Beiträge von Lebenskuenstler

    Bei mir funktioniert das, auch die Depressiven können lachen, man kann auch hier nicht alle in den gleichen Topf werfen.

    stimmt, ging auch mehr ums Prinzip. Depressive können sich oft nicht selbst motivieren. Ansonsten auch mit meiner Schreibe nicht zu streng sein.

    Aus meiner Geschichte.
    Nach nen Jahr Trockenheit ging es irgendwie nicht mehr weiter. Dann habe ich das Rauchen, bis dahin um die 50 Kippen am Tag, aufgehört. Störte mich sowieso und ich dachte, dann hab ich vielleicht mehr Energie. (Habs übrigens erfolgreich gelassen.)
    Pustekuchen. Dann habe ich meinem Hausartzt genau das gesagt, ich kann mich nicht motivieren.
    Er gab mir dann irgendwas, wollte mir aber nicht verraten, was das ist, weil er der Meinung war, seine Worte an mich, gut informierte Patienen gehen sich manchmal selbst im Weg um und gefährden vor lauter Wissen den Therapieerfolg.

    Es war dann noch drei Monate zäh und plötzlich von einem Tag auf den Anderen war ich durch. So deutlich, dass ich mich noch an den Moment erinnern kann, irgendwas fiel von mir ab.

    Bis dahin bin ich trotzdem meinerArbeit und meinem Leben nachgegangen und habe nach dem Motto gehandelt "wozu brauche ich Lust, wenn ich muss?"

    Ach ja, Selbstgespräche mag ich auch gern. Nicht nur, weil ich dann immer recht habe und mich mit dem einzigen vernünftigen Menschen auf der Welt unterhalte, sondern ganz ernsthaft, ich kenne alle Hintergründe meiner Argumente und muss mir selbst nicht jedes Detail erklären.

    LG LK

    Kurze Ergänzung. Weil das bei mir so ist kann ich wenn ich ich eine Depression hätte mit einigem was hier geschrieben wurde nichts anfangen geschweige denn die richtigen Konsequenzen daraus ziehen. Denn wenn ich das könnte hätte ich keine Depression.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Das ist ganz sicher richtig. Der berühmte Spruch, sag mal zu einem Depressiven, lach mal.

    Aber Du machst es auch nicht mit Dir selbst aus, sondern hast therapeutische Hilfe.

    Ich weiss übrigens auch, dass ich meinen Gefühlen nicht immer glauben darf.

    Gibt es. Auf die schnelle, ohne therapeutische Massnahmen ca. 85 Prozent.
    Lt. Deutschem Ärzteblatt.

    Ich kann die Zahlen nicht prüfen, je nach Quelle etwas anders, aber immer mindestens 50 Prozent, also in der Regel deutlich mehr als die Hälfte.

    Und sehr viele Rückfällige argumentieren damit, dass es dazugehört.

    Ich habe mir immer angeguckt, dass ein Rückfall noch keinen glücklich gemacht hat, aber das müssen die mit sich selbst ausmachen.

    Ich kenne Dich nicht.

    Aber von aussen betrachtet .... es gäbe ja keine Alkoholiker, wenn man den Saufdruck so einfach ausschalten könnte, bääh, es ist so kalt, ich kann da nichts machen, ich lieg nur auf dem Sofa (ein Luxusproblem übrigens, andere wären froh, wenn sie das könnten)...
    es gibt Anzeichen, wie sich jemand in einen Saufdruck hineindenkt, und es gibt ziemlich viele,. die dem dann nachgeben. Denn so gut wie Dein Argument, dass es nicht enfach ist, ist das Argument mit den Rückfallzahlen natürlich auch.

    Und Du, nur Du, entscheidest, auf welcher Seite der Statistik Du landest.

    Ich hatte Dir gestern geschrieben, zu viel Zeit zum Grübeln.
    Und zu viel Zeit, um im Selbstmitleid zu versinken.

    Ich hatte in meiner Vorstellung geschrieben, dass ich alle Zweifel vorher weggesoffen habe.
    Du anscheinend nicht.

    Mir scheint, Du suchst Rechtfertigungen fürs Trinken.
    Vielleicht brauchst Du noch eine Runde.
    Und ich behalte lieber nicht recht.

    Für mich war der Alkohol auch mal ein guter Freund. Nachdem ich einige Monate trocken war, habe ich ihn begraben, um ihn getrauert und dann war es gut. Es war ja trotzdem schon länger nur noch eine Illusion, dass er mir half.
    Das bringt etwa so viel, wie im Alter der vergangenen Jugend nachzutrauern. Das läuft unter Anleitung zum Unglücklichsein.

    Mir schrieb neulich AnnaBlume , dass ich von mir selbst besoffen bin.
    Tatsächlich fand ich am Anfang den Gedanken wichtig, dass ich mir im nüchternen Zustand vielleicht auch erlauben sollte, einfach mal ausgelassen, ja, auch blöd zu sein und auch absolute Flachwitze zu machen. Lachen, lustig sein, tanzen auch. Nicht immer alles tierisch ernst nehmen. Etwas, wozu ich den Alkohol ja auch benutzt hatte.

    Alles Spekulation. Warst Du trinkend im stillen Kämmerlein glücklich oder war das mit anderen Aktivitäten verbunden? Glück kann ja sehr unterschiedlich sein.

    Bin wahrscheinlich ein hoffnungsloser Fall.

    Wenn Du einen aus Dir machst, schon.

    Mir sagte mal ein Arzt, ich soll mich aufs Sofa legen und nichts mehr tun.
    Inzwischen war ich fast wieder auf 4000 Metern. Zu Fuß.
    Das nützt Dir jetzt gar nichts, weil Du nicht ich bist.
    Aber aufgeben tue ich nur, was gar nicht mehr geht.

    Wenn Du Dich aufgibst, dann kann Dir niemand helfen.

    Fang mit winzigen Schritten an, wenn Du Dich nicht motivieren kannst. 5 Minuten am Tag raus und einfach laufen. sowas in die richtung.

    Wie gesagt, es geht mich eigentlich nichts an und hier ist keine Beichte. Du erzählst nur, was Du willst, bitte.

    Was genau ist das für ein Gefühl, was Du vermisst? Kann ja z.B sein, das Dir wieder mehr egal ist, also ein Gefühl von Wurschtigkeit, abschalten, kann aber auch das Bedürfnis nach Feierlaune sein, Dopaminkick, Adrenalinschub. Je nach dem gibt es ja auch Möglichkeiten, diese Gefühle ohne Alkohol zu erreichen. Ist nur mit etwas mehr Aufwand verbunden, als reiner Konsum (worunter ich jetzt das trinken verstehe. Flasche auf, rein, fertig. So einfach ist das Andere natürlich nicht)

    Wenn Du weisst, dass Du ein Gefühl vermisst, hast Du jedenfalls einen Ansatz, an dem Du arbeiten kannst.

    Sorry, dass ich da jetzt ein bisschen bohre, eigentlich musst ja Du das lösen.

    Was vermisst Du, was Dir Angst macht, dass Du es nie wieder haben kannst? Ist es der Alkohol, ist es ein Gefühl, was er Dir vermittelt hat?
    Und...gibt es auch andere Möglichkeiten, Dir dieses Gefühl zu vermitteln?
    Hast Du zu viel Zeit zum Grübeln?

    Mal eine sehr direkte Frage.

    Ich war froh, dass ich aufhören konnte, und der Gedanke "für immer" machte mir Hoffnung, dass ich mir das nie wieder antun muss. Und ich war froh über die Erkenntnis, dass es nur daran liegt, ob ich selbst das Glas in die Hand nehme oder nicht. Also etwas, was ich im Sinne des Wortes absolut selbst in der Hand habe. Alles was ich brauche, ist, zu wissen, was ich will.

    Ging es Dir nicht schlecht genug?

    Krass, nach 10 Jahren können also noch Suchtgedanken autreten 8|

    Im Vorstellungsbereich schrieb die Tage jemand, dass er nach 33 Jahren Trockenheit wieder angefangen hat.

    Ich habe das schon mal so betrachtet, selbst Wochen, bevor ich aufgehört habe, wusste ich noch nichts davon, dass ich einmal aufhöre.
    Also kann ich nicht grundsätzlich ausschliesssen, dass ich es mir nicht irgendwann noch einmal anders überlege.

    Und gerade bei mir, mir ist der Alkohol absolut egal und ich bewege mich völlig normal unter Leuten, wie wenn nie etwas gewesen wäre. Und ich lerne laufend auch neue Leute kennen, die nichts von meiner Vergangenheit wissen. Irgendwo muss ich das immer griffbereit haben. Und wenn es nur ist, wenn ich in Urlaub fahre und im Vorfeld sage, dass ich zur Begrüßung keinen alkoholischen Drink möchte. Oder irgendwer schickt mir Fotos, wo er trinkt, um zu zeigen, wie schön es grade ist. Alles schon da gewesen.

    Hallo Ihr,

    ich werde zu einem anderen Zeitpunkt etwas zu dem oben geschriebenen schreiben...

    Liebe Grüße

    Kazik

    Ich will Dir nicht zu nahe treten, aber auf diesen Satz, den ich schon oft (von Anderen) gehört habe, kam bisher nie wieder etwas.

    Es ist auch völlig Ok, wenn nichts mehr kommt. Du musst ja nicht. Und ich bin kein Mensch, der darauf wartet.

    Ja, und Du hast vermutlich tatsächlich Anderes zu tun. Nix von dem alten Zeug legt Dich heute trocken und es schafft Dir auch nicht die Butter aufs Brot. Absolut OK.

    LG LK

    Ich klau mal ein paar Sätze von Kazik .

    Der Grund dafür ist das meine Eltern die Menschen denen ich am meisten vertrauen wollte mein Vertrauen gründlich missbraucht haben.

    Ich war und bin ein offener Mensch der auf Menschen zugeht weil ich Menschen mag. Aber meine Offenheit beruht auf meinem Selbstvertrauen was ich über die Jahre entwickelt habe. Heißt ich war immer nur so offen wie ich mit meinem Selbstvertrauen sein wollte und wo ich wusste das mich mein Gegenüber nicht verletzen kann. Und dann habe ich über die Jahrzehnte noch gelernt das mich eigentlich nichts verletzen kann und wenn doch dann kann ich das aushalten und mich wehren. Ich hatte gelernt das niemand die Macht meiner Eltern hat.

    Meine Frau kam und kommt mir näher als meine Eltern. Das ging und geht mir mehr an die Substanz.

    Das Verhältnis zu meinen Eltern war schon seit relativ früher Kindheit darauf getrimmt, dass ich bald erwachsen werden und mich abnabeln sollte. Sie haben mich auch frühzeitig dazu gedrängt, was ich im Nachhinein als eigentlich gut bewerte. Ich musste raus auf die Strasse, und mir das Selbstbewusstsein selbst erarbeiten. Es war schon ein bisschen darwinistisch, Survival of the fittest. Überbehütet war es ganz sicher nicht. Dass meine Eltern dann bald selbst Schwierigkeiten damit hatten, dass ich eigene Wege gehen wollte, und sie überhaupt nicht mehr wussten, was ich ausser Haus und in der Schule so trieb, machte ihnen mehr Schwierigkeiten als mir. Gleichzeitig war dieses Leben ausserhalb aber auch ein gutes Gegengewicht zu der Situation zu Hause, ich habe oft gar nicht so richtig wahrgenommen, was da lief. Erst als meine Mutter merkte, dass ihr die Felle davonschwammen, da war ich aber schon 17, wurde sie sehr besitzergreifend. Ich benahm mich zu Hause weitgehend unauffällig, so lange ich in der Schule nicht sitzenblieb, war das für meine Eltern meine Angelegenheit, was ich da so trieb. Mein Vater beendete seine Gewalt gegenüber mir, als ich 10 war, und danach hatten wir mehr oder weniger Waffenstillstand.
    Dass meine Eltern kein geschlossener Block, die beiden Großen gegen den Kleinen, waren, wusste ich spätestens mit 14. Und ich war ja auch nicht blöd und nutzte das aus.

    Das Thema Beziehungen mit Frauen beschäftigte mich deutlich mehr. Ich dachte selbst, ich sei irgendwie cool und gefühllos und wollte das auch sein, den Begriff Macho gabs da vieleicht noch nicht, traf aber auf so einen Halbstarken wie mich zu, und es erwischte mich ziemlich kalt, als ich mich das erste Mal verliebt hatte. Man muss sich immer dazu denken, das ich da ja auch schon gerne trank.
    Auf jeden Fall war es dann ein ziemliches Hin und Her. Ich war auch einmal extrem verliebt und so wie Kazik beendete ich das, weil ich merkte, ich bewege mich unaufhaltsam in ein tiefes Loch, was ebendiese Frau dringend verhindern wollte, aber ich sah das war unmöglich, ausserdem hatte sie auch ganz erhebliche Schwierigkeiten, da war es schon die Frage wer da wen runterziehen würde. Wir hatten auch beim Drogenkonsum ziemlich Gemeinsamkeiten, sie eine Gewaltbeziehung hinter sich, war besser das zu beenden.
    Parallel dazu hatte ich eine mehrjährige On-Off-Beziehung, selbige sagte mir mal, dass sie mich in 5 Jahren gemeinsamer Bekanntschaft nie nüchtern gesehen hätte.
    Es gab noch mehr Geplänkel, aber diese beiden stellten mich ernsthaft vor das Thema Familiengründung.

    Dann beendete ich diese beiden Beziehungen, beide waren extrem enttäuscht von mir und liessen mich das auch wissen, aber ich wurde lieber der Grosse Einsame.
    Was wiederum andere Frauen scheinbar in den Wahnsinn trieb, ich glaube von aussen sah das oft so aus, als ob ich nur mit Frauen unterwegs wäre, wobei mich das gar nicht so sehr interessierte. Ich zahlte irgendwo dann auch über ein Jahr keine Miete, weil ich lieber in den Tag hineinlebte, statt irgendwas zu arbeiten, wurde obdachlos und wo landete ich dann, in einer Frauen-WG. Mich schleppte eine einfach ab und dann war ich da. Einen Stock tiefer war eine Männer-WG-, die kannte ich und die baggerten die Frauen an und ich war dann plötzlich in einer seltsamen Situation.
    Meine spätere Frau tauchte auch in dieser Umgebung auf und war auch mit einem meiner damaligen Unikumpels zusammen, wir gingen zusammen schifahren und hingen oft bis zuletzt morgens um drei in unserer gemeinsamen Studentenstammkneipe ab. Ich natürlich gerne sturzbetrunken, aber da war ich in erster Linie noch unterhaltsam.
    Er war manisch-depressiv, wurde dann mehrfach zwangsweingewiesen und ging ihr rgendwann an den Hals und versuchte sie umzubringen, was das abrupte Ende dieser Beziehung bedeutete.

    Und dann sie und ich, sie war eigentlich nicht mein Typ, aber man konnte Pferde mit ihr stehlen. Wir waren dann lange "nur" befreundet, aber schon ziemlich gut. Sie war dann mal ein knappes halbes Jahr auf einem Auslandspraktikum, und als sie wiederkam, gingen ein Kumpel aus dieser eben erwähnten Männer-WG, mehrere seiner anderen Kumpels, sie und ich in München aufs Oktoberfest. Dieser Kumpel hatte ein Auge auf sie geworfen, und wir gingen zu dritt nach dem Otto noch in eine Kneipe, nur er war schon zu betrunken und dann war halt plötzlich ich derjenige, sie fiel mir um den Hals.

    Jetzt kommt eben der Knackpunkt mit der Nähe. Ich und sie hatten ja schon Einiges an Erfahrungen, deswegen wussten wir ziemlich bald, dass so etwas wie zwischen uns beiden so schnell nicht wiederkommt. Und ich hatte mir nach meinen Erfahrungen schon mal ganz genau überlegt, auf was ich mich überhaupt noch mal einlassen würde.
    Und da ging es dann eben nicht ums Abnabeln, sich innerlich abkapseln und stark sein, sondern darum, die Nähe überhaupt zuzulassen. Und es war sofort ziemlich extrem, wir sahen uns das erste Mal 4 Tage nach der Startzündung, und danach wechselten wir nur noch gemeinsam zwischen unseren beiden Wohnungen (ich war derweil ziemlich in Alpennähe gezogen weil ich Berge mag), bis wir endgültig zusammenzogen. Also wir kriegen voneinander so ziemlich alles mit. Wir haben aber auch immer jeder ein eigenes Zimmer, weil wir von symbiotischen Beziehungen eigentlich nichts halten.

    Inzwischen glaube ich, es rührt fast nichts alles so gründlich durch wie so eine langjährige Beziehung, weil da irgendwann wirklich jeder Persönlichkeitsaspekt durchkommt und man sich selbst nichts mehr vormachen kann. Von Extrem sch... bis extrem gut alles dabei. Und von wegen ich denke so und so über mich, kann fast alles widerlegt werden, kann man auch anders machen. Beiderseits natürlich. Das Leben mit mir härtet ab, sage ich gerne. Und mir geht es so, ich lerne mich manchmal anhand meiner eigenen Reaktion auf schwierige Situationen selbst erst richtig kennen.

    Und Trinken war für mich auch lange das Mittel zur Gefühlsregulation, und es war eine Herausforderung, das dann nüchtern zu meistern. Und statt das wegzusaufen, Schwamm drüber, schwapps runter, mich dann nüchtern oft gefragt, wie ich eigentlich tatsächlich ticke, unterhalb des selbstgezeichneten Selbstbildes.

    Das wirkliche Problem zwischen uns war das sie sich nie bei mir entschuldigt hat noch das sie glaubhaft gemacht hat das sie Ihr Verhalten niemals wiederholen würde

    Meine Mutter hatte bis vor ca. 15 Jahren grundsätzlich recht. Sie hatte in ihrem Leben noch nie einen Fehler gemacht, warf mir da noch vor, was ich als kleines Kind angestellt hatte und wollte mich zwingen, mich so zu ändern wie sie das wollte, sonst wollte sie mich den Rest ihres Lebens nicht mehr sehen. Und ich, kannst du haben, ich mach nicht, was Du sagst. Dann gab es ersthafte Gespräche, über mehrere hundert Kilometer nur per Telefon, dass sie nicht über ihren Schatten springen kann, und genau dieses Argument habe ich dafür verwendet, dass auch ich nicht über meinen Schatten springe. Irgendwann lud sie mich ein, und ich sagte, ich habe mich nicht geändert, ob sie das will.
    Ja, und inzwischen entschuldigt sie sich. Er hatte es auch getan.

    Es war die Wiederholung eines Dramas vor über 40 jahren. Sie drohte mir mehrmals, sich umzubringen, bis ich gesagt habe, sie soll es tun, dann ist Ruhe.

    Irgendwann habe ich ihr (und meinem Vater) klargemacht, dass wir alle doch so nicht auseinander gehen wollen. Da war so viel Mist auch in deren Leben, Kindheit im Krieg, beide ohne Väter aufgewachsen, Not, etc,

    Ich schreibe Dir noch mal zwei Punkte. Wenn Dich das nervt, sage es, ich werde mich dran halten.
    Du hast eine Menge Therapieerfahrung mehr als ich, kennst Du vielleicht schon alles.

    Das eine ist das innere Kind. Ich bin irgendwann drauf gekommen, dass ich mich bzw. mein inneres Kind selbst beeltern muss, wenn das bei mir versäumt wurde. Und nicht zu rücksichtsvoll, sondern auch mit Grenzen setzen. Aus erwachsener Sicht, was braucht der Kleine, um zu gedeihen. Ich kann mir das heute selbst geben.Ich beeltere mich selbst, ich identifiziere mich nicht mit meinem inneren Kind. Ich war das Kind mal, aber ich bin es nicht mehr.

    Das andere ist die Wut. Weil ich auf gar keinen Fall werden wollte wie mein gewalttätiger und angsteinflößender Vater, wurde ich als Jugendlicher prinzipieller Pazifist, halt die andere Backe hin (und ich konnte auch zuschlagen, wollte das aber nicht). Agression ist aber eine grundlegende menschliche Eigenschaft, die verschwindet nicht einfach so, weil man das will.
    Ich wurde letztendlich autoaggressiv und habe das als Ursache meiner damaligen Depression irgendwann begriffen.
    Irgendwann liess ich die Wut raus, und das tat mir gut. Meine Wut hätte für echte Ausflipper gereicht, aber der Gedanke, dass mir irgendein anderer Mensch es nicht wert wäre, für das Auslassen meiner Wut viele Jahre hinter Gittern zu verbringen, bewahrte mich davor, zu große Fehler zu begehen. Aber die Wut musste raus, sonst hätte sie sich gegen mich selbst gerichtet, bzw das hat sie ja auch, als ich extrem gesoffen habe.

    Inzwischen verwende ich die Wut, um meinen inneren Schweinehund zu überwinden und mir was Gutes zu tun. Ich habe ja schon mal angedeutet, dass ich inzwischen eine größere körperliche Behinderung habe, war knapp vor dem Rollstuhl. Die Wut, alles mögliche nicht mehr zu können, trieb mich zu umfangreichem Training. Und das ermöglicht es mir heute, eben doch wieder vieles zu tun, auch wenn es nie wieder so wird, wie es schon mal war. Vieles ist eine Frage der Perspektive für mich.

    Der Grund dafür ist das meine Eltern die Menschen denen ich am meisten vertrauen wollte mein Vertrauen gründlich missbraucht haben.

    Ich weiss nicht, ob Deine Eltern noch leben.

    Bei uns war das Verhältnis absolut zerrüttet. Es hatte auch einiges mit diversen Machtspielchen und Enttäuschungen und Ausnützen meiner kindlichen Schwäche zu tun. Ich war auch Spielball in ihren Konflikten und das habe ich erst viel später begriffen. Aber als ich dann trocken war, führte ich mit beiden getrennt, da sie geschieden waren und auch keinerlei Kontakt mehr zwischen ihnen bestand, verschiedene Gespräche.

    Im Endeffekt konnte ich beide dazu zwingen, mich zu akzeptieren, wie ich bin, weil ich den Kontaktabbruch aufrecht erhalten konnte, was sie beide sehr schmerzte. Also ich bin nicht prinzipiell lieb, wer das glaubt, kann sich wundern.
    Mein Vater ist gestorben, und hatte mir die Entscheidungen über sein Leben schriftlich und komplett übertragen (was er nur zuliess, weil ich keine Angst vor ihm hatte UND weil ich keine Rechnungen mit ihm mehr offen hatte), und meine Mutter handelt heute absolut in meinem Sinne und steht mir heute näher, als ich mich je erinnern konnte.

    Du schreibst, dass Dir Deine Mitmenschen wichtig sind. Ich hatte aufgrund meiner ganzen Konfikte und auch, weil ich alleine auf niemanden Rücksicht nehmen musste, mir angewöhnt, vieles alleine zu machen und nur, wenn es unbedingt notwendig war, auch mal was mit Anderen.
    Aber die Bereinigung der Konflikte mit meinen Eltern und mit meiner Frau, und im Laufe der Zeit auch noch mit ein paar anderen Leuten, haben mein Leben deutlich entspannnt und meine Sicht auf dieses Alleinseinwollen verändert. Heute mache ich aktiv und bewusst auch was mit Anderen, aber nicht immer. Unabhängigkeit ist für mich immer noch das Gegenteil von Abhängigkeit.

    Planbar war das für mich nicht, es war oft Versuch und Irrtum, und auch was Trockenheit anging, habe ich mir angewöhnt, dass ich meinen Standpunkt auch ändern kann, wenn ich merke, ich sollte was ändern. Ich musste mir dazu eine gewisse Fehlertoleranz und Fehlernmanagement angewöhnen und habe gelernt, dass ein Fehler nicht gleich ein Weltuntergag ist. Im Grund sehe ich das wie meinen Nick, ich habe einiges erlebt und ein buntes Leben gelebt und ich werde am Ende meines Lebens kaum vor der Frage stehen, ob ich viel verpasst habe, was ich aus falscher Rücksichtnahme oder mangels Traute vor mir hergeschoben hätte. Ich bin nach wie vor ein neugieriger Mensch und fahre immer noch gerne wo hin, wo ich noch nie war. Ich kann mich aber auch bescheiden, selbstgenügsam sein und weiss, dasss ich nicht alles haben kann, das lässt mich trotzdem ruhig schlafen. Und Langeweile ist mir inzwischen ziemlich fremd.

    Das wollte ich Dir grade mal erzählen. Frag mich nicht, warum8)

    In Deinem allerersten Post schreibst Du, dass er keine Hilfe will. Das glaube ich absolut, weil ich auch keine Hilfe wollte.
    Ich sage Dir aus Sicht des Trinkers, vergiss komplett, dass er daran etwas ändert.

    Es geht nur darum, was Du daraus für Dich machst. Ausschliesslich. Auf ihn hast du so viel Einfluss, wie der Sack Reis, der irgendwo auf der Welt gerade umfällt. Du regst Dich vollkommen umsonst darüber auf, es sind nur DEINE Nerven, die darunter leiden.