Beiträge von hiiumaa

    Liebe AnnaBlume, liebe Marie,

    vielen Dank für eure Nachrichten! Ich habe sie schon gestern Abend gelesen, und musste erst mal eine Runde heulen.

    Marie, vielen Dank! Ich habe es bisher geschafft, mich nicht bei ihm zu melden. Er wohnt ja jetzt seit ein paar Wochen ganz in der Nähe zu mir, und ich weiß, dass er zum Trinken gerne irgendwelche öffentlichen Treppen oder Bänke aufsucht und sich dort stundenlang niederlässt, bis er vor lauter Suff einschläft.

    Ich stelle fest, dass ich auf dem Weg zum Einkaufen ( ich fahre immer mit dem Fahrrad ) anfange, die Treppen und Bänke zu scannen, ob er dort sitzt. Natürlich nicht, um ihm dann aus dem Weg gehen zu können - nein! - sondern weil in mir eine völlig irrsinnige Hoffnung auf eine Zufallsbegegnung sitzt, bei der wir uns dann in die Arme fallen, er lebenslängliche Besserung gelobt und alles ist gut bis ans Ende unserer Tage... haha! Illiusion zu Ende.

    Ich weiß, dass das wirklich völlig absurd ist, aber es ist trotzdem in mir. Ich versuche mir auch schon dauernd vorzustellen, wie ich weitergehe bzw. -fahre, falls ich ihm tatsächlich irgendwann persönlich zufällig begegnen sollte...

    AnnaBlume, Deine Nachricht war ein Volltreffer. Ich habe wirklich erst mal geheult wie ein Schlosshund. Nicht, weil ich Deine Nachricht als negativ empfunden hätte, sondern weil sie auf den Punkt getroffen hat. Ich habe sehr deutlich gemerkt, dass Du weißt, wovon Du sprichst. ( Ich habe Deine Geschichte gesucht, aber bisher nicht gefunden. Hast Du sie hier irgendwo stehen und ich hab sie nur übersehen? )

    Ich habe meine Mutti 2 ( haha, was für eine geniale Bezeichung!! ) nur in den Messengern blockiert. Ich hätte nicht gedacht, dass sie es per E-Mail versucht. Ich glaube, in all den Jahren, die wir uns kennen, haben wir zwei E-Mails ausgetauscht. So kann man sich täuschen... Und was xy betrifft, muss ich ehrlich zugeben, dass ich sms bewusst offen gelassen habe, weil ich ihm in den Anfangszeit mal versprochen habe, dass ich im Notfall immer für ihn erreichbar bin.

    Er kommt ja nicht aus D und hatte hier die letzten drei Jahre niemanden ausser mich. Ich weiß, dass er nach all dem, was gelaufen ist, keinerlei Anspruch mehr darauf hat, dass ich da bin im Notfall und ich weiß auch, dass er ja jetzt Mutti 2 hätte. Aber da ist sie wieder, die Co-Abhängigkeit und auch das Trauma-Bonding.

    Ich weiß, dass Du recht hast, und dass ich ihn auf allen Kanälen gnadenlos blockieren sollte. Wirklich auf allen. Ich versuche im Moment, mich für jeden Schritt im Ablösungsprozess zu belohnen: Angefangen habe ich vor einem Jahr damit, dass ich mich sofort entfernt habe, wenn er irgendwie ausfällig wurde.

    In der letzten Zeit, seit dem ich ihm gesagt habe, dass ich keinen Kontakt mehr möchte, habe ich ihn nur einmal von mir aus kontaktiert, als ich die Info bekam, dass er im lebensbedrohlichen Zustand in der Klinik ist. Ansonsten halte ich durch: Ein weiterer Tag, ohne dass ich ihn kontaktiert habe. Ein weiterer Tag, an dem ich nicht auf eine blabla-Nachricht von ihm reagiert habe etc.

    Noch vor einem Jahr wäre das alles unvorstellbar für mich gewesen. Ich weiß, dass Du recht hast, und ich auf der Stelle das Weite suchen müsste. Ich weiß es, AnnaBlume. Manchmal sagt mir das sogar mein Körper, nicht nur der Verstand. Ich werde es schaffen. Inzwischen hänge ich nicht mehr in der Dauerspirale von "... aber ich liebe ihn doch so sehr. Ich will nicht, dass er stirbt. Ich will nicht, dass er sich zum Pflegefall säuft. Er ist doch so alleine. Ich muss doch wenigstens da sein..." .

    Das ist ein wirklich großer Fortschritt. Während meines Tagesablaufes gibt es immer wieder Phasen, in denen der Schmerz, der durch die Erkenntnis kommt, dass ich einer Illusion aufgesessen bin, und selbst eine Süchtige geworden bin, schier unerträglich ist.

    Aber es gibt auf Phasen, in denen ich inzwischen gut mein Ding machen kann. Ich bin für Kind und Tiere da, pflege meine Pflanzen, erfreue mich am Sommer, den ich wirklich liebe, und kann die entstandene Ruhe genießen. Das ist ein wirklicher Fortschritt.

    Ich bin euch allen sehr dankbar, dass ihr da seid. Es ist eine große Hilfe!

    Ich wollte noch eine Sache zu der Sucht sagen - zur Co-Abhängigkeit und zum Trauma-Bonding. Ich glaube, dass ich durch die Beziehung zu xy und allem was sie mitgebracht hat, eine wichtige Erkenntnis für mich selbst gewonnen habe: Meine Sucht ist das Davonlaufen vor mir selbst.

    Ich war während meines kompletten Berufslebens eine Work-Aholikerin, ich habe zusätzlich zum Extrem-Arbeiten täglich Extrem-Sport getrieben. Ich habe auf extremistische Weise versucht, die Welt zu retten. Ich habe all das getan, bis mein Körper und meine Seele sich geweigert haben, weiter zu machen. Aber selbst da habe ich es noch nicht verstanden.

    Aber jetzt habe ich verstanden! xy war nur ein weiteres Projekt, um nicht auf mein selbst schauen zu müssen. Ich kann nicht mehr arbeiten, weil Körper und Geist zu erschöpft sind. Aber xy zu retten ist doch ein tolles Ersatzprojekt! Ablenkung von mir selbst! Perfekt! Und dann auch noch so schwerwiegende Probleme bei xy, wo man sich wirklich voll reingeben muss! Da ist keine Zeit mehr für sich selbst...

    Danke für`s Zuhören und danke für den Raum hier zum schreiben!!

    Liebe Alice, Deine Gedanken und Gefühle kommen mir so bekannt vor!

    Ich schreibe nur kurz, weil ich los muss, aber ich wollte Dir kurz sagen, dass es vielleicht hilfreich sein könnte, wenn Du Dich mal mit Trauma-Bonding beschäftigst. Das steht eng in Zusammenhang mit der Co-Abhängigkeit und erklärt sehr gut, warum viele es nicht schaffen, sich aus mißbräuchlichen Beziehungen zu lösen.

    Ich stecke selbst noch mitten im Prozess, mit genug Rückfällen, aber das Verstehen von Trauma-Bonding hilft mir sehr beim Ablösungsprozess. Es ändert nichts an der Schmerzhaftigkeit und der Seelenqual - aber es ist, als würde das Begreifen, dass es hier nicht um Liebe geht, sondern um eine Sucht ( in dem Fall meine Sucht! ) langsam von meinem Verstand durch meinen ganzen Körper einsickern und mir helfen, aus dieser Sucht und dieser selbst auferlegten Gefangenschaft - ganz langsam, Schritt für Schritt - rauszukommen.

    Alles Liebe, hiiumaa

    Ich bin gerade in einer Art Schockstarre, nachdem ich eine Nachricht von meiner ehemaligen Freundin erhalten habe. Also genau die Frau, die jetzt meinen xy so bemuttert und in deren Haus er wohnt.

    Ich hatte sie auf sämtlichen Messengern blockiert, aber sie hat stattdessen eine E-Mail geschickt. Diese E-Mail war sinngemäß etwa: „Ich lache mich darüber kaputt, wie berechenbar Du und xy doch für mich sind. Wusste ich doch, was ich durchsickern lassen muss, dass Du xy wieder kontaktierst, weil Du denkst, er geht Dir doch noch durch die Lappen.“

    Damit bezieht sie sich auf die Information, die sie mir vor dem Wochenende hat zukommen lassen, dass xy in lebensbedrohlichem Zustand aufgefunden worden wäre, weil er es diesmal wirklich übertrieben hat mit dem Trinken und vermutlich stationär in die Klinik muss.


    Ich vermute, xy hat ihr gesagt, dass ich ihm am Sonntag geschrieben habe, dass ich gehört habe, dass er in der Klinik ist und mir Sorgen mache, weil es hieß „lebensbedrohlich“.

    Ich bin fix und fertig von dieser Art von Psychoterror. Diese Frau war meine Freundin. Sie ist jetzt eine Super-Co von xy. Auch wenn da kein S.x im Spiel ist, sondern nur Emotionalität, trifft mich das ins Mark.

    Ja, es wäre gut, wenn ich es schaffen würde, komplett von xy loszukommen - aber die Art, wie diese Frau da reinfunkt ist echt wie im Psychothriller.

    Hallo Simsalabim! Ich finde es sehr mutig und einen großen Schritt nach vorne, dass Du Dich hier angemeldet hast. Ich bin auch erst sehr kurz hier angemeldet ( habe vorher zwei Jahre mitgelesen ) und es hilft mir sehr!

    Ich wünsche Dir, dass es Dir hilft, Stück für Stück zu Dir selbst zu finden und immer mehr Kraft zu entwickeln zu Dir zu stehen.


    Liebe Grüße, hiiumaa

    Hallo Ulrike, ich denke auch, dass es ein Prozess ist. Ich stecke selbst mittendrin und es fühlt sich manchmal so unerträglich schmerzhaft an.

    Was mir neben Beschäftigung mit Dingen, die mir gut tun hilft, ist es, mir immer wieder ins Bewusstsein zu holen, dass ich Fremdverantwortung übernehme, wenn ich zwanghaft versuche, alles irgendwie im Blick und unter Kontrolle zu behalten.


    Auch, wenn es bei mir „nur“ um den Partner geht, steht der Wunsch dahinter, ihn zu retten, ihm die Augen zu öffnen… etc.


    Es hilft aber alles nichts. Ich habe mich fast selbst zerstört und muss immer noch täglich sehr sehr gut aufpassen, dass ich so gut es geht bei mir bleibe. Es geht manchmal besser, manchmal schlechter.


    Ich habe alles versucht und bin nicht zu ihm durchgedrungen. Das berichten so viele hier. Es hat mich vor Verzweiflung schier wahnsinnig gemacht.

    Aber irgendwann ist die Erkenntnis durchgesickert, dass ich tatsächlich nichts tun kann. Mir hilft es manchmal, mir mantra-artig vorzusagen: „Er ist ein erwachsener Mann. Es ist sein Leben. Es ist seine Entscheidung. Es ist nicht meine Verantwortung, es ist seine.“

    Alles Liebe, hiiumaa

    Diese Aussage kenne ich auch von meinem Partner, dass er lieber stirbt, als eingewiesen zu werden.

    Ich habe das akzeptiert, auch wenn ich mich an Situationen erinnere, in denen ich vor Angst um ihn zitternd vor seiner Tür stand, er nicht anzutreffen war, sein Handy tot war und ich nicht wusste, wie ich irgendwie wieder zu mir selbst finden kann. Denn trotz allem war mir auch irgendwie klar, dass es niemandem hilft, wenn ich mich selbst dabei verliere.


    Und ich vermute, dass sich das noch viel schlimmer anfühlt, wenn es um das eigene Kind geht - auch, wenn es schon erwachsen ist.


    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, Ulrike,

    Hallo Ulrike, ich kann gut mit Dir fühlen, auch wenn es bei mir um den Partner geht und nicht um den Sohn.
    Wir haben jahrelang eine Fernbeziehung geführt und er hatte niemanden in der Stadt, in der er gelebt. Wenn er dann plötzlich wieder tagelang abgetaucht ist und ich nicht wusste, was er macht, und ob er schon irgendwo tot oder halbtot liegt, hat mich das schier wahnsinnig gemacht.

    Ich finde den Vorschlag gar nicht schlecht, jemand Bekannten vorbeizuschicken und wenigstens mal Sturm zu klingeln und zu klopfen.

    Im allerschlimmsten Notfall kann man auch immer noch die Polizei um Hilfe bitten, wenn Suizidgefahr im Raum steht. Ich habe oft darüber nachgedacht, das zu machen, habe mich aber am Ende immer dagegen entschieden.

    Aaaargghh! Ino, ich weiß, dass Du recht hast. Mein Verstand erfasst das absolut und komplett. Ich habe über bpd und npd und auch über die Co-Abhängigkeit so gut wie alles auf Deutsch und Englisch gelesen und gehört, was an Material verfügbar ist. Ich bin sozusagen Vollprofi in der Theorie.

    Jetzt muss ich es noch leben! Ich muss aus der Sucht raus, wie auch xy.

    Ich muss den inneren Kritiker noch zur Ruhe bringen, der sagt: „Ja, aber, hiiumaa, Du musst doch Verständnis für ihn aufbringen. Sein Verhalten entspringt seinem Kindheitstrauma… Vielleicht hast Du doch noch nicht genug versucht..“

    Liebe Ino, vielen Dank. Ich hege immer wieder die Hoffnung, dass ihm durch meine Erklärung, dass ich mich schützen muss, bewusst wird, was er tut.
    Vermutlich bewegt das rein gar nichts bei ihm, und es ist so wie Du sagst: Es gibt ihm eher noch einen Angriffspunkt.


    Spannenderweise macht sein Vater das gleiche, das mein xy mit mir macht, mit xy‘s Mutter. Und xy verurteilt das Verhalten seines Vaters zutiefst. Er ist immer wieder verbittert, und will seine Mutter schützen.

    Und ich? Ich denke immer: Warum macht seine Mutter das schon 60 Jahre mit? Und merke gleichzeitig, dass ich nicht besser bin, wenn ich den Ausstieg nicht schaffe.

    Rennschnecke, das ist seine Auslegung von Auseinandersetzungen: ER zeigt mir nur seine wahren Emotionen und sagt mir halt mal ein bisschen lauter, dass es er gerade wütend ist. Aber ICH bin ein eiskaltes Monster, das nur Empathie heuchelt. Wenn ich also eine ruhige aber klare Ansage mache, sogar mittels Gewaltfreier Kommunikation, die ich bis zum Erbrechen geübt habe, um ihn so wenig wie möglich zu provozieren, wird mir das als „teuflisch“ ausgelegt.


    Er durfte das zwei Jahre lang mit mir machen und ich habe mich immer NOCH mehr bemüht, ruhig und gewaltfrei zu kommunizieren. Bis ich kapiert habe, dass das alles nichts an seiner Reaktion ändert, wenn ich etwas sage oder tue, das ihm nicht gefällt.

    Jetzt darf er es nicht mehr. Seit einem Jahr blockiere ich ihn sofort ( nach einer Vorwarnung ) auf WhatsApp, wenn er so anfängt. Und im persönlichen Kontakt gehe ich sofort oder fordere ihn auf zu gehen, wenn es meine Wohnung ist.


    Fakt ist aber, dass es immer wieder passiert. Egal, ob nüchtern oder alkoholisiert. Betrunken meistens noch viel schlimmer.

    Warum er es durfte, Rennschnecke, war Verlustangst. Ich war in der Anfangszeit so verstrickt, dass ich manchmal dachte, ich würde sogar mein Leben für ihn geben, weil ich ohne ihn nicht leben kann. Es war ein sehr sehr schmerzhafter Loslösungsprozess, überhaupt dahin zu kommen, wo ich jetzt bin.


    Im Grunde habe ich eine genau solche Sucht, wie er auch: Die Sucht nach ihm. Oder dem, was ich mir davon erhofft habe. Da sind Anteile in mir, die von ihm heil gemacht und gesehen werden wollen. Was aber nicht funktionieren kann…

    Ich habe mir heute nochmal eine Klatsche geholt. Ich hoffe, dass ich es jetzt zumindest mal für lange Zeit - wenn auch vermutlich immer noch nicht für immer 🫣 - schaffe, im Rückzug zu bleiben.

    Ich habe heute Nacht eine sms von ihm bekommen, in der er sich über den Lärm einer Veranstaltung direkt vor seiner Wohnung bei mir beschwert. Damit war klar, dass es mit dem lebensbedrohlichen Zustand nicht so weit her sein kann und er zuhause ist, statt stationär in der Klinik.


    Ich habe im Laufe des Tages meinem Drang nachgegeben und ihm geschrieben, dass ich dachte, dass er in Lebensgefahr sei und stationär.


    Die Antwort war grob zusammengefasst, dass er völlig fertig ist, weil es aus ist zwischen uns, und was er alles so an mir geliebt hat und dass sein Trinken unsere Beziehung zerstört hat und er es so bereut. Und dass er diesmal viel länger gebraucht hat, seine Gefühle zu verarbeiten.

    Haha. Gefühle verarbeiten durch noch massiveren Alkoholkonsum…


    Ich habe ihm dann nochmal mit meiner Standardnachricht , dass ich mich schützen muss, weil er keine Verantwortung für sein Verhalten übernehmen kann oder will und dass ich das nicht auf den Alkohol beschränke, sondern die tiefen Wurzeln seiner Verhaltensweisen meine. Dass ich es sehr traurig finde, weil ich noch immer Gefühle für ihn habe.


    Seine Antwort ist der Klassiker: „Ich übernehme volle Verantwortung. Sieh Du lieber zu, dass Du einen Therapeuten findest, der Dich versteht und mit Dir an Deinem Wut-Thema arbeitet.“ Der Spruch mit der Wut kommt daher, dass er jegliche Abweichung meinerseits von honigsüßem Säuseln im Ton nicht aushalten kann. Während er brüllen, schreien, Dinge nach mir werfen, meine Sachen zerstören und wegwerfen, mich beleidigen und beschimpfen darf, ist es mir nicht erlaubt, auch nur mal eine klare, sachliche Ansage in normalem Ton zu machen.

    Ich habe dann nur noch geantwortet, dass damit alles gesagt ist.

    Ich hätte es mir mal wieder sparen können. Vielleicht sitzt das jetzt erst mal und ich schaffe nicht mehr zu antworten. Eine weitere Nachricht kam grade noch rein, aber nein - ich werde sie heute nicht mal mehr lesen.

    Liebe Alice, ich kann mich gerade nicht erinnern, ob Du geschrieben hattest, ob Du die Polizei schon mal gerufen hattest. Ich habe es vor zwei Wochen zum ersten Mal wirklich getan. Er war betrunken in meiner Wohnung, hat mich sehr brutal beleidigt - subtil und offen - und hat sich geweigert zu gehen. Ich war selbst krank zu der Zeit, eine heftige Magen-Darm-Grippe und wollte nur ins Bett. Es war unmöglich, weil er nicht aufgehört hat mich verbal anzugehen. Ich hab ihm dann nochmal zehn Minuten Bedenkzeit gegeben: „Du kannst innerhalb von zehn Minuten gehen, oder ich rufe an.“ Er ist nicht gegangen und hat nach den zehn Minuten darauf beharrt, dass er bleibt. Ich habe angerufen und sie kamen. Ich habe fast bedauert, dass er zwei Minuten bevor sie da waren, die Wohnung verlassen hat, aber sie sind ihm nachgefahren.

    Ich glaube schon, dass das ein Schuss vor den Bug war. Er hat es mir nicht zugetraut, dass ich ernst mache.

    Ich habe ihm vor ein paar Wochen gesagt, dass ich keinen Kontakt mehr möchte. Bisher hat er das nicht akzeptiert. Er ist Quartalstrinker - trinkt alle paar Wochen jedesmal, wenn ihn etwas frustriert für eine Woche bis zur Besinnungslosigkeit und verliert dann alle Hemmungen.
    WhatsApp ist blockiert, aber dann schreibt er eben sms, auch wenn ich nicht mehr antworte, oder er kommt betrunken hierher - das letzte Mal war das mit der Polizei. Danach kam er nicht mehr und schreibt nur hin und wieder wirre sms.

    Es war sehr sehr schwer ihm zu sagen, dass ich keinen Kontakt mehr möchte. Und nachdem ich gestern erfahren habe, dass er in lebensbedrohlichem Zustand gefunden wurde, bin ich stark in Versuchung ihm zu schreiben und ihn wissen zu lassen, dass ich im Notfall da bin. Und das nach all diesem emotionalen Mißbrauch… Ich beschäftige mich gerade viel mit dem Thema Trauma-Bonding. Ich glaube, das erklärt vieles - also ich meine, warum wir uns nicht einfach frei machen können.

    Puh, das kommt mir vom Vater meines Kindes auch sehr bekannt vor. Obwohl - wie gesagt - ohne Alkohol. Er übernimmt bis heute keine Verantwortung und es war ein sehr harter Weg, bis Unterhaltszahlungen und Sorgerecht geklärt waren. Ich drücke Dir die Daumen, dass der nette Herr Dich gut unterstützen kann.

    Ah, sorry, Morgenrot. Du hattest gesagt, dass Du Deinem xy evtl durch Fahrdienste die Verantwortung abgenommen hättest, wenn Du selbst Führerschein gehabt hättest! Ich war grade in einem anderen Gedankengang und dachte, zum Glück hat mein xy keinen Führerschein, weil er andere totfahren würde. Aber klar - Du hast auch mit dem Fahrdienst recht. Mein xy hat schon oft versucht, mich zum Fahren für zeitlich verbockte Termine etc einzuspannen, wo er mit den Öffentlichen einfach zu spät kam.

    Morgenrot, jetzt muss ich tatsächlich lachen! Es ist eigentlich gar nicht lustig, aber so treffend! Ja, das ist wirklich eine Art Größenwahn, dass man meint, man könnte den anderen durch-was-auch-immer vom Trinken abhalten. Danke für die klaren Worte. Er hat getrunken, bevor er mir begegnet. Er trinkt, wenn ich da . Und er wird danach trinken.

    Ich werde versuchen, da immer wieder daran zu denken.


    Er hat in der Zeit, als ich ihn kennengelernt, versucht, den Führerschein zu machen, aber er hat es immer wieder vergeigt, weil er zwischendurch getrunken hat und sämtliche Fristen verstrichen sind und die Kosten am Ende bei fast 10 000€ lagen - dann hat er aufgegeben. Ein Glück!!! Das sehe ich wie Du!