Hey Alexa,
da ist es wieder, dieses bestätigte ungute Bauchgefühl. Ich hab mir gewünscht, dass dein Tag heute gut wird. Und ich hab schon ein bisschen befürchtet, dass dein Partner nicht die Stärke aufbringt, Dir das zu ermöglichen. Es wäre jetzt leicht zu sagen „hey dann fahr allein! Ist doch super, lass ihn versauern“. Aber ich kann mir vorstellen, wie Deine Gefühle dazu sind. Natürlich können wir überall allein hin fahren, und haben auch gute Zeiten mit Menschen auf die wir uns gefreut haben. Aber die Enttäuschung sitzt auf dem Beifahrersitz und hört nicht auf zu flüstern.
Ich war wieder lange wach heute Nacht, und liege noch sinnlos rum. Wahrscheinlich zwinge ich mich gleich zu einem Spaziergang oder so, um in Bewegung zu kommen. Sonst bleibt es nämlich schnell den ganzen Tag so, dass ich mich mit meiner selbstmitleidigen Trauer hier zugedeckt verschanze. Der Höhepunkt ist dann das ans Fenster laufen wenn ein Auto wie unseres klingt.
Überraschung - er ist es nie.
Ihr habt mal gemeinsam gewohnt, und Du bist auch schon diesen mutigen Schritt gegangen, Dich räumlich zu distanzieren? Das ist stark!
Mein Mann leidet schon auch unter seinem Konsum. Er sagt gerne „was denkst Du denn was ich hier mache? Ich lenke mich auch nur ab, weil ich traurig bin“. Ja aber auch das ist ja eine Entscheidung. Er lenkt sich ab, damit er nicht mit mir reden / arbeiten muss. Läuft vor den Konsequenzen weg, und schiebt damit alles allein mir zu. Da ist kein Halt.
Als unser Hund starb, war er nicht dabei, kam erst später beim Tierarzt dazu, als er erlöst war. Wir haben viele Jahre ( okay ich ) mit diesem Hund gekämpft. Nächtelang bin ich bei jedem Geräusch aufgestanden, habe den Hund sauber gemacht, Medikamente gegeben und gehalten bis er wieder schlafen konnte. Das war mein ganzer Alltag. Dieser wundervolle Hund. Spaziergänge, Therapien, Arztbesuche und in den letzten Monaten dann viele friedliche Abende an denen wir gemeinsam ( also der Hund und ich ) einfach irgendwo in der Natur saßen und froh über den Moment waren. Ich dachte irgendwann kommt der Tag, an dem er nicht mehr aufsteht oder frisst, und dann gehe ich diesen Weg mit ihm. Das war mir bewusst.
Aber dieser Tag war anders. Er rannte über den Hof zum Auto und zurück, und war so aufgeregt und froh, weil wir losfahren wollten. Er war glücklich, und konnte sich an diesem Tag gut bewegen. Dann kam auf dem Weg zum Auto der erste Schlaganfall, beim Tierarzt danach dann der zweite. Nach zwei erfolgreichen Reanimationen habe ich in seinen Augen gesehen was kommt. Beim dritten Mal haben wir es nicht geschafft.
Ich bin an diesem Tag zerbrochen. Mein Mann kam und war natürlich auch außer sich vor Trauer und schockiert. Aber ich glaube er hat nicht gesehen, wie tief mein Trauma dieses Tages war.
Und so teilte er mir zwei Wochen danach mit, in denen ich immer noch nachts aufwachte und in die leere Ecke des Schlafzimmers schaute, dass er einen Welpen genau dieser Rasse abholen möchte. Ich habe ihn angefleht mir das nicht anzutun. Habe geweint, geschrien und gebettelt.
Zwei Tage später fuhr er los, und holte den Welpen ab.
Dann kamen beide ins Haus, und er sagte „guck mal, das ist die Mama. Sag mal hallo!“.
Ich kann Dir kaum beschreiben, was ich in diesem Moment gefühlt habe.
Aber so hat er es gemacht. Der Hund war weg, also holt er einen neuen, bevor er sich mit der Trauer auseinandersetzen muss. Einen Hund, der genauso aussieht. Als würde es den anderen Hund ersetzen.
Und dann war ich weg. Also schaufelt er sich mit Arbeit und Projekten zu, und trinkt, damit er sich mit der Trauer über diese Situation nicht befassen muss.
Es geht ihm nicht gut, das glaube ich ihm. Aber er sorgt in seinem Egoismus auch dafür, dass es anderen noch schlechter geht, und es kümmert ihn nicht.
Ich wünsche Dir heute ganz viele liebe Menschen um Dich herum.
Ganz viel Liebe für Dich.
Alles Gute,
Minna