Ich danke für eure Beiträge.
Und... ihr habt recht.
Es stimmt schon, wenn ich drüber nachdenke. Besser oder gut wäre es nicht, mein Mann würde nicht heimlich trinken. Ich habe so oft den Gedanken, ich bin ihm wohl nicht mal die Wahrheit wert. Das erinnert an meinen Exmann. Ich habe mich über Jahre hinweg belügen und betrügen lassen. Nie habe ich den Mut und die Kraft gefunden, diese kaputte Ehe zu beenden. Psychisch ging es mir immer schlechter. Als ich dann irgendwann soweit war, zu sagen, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr belogen und betrogen werden, war die Konsequenz meines Exmannes zu sagen, ok, verstehe ich, dann gehe ich halt. Er ist direkt mit seiner letzten Affäre zusammen gezogen. Aber auch in der Sache war er nicht ehrlich. Lügen bis zum bitteren Ende. Selbst da war ich ihm nicht die Wahrheit wert.
Kurz danach habe ich meinen Mann kennengelernt. Wir waren beide frisch getrennt. Bei meinem Mann hat seine Exfrau die Scheidung gewollt. Jetzt denke ich, auch dabei spielte der Alkohol eine Rolle.
Wir waren sehr verliebt. Er hat sich sehr um mich bemüht, war so toll mit den Kindern. Das war die schönste Zeit meines Lebens. Damals haben wir oft gemeinsam gegessen, er hat aufwändig für mich gekocht. Dazu ein Glas Wein... oder zwei. Alkohol habe ich nicht als Problem wahrgenommen. Schon bald kam der erste Klinikaufenthalt. Akutes Magenbluten, was nicht gestoppt werden konnte. Mehrfach operiert, lange Intensivstation und Angst um ihn. Da wurde zum ersten Mal die Leberzirrhose diagnostiziert, was ich da aber noch nicht wusste. Ich dachte, so ist die offizielle Version, die tausend Medikament wegen seiner rheumatischen Erkrankung haben die Organe kaputt gemacht. Kurz danach haben wir geheiratet, waren so glücklich.
Leider hielt die Phase nicht ewig an. Es gab seitdem unzählige Klinikaufenthalte. Dass der Alkohol im Prinzip Ursache für alles war, ist mir nicht bewusst gewesen. Bis mein Mann zugegeben hat, dass trinken einfach nicht sein lassen zu können, hat es Jahre gedauert. Ich durfte mit niemanden drüber sprechen. Dann, endlich, Anfang des Jahres hat er dem engsten Familienkreis gesagt, was los ist. Ich war so hoffnungsvoll. Er ging zum stationären Entzug und zur entwöhnung in die Tagesklinik. Dazu seine wöchentliche Selbsthilfegruppe.
Langfristig hat nichts geholfen. Gefühlt hat er bis Mitte November dieses Jahr nur in Kliniken verbracht. Er war körperlich ein Wrack. Immer auch wieder kurzfristig abstinent. Ich habe mich so viel gekümmert, jeden Tag besucht, mir so viel Sorgen und Mühe gemacht.
Meine eigenen Bedürfnisse nehme ich schon ewig nicht mehr wahr. Ich bin im Modus zu funktionieren. Meine Kinder kamen mit sehr vielen Schwierigkeiten auf die Welt. Seitdem bin ich völlig drauf ausgelegt, zu sorgen, zu kümmern, dass beste zu wollen.... und es nicht zu schaffen, dass alle glücklich sind. Wodurch die psychischen Erkrankungen der beiden Töchter kommen, lässt sich nicht konkret sagen. Da gibt's sicher auch nicht nur eine Ursache. Eins bedingt das andere. Da kann ich nicht meinem Mann die alleinige Schuld dran geben. Aber, es stimmt, schon lange hängt alles davon ab, wie es meinem Mann gerade geht. Wo es mal wieder weh tut usw. Er ist damals zu uns gezogen, mehrere 100 Kilometer entfernt. Hier hat er nie richtig Anschluss gefunden. Manchmal denke ich, dass es auch sehr an ihm liegt. Gefühlt sind alle doof. Aber ich fühle mich wieder schuldig, schließlich ist er wegen mir hierher gezogen. Dazu scheint er mancher fast neidisch oder eifersüchtig auf die Kinder. Ich stehe immer dazwischen. Ich möchte einfach, dass alles gut ist.
Gerade hatten mein Mann und ich ein sehr emotionales Gespräch mit vielen Tränen beiderseits, hauptsächlich bei mir.
Ich hatte das Gespräch gar nicht so geplant. Es kam einfach. Auch durch das Forum aufgewühlt, habe ich ihn gefragt, was er jetzt vorhat. Ob er wieder zu Selbsthilfegruppe will oder nochmal zum Entzug oder was ihm wohl sonst helfen könnte. Erst war er sehr sehr aufgebracht. Er mag es nicht, wenn man ihm vorschreiben will, was er machen soll.
Ich habe entgegnet, dass ich ihm nichts vorschreiben kann und will. Aber das ich nicht belogen werden will. Er hat erst versucht, mir die Schuld zuzuschieben. Mir geht's psychisch nicht toll, daher auch demnächst die Reha. Leider meldet sich immer mal wieder meine Bulimie, die ich als Jugendliche hatte. Dazu habe ich manchmal so doll den Drang, mich zu verletzen. Ich weiß selbst, wie dämlich das ist. Und trotzdem "muss" ich mich manchmal verbrennen und habe entsprechend immer mal wieder brandblasen.
Mein Mann wollte dann mit mir einen Deal machen. Er würde nicht mehr trinken, wenn ich mich nicht mehr verbrenne. Das wäre nämlich genauso doof wie trinken. Ja, doof ist beides. Aber eins hat doch nichts konkret mit dem anderen zu tun.
Mein Gefühl, er will nur vom Alkohol ablenken. Meine Sorge, meine Angst scheinen nicht so wichtig wie der Suchtdruck . Er meinte, im Prinzip hätte er mir seinem Leben abgeschlossen. Er hätte immer so gelebt und gemacht, was er will. Und wenn es zu Ende wäre, dann wäre es so.
Lange Rede, kurzer Sinn.... Er könnte mir nichts versprechen, aber er will es jetzt sofort nochmal versuchen, aufzuhören. Kalter Entzug. In die Klinik würde er nie wieder gehen zum Entzug, dass braucht er nicht. Dass ein kalter Entzug gefährlich sein kann, will er nicht hören. Ich soll ihm jetzt ein paar Tage geben, dann wäre das wieder durch. Nun ist er im Bett und ich sitze hier und grübel. Die Tränen kommen immer wieder. Dazu mussten wir nach schwerer Krankheit heute morgen unseren alten Kater erlösen lassen. Ich sollte für meine Tochter da sein, sie hat ihren besten.... und einzigen.... Freund verloren. Und ich sitze hier und bin überfordert.
Ich frage mich, was und wodurch kommt ein Alkoholiker zu dem echten Entschluss, nicht mehr trinken zu wollen? Weil, wie oft hat mein Mann schon gesagt, jetzt will ich echt nicht mehr, jetzt bin ich wach geworden...
Und dann hielt alles nur kurz an... Vielleicht sind hier Alkoholiker, die mir sagen können, was bei ihnen den Ausschlag gegeben hat, dass Leben dauerhaft zu ändern.
Oder Angehörige, deren Partner es geschafft haben, aufzuhören. Wie war es bei euch? Wie habt ihr die Zeit erlebt... und überstanden?