Deine Frau und Du scheinen eine besondere Art zu haben auf Menschen zu zu gehen.
Meine spezielle Art auf Leute zuzugehen...
Mich beschäftigt das tatsächlich, weil mir Leute sehr lange sehr fremd waren. Ich konnte nicht mit ihnen umgehen, Ausnahmen bestätigen die Regel, und erlebte mich selbst als krassen Aussenseiter. Aus gewissen Rückmeldungen weiss ich aber, dass das eher mein Selbstbild war....eigentlich waren es die Ängste meiner Mutter, dass so jemand wie ich doch nie von irgendwem respektiert werden würde. Und schon gleich gar nicht von ihr. Es war auch eine Art Emanzipation von ihr, dass ich ihr das Gegenteil beweisen konnte, ohne so zu werden, wie sie das wollte. Ein Glück, denn wenn ich ihren Vorstellungen entsprochen hätte, hätte ich morgens vor dem Spiegel schon das erste Problem.
Ja, und auch meine Bereitschaft, das und überhaupt Konflikte zu regeln, sagt etwas über mich aus.
Ich bin nicht schüchtern und oft auch spontan hilfsbereit.
Es gehen so viele Leute auf mich zu wie ich auf Leute.
Das ist so ein Spiel, das bedingt sich gegenseitig.
Und manche Leute interessieren mich sehr.
Ich gebe was und kriege was dafür oder ich kriege was und gebe was dafür, und in der Summe ergibt das eine große Menge interessanter Erfahrungen.
Ausserdem bin ich wohl äusserlich und durch mein Verhalten auffällig.
Mir wurde schon mehrmals von Leuten gesagt, dass sie mich nun schon länger beobachten und jetzt endlich mal wissen wollen, wer oder was ich bin.
In fremden Städten kann ich mich darauf verlassen, dass irgendwer auf der Straße glaubt, dass ich mich auskenne, oder dass er mich schon mal irgendwo gesehen hat.
In den Bergen ist es auch so, man sieht mir das auf eine halbe Wegstunde an, dass ich nicht normal laufen kann, aber ich bin extrem zäh.
Die einzige explizite Meldung, wie ich wirke, bekam ich in der Klinik von einer Gruppe Frauen.
Die sagten mir erst, für was sie mich hielten, und wollten dann wissen, ob sie recht haben.
Sie nannten mir zwei Möglichkeiten.
a) Sozialarbeiter ... das war wohl der Rest von dem, dass ich mal Arzt werden sollte.
b) ein Mensch, der ein Haus planen und vom Keller bis zum Dach mit eigenen Händen bauen kann.
Antwort b) trifft auf die Zeit nach meinem ersten abgebrochenen Studium zu, als ich mich anders orientiert habe. Aber Bau war auch eine feuchte Angelegenheit. Als Bauleiter wurde ich mal dafür kritisiert, dass ich nicht genügend rumschreie und die Handwerker antreibe. Und natürlich wurden von denen die Selbstgebrannten vom Balkan und aus Polen kistenweise mitgebracht und zur Pflege der guten Beziehungen abgegeben.
Ich habe dann nochmal die Branche gewechselt, als ich mit dem Trinken aufgehört habe. Über eine Akademikerfortbildung, die zwei Jahre dauerte, und mit meinem Vorwissen und einem guten Abschluss ging das dann weiter.
Da nervte mich dann aber irgendwann mal, dass das Gehahlt zwar sehr gut war, aber ich hatte keine Zeit, das Geld auszugeben. Das war DER Grund, mich selbstständig zu machen, nur noch so viel arbeiten, dass es reicht. Auch das Buch, das ich das für meine eigene Aufarbeitung geschrieben habe, war vielleicht eine Stunde am Tag und wenn ich keine Lust hatte, habe ich nichts gemacht. Es machte mir dann aber Spass und das ist für mich die beste Motivation. Ansonsten habe ich meinen damaligen Garten (der jetzige ist kleiner und heute bewältigbarer), das Radfahren und die Berge zu sehr genossen, um im Büro glücklich zu werden. Ich hatte immer so viel vor, ich hatte gar keine Zeit für so einen Stressjob.
Heute - heute - bin ich glücklich, denn ich habe bei mir Obstbäume geschnitten, auf der Leiter rumgeturnt, gesägt, gekürzt, das ist immer erst mal ein kleines Angstüberwinden aber es ging gut und mir wurde warm bis aufs T-Shirt. Und dann noch eine Stunde in der Sonne gesessen bis mir kühl wurde.
Ach ja, die Fülle des Lebens... von unten nach oben und umgekehrt, gut durchmixt, schlechte und gute Tage, Leben und Tod... darüber habe ich schon länger nachgedacht. Gehört für mich alles dazu.
LG LK