Aber warum geht es so sehr um die Aussagen des Alkoholikers?
Beiträge von Lebenskuenstler
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Bei mir ist es so, dass mein Mann das so nicht sagt: er will trinken. Sonst wäre es für mich sehr viel einfacher.
warum reicht Dir dafür nicht Dein eigenes Leiden an der Situation? Jetzt lasse ich mal alle Spekulationen, sondern frage einfach offen.
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Na gut, dann frage ich mal.
warum können es Coabhängige nicht einfach so sehen, dass da zwei Leute völlig unterschiedliche Interessen und Wertvorstellungen haben.
Ich hab das mal damit verglichen, wenn ein Partner Kinder will und der Andere keine, ist es besser, sich einen Partner zu suchen,wo es passt. Jedenfalls ne furchtbare Vorstellung, sich zu Kindern überreden zu lassen und dann in den zwei Jahrzehnten, die man damit zu tun hat, irgendwann absolut keine Lust mehr zu haben.
Beim Alk sehe ich persönlich das sehr ähnlich. Eine(r) will trinken und der/die andere will einen Partner, der nicht trinkt. Wozu diese ganzen Kämpfe? -
Widerspruchsgeist
ach, Du auch? Ein alter Freund von mir erlebte das als meine kennzeichnenste Eigenschaft.
ums kurz zu machen: ich frage mich heute manchmal einfach ganz konkret, ob irgendwer die Macht hat, mich an dem zu hindern, was ich will. Und das ist ein wirklicher Unterschied zu der kindlichen Situation.
Muss ich mit Anderen besprechen, was ich sowieso tun will?
LG LK -
Ich glaube zwar, dass man sichs anders überlegen kann. Und vieleicht trinken ja auch welche wirklich komplett gegen ihren Willen.
Ich persönlich weiss, dass ich, so lange ich gesoffen habe, erlaubniserteilende Gedanken pflegte, auch Trinkgründe genannt, und Saufen an sich nicht schlimm fand von einem moralischen Standpunkt aus. Mein Wertesystem hatte kein Problem damit, dass ich trinke. Das ist wohl auch nasses Denken. Und dann dauerts meinetwegen einige Zeit, bis ich den Sog überwunden habe, den die Stoffe ( gilt ja nicht nur für Alk) auf mich ausüben, solange bin ich nicht stabil, aber irgendwann ist es meine Entscheidung, ob ich will oder nicht. -
Ja sicher kann es jeden wieder teffen
aber nur unter der Vorraussetzung, dass sich dieserJeder dann auch dazu entschliesst, zu trinken. Und ich glaube, zumindest wenn ich von mir rede, dass ich diese Entscheidung aktiv für oder wider treffen kann. Bislang hat mich noch nichts dazu gezwungen, wieder anzufangen.
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Beim Rauchen hat mir am Meisten geholfen, wenn ich spätvormittags auf der Toilette sass und mir diesen kleinen Glimmstengel in der Hand angeguckt habe und dachte: Mist, schon wieder der 25ste heute. Dieser kleine Stängel hat mich vollständig im Griff. So schwach bin ich. Und dann kam die Wut, das geht so nicht weiter.
Die Wut auf mich selbst war immer das, was mir am Besten half, Abstand zwischen mich und meine Süchte zu bringen. Und Wut setzt mich in Bewegung.
Infos über die Wirkmechanismen brauchte ich, um den Selbsthass und eventuelle Schuldgefühle über früheres Fehlverhalten irgendwann auch zu überwinden. Aber erst hinterher.
Und im Großen und ganzen musste ich bei allen Drogen durch einen erst körperlichen, dann geistigen (die Gewohnheit und die Funktion) Entzug durch, und bei allen verschwand der Wunsch, wieder anfangen zu können. Zum Teil gilt das auch für andere unliebsame Gewohnheiten, die ich abgelegt habe. -
Hi Arno,
Du hast jetzt ein Jahr mit Schwierigkeiten hinter Dir und bist nüchtern geblieben.
Ich wünsch Dir, dass das nächste einfacher wird.
Komm gut rüber.
LG LK -
Ah, OK. Dann weisst Du ja, dass Du Dir den Stress nicht mehr machst.
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Wohl schon.
Wie gehts Dir damit, wenn Deine Frau Dich in solche Situationen bringt? -
Bist Du nach so einer Situation überhaupt dran interessiert, dass das morgen gleich wieder friedlich wird?
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Mich wundert das jetzt nicht so sehr, weil das, wenn Du es getan hättest, wahrscheinlich ein sehr effektiver Hebel wäre, dass Du anschliessend Deine Ruhe hättest.
Ich hab das Mal gemacht, als ein Streit kein Ende fand und ich irgendwie mit nem Basta ein Ende finden wollte, wir aber beide nicht loslassen konnte und jeder, auch meine Frau, immer noch eins draufsetzte. Wir sind im Streit nämlich immer an den Punkt gekommen, wo jede(r) nur noch recht haben und das letzte Wort behalten wollte.
Und ich wusste natürlich aus Erfahrung, wenn ich dann saufe, redet meine Frau nicht mehr mit mir. Genau das, was ich in dem Moment wollte.
Ich bin aber auch nicht zum Saufen gegangen, aber das war eine Art letze Warnung, dasss mir gleich der Kragen platzt. Und Saufen hätte ja nicht nur sie geärgert, sondern wäre Selbstschädigung gewesen, eine Trotzreaktion.
Heutzutage sage ich, jetzt reichts, kommen wir wieder runter, ich brauch mal meine Ruhe. Und auch meine Frau hat keine Lust mehr auf die ewigen Streitereien und macht mit.
LG LK -
Jump!,
Du kannst es vielleicht nicht nachvollziehen.
Aber mir tat meine Frau tatsächlich leid, dass sie so unter der Situation litt. Ich konnte aber trotzdem nicht aufhören, weil ich es teilweise nicht gesehen habe und weil ich mich auch nicht so einfach ändern kann, und weil Selbstbehauptung bei mir auch eine große Rolle spielt. Selbstbehauptung und Festhalten am eigenen Weltbild spielt bei fast allen eine Rolle. Und mir tun sogar manchmal auch Cos leid. Ich weiss um die begrenzten Möglichkeiten, aber das ist doch bei dem ganzen Forenthema so. -
Ich bin jetzt auch mal provokant. Ich glaube ihr wisst, dass ich das nicht persönlich meine: Ich wundere mich immer wieder weshalb manche Alkoholiker, hier jetzt speziell Hartmut und Lebenskuenstler sich an der Thematik so dermaßen fest beißen.
Hartmut, du hast bei einem früheren Austausch mal geschrieben, dass eine frühere Partnerin genauso argumentiert hätte wie ich. Liegt es daran? Habt ihr eigene offene Themen mit Angehörigen? Könnt ihr nicht zugeben, dass ihr denen extrem viel zugemutet habt und pocht deshalb so stark darauf, dass Cos ja selber schuld sind?
also erst mal: Meine Frau sieht das genau so wie ich, dass sie das lange nicht recht geschnallt hat, mich retten wollte und ihre Liebe dazu. Sie sieht, das sie mich manipulieren wollte, damit ich aufhöre, und ich sehe, dass ich weitersaufen wollte, wie ich es getan habe, als unsere Beziehung begann. Und sie sieht es auch genau so wie ich, wenn mans dann weiss und keine Konsequenzen daraus zieht, ist man einfach nicht zu retten. Und zwar weder Trinker noch Co.
Wir sind da intern inzwischen gnadenlos, jeder der in so einer Situation verharrt muss selbst wissen, was er oder sie macht und das auch vor sich selbst verantworten. Und wenns weh tut - nicht meine Kommentare, sondern das eigene Handeln - , bitte sehr, jede(r) wie er oder sie es braucht, wie man sich bettet, so liegt man. Ich bin da tolerant.Da Andere ist, dass mir mehrere Cos geschrieben haben, dass ihnen das viel gebracht hat, was ich schreibe. Und ich versuchs ihnen zu erklären, um ihnen gerade die Sinnlosigkeit ihres Festhaltens am Trinker, oder besser an den Versuchen, ihn zu retten, obwohl der das gar nicht will (die Aussage, dass der Trinker nichts ändern will, steht ja öfter direkt dabei) zu verdeutlichen. Und bei mir als Trinker hätte ein reines Trinkverbot nichts geholfen, ich musste die Mechanismen dahinter verstehen, um weicher loslassen zu können, nicht nur so hozhammermäßig, um zufriedener weiter machen zu können. Das kann ja bei Cos auch genau so sein, dass besseres Verständnis das Loslassen erleichter. Und es ist nicht co meinerseits so zu denken, ich stülpe da nichts über, sondern ich nehme die Reaktionen und Antworten wahr, wenn ich im Gespräch bin, auch wenn es schriftlich ist.
Wenn Du aber nichts damit anfangen kannst, dann nehme ich das zur Kenntnis.
LG LK -
Wahrscheinlich war ich jetzt nicht gemeint, aber noch was zur Selbsterkenntnis und zum Krankheitsbegriff. Und zu den Gründen, etwas zu ändern.
Vieles über Alkoholismus habe ich erst gelernt, als ich bereits knochentrocken war.
Ich wäre am Anfang hier in dieses Forum nicht reingekommen, denn zuerst war das für mich ein undefinierbares Problem, das ich hatte.
Als ich noch getrunken habe, passte mein eigenes Leben und Erleben zu keiner der Formen des Alkoholismus, die ich kannte, oder von denen mir erzählt worden war.
Und ich kannte viele Alkoholiker in meinem Leben, die mir teilweise sogar sagten, dass ich niemals einer sein könnte.
Kürzest gesagt, war mein Bild eines Alkoholikers in erster Linie das eines Spiegeltrinkers. Eventuell noch Quartalssäufer, aber meinen Trinktypus hatte keiner, den ich kannte oder von dem ich gehört hatte. Hier im Forum gibt es den einen oder Anderen.
Für mich selbst war unbegreiflich, dass ich nach am Ende 26 Jahren Hartsäuferei immer noch Pausen machen konnte, zu wichtigen Terminen nüchtern erscheinen, und keine spürbaren körperlichen Entzugserscheinungen hatte. Im Sommer schwitzte ich zwar manchmal mehr, aber mir ist sowieso oft zu heiss, und Nervosität habe ich nicht groß damit zusammengebracht. Aber wenn ich jederzeit entscheiden kann, wann ich trinke, wo soll ich dann abhängig sein? Bei den Zigaretten musste ich schon zugreifen, bevor ich einen Fuß aus dem Bett gesetzt habe, das war für mich Abhängigkeit.
Ich hab mich aber mehrmals in lebensgefährliche Situationen im Suff gebracht. Weil ich so betrunken war, dass ich nicht mehr laufen konnte, nicht mehr nach Hause gefunden habe, Stürze hatte, unerklärliche Wuden am nächsten Tag, Kreislaufkollaps, das Gefühl hatte, jetzt kann auch gleich ein Krampfanfall oder sonstwas passieren. Nicht ansprechbar war, den Notarzt wieder weggeschickt, und Schnapsflaschen, große, auf Ex. In Jugendjahren mag das jugendlicher Leichtsinn gewesen sein. irgendwann war ich aber nicht mehr jugendlich.
Dann dachte ich, ich saufe wegen diverser Probleme, und wenn ich die gelöst habe, normalisiert sich mein Trinkverhalten.
Ich hab die Probleme gelöst und bin immer noch abgestürzt.
Edit: Alkohol hatte trotz meiner Kontrollfähigkeit im nüchternen Zustand für mich einen Stellenwert, der nicht nur höher war als der Stellenwert meiner Partnerschaft, sondern auch höher als der Stellenwert meines eigenen Lebens. Und ich bin das Risiko ja immer wieder eingegangen. Masochistisch wäre auch noch ne Möglichkeit.
Und dann dachte ich, ich bin doch ein intelligenter Mensch. Also wenn ich so saufe, dann bin ich entweder ein unfähiger Idiot, oder ich bin an einer Ecke meines Hirns strunzdumm, oder ich bin in irgendeiner Weise geisteskrank. Wie sich das dann nannte, wurscht. Ich hätte aber ne Langzeit deswegen gekriegt. Na gut, Idiotie war lange auch eine anerkannte Krankheit. Dann hab ich halt das.
Jedenfalls konnte ich das nicht greifen. Aber ich habe trotzdem aufgehört, weil das Feeling unleugbar schlecht war und ich wollte, dass es mir gut geht. -
Und auch das ist ja umgekehrt sehr ähnlich. Auch Alkoholismus gilt weitgehend als Verhaltensstörung, nach einem Jahr Abstinenz gilt man versicherungstechnisch als gesund und ein späterer Rückfall als Neuerkrankung. Richtig krank im Sinne der Versicherung ist nur, wer nicht aufhören kann. Und das können Cos ja offensichtlich auch oft nicht. Oder sie tuns einfach nicht, obwohl sie leiden.
Und ich würde auch nicht wieder anfangen, wenn ich aus dem Forum rausginge oder rausfliegen würde, es ist auch zu großen Teilen, weil ich mich gern damit beschäftige. -
Ärzte sind so ein Thema.
Ich hatte einen Hausarzt, dem habe ich erzählt, dass ich ein Problem habe. Es war ja aber tatsächlich so, da habe ich ihn nicht belogen, dass ich nur nach Feierabend und nicht jeden Tag getrunken habe. Aber wenn, dann schon sehr oft bis zum Filmriss, mit Schnaps druckbetankt.
Da meinte der, ich kann mich ja noch beherrschen, also soll ich halt etwas weniger trinken.
Und der kannte sich mit Sucht schon so weit aus, dass er Substitutionsbehandlungen, Methadon, bei Junkies machte. -
Ich war nicht spürbar körperlich abhängig.
Das ist auch nur ein Teil des Problems, denn sonst würde niemand nach Monaten und Jahren rückfällig. Da ist der Körper längst entgiftet und das spielt keine Rolle bei dem Trinkdruck. Nur am Anfang, wenn einer den körperlichen Entzug damit bekämpft.
Ja, und ich wurde dann oft auch schlechter Laune, wenn ich eigentlich gerne getrunken hätte, mich aber beherrschen musste, weil es sonst Ärger gegeben hätte.
Und dann oft sogar einen Streit vom Zaun gebrochen, damit ich entweder weg konnte oder dem Gegenüber die Schuld gegeben habe, Du bringst mich so schlecht drauf, dass ich saufen muss.
Erst als ich wirklich von mir aus nicht mehr trinken wollte, konnte auch ein Streit kein Trinkgrund mehr sein, weil ich es dann nicht geschafft hätte. Da musste ich aber absolut selbst willig dazu sein, mich da zu bremsen.
Also wenn er Dein Wohlverhalten zur Bedingung macht, dass er entzieht, dann ist er noch meilenweit davon entfernt (ich sag gern, 10 Jahre pi mal Daumen, denn so war es bei mir), bis er selbst aufhören will. Und sehr viele hören eben überhaupt nie auf. -
Hi Jump!
ich habe nicht mit dem Trinken aufgehört, weil ich mich als Alkoholiker gesehen habe, sondern ich habe aufgehört, weil ich gelitten habe. Gefühlt gelitten, nicht im Kopf "es schadet mir". Wenn ich mich nicht so schlecht dabei gefühlt hätte, hätte ich gesagt ich brauchs, na und?
Zu dem Vergleich:
ich habe mich zwei mal von Frauen getrennt, die ich noch geliebt habe oder vielleicht wars auch nur verliebt. Verliebt triffs besser, weils mehr emotionaler Ausnahmezustand ist. Also innerhalb der ersten drei Jahre Honeymoon-Zeit, von der ich gelegentlich lese.
Die Lebensentwürfe passten nicht zusammen, also sagte mir mein Kopf, weitergucken.
Bei der Letzten war es echt heftig, und sie war auch noch sehr enttäuscht über die Trennung, ich hätte nur ja sagen müssen.
Von daher habe ich Vergleiche zwischen diesem Gefühl, und dem Gefühl, wenn ich trinken will, das aber nicht tun kann, weil das wegen irgendwelchen Vorhaben wirklich gerade nicht ging. Und ich bin jemand, ich konnte mich wirklich eine Zeitlang beherrschen, habs dann mit Druckbetankung nachgeholt.
Die Intensität des Verzichtsgefühls ist für mich absolut vergleichbar.
LG LK -
Mir ist es früher im Urlaub viel leichter gefallen, wenig zu trinken, als wenn ich Stess im Job hatte.
Und ich habe fast ein Jahr lang genau zwei Bier im Monat getrunken, abgezählt und diszipliniert, nachdem ich schon mal ziemlich abgestürzt war.
Dann dachte ich, ich habs mir verdient, kanns mir leisten, die Selbstbeherrschung sausen zu lassen, und bin sofort wieder mit Filmriss in die Vollen gegangen.
Also nur mal dazu, gehen tut vieles.