Beiträge von Disziplin

    "Ich bin Alkoholiker, na und?"

    Eine forsche Aussage.

    Eine Freundin von mir aus der Transplantationsgruppe, ebenfalls lebertransplaniert wegen Alkohol hatte einen laufenden Kredit bei der edit ..

    Aufgrund ihrer schweren Erkrankung und EU-Rente hatte sie den Antrag auf Erlassung ihres Restkredites bei der edit gestellt,

    Da die Lebertransplantation wegen einer Alkoholerkrankung erfolgte, wurde der Antrag abgelehnt. Trotz Gutachten von der Klinik usw.

    Bei Alkohol zahlen wir nicht!

    Du bist mitunter nur Verlierer in diesem Spiel. Hier unter der Käseglocke nicht. Da ist alles fein.

    Aber wenn es um Konsequenzen des Alkohol im sozialen Leben geht, sieht es anders aus. Aber Gott sei Dank ist davon in dieser Gruppe niemand betroffen, sonst wäre das Verständnis etwas besser, wenn man die Gesamtschau des Folgen des Alkohols betrachten würde.

    Ich möchte hierzu nochmal etwas in die Gruppe schreiben. Ich bin jetzt seit 16 Jahren lebertransplantiert, seitdem EU-Rentner. Ausser meiner Familie und engsten Freunden weiss niemand warum. 70 % aller Transplantationen erfolgen wegen Alkohol. Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist sehr begrenzt, absoluter Organmangel.

    Ich habe einmal am Anfang in einer Runde erzählt, dass ich Alkoholikerin bin und deshalb bei Leberversagen eine neue Leber bekommen habe.

    Entzetzen, verhaltenes Bodenschauen. Was? Deswegen hast du ein solch kostbares Organ bekommen, weil du getrunken hast? Ist das denn überhaupt rechtens.

    Ja aber Alkoholismus ist eine Krankheit.

    Naja aber trotzdem, da hast du ja Schwein gehabt. Na fang nur ja nicht wieder an zu saufen, es ist ja quasi ein Mensch für dich gestorben.

    So sieht es aus. Deshalb sage ich nie mehr den Grund für meine Transplantation.

    Hier in der Gruppe wird man verstanden.

    Draußen ist es anders. Das Verständnis der Menschen ist leider sehr begrenzt. Nur mal so zum Nachdenken.

    Hartmut, ich geb dir doch in ganz vielen Aspekten Recht. Vielleicht hab ich schon nach den vielen Jahren Nüchternheit vergessen, wie hart der Kampf am Anfang ist. Das dieser nur mit absoluter Ehrlichkeit und Klarheit und Eingeständnis zu sich selber aufzunehmen ist.

    Bin vielleicht zu milde geworden. Ich hab immer viel Mitleid mit anderen. Der "Holzhammer" war noch nie beim Ding.

    Guten Morgen Hartmut, um das Thema abzuschließen; die Stigmatisierung des Wortes "Alkoholiker" ist für viele Betroffene ein Problem. Die Menschen sind zu verschieden.

    Hier in der Gruppe ist es das Einstiegswort. Das ist dann eben zu akzeptieren, wie andere Meinungen auch.

    Das kannst du doch überhaupt nicht wissen, was für ein Art von Trinkerin sie war oder "ist". Das sind doch nur Vermutungen. Ich hatte auch Schwierigkeiten das Wort "ich bin Alkoholiker" auszusprechen und wurde in der Therapie auch nicht dazu gezwungen oder gar ausgeschlossen, weil ich es nicht gesagt habe.

    Und spätestens dann, wenn man eine langwöchige Entwöhnungsbehandlung durchgemacht hat, dann weiss man, dass man kein "besserer oder aus "Sektgläser trinkender Mensch" ist als andere, nur weil man das besagte Wort nicht sagt.

    Im übrigen sind Frauen vielleicht etwas verletzlicher als Männer. Ich bezeichne mich zum Beispiel auch als Trinkerin und nicht als Säuferin. Und fühle mich auf keinen Fall als etwas besseres als die anderen hier im Forum.

    Ich hab es ehrlich gesagt auch nicht verstanden. Der Begriff "Alkoholiker" ist nichts weiter als ein umgangssprachliches Wort.

    Lene hat in ihrem Thread 2 x geschrieben, dass sie alkoholkrank ist, was wiederum ein medizinischer Begriff für Suchtkranke ist.

    Vielleicht sehe ich das nach 16 Jahren Nüchternheit etwas anders als du. Ich habe meiner Familie viel angetan, Kummer und Angst bereitet. Ich war ja fast schon auf der anderen Seite.

    Darüber denkt man aber erst im Laufe der nüchternen Jahre nach.

    Eine Frage hätte ich noch.

    Wenn jemand eindeutig schreibt, ich bin alkoholabhängig, aber nicht sagen kann oder will - ich bin Alkoholiker - warum wird dann hier so darauf beharrt? Selbst in der Entwöhnungstherapie hab ich so was noch nie gehört. Kann mir mal das mal jemand erklären?

    Also ich zieh trotzallem den Hut vor dir. Trotz aller Einwände bist du mit deiner Familie in den Urlaub gefahren und bisher ging es ja auch gut. Manchmal bestätigen Ausnahme auch die Regel.

    Du wolltest der Familie, die bestimmt genug mit dir durchgemacht hat, den Urlaub nicht vermiesen. Auch das kann ich gut verstehen. Wir Alkoholiker sind auch nicht der Nabel der Welt. Wir verlangen schon manchmal viel von unseren Lieben.

    Trotzdem sei auf der Hut!!! Der Alltag wird dich bald wieder im Griff haben. 9 Wochen ist lobenswert, aber in der Gesamtschau nicht viel. Du musst wissen, wie es nach dem Urlaub mit dir weitergehen soll.

    Muss mal kurz meinen "Senf" dazugeben, weil es mir bei manchen Kommentaren schwummrig wird. Hier sollen ja keine medizinischen Beiträge vorkommen. Mir wurde das untersagt und gelöscht. Die Zirrhose kommt schneller als ihr alle denkt, man merkt sie nur nicht. Wird schon stimmen, bei 2 Fl.Whiskey täglich. Eine Zirrhose kann man auch nur durch Punktion sicher feststellen. So jetzt könnt ihr wieder löschen. Möchte hier nicht meinen Beruf bekanntgeben, aber ich weiß von was ich rede.

    Vielleicht ist so eine Onlinegruppe nicht für alle, ich sag mal "Frischlinge" immer die beste Lösung, zumal am Anfang nicht (das betone ich).

    Ich versuch es mal kurz zu begründen.

    Du sitzt zu Hause und wählst erstmal die "einfachste " Möglichkeit und meldest dich hier an. Du trägst dein Thema vor und wirst herzlich begrüsst und dann gehts auch gleich los.

    Du berichtest und hast Fragen. Die bekommst du auch beantwortet. Du wirst auf vieles hingewiesen und es soll ja ein Austauch werden. Jetzt hast du aber eine andere Meinung; du weisst um dein Problem, kannst aber nicht alles gleich umsetzen, verstehen und wirst ungeduldig. Du gibst Wiederworte und der Ton wird schärfer.

    Momentmal, du bist hier in unserer Gruppe, hier gelten unsere Regeln und wir wissen schließlich von was wir reden. Wir haben Erfahrung. Wir geben hier keine Ratschläge, sondern wir tauschen aus.

    Alles anonym und ohne Gesicht, ohne Mimik. Worte können hart klingen, falsch verstanden werden. Das ist nun mal in unserer digialen Zeit so.

    Deshalb denke ich, dass es für manche besser wäre, sich anfangs ambulant vorzustellen( edit). Dort wird auch Tacheles geredet, aber ich höre eine Stimme und ich sehe in zwei Augen und weiss was und wie es gemeint ist. Und mein Gegenüber sieht meine Reaktion.

    Wie gesagt, ich möchte das nicht verallgemeinern. Aber am Anfang besteht so viel Feinfühlichkeit und Verzweiflung "die wollen mich einfach nicht verstehen ....".

    Das ist meine Meinung dazu.

    Immunsupressiva lebenslänglich. Denn der Körper würde das Organ sonst abstoßen. Die Medikamente schwächen wiederum das Immunsystem. Man muss sich vorsehen vor Infektionen und Entzündungen. Zähne gezogen wegen Entzünden usw.

    Ja da hab ich büssen müssen für den jahrelangen Missbrauch. Schlimmer gings bald nicht. 5 Wochen Koma.

    Aber der Lebensmut kam zurück und meine Enkeltochter wurde geboren. Sie ist jetzt 10 Jahre alt. Eines Tages wird auch sie Fragen haben an mich.

    Hallo, nein ich war noch nie in einer SHG. Ich hatte einfach das Bedürfnis mich hier vorzustellen, was der Alkohol auch im schlimmsten Fall anrichten kann.

    Mein Einstieg ist ja nun etwas"schiefgelaufen", aber naja.

    Ich bin seit 16 Jahren trocken, mein Haushalt ist nicht alkoholfrei und ich habe geschrieben, dass ich sogar manchmal an Alkohol denke.

    Ich weiss, dass Disziplin bei weitem nicht reicht. Ich hab das oft bei Leuten mitgekriegt, denn ich war viele Jahre beim Blauen Kreuz und gehe auch heute noch sporadisch dahin. Ausserdem arbeite ich selbst im medizischen Bereich.

    Ich habe meine neue Leber jetzt 16 Jahre und ich weiß nicht, wie lange sie noch funktioniert. Mir gehts heute sehr gut, aber morgen können die Blutwerte schlecht sein, eine 2. Transplantation mit 63 Jahren, ist fraglich.

    Ich muss ganz einfach ein diszipliniertes Leben führen in jeder Hinsicht. Auch die Transplantationsambulanz hilft sehr viel und man muss ja auch von dortaus regelmäßig zum Psychologen und hat jederzeit einen Ansprechpartner.

    Dann löscht mich raus aus dieser Gruppe oder soll ich das selber machen? Ich möchte eure Arbeit hier in der Gruppe nicht stören

    Ich war ewig lange in psychotherapeutischer Behandlung beim Blauen Kreuz und habe viel über meine Erkrankung gelernt.

    Die Suchtstimme kann auch noch nach 20 Jahren zu dir sprechen. Sie ist ja nicht weg, sondern ganz ganz weit hinten in deinem Kopf.

    Ich wollte wirklich meine Erfahrungen nach so langer Abstinenz einbringen. Versuch gescheitert. Tut mir leid.

    Trotzdem ist der Austauch mit "Rennstrecke" nicht fair gewesen. Er ist nicht höflich geschrieben, sondern anmaßend und unterstellend in einer Art und Weise, die nicht meine ist. Ich hab überreagiert. Dafür entschuldige ich mich. Aber ich konnte das so nicht stehen lassen.