Beiträge von Minna

    Hey Alexa,

    da ist es wieder, dieses bestätigte ungute Bauchgefühl. Ich hab mir gewünscht, dass dein Tag heute gut wird. Und ich hab schon ein bisschen befürchtet, dass dein Partner nicht die Stärke aufbringt, Dir das zu ermöglichen. Es wäre jetzt leicht zu sagen „hey dann fahr allein! Ist doch super, lass ihn versauern“. Aber ich kann mir vorstellen, wie Deine Gefühle dazu sind. Natürlich können wir überall allein hin fahren, und haben auch gute Zeiten mit Menschen auf die wir uns gefreut haben. Aber die Enttäuschung sitzt auf dem Beifahrersitz und hört nicht auf zu flüstern.

    Ich war wieder lange wach heute Nacht, und liege noch sinnlos rum. Wahrscheinlich zwinge ich mich gleich zu einem Spaziergang oder so, um in Bewegung zu kommen. Sonst bleibt es nämlich schnell den ganzen Tag so, dass ich mich mit meiner selbstmitleidigen Trauer hier zugedeckt verschanze. Der Höhepunkt ist dann das ans Fenster laufen wenn ein Auto wie unseres klingt.
    Überraschung - er ist es nie.

    Ihr habt mal gemeinsam gewohnt, und Du bist auch schon diesen mutigen Schritt gegangen, Dich räumlich zu distanzieren? Das ist stark!

    Mein Mann leidet schon auch unter seinem Konsum. Er sagt gerne „was denkst Du denn was ich hier mache? Ich lenke mich auch nur ab, weil ich traurig bin“. Ja aber auch das ist ja eine Entscheidung. Er lenkt sich ab, damit er nicht mit mir reden / arbeiten muss. Läuft vor den Konsequenzen weg, und schiebt damit alles allein mir zu. Da ist kein Halt.

    Als unser Hund starb, war er nicht dabei, kam erst später beim Tierarzt dazu, als er erlöst war. Wir haben viele Jahre ( okay ich ) mit diesem Hund gekämpft. Nächtelang bin ich bei jedem Geräusch aufgestanden, habe den Hund sauber gemacht, Medikamente gegeben und gehalten bis er wieder schlafen konnte. Das war mein ganzer Alltag. Dieser wundervolle Hund. Spaziergänge, Therapien, Arztbesuche und in den letzten Monaten dann viele friedliche Abende an denen wir gemeinsam ( also der Hund und ich ) einfach irgendwo in der Natur saßen und froh über den Moment waren. Ich dachte irgendwann kommt der Tag, an dem er nicht mehr aufsteht oder frisst, und dann gehe ich diesen Weg mit ihm. Das war mir bewusst.
    Aber dieser Tag war anders. Er rannte über den Hof zum Auto und zurück, und war so aufgeregt und froh, weil wir losfahren wollten. Er war glücklich, und konnte sich an diesem Tag gut bewegen. Dann kam auf dem Weg zum Auto der erste Schlaganfall, beim Tierarzt danach dann der zweite. Nach zwei erfolgreichen Reanimationen habe ich in seinen Augen gesehen was kommt. Beim dritten Mal haben wir es nicht geschafft.
    Ich bin an diesem Tag zerbrochen. Mein Mann kam und war natürlich auch außer sich vor Trauer und schockiert. Aber ich glaube er hat nicht gesehen, wie tief mein Trauma dieses Tages war.

    Und so teilte er mir zwei Wochen danach mit, in denen ich immer noch nachts aufwachte und in die leere Ecke des Schlafzimmers schaute, dass er einen Welpen genau dieser Rasse abholen möchte. Ich habe ihn angefleht mir das nicht anzutun. Habe geweint, geschrien und gebettelt.
    Zwei Tage später fuhr er los, und holte den Welpen ab.
    Dann kamen beide ins Haus, und er sagte „guck mal, das ist die Mama. Sag mal hallo!“.
    Ich kann Dir kaum beschreiben, was ich in diesem Moment gefühlt habe.

    Aber so hat er es gemacht. Der Hund war weg, also holt er einen neuen, bevor er sich mit der Trauer auseinandersetzen muss. Einen Hund, der genauso aussieht. Als würde es den anderen Hund ersetzen.

    Und dann war ich weg. Also schaufelt er sich mit Arbeit und Projekten zu, und trinkt, damit er sich mit der Trauer über diese Situation nicht befassen muss.

    Es geht ihm nicht gut, das glaube ich ihm. Aber er sorgt in seinem Egoismus auch dafür, dass es anderen noch schlechter geht, und es kümmert ihn nicht.

    Ich wünsche Dir heute ganz viele liebe Menschen um Dich herum.
    Ganz viel Liebe für Dich.
    Alles Gute,

    Minna

    Hallo Morgenrot. Das stimmt ( leider ).
    Und obwohl man das ja weiß ( also wirklich weiß ) denkt man, es muss doch der Tag kommen, an dem er einen vermisst. An dem er das Leben wieder will, in dem man gemeinsam war. Er kann doch so nicht wirklich zufrieden sein.
    Denn abgeschlossen mit der Beziehung hat er nicht, für ihn ist ganz klar, dass wir verheiratet sind. Und bleiben.
    Als der nicht süchtige Part kann man sich diese Widersprüche einfach nicht vorstellen.
    Aber der Alkohol scheint auch da zu helfen.
    Der schiebt alles weg, was sonst Leidensdruck und Willen wecken würde.
    Kaum zu glauben…

    Guten Morgen liebe Alexa.
    Dein Partner geht bald in den Entzug? Hey - also ohne da jetzt trügerische Euphorie zu streuen - das freut mich für Dich. Ich wünsche Dir, dass diese Chance genutzt wird!!!
    Weicht Dein Partner der Kommunikation auch so brachial aus? Das ist für mich echt das schlimmste. Mittlerweile, grad auch weil ich meine eigene Wohnung habe und wir quasi keinen Umgang haben, könnte ich selbst mit einer ausgesprochenen Trennung fast besser Leben. Aber in den letzten Jahren wurde es immer mehr so, dass mein Mann nicht mehr antwortete und verschwand wenn Dinge schwierig wurden. Den Gipfel erreichten wir im letzten Jahr, als wir im Oktober unseren Hund verloren, und er dann bis zum Januar einfach auf der Couch geschlafen hat, und mich komplett ignoriert hat. Deswegen ja auch der Schritt mit der Wohnung. Und da war meine Hoffnung groß, das Co Karussell verlassen zu haben. Aber ich denke Du hast recht, durch diese Macht die all das auch mit Abstand noch über mich hat, bin ich nur in eine andere Reihe im Karussell. Ich sitze nicht mehr neben ihm, aber noch drin.

    Hast Du Rückhalt von seinen Eltern? Du schriebst, dass Du die so gern magst. Sie Dich ja sicher auch - wissen Sie um die Krankheit ihres Sohnes?


    Ist bei mir auch so. Man hat ja Verständnis für seine Krankheit, und ich versuche ihm eine verlässliche Freundin zu sein. Aber ich nehme hin, und nehme hin.. manchmal habe ich für kurze Augenblicke den Impuls irgendetwas gegen die Wand zu schmeißen. Das ist dann aber schon alles.

    Ich muss zugeben, dass mein Verständnis für die Krankheit stark an entschuldigendem Charakter verloren hat. Es tut mir nicht mehr leid, dass ihm das „passiert“. Dieser ganze „aber seine Kindheit, Gott war sein Leben eine Qual“ Blödsinn kommt mir schon lange nicht mehr in den Kopf. Viel eher bin ich an der Stelle manchmal so etwas wie wütend, weil er zulässt. Weil er diese ungesunde Entscheidung immer wieder trifft, obwohl er weiß, was für ein Partner er dann ist.

    Geht es Dir auch so, dass Du dich manchmal fragst, warum der Partner nicht vor Angst wahnsinnig wird, einen zu verlieren? Es fällt mir schwer, dass nicht als Wertung meiner Bedeutung / Person zu fühlen.

    Ich wünsche Dir heute einen besseren Tag. Einen, an dem Dich das Ganze nicht so vorrangig belastet, und deine Familie dich vielleicht kurz aus diesem Thema ablenken kann.
    Ich denke an Dich, und teile so viele deiner Gefühle… so viele…

    Liebe Grüße

    Würde ich glauben, dass alles gut wird, wäre ich wieder eingezogen. Ich hasse meine Wohnung und das Leben dazu. Es ist etwas komplett anderes als ich mir über die Jahre aufgebaut habe. Umso größer die Versuchung, wieder ins Haus zu ziehen. Dann wäre das Drumherum wenigstens schön. Aber das habe ich nicht getan, und ich werde es auch perspektivisch nicht tun. Da bin ich etwas reflektierter als es vielleicht wirkt.
    Natürlich hoffe ich, dass es irgendwo eine Chance darauf gibt, dass mein Mann gesund werden möchte, und wir uns nicht verlieren. Für mich gibt es nach wie vor leine Chance darauf , mir ein Leben mit jemand anderem vorstellen zu wollen. Ich liebe meinen Mann für die Jahre in denen er gesund war, und das wird sich auch nicht ändern. Irgendwann wird irgendwas daran sicher leiser werden. Aber das ist nun mal nicht heute so.
    Ich habe immer wieder Tage, an denen ich denke „hey, heute ist es gut. Ich fühle mich gut, ich kann das.“ Aber dann kommt der falsche Song im Radio, oder das iPhone erstellt einen Foto Rückblick und ich falle wieder in mich zusammen. Für mich ist es großer Fortschritt, dass ich den Kontakt in den letzten Tagen nicht gesucht hatte. Aber ich schaffe es nicht, vom „warten“ ins „leben“ zu gehen. Ziemlich sicher geht es meinem Mann was uns beide angeht auch nicht gut. Aber wenn man trinkt kann man das besser managen. Da ist er im Vorteil. Aber es ist nicht so, dass er uns als erledigt ansieht und deswegen ruhig lebt. Für ihn ist völlig klar, dass wir für immer verheiratet bleiben, und ich seine Frau bin. Und solange er in Zeiten wie diesen keinen Kontakt sucht, kann es ja auch nicht passieren, dass ich eine Trennung ausspreche. Er stellt sich quasi tot.

    Hallo ihr Lieben.
    Da war ich nun lange weg, und das musste ich für mich auch so machen.
    Seitdem ist eine Menge passiert.
    Ich habe Ende Februar damit angefangen, mich wieder im Fitnesstudio anzumelden, und bin seit dem sehr fleißig damit. Seitdem mein Hund im Oktober verstorben war, hatte sich meine Bewegung doch recht weit zurück gefahren. Und die Jahre an der Seite meines Mannes haben auch ihre Spuren hinterlassen. Ich bin Frustesser, und das sieht man mir auch an.

    Vor einigen Wochen kam bei meinem Mann und mir ein wenig Bewegung in die Kommunikation. Es gab zwei gemeinsame Wochenenden, und zwei Wochen mit toller und regelmäßiger Kommunikation über den Tag.
    Als ich dann das erste Wochenende wieder zuhause übernachtet habe, war die Erleichterung und Ruhe zuerst groß. Wir hatten die Vereinbarung getroffen, dass ich in die Wohnung zurück fahre, wenn er trinkt während ich da bin. Natürlich hat er versprochen das nicht zu tun. Da die Macht darüber bei einem nassen Alkoholiker nun bekanntlich beschränkt ist, habe ich darauf auch nicht den höchsten Wert gelegt. Die Kommunikation in diesem Fall war mir wichtiger.
    Mein Mann war sehr bemüht, und sehr glücklich. Leider kam es am ersten Wochenende bereits am Samstag Morgen dazu, dass er angetrunken heimkam. Er hat aber das Gespräch darüber gesucht, und „erklärt“ warum das „passiert“ ist. Es war wieder eine stressige Situation in der er sich geärgert hat. Unser Gespräch lief gut, also blieb ich. Der Rest des Wochenendes war super.
    Danach folgte eine Woche mit aufmerksamer Kommunikation und Freude übereinander.
    Am Osterwochenende war ich dann wieder da. Bis zum Sonntag war alles toll. Es gab viel Nähe, viele Gespräche und wir haben viel zusammen gelacht. Am Sonntag besuchte ich dann allein meine Eltern, er blieb zuhause. Als ich abends zurück kam, sah ich schon auf dem Hof beim aussteigen, dass er getrunken hatte. Als ich das ansprach ( noch auf dem Weg vom Auto rein ) reagierte er wie früher. Laut, gemein und unnahbar. Ich habe dann nichts weiter gesagt, und meine Sachen gepackt. Dann bin ich in die Wohnung gefahren. Zwei Tage hörte ich nichts von ihm, dann reichte es mir. Ich hab ihm eine Nachricht geschrieben, dass ich es schade finde, dass er mich jetzt auch noch ignoriert, und nicht versucht auf mich zuzugehen nach diesem Rückfall. Er antwortete, dass er mich nicht ignoriert, sondern sauer auf sich selbst sei.
    Danach kam wieder über Tage nichts. Dann hatte er Geburtstag, und fragte ob ich zur Feier käme. Ich habe abgelehnt, und ihm gesagt dass ich mich dabei nicht wohl fühle. Und eine Entscheidung für mich alleine treffen werde, wenn er sich nicht imstande sieht sich zu bemühen. Seitdem hatten wir nun zwei Wochen keinen Kontakt. Gestern Abend habe ich ihn angerufen, weil ich diese Situation sehr unschön finde. Ich brauche eine Tendenz, wie wir uns sehen. Was wir sind. Wo wir hinwollen. Als er abnahm war es laut um ihn. Er war auf einer Geburtstagsfeier und hörbar angetrunken. Aber er war freundlich. Ich sagte dann „Du wenn du auf einer Feier bist passt es nicht, lass uns dann ein anderes Mal sprechen“. Er fragte noch einmal nach, und ich wiederholte dass ich da jetzt nicht stören will. Dann hat er aufgelegt.
    Ich müsste wütend sein. Aber das gehört zu den Dingen die ich bis heute nicht geschafft habe. Ich werde einfach nicht wütend. Nur traurig.

    Ich hoffe es geht euch allen gut, und ihr habt einen schönen Abend.

    …eventuell sollte ich auch nicht „who knew“ von P!** in Dauerschleife hören. Aber ich hab das Gefühl, der Song ist aus unserem Leben geschrieben… die Verzweiflung darin trifft so gut meine Gefühle die mich grad verhauen.
    Kennt sicher auch jeder hier…

    Hallo Minna, wie waren denn deine ersten beiden Nächte in deiner eigenen Wohnung?

    Guten Morgen liebe Landliebe,

    das Gute an so einer neuen Wohnung ist ja, dass man irre viel zu tun hat. Über die Tage komme ich relativ gut, obwohl mir hier und da schon mal ein blöder Song, eine Erinnerung ( „hier haben wir uns das erste Mal getroffen, hier haben wir mal gegessen etc.“ ) oder ein Ziehen in der Magengrube über den Weg läuft.

    Die Nächte sind schwer. Ich wache viel auf, bin orientierungslos und muss sehr gegen ein tränenreiches „ich will nach Hause“ ankämpfen. Alles in mir will nach Hause. Obwohl die Wohnung langsam wohnlich und süß wird, fühlt es sich an, als würde ich das für eine Freundin tun, und könnte danach einfach nach Hause.

    Schon seltsam… und traurig. Ich muss mich auch sehr zusammenreißen nicht zuhause auf die Kameras zu gucken ( lebt er noch? ), und nicht nach den Abbuchungen der Tankstelle oder des Getränkemarktes zu sehen. Ein großes Hobby meines coA Daseins.

    Gestern hat mein Mann sich seit Samstag zum ersten Mal gemeldet. Er muss noch meine Katze eintuppern, und hatte sinnlose Fragen zum Aufenthaltsort der Transportbox. Dann ging es noch ein wenig darum wie es mir geht, dass er sich traurig sei, weil ich ihm fehle… Aber alles nicht so verzweifelt wie ich mir das gewünscht hätte.

    Ich habe noch einmal betont, dass er sich jetzt entscheiden muss was für ein Leben er führen will. Ob er mit unserer kleinen Familie glücklich und gesund sein will, oder ob er trinken will.
    Sollte er immer noch der Meinung sein, dass er irgendwann oder überhaupt noch sein Bier trinken will, kann und werde ich nicht mitkommen.

    Er hat dann geschrieben, dass er das weiß. Tja… manchmal ist Wissen ja Macht. In diesem Fall trifft das aber weniger zu.

    Also wird das hier wohl wirklich jetzt mein Leben. Allein und neu. Einsam und traurig. Eine Ehe gegen einen Kasten Bier. Es wäre fast witzig, wenn es nicht so bitter wäre ?(


    Liebe Grüße

    Hallo aus der neuen Wohnung!
    Was für ein Tag… puh! Angefangen mit Gedanken wie „jetzt stehst Du hier das letzte Mal mit dem Blick in den Garten auf, jetzt machst Du hier das letzte Mal Kaffee… all sowas. Nachdem ja über viele Monate nichts gesagt / geredet wurde hat mein Mann heute Morgen dann doch reagiert als er mich so im Schlafzimmer sitzen sah. Er kam dazu, setzte sich neben mich, und nahm mich seit so so vielen Monaten das erste Mal in den Arm.

    Wenn ich daran jetzt denke, laufen mir so sehr die Tränen. Als er versuchte mich zu trösten, fing er selbst schrecklich an zu weinen. Hat ein bisschen versucht zu erklären, warum er sich in den letzten Monaten nicht mehr in meinem Leben blicken lassen konnte. Und ich verstehe es sogar halbwegs. Er sagt, und das glaube ich ihm ohne das jetzt weich oder revidierend zu meinen, dass er ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr wusste wie er zurück kommen sollte.
    Weil ihm klar war, wie groß seine Verfehlungen waren.
    Das macht’s sicher nicht okay oder besser, aber ich kann es halbwegs nachvollziehen.

    Ich habe dann ein bisschen meine coA „Taten“ benannt, und gesagt, dass es mir leid tut, dass ich so viel Druck gemacht hab. Grenzen überschritten habe. Das ich es nach wie vor für richtig halte, weil er dringend gesund werden muss. Aber, dass ich nicht wollte, dass es so eine distanzierende „Du einziehst Dich mir, ich muss noch genauer gucken was Du machst“ & „Du willst nicht das ich mein Bier trinke? Dann trinke ich jetzt zwei!“ Dynamik befeuert.

    Es gibt definitiv kein gemeinsames Zusammenleben, bis er gefestigt gesund wird. Diese Dynamik würde immer wieder entstehen. So wie er für immer mit jedem bisschen Alkohol zurück in die Sucht rutschen würde, würde auch ich sofort wieder den harten coA rauskehren.

    Ich möchte hier ankommen, meine Ruhe hier finden und wieder gesund werden. Gesünder. Lebendig.
    Gleichzeitig wünsche ich mir sehr, dass dieser Schritt ihm vielleicht auch dabei helfen kann, Gedanken zu entwickeln, die ihn in die Krankheitseinsicht führen.

    Ich würde mir sehr wünschen, dass wir einen Weg finden. Vielleicht irgendwann mal ein „Wochenende zusammen im Haus, in der Woche jeder seins“. Qualitativ hochwertige Zeit zusammen verbringen. Dankbar zu sein, dass man sich hat. Irgendwann vielleicht sogar nach Jahren wieder Intimität ( sorry, unerwartete Wendung, ich weiß, aber es gehört zum Problem, dass das schon lange nicht mehr stattfindet ).

    Aber für all das, müsste er sich definitiv auf den Weg machen. Und verstehen wollen. Und machen.

    Ich danke euch sehr für eure lieben Gedanken, während ich meine Kisten geschleppt habe. Habt eine friedliche, und erholsame Nacht :sleeping:

    Und nun sitze ich hier… auf meinem Bett. In dem ich die letzen Monate gewohnt habe. Über dem Bett eine Lichterkette mit Hochzeitsfotos. An der Wand Hochzeitsfotos, Karten und Erinnerungen. Ein Museum. Ein trauriges Museum. Und ein trauriges ich.

    Guten Morgen ihr lieben Menschen, die ihr euch Gedanken um mich macht. Ich wollte so gerne einmal gesagt haben, dass mich das berührt und ein bisschen aufbaut. Danke <3.

    Ich habe die halbe Nacht alle Gedanken gedacht die man so haben kann. Und mir ist dann irgendwann ein wichtiger auf die Füße gefallen: warum ist es so schwer? Warum habe ich das Gefühl, die einzig wahre Liebe zu besitzen, und will sie so hart verteidigen. Warum bin ich der Überzeugung, dafür eingehen zu wollen? Warum denke ich „keiner hier versteht mich, man muss doch Kämpfen, wo sind die Happy Ends - die muss ich sehen, damit es mir besser geht“?

    Am Ende ist es ganz einfach - alles in mir wehrt sich gegen einen Entzug. Im Grunde bin ich mir völlig klar darüber, dass ich schwer abhängig bin. Süchtig nach seinen, in Teilen so grausamen, Emotionen und seiner Anwesenheit. Und das seit vielen, vielen Jahren.

    Zwischen diese Klarheit mischen sich laut schreiend „die Wohnung ist zu teuer! Das schaffst Du nicht! Du hast deine Ehe zerstört! Wenn Du ihn da jetzt allein lässt, ist doch völlig klar, dass jemand Deinen Platz einnimmt!“. Was für ein Kampf.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass heute zu schaffen. Kein Anteil in mir will das. Ich bin doch der Kapitän dieses Schiffes, ich gehe nicht von Bord - das wäre unehrenhaft.

    Praktischerweise habe ich alles so weit organisiert, dass ich gar keinen Rückzieher machen kann. Die Dinge nehmen nun ihren Lauf, und ich werde in meiner Pfütze aus Selbstmitleid treibend dabei zusehen ( müssen ).

    Auf dem Weg zum ersten Kaffee, begleitet durch die ersten Tränen die einfach laufen, bin ich heute sehr froh, euch hier entdeckt zu haben. Danke.

    Danke liebe Rennschnecke!
    So krank, verdreht und falsch das auch klingt oder ist, aber ich habe solche Angst, ihn wirklich für immer zu verlieren.

    Ich will das nicht.
    Ich will dass er gesund wird.
    Ich will nicht aufgeben.

    Guten Morgen ihr alle.
    Nun sitze ich hier, am Freitag vor dem Samstag an dem ich umziehe. Alles ist organisiert, alle Leute getacktet, und alles startklar.

    Ich habe ja die letzten 6 Monate allein im Schlafzimmer gelebt, mein Mann auf der Couch. Und immer noch sitze ich in diesem Schlafzimmer und wünsche mir so sehr, dass er einfach einmal sagt, dass ich nicht gehen soll. Aus der Erfahrung meines ersten Auszuges vor einigen Jahren hätte ich es besser wissen müssen.

    Heute geht es mir schlecht. Ich bin verzweifelt, obwohl ich Licht sehen sollte. „Morgen schläfst Du ohne Schnarchen und Stöhnen aus dem Wohnzimmer, freu Dich drauf!“ hat meine Freundin gesagt.

    Aber heute bin ich einfach nur ein emotional zerbröselter CoA und zerfalle in tausend traurige Teile. Ich bin so traurig…

    Am liebsten würde ich alles absagen, mich hier in unserem Haus an die Heizung ketten, und lieber tapfer eingehen und verhindern, dass diese andere Frau vielleicht eine Rolle spielt, oder ich meinen Mann verliere, weil ich ihn sitzen lasse.

    Entgegen meiner stressesser Natur habe ich in den letzten Tagen nicht gern oder gut gegessen, und mir ist unendlich übel. Diese Sache ist grad vom emotionalen ins körperliche gegangen, und mir zieht sich alles zusammen. Ich geh kaputt…

    "Ich habe ihm ja öfters mit Trennung gedroht, er hat mich gar nicht mehr ernstgenommen."

    "Er meinte dann es wäre besser wir trennen uns in aller Freundschaft dann könne er endlich in Ruhe trinken. Der Alkohol war im auf jeden Fall wichtiger als ich."

    Ich glaube, auch das ist eine Geschichte, die sich ja echt immer wieder genau so zeigt. Man wird nicht ernst genommen, weil man zu lange versucht hat anzudeuten, was eh nie angekommen ist. Dadurch wird man dann anstrengend, und dann erst recht nich gehört.

    Es tut mir leid zu lesen, dass auch Deine ( sicher nicht einfachen ) Konsequenzen ihm nicht aufzeigen konnten, wie falsch er lag. Ich hoffe, Du trägst nicht zu viel davon weiterhin auf den Schultern mit Dir rum.

    Liebe Grüße

    Hallo Aurora,

    hab vielen Dank für die Aufnahme, das Verschieben und Deine netten Worte.

    Ich bin seit etwa 1,5 Jahren in einer "vor Ort" Gruppe für Angehörige, und kenne das Gefühl von "haben wir alle schon mal gehört" und die daraus resultierende Unterstützung deswegen schon ein bisschen. Und das war, wie es hier sein wird - eine gute Entscheidung.

    Liebe Grüße

    Das Haus ist zum Glück "nur" gemietet. Da gibt es nichts zu kämpfen, und ich würde es auch nicht mehr wollen. Ich bin dieser ganzen Kämpfe so unendlich müde. So so müde. Ich nehme auch kaum Hausstand mit, schon fast ein wenig aus Prinzip. Weil ich hoffe, dass ihm jedes einzelne gemeinsame Stück aus dem gemeinsamen Leben hier irgendwann auf die Füße fällt. Im letzten Jahr waren wir sogar gemeinsam beim sozialpsychiatrischen Dienst, in der Beratung. Er ist sogar einige Mal zu einer Gruppe gegangen. Als es in der Einzeltherapie um die Vergangenheit, Kindheit, und und ging ist er ausgestiegen. Wahrscheinlich, weil man da genau den richtigen Punkt angesprochen hatte. Ich war so stolz, und glücklich, dass er da hin ging. Das er sagte, dass er etwas ändern will.

    Alles in allem wäre es nicht so dunkel, wenn er einfach nur dieser Kerl wäre. Aber ich kann mich an den Mann erinnern, den ich geheiratet habe. Das war jemand anderes. Der ist weg, und ich habe all die Jahre so sehr gehofft, dass er zurück kommt. Habe wo immer wir waren ein Zuhause gebaut, es ihm sicher hier und da zu bequem gemacht, und gar nicht gemerkt, was mit mir passiert ist. Ich bin aus der sauberen Co Abhängigkeit in eine depressive Phase gerutscht, die mich im letzten Sommer tagelang im Bett gehalten hat. Mit dem Wunsch, einfach zu schlafen, nicht mehr aufzuwachen. Das hatte nichts mit Gedanken an ein eigenes Ableben zu tun, ich war einfach so restlos leer. Erschöpft.

    Und manchmal... manchmal denke ich "noch ein bisschen durchhalten. Warten. Er kommt zurück". Ich würd mir nen Arm abhacken, damit es ihm besser geht. Ich würde jederzeit mein Leben für ein gutes Leben für ihn geben. Ich verstehe das einfach nicht, und mein Kopf will nicht aufhören das verstehen zu wollen. Warum kommt der Alkoholiker nicht raus aus seinem Kreis... Warum? Ich weiß, dass das im Grunde die Basisfrage der Krankheit ist, auf die noch niemand die eine Antwort gefunden hat. Trotzdem dreht sich der Kopf...

    Hallo Barthell, guten Morgen. Vielen Dank für Deine schnelle Reaktion ( dann kann ich ja aufhören den Browser alle 20 Sekunden zu aktualisieren ).
    Das erste Mal bin ich vor drei Jahren ausgezogen, da war der tägliche Konsum meines Mannes aber noch verhältnismäßig tolerierbar, nur die Folgen eben nicht. Mein Mann trinkt seit etwa 20 Jahren ungesund, und alle paar Jahre immer wieder schwer. Leider war niemand in der Familie so fair, mir das zu sagen. Im Gegenteil, ich kämpfe seit Jahren um Unterstützung für meinen Mann und eine Anerkennung der bestehenden Krankheit. Das Feedback beschränkt sich hier leider meist auf ein „es gehören immer zwei dazu - es gibt immer zwei Seiten der Geschichte etc.“. Schon so lange wir uns kennen und dieses Thema als Problem auftrat wurde aus jedem Gespräch ein Kampf, den es zu gewinnen galt. Manipulation, Gaslighting und das gezielte einsetzen von Nähe und Distanz begleiten diese Ehe seit sie besteht.

    Als ich damals Auszug hat mein Mann ein halbes Jahr nicht getrunken, und es ging ihm gut. Er hat selbst gesagt, wie froh er ist, und wie gut das Leben nun sei. Dann, kurz bevor wir in unser Haus zogen, fing es wieder an. Der Arbeitsweg sei so weit, das würde ihn stressen, weil ich diese Wohnung so weit gewählt hätte, also sei es meine Schuld. In etwa so laufen alle Gespräche die dieses Thema betreffen. Der Alkoholiker in meinem Mann wehrt sich mit allen Mitteln und Waffen dagegen, ertappt zu werden.


    Im Oktober ist nach langer, schwerer Krankheit unser Hund gestorben. Seit dem Tag ist mein Mann auf dem Sofa geblieben, und hat angefangen 8-12 halbe Liter Bier am Tag zu trinken. Die ersten Dosen morgens vor der Arbeit, dann mittags, dann abends. Irgendwann fand ich eine Überweisung - eine Anzahlung für einen Welpen. Wir hatten in der Vergangenheit darüber gesprochen, und ich habe klar gemacht, dass ich keinen Hund dieser Rasse mehr halten möchte. Zu viel Krankheit, Leiden und Schmerz. Unser Hund ist nach nur siebeneinhalb Jahren, von denen er fünf schwer krank war, meinen Armen gestorben. Das hat mich gebrochen.

    Nachdem ich jede Nacht wach war, ihn sauber gemacht habe, bei jedem Geräusch aufgewacht bin um zu sehen ob er okay ist war er weg. Und mein Mann auch. Einen Tag bevor er einen neuen Welpen nach Hause brachte bat er mich ihn zu begleiten. Ich habe gebettelt, geweint und geschrien dass er mir das nicht antun kann. Er hat es getan, nach drei Wochen. Weil er meinte, dass das alles wäre was ihm seine Trauer nehmen könnte. Dass er mich damit umbringt war nicht wichtig.

    Seit der Welpe hier ist, ignoriert mein Mann mich weitestgehend. Vor einigen Monaten habe ich ihm gesagt, dass ich gehen werde wenn wir nicht an einen Tisch kommen. Wir kamen es nicht. Ich habe Tage, Nächte, Monate allein im Schlafzimmer gesessen, Tag und Nacht. Ich habe geweint, laut geweint und war verzweifelt. Er war davon nur genervt. Hat es als Angriff verstanden. Nun ist die Wohnung da. Ich dachte, es bringt uns an den Punkt von damals. Etwas Ruhe in die Situation, um zu heilen und gemeinsam an den Problemen zu arbeiten. Gesund werden wollen.


    Aber nun gibt es da jemanden, mit dem er schreibt. Eine Frau. In all den Monaten in denen er mich allein gelassen hat, und ich mich gefragt habe, warum ich kein einziges Gespräch wert bin, hat er sich nett unterhalten. Hinter meinem Rücken. Und mich währenddessen behandelt, als hätte ich ihm etwas schlimmes angetan. Nicht ein einziges Mal hat er mich gebeten nicht zu gehen. Nicht ein einziges Mal… er behauptet die Frau wäre eine alte Freundin aus der Heimat. Dass das nicht stimmt weiß ich mittlerweile.
    Ich hätte nicht gedacht, dass es noch weiter runter gehen könnte. Ich dachte, ich hätte diese dunklen Zeiten überlebt. Aber das jetzt, heute und in den letzten Wochen, dass ist dunkler als alles, was wir jemals zusammen erlebt haben.
    😔😔😔

    Hallo zusammen,

    mein Name ist Minna, ich bin seit 7 Jahren mit meinem Mann verheiratet, und werde am Samstag zum zweiten Mal in unserer Ehe in eine eigene Wohnung ziehen. Ich werde unser Haus, unseren Garten und mein Leben, für dass ich so hart gekämpft habe verlassen.
    Ich weiß gar nicht so ganz was ich groß erzählen soll, außer dass ich verzweifelt und unermesslich traurig bin.