Beiträge von Lebenskuenstler

    Ich könnte jetzt was in der Art sagen
    "und wenn sie nicht gestorben sind, dann kreisen sie noch heute"

    Die Frage, die nur Du Dir beantworten kannst, ist:
    Reicht es Dir, jede Woche ein oder zwei Mal Dein Leid zu klagen und so weiterzumachen, oder brauchst Du eine Lösung für das kleine Problem?

    Kannst Du Deine Frau nicht dazu bringen, mal vernünftig, nüchtern und konzentriert mit Dir zu reden? Hast Du das überhaupt schon einmal so direkt und mit Dringlichkeit angesprochen, oder wartest Du, bis sie von selbst darauf kommt?
    Hier hattest Du ja auch ein Problem, aus Dir herauszukommen. Bist Du so?

    Was CF sagt, ist genau der Punkt, wo ich gestern hellhörig wurde, weil sie das Gespräch mit dem Paartherapeuten hat sausen lassen.

    Meine Frau hat selbst schon auch Einiges unternommen, war auch in der Angehörigenberatung, sogar selbst noch eine Therapie gemacht.
    Ausserdem ist sie selbst auf die Idee gekommen, was für mich gut ist (kein Alkohol) kann für sie ja auch nicht schlecht sein.

    Bei Deiner hört sich das nach Deinen Schilderungen schon ein wenig so an, dass Du ihr gefälligst nicht im Weg umgehen sollst und sie sich als die Bessere fühlt, die an ihrem Leben ja gar nichts ändern will. Konfrontiere sie doch mal damit.

    Hi Topfmann,

    ich glaube, ohne gemeinsame Gespräche wird es sehr schwierig.

    Bei uns war es auch nicht einfach, und wir standen mehrfach vor der Trennung. Wenns konkret wurde, fiel uns aber immer beiden auf, was uns dann fehlen würde (unterm Strich war das Verbindende immer mehr als das Trennende) und wir haben dann wirklich beide daran gearbeitet. Richtig gearbeitet, und nicht nur Eine oder Einer.
    Mit Gesprächstechniken, damit das PingPong nicht so hochkommt, was unser Problem auch war. Das Ja, aber-Spiel und der Kampf um das letzte Wort...waren meine Gedanken damals dazu.

    Ich war auch nicht bereit, mir die alleine die Schuld anzuziehen. Schliesslich ist Saufen nicht verboten, also ist es kein Verbrechen (von Krankheit habe ich selbst nicht gesprochen), und sie war ja genauso dabei, mit mir zusammensein zu wollen wie umgekehrt. Und dass ich aufgehört habe, war zwar nur für mich (ich war mir sicher, um mich herum kann die Welt zusammenbrechen, als ich an dem Punkt zum aufhören war), aber es war ja durchaus auch in ihrem Sinne, also musste sie mich auch trocken werden lassen.

    Mal aus dem Weg gehen, bis sich das beruhigt hat, ist kein Fehler. Aber solange da noch Rechnungen offen sind, muss das wohl irgendwie ausgefochten werden.
    Bei uns war es zum Glück so, dass wir auch gemeinsame Interessen hatten und egal wie, immer was zusammen unternommen haben.

    Du hast geschrieben, in Deinem allerersten Beitrag hier, dass Deine Familie unter Deiner Sauferei gelitten hat. Also kannst Du verlangen, das sie Dich jetzt auch unterstützt und versteht, dass Du was für Dich tun musst. Meine Meinung. Und ich bin Pragmatiker, wenn es wo nicht mehr geht, das kann ich bei Euch nicht beurteilen.

    LG LK

    Gestern hatte ich Dich gefragt, ob Deine Frau öfter gemeinsame Gesprächstermine platzen lässt.

    Das Andere, meine Frau hatte das mal so ausgedrückt:
    Als Du noch gesoffen hast, war das eine Belastung, und jetzt wo Du aufgehört hast, muss ich schon wieder Rücksicht nehmen und Du bist dünnhäutig und empfindlichg etc.

    Ich habe mich absolut selbst mit dem Aufhören beschäftigt, aber dadurch war ich eben auch sehr mit mir selbst beschäftigt.

    Angehörige hoffen halt oft, kannst Du hier auch regelmässig lesen, das Kerlchen hört mit dem Saufen auf und wie durch ein Wunder ist plötzlich alles gut. Ist es in der Regel nicht.
    Womit ich wieder bei der Frage nach den Gesprächen bin.

    Bei uns war das so: meine Frau konnte nicht aufhören, sich Sorgen zu machen. Und mir regelmässig ihre Überlegungen mitzuteilen, was ich noch alles ändern sollte. Sie liess mich nicht los.
    Sie hat mir so im Lauf der Zeit das Gefühl vermittelt, dass ich es sowieso nicht recht machen kann und dass ich für ihre allgemeine Lebensunzufriedenheit verantwortlich und zuständig wäre.

    Ich habe sogar eine Verhaltenstherapie gemacht, um ein wenig, na ja, diplomatischer zu werden. Bis da hin war ich eher bekannt dafür, dass ich gerne mit der vollen Breitseite kam. Sagen wir, ich habe dazugelernt.

    Die Änderung kam, als ich, dem das ja auch nicht so recht gefiel, mich anderweitig verliebte und die Landebahn für mich bei einer anderen Frau schon fertig war. Da begriff meine Frau, dass sie was tun muss, damit ich bleibe. Weil ich es nämlich nicht mehr mit ihr ausgehalten habe. Dann hat sie selbst eine Therapie gemacht, damit sie selbst und auch ohne mein Zutun besser durchs Leben kommt.

    Das ist bei uns heute alles viel freier und weniger zwanghaft.

    Ich würde mal sagen, dieser Kontrollzwang, von dem Du schreibst, wird nicht von selbst aufhören, wenn er mit dem Trinken aufhört. Der Kontrollzwang ist nämlich ein Teil deiner eigenen Unsicherheit. Und die hast Du sehr wahrscheinlich bereits in diese Beziehung mitgebracht.
    Und das musst Du jetzt natürlich auch entsprechend lesen, weil ich Dich ja auch nicht besonders gut kenne.

    Will Dir kurz noch was dazu schreiben.

    Ich habe auch Trinkpausen gemacht.
    Als ich aufgehört habe, blieben die Teile, die ich nur im Suff ausgelebt habe, trotzdem irgendwie erhalten.

    Ich habe schon von Einigen gehört, dass sie sich in Trinkpausen besonders zusammengerissen haben, um die Schäden, die sie im Suff verursacht hatten, irgendwie auszugleichen.
    Oft schreiben Cos auch von Jekyll und Hyde, also ein Wechsel der Persönlichkeit im Rausch. Wenn einer wie ich dann dauerhaft trocken bleibt, muss er seine beiden Seiten aber irgendwie zusammenbringen.

    Deinen Einfluss wird er dann auch nüchtern zurückdrängen. Wenn Du Dich dann nicht änderst, wird er Dich rauschmeissen. Wäre bei mir so gewesen.

    Ich möchte noch ergänzen: selbst wenn er je auf die Idee kommen sollte, aufzuhören, hat er dann immer noch die Schwierigkeiten mit dem Aufhören, die fast jeder hat, und die Rückfallwahrschenlichkeit von ca, 85 % im ersten Jahr. Und ausserdem wird er danach nicht mehr derselbe sein.

    Aber das passiert ja sowieso frühestens in ein paar Jahren, so wie er nach Deinen Schilderungen drauf ist.

    Einem Alkoholiker den fehlenden Tritt zu geben sollte auf gar keinen Fall deine Aufgabe werden. Wie bereits erwähnt ist das nicht nur selten erfolgreich sondern auch nicht deine Baustelle. Das kann ganz schnell wieder in die Spirale "Hoffnung" führen.

    Und Fingerspitzengefühl kann man auch so interpretieren, dass DU dich, seine Reaktion antizipierend, verbiegst und auf Eierschalen gehst, um ihn nicht zu verärgern. Damit kann sich auch wieder der Fokus von deinen Gefühlen zu der Frage hin verschieben, wie er sich damit fühlt.

    Dazu noch was.

    Meine Frau hatte lange die Vorstellung, dass ich ihre Erwartungen an mich verstehe, ohne dass sie sie explizit formulieren muss.(so die Vorstellung, wenn man sich versteht, dann geht das auch wortlos)
    Heute verlange ich schon lange, dass sie sich klar ausdrückt, wenn sie etwas von mir will.

    Und dann kann ich Ja oder nein sagen.
    Umgekehrt übrigens auch.

    Auch wenn ich etwas sage, kann sie das völlig falsch verstehen, das ergibt sich oft erst durch Rückfrage.
    Wenn zwei Leute den gleichen Satz im gleichen Tonfall sagen, ist trotzdem noch nicht garantiert, dass sie auch dasselbe meinen, weil jeder jedes Wort mit einem anderen Background verstehen kann.

    Und es muss mit Fingerspitzengefühl passieren, beiderseits, weil es oft sonst vorwurfsvoll rüberkommt und das bringt so ziemlich gar nichts.

    LG LK

    Das ist Deine Entscheidung, halte ich mich raus.

    Wenn Du Dich durchs Forum liest, dann gibt es auch im offenen Bereich sehr viel privates. Halt so verklausuliert, dass man nicht erkennbar ist.
    Die Probleme, die Du und Deine Frau haben, sind vermutlich auch nicht so unverwechselbar, dass das gleich jeder erkennen würde. Lass halt was aus, was Du nicht schreiben willst.
    Und bitte nicht falsch verstehen, Du musst nicht.

    Nein, kann ich nicht.
    Ich bin erst nach Dir hier im Forum angekommen und habe mich nie beworben.

    Es gibt ja diese Voraussetzungen für den geschlossenen Bereich. Eine Regel ist, einen eigenen Faden zu eröffnen und zu pflegen. Ich habe aber nichts, was ich dort schreiben will, was ich nicht auch im offenen schreiben kann. Das meiste, was ich über mich erzählen will, steht bereits in meinem Thema. Und na ja, ich bin ja schon eine halbe Ewigkeit trocken, da ändert sich nicht mehr so viel. Und wenn, könnte ich ja immer noch in den Geschlossenen.

    Ich bin nicht im Geschlossenen, und ich habe nichts, was nicht schon in meinem Thema steht. (Also ich sehe nicht vor mir, dass ich mich dafür bewerbe)

    Ich kann Dir daher nur hier schreiben.

    Kurze Rückmeldung:
    Du hast schon einmal geschrieben, dass Deine Frau einen Termin sausen liess, der Dir wichtig war. Hat das Methode? Oder sind das Einzelfälle, und Ihr redet trotzdem mit Zeit?

    Hi Topfmann,

    Von aussen betrachtet wäre für mich die Entscheidung auch klar gegen diese Beziehung.

    Aber weil das nicht so einfach ist, Du vermutlich recht hast, dass beide Fehler gemacht haben, es auch um Deine Söhne geht und Du die Beziehung vielleicht auch gerne erhalten möchtest, würde ich ganz klar kommunizieren an Deiner Stelle, dass ich (Du bist damit gemeint) reden will.
    Und das darf nicht zwischen Tür und Angel passieren, wenn sie gerade mal 5 Minuten Bock dazu hat, sondern da brauchst Du echt einen Termin mit ihr, fest ausgemacht und mit ausreichend Zeit.
    Und dann musst Du wissen, was Du ansprechen willst und was Du brauchst, und nicht schon von vorneweg den Kompromiss einbauen, sondern hart etwas verlangen. Den Kompromiss kannst Du dann immer noch eingehen, wenn Du das willst. Und entweder Du kriegst in Dieser Beziehung noch mal eine Zusammenarbeit, oder Du kriegst sie nicht mehr, dafür muss aber erst mal alles auf den Tisch, was es zu verhandeln gibt.

    Und manchmal geht es eben nicht mehr.

    Ich/wir haben Erfahrung mit Paartherapie, aber auch dazu müssen BEIDE wirklich wollen. Wie stehst denn Du und auch deine Frau dazu?

    LG LK

    edit: hart etwas verlangen ist falsch ausgedrückt. Klar Deine Bedürfnisse kommunizieren , bei Dir selbst bleiben (keine Vorwürfe) und keine Kompromisse, mit denen Du auf Dauer nicht zufrieden wirst.

    nüchtern ist er eigentlich nie

    ob es sinnvoll ist, ihm in nüchternem Zustand zu sagen, dass er Alkoholiker ist.

    Hi Sonnenblume,

    ich komme von der Trinkerseite.

    So, wie das hier steht, hast Du ja erst mal ein technisches Problem. Er ist ja nie so nüchtern, das Du ihm das im nüchternen Zustand sagen kannst.

    Keiner hier kennt ihn. Nur Du.
    Es kann nach hinten losgehen, wenn Du ihm sagst, dass er Alkoholiker ist. Würde mich wundern, wenn er darüber begeistert wäre.
    Lässt er denn irgendwie erkennen, dass er, von sich aus und ohne Deinen Druck, aufhören will?

    Was Du nüchtern machen kannst, ist, ihm zu sagen, wie Du Dir die Beziehung vorstellst, und wie es Dir damit geht. Eventuell hat er aber andere Vorstellungen, auch nüchtern betrachtet. Vielleicht will er trinken und will das nicht mit Dir abmachen, kann sein. Vielleicht wartet er aber auch auf den ersehnten rettenden Tritt in den Allerwertesten, das ist aber eher seltener. Fingerspitzengefühl brauchst Du allemal, sonst blockt er gleich, sehr wahrscheinlich jedenfalls.
    Ja, und nichts androhen, was Du nicht tatsächlich machen kannst, steht hier ja schon, da wird alles, was Du sagst, nur zum Gerede, was er nicht erst nimmt.
    Und wenn Du Pech hast, nimmt er das nur zum Anlass, einen zu trinken, und dann schiebt er Dir noch die Schuld dafür zu. Damit musst Du rechnen.

    Weisst Du selbst, was Du willst? Und damit meine ich nicht irgendwelche Idealvorstellungen von ihm und Deiner Beziehung zu ihm, die Du mit einem aktiven Trinker nicht erreichen wirst, sondern, ob Du weisst, was Du mitmachen willst und kannst und ab wann Du nur noch unglücklich bist.

    LG LK

    Hi Topfmann

    ich habe jetzt mal Deinen ganzen Faden nochmal durchgelesen, und von wegen Du schreibst so schlecht und Du willst keinen belasten:
    Hast Du schon mal von "Gesundem Egoismus" gehört?

    Du hast vielleicht ein schlechtes Gewissen und ein unterirdisches Selbstbewusstsein, weil Du Deiner Ansicht nach einiges verbockt hast (hast Du vermutlich, aber wer hat das nicht?), aber es geht hier ausschliesslich um DEINE Gesundheit und wenn es Dir hilft, zu schreiben, dann sollte es Dir aber so was von Sch..egal sein, ob Du jemanden nervst.

    Es hat mich jetzt nicht genervt, das alles noch mal zu lesen und Du hast mehrmals betont, wie gut es Dir tut, hier zu schreiben.

    Bist Du nüchtern harmoniesüchtig und willst am liebsten nicht auffallen?
    Was fällt Dir zum Begriff "Selbstbehauptung" ein?

    Ah... und wenn Du wieder säuft, wirst Du wahrscheinlich kein angenehmerer Zeitgenosse. Und das weisst Du selbst.

    Sagte mir mal ein anderer Alkoholiker, viele Trinker bringen nur besoffen den Mund auf. Das wollte ich sicher nicht für mich gelten lassen. Wie ist das bei Dir?

    LG LK

    Deine Frau und Du scheinen eine besondere Art zu haben auf Menschen zu zu gehen.

    Meine spezielle Art auf Leute zuzugehen...

    Mich beschäftigt das tatsächlich, weil mir Leute sehr lange sehr fremd waren. Ich konnte nicht mit ihnen umgehen, Ausnahmen bestätigen die Regel, und erlebte mich selbst als krassen Aussenseiter. Aus gewissen Rückmeldungen weiss ich aber, dass das eher mein Selbstbild war....eigentlich waren es die Ängste meiner Mutter, dass so jemand wie ich doch nie von irgendwem respektiert werden würde. Und schon gleich gar nicht von ihr. Es war auch eine Art Emanzipation von ihr, dass ich ihr das Gegenteil beweisen konnte, ohne so zu werden, wie sie das wollte. Ein Glück, denn wenn ich ihren Vorstellungen entsprochen hätte, hätte ich morgens vor dem Spiegel schon das erste Problem.

    Ja, und auch meine Bereitschaft, das und überhaupt Konflikte zu regeln, sagt etwas über mich aus.

    Ich bin nicht schüchtern und oft auch spontan hilfsbereit.
    Es gehen so viele Leute auf mich zu wie ich auf Leute.
    Das ist so ein Spiel, das bedingt sich gegenseitig.
    Und manche Leute interessieren mich sehr.

    Ich gebe was und kriege was dafür oder ich kriege was und gebe was dafür, und in der Summe ergibt das eine große Menge interessanter Erfahrungen.

    Ausserdem bin ich wohl äusserlich und durch mein Verhalten auffällig.
    Mir wurde schon mehrmals von Leuten gesagt, dass sie mich nun schon länger beobachten und jetzt endlich mal wissen wollen, wer oder was ich bin.
    In fremden Städten kann ich mich darauf verlassen, dass irgendwer auf der Straße glaubt, dass ich mich auskenne, oder dass er mich schon mal irgendwo gesehen hat.
    In den Bergen ist es auch so, man sieht mir das auf eine halbe Wegstunde an, dass ich nicht normal laufen kann, aber ich bin extrem zäh.

    Die einzige explizite Meldung, wie ich wirke, bekam ich in der Klinik von einer Gruppe Frauen.
    Die sagten mir erst, für was sie mich hielten, und wollten dann wissen, ob sie recht haben.
    Sie nannten mir zwei Möglichkeiten.

    a) Sozialarbeiter ... das war wohl der Rest von dem, dass ich mal Arzt werden sollte.

    b) ein Mensch, der ein Haus planen und vom Keller bis zum Dach mit eigenen Händen bauen kann.

    Antwort b) trifft auf die Zeit nach meinem ersten abgebrochenen Studium zu, als ich mich anders orientiert habe. Aber Bau war auch eine feuchte Angelegenheit. Als Bauleiter wurde ich mal dafür kritisiert, dass ich nicht genügend rumschreie und die Handwerker antreibe. Und natürlich wurden von denen die Selbstgebrannten vom Balkan und aus Polen kistenweise mitgebracht und zur Pflege der guten Beziehungen abgegeben.

    Ich habe dann nochmal die Branche gewechselt, als ich mit dem Trinken aufgehört habe. Über eine Akademikerfortbildung, die zwei Jahre dauerte, und mit meinem Vorwissen und einem guten Abschluss ging das dann weiter.
    Da nervte mich dann aber irgendwann mal, dass das Gehahlt zwar sehr gut war, aber ich hatte keine Zeit, das Geld auszugeben. Das war DER Grund, mich selbstständig zu machen, nur noch so viel arbeiten, dass es reicht. Auch das Buch, das ich das für meine eigene Aufarbeitung geschrieben habe, war vielleicht eine Stunde am Tag und wenn ich keine Lust hatte, habe ich nichts gemacht. Es machte mir dann aber Spass und das ist für mich die beste Motivation. Ansonsten habe ich meinen damaligen Garten (der jetzige ist kleiner und heute bewältigbarer), das Radfahren und die Berge zu sehr genossen, um im Büro glücklich zu werden. Ich hatte immer so viel vor, ich hatte gar keine Zeit für so einen Stressjob.

    Heute - heute - bin ich glücklich, denn ich habe bei mir Obstbäume geschnitten, auf der Leiter rumgeturnt, gesägt, gekürzt, das ist immer erst mal ein kleines Angstüberwinden aber es ging gut und mir wurde warm bis aufs T-Shirt. Und dann noch eine Stunde in der Sonne gesessen bis mir kühl wurde.

    Ach ja, die Fülle des Lebens... von unten nach oben und umgekehrt, gut durchmixt, schlechte und gute Tage, Leben und Tod... darüber habe ich schon länger nachgedacht. Gehört für mich alles dazu.

    LG LK

    Hi Kazik,

    Ich habe gerade etwas wichtiges erledigt und jetzt habe ich ein paar Minuten Zeit.

    Machen wir es doch so, mir geht wieder etwas im Kopf um und Du nimmst Dir, was Du brauchen kannst, den Rest lässt Du liegen. Ich bin nicht Gott und ich weiss nicht, was Du brauchst, trotzdem weiss ich eine ganze Menge. Ansonsten bin ich keineswegs fehlerfrei, nimms mir nicht zu übel.

    Als ich mich selbst eingeliefert hatte, begegnete ich einigen Menschen, die schon sehr lange in der Psychiatrie waren. Und einige von denen mochten mich bald gerne, wahrscheinlich, weil ich sie auch mochte. Also ich habe etwas von ihnen und ihren Sorgen und Nöten mitgekriegt. Weiter ins Detail muss ich da nicht gehen. Es war übrigens auch da, wo ich den Alkoholikern beim Einkaufen mitgegeben wurde, ich weiss nicht, ob du das gelesen hast.
    Es war auf jeden Fall eine Abteilung aus der manche - so auch ich - jederzeit raus durften, andere hatten keinen Ausgang. Ich habe auch alles mögliche an Angeboten angenommen, ich bin ausserdem nicht nur verkopft, sondern habe auch eine handwerkliche Ausbildung genossen, Holzarbeiten aus der Ergo habe ich noch hier. Bogenschiessen fand ich auch gut. Ich habs mir da so eingerichtet, es war fast wie Urlaub.

    Soweit, radikale Akzeptanz dass es bei Dir so ist wie es ist. Ich weiss ja gar nicht, was Du machen kannst.

    Ich selbst habe für mich ein Buch mit ca. 1000 Seiten geschrieben, um alles mal zu entwirren, was mir im Kopf umging. Ich müsste es überarbeiten, hatte dazu aber nie Lust. Das wesentliche geschah vemutlich während des Schreibens. Du bist ein Wortnerd, hast du mal geschrieben, und ich bin auch sehr genau, wenn ich will. Ich habe recherchiert, gesammelt, geschrieben, überarbeitet und so gingen vielleicht 3 Jahre ins Land. Während dieses Prozesses habe ich wohl meine Vergangenheit verarbeitet, rein durch die Zeit, die verging, und dadurch, dass ich es mir selbst im Detail erzählt habe. Ich habe eine Geschichte daraus gemacht samt meinen eigenen fachlichen Kommentaren, was das jeweils gewesen sein könnte und wie es auf mich gewirkt hat.
    Hört sich jetzt vielleicht ein bisschen wirr an.
    Ein wichtiger Punkt für mich ist, es hat einmal weh getan, und ich habe zum Selbstschutz vielleicht Reaktionen erlernt, die zu meinem heutigen Leben nicht mehr passen. Wenn ich das ganze aufschreibe, heute, wo mir nichts davon aktuell weh tut (ich muss ja nur um mich schauen, meine heutige Realität ist eine Andere), dann wird das zu etwas, was einmal war, aber nicht mehr ist.

    Ausserdem sind wir mal in Italien im Hinterland mit einem alten Mann, fast 90, ins Gespräch gekommen, und der führte uns durch seinen Gewölbekeller. Eine Schreinerei. Die Späne lagen mehr als Knie-hoch, da konnte man Ausgrabungen machen. Er hatte den Pariser Louvre nachgebaut, den Petersdom, Musikinstrumente, Ausgrabungen aus der Römerzeit nachgebaut, es war einfach absolut irre. Der Mailänder Dom guckte nur mit seinen Türmen aus den Spänen. Er meinte, das hätte er nie jemandem gezeigt, aber inzwischen habe ich gesehen, dass seine Gemeinde nach seinem Tod ein Museum daraus gemacht hat. Ohne die Späne. Und ohne die Späne fehlt irgendwie was.
    Der hat mit Sicherheit auch etwas verarbeitet.

    Mir gehts drum, dass man manches auch ausagieren kann, aktiv verarbeiten. Verdrängung ist, glaube ich, oft ein Problem. Und bei Dir funktioniert die Verdrängung ja gar nicht richtig, es will ja raus. Jetzt nüchtern ist verstärkt damit zu rechnen. Saufen willst Du aber nicht. Und als Schreiner weisst Du möglichweise auch, dass beim Arbeiten die Gedanken manchmal fließen können.

    War nur so ne Idee.

    Was ist mit den Schreinerarbeiten aus Deiner Reha, die Du ambulant noch fortgesetzt hast, da warst Du ja fast abstinent und es endete mit Deiner Gesundschreibung. Also da hast Du ja möglicherweise eine Kraftquelle. Könntest Du vollständig abstinent daran anknüpfen?

    LG LK

    Hi Kazik,

    Respekt vor Deiner Reaktion.

    Manches unterscheidet uns ganz gewaltig. Eins davon, was mich wiederum mit meiner Frau verbindet, sind Nahtoderlebnisse, die meine Frau und ich wiederum völlig unabhängig und in unterschiedlichen Situationen hatten, die für uns beide aber zum Geilsten gehören, was wir je erlebt haben. Und da waren wir beide absolut alleine, aber so was von. Meine Frau machte mich neulich im Gespräch darauf aufmerksam, dass sie sich mit mir darüber unterhalten konnte, während es sonst niemand verstanden hat. Und Du willst den Weg da hin ganz sicher nicht gehen. Der Preis ist zu hoch.

    Ansonsten ist es gemischt, ich hatte gute Erlebnisse mit Anderen und alleine.

    Auch der Umgang mit der Vergangenheit unterscheidet uns. Für mich ist das oft nur unterhaltsam, denn ich bin da ziemlich unbeschadet rausgekommen, wenn ich den Stand Heute betrachte. Mich belastet das nicht, oft belustigt es mich eher.
    Und auch meine Behinderung....heute morgen war ich im Wald, da spricht mich einer auf mein Gehen an, es entwickelte sich eine nette Unterhaltung. Passiert mir oft. Also ich, alles halb so wild. Hat so viele Vorteile wie Nachteile, oder ich bin nur sehr gut darin, das Beste daraus zu machen. Ist mir eigentlich egal, warum das so ist, ich nehme es wie es kommt.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, und das meine ich wirklich ernst, das Allerbeste, und dass Du Dich aus Deinen Belastungen lösen kannst. Und da kann ich Dir wiederum sagen, bleib bloss trocken. Das ist das A und O. Dann siehst Du nämlich klar.

    Liebe Grüße
    Lebenskünstler