... Ein Festzelt (ähnlich einem Bierzelt auf dem Münchner Oktoberfest). Da sagt jemand: "Kommt, gehen wir da rein. Ein wenig Zeit bleibt ja noch." Wir gehen hinein und ganz hinten an einem Tisch (also so eine Art Bierzeltgarnitur) sind noch ein paar Plätze frei und fremde Menschen winken zu und rufen gut gelaunt: "Setzt euch doch zu uns!"

    Widerwillig setzt ich mich hin. Da schiebt mir einer von denen einen Krug Bier her und sagt: "Hier! Stoß' mit uns an!" Ich sagte daraufhin "Nein!". Der Kerl gegenüber erwiderte: "Ach, stell Dich nicht so an! Du kannst es ohnehin nicht verhindern!" Ich wieder - und diesmal lauter: "Nein!" Ein drittes Mal. Dann herrschte Stille am Tisch. Ein paar Momente später sagte ein anderer noch: "Dann trinkst eben eins ohne Alkohol."

    Ich stand auf, sagte mehr zu mir selbst als zu den anderen: "Nein, so kann es nicht enden", lief hinaus aus dem Zelt, zurück zum Reisebus und dieser fuhr weiter.

    Zuletzt schaute ich aus dem Fenster und sah keine Kräne mehr hinter dem Haus.

    Dann wachte ich auf und blieb wach. Dachte über vieles nach - die Vergangenheit, die Zukunft, alles was ich verbockt hatte und was vielleicht noch sein wird - und musste diesen Traum zu Papier bringen, damit ich ihn nicht vergesse.

    Hatte vor Jahren (als ich besonders viel trank) einen ähnlichen Traum, den ich mir auch aufschrieb, der aber in die andere Richtung ging...

    Ich denke, mein Unterbewusstsein sieht jetzt das erste Mal eine echte Chance, dauerhaft abstinent zu werden. Auch wenn der Traum durchaus "schaurig" war, er rüttelt doch auf. Vielleicht ein gutes Zeichen.

    Muss jetzt an die frische Luft gehen, eine Runde laufen, meine Gedanken ordnen...

    Danke fürs zuhören / lesen!

    LG

    Stef.

    Einen schönen Samstag Nachmittag!

    Die Weihnachtsfeiertage nähern sich - und damit auch die Zeit der besonderen Herausforderungen...

    War heute einkaufen und mit einem klaren Kopf sieht man so vieles anders bzw. wird einem so manches bewusst.

    Im Supermarkt traf ich an der Kasse einen entfernten Bekannten (so wie ich um die 50 Jahre alt). In seinem Einkaufswagen war nichts drinnen außer 5 (!) Paletten mit je 24 Dosen Bier zu je 0,5 Liter. Also 60 (!!) Liter Bier. Jetzt weiß ich aber, dass mein Bekannter alleine lebt und sprach ihn mit Blick auf seine Ladung an, was er denn damit so vorhabe. Das Erschreckende war dann - und da zog es mich schon zusammen - als er sagte, dass das für ihn sei, weil irgendwie müsse er ja über die Feiertage kommen. Ich wusste da gar nichts recht zu erwidern drauf, sagte nur so etwas wie "Ach, so schlimm wird's schon nicht sein." (eine schwachsinnige Antwort, ich weiß - aber ich war komplett perplex), grüßte noch und ging weiter. Im Nachhinein ärgerte ich mich über mich selbst über so eine dumme Antwort, aber da war es leider schon zu spät.

    Natürlich tat mir der Kerl leid, doch was mich eigentlich viel mehr schaudern ließ: Irgendwie sah ich mich da, so in vielleicht fünf oder zehn Jahren, wenn sich nichts ändert, an der Supermarkt-Kasse mit einem Wagen voll Bier, Wein oder was weiß ich was - dem Abgrund näher als je zuvor.

    Früher zu nassen Zeiten (so lange ist das noch gar nicht her) hätte ich so etwas wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen, vielleicht als normal abgetan oder sogar noch einen dummen Scherz gemacht, aber inzwischen gibt mir das zu denken. So werden (besser enden) möchte ich nicht. Möglicherweise ist es daher gar nicht so schlecht, auf dem Weg zur dauerhaften Abstinenz gelegentlich so ein Aha-Erlebnis zu haben.

    Besonders gut fühle ich mich nicht, allein schon wenn man sieht, wie sich jemand, auch wenn man ihn nur ein klein wenig und mehr vom Sehen her kennt, sehenden Auges zugrunde richtet, aber vielleicht helfen auch solche Erlebnisse und Gedanken, dem Alkohol endgültig "Lebewohl!" zu sagen...

    LG

    Stef.

    Hallo Alex!

    Danke für die Rückmeldung.

    Ja, das mit dem Alkohol und der Arbeit kann gerade bei Firmenfeiern oder ähnlichem zu einem Problem werden.

    Als Betriebsleiter bei der eigenen (großen) Firmenweihnachtsfeier oder auch bei kleineren Feiern innerhalb der Abteilungen gar nicht dabei zu sein, würde schon ein ziemlich sonderbares Bild abgeben. Und (wenn das öfter vorkommt) Fragen aufwerfen... Ich bin aber tatsächlich - wie Du vorschlägst - in den letzten Wochen immer einer der ersten gewesen, der - zwar mit teils fadenscheinigen - Gründen (aber immerhin ohne einen Tropfen Alkohol zu trinken) das gesellige Beisammensein verlassen hat. Meistens nach einer Stunde, nach dem Essen. Zuletzt erklärte ich z.B., dass ich dringend telefonieren müsse, ging raus und kam einfach nicht wieder, dies in der Hoffnung, dass mir das alle glauben und mich niemand suchen oder holen kommen würde. Naja... auch nicht gerade die feine Art...

    Bislang erwehre ich mich auch allfälliger Versuche, mir ein Gläschen vor die Nase zu schieben (ja, früher war das sogar gewünscht - das wussten die meisten) z.B. mit der Lüge, ich müsse Blutdrucktabletten nehmen und diese würden sich mit Alkohol nicht vertragen. Das funktioniert auch ganz gut - aber ein peinliches Vorspielen falscher Tatsachen ist das natürlich schon; manche schauen mich jetzt nämlich - zumindest kommt es mir so vor - so an, als ob ich herzkrank wäre...

    Die Alkoholabhängigkeit also unumwunden zugeben? Das ist schwierig. Meine Psychotherapeutin und zwei, drei gute Bekannte wissen davon (einer ist übrigens der ältere Kollege, der mich als einziger vor ca. einem Jahr recht direkt und unverblümt darauf angesprochen hat - siehe das Eingangsposting). Öffentlich kann ich das - zumindest jetzt noch nicht - so einfach machen; dies könnte mir beruflich ziemlich schaden. Da muss ich mir über kurz oder lang ohnehin etwas überlegen, wie ich es angehe.

    Zu Deinen Fragen:

    - Ja, ich bin ganz klar ein Alkoholiker - das weiß ich mittlerweile und habe mich auch damit abgefunden.

    - Gerne würde ich mich mit anderen Alkoholikern hier austauschen, gerade - aber nicht nur - zum Thema Alkohol und Gesellschaft / Beruf; da "kämpfe" ich am meisten mit der Situation. Zu Hause stellt sich das Problem weniger. Nach der Trennung von meiner Frau (die ich akzeptiere (bzw. ohnehin akzeptieren muss) - und die nüchtern betrachtet auch irgendwann einmal kommen musste) bin ich in diesem Umfeld eigentlich, was den Alkohol betrifft, recht gefestigt. Habe mich an so manche Empfehlungen in diesem Forum gehalten und es funktioniert eigentlich. Naja, vorerst einmal. Hoffentlich bleibt es so. Aber da bin ich doch recht guter Dinge. Gehe ich z.B. im Supermarkt bei einem Weinregal vorbei, bekomme ich fast ein flaues Gefühl im Magen, da ekelt es mir regelrecht davor.

    - Ach ja, noch zwei, drei "Eckdaten": Meinen letzten Alkohol (1 Flasche Rotwein vor (!! - bezeichnend für einen Säufer, oder? - sich einen Pegel bzw. Eloquenz ansaufen, bevor es ans Eingemachte geht...) der Diskussion, wer in der gemeinsamen Wohnung bleibt und wer wann auszieht) hatte ich am 31.10.2024. Also ab 1.11.2024 gab es nichts mehr. Der Entzug war kalt (war nicht klug, ich weiß, aber ich fühlte mich körperlich dazu in der Lage - ja ein Schwachsinn, wie kann man das wirklich wissen!?), klappte aber sehr schnell und funktionierte. Eine Psychotherapeutin, die auf Suchtverhalten spezialisiert ist, betreut mich derzeit. Da habe ich alle 14 Tage einen Termin, um vom Alkohol dauerhaft lassen und mir ein neues, geordnetes Leben wieder aufbauen zu können. Diese Therapie ist für das gesamte Jahr 2025 angesetzt.

    So, das wär's erstmal.

    Für heute lasse ich es nun mal lieber. Wünsche eine gute Nacht.

    Stef.