Beiträge von Pia_reicht's

    Hallo Melli, wie ist es bei dir weitergegangen? Vielleicht konntest du ja wirklich innerlich auch etwas mehr Abstand nehmen und bist gar nicht mehr hier aktiv. Das würde mich für dich freuen.

    Ich hab mich an einigen Stellen deiner Posts wiedererkannt. Auch ich denke gerade mehr als mir lieb ist an meine Vater und ärgere mich darüber, dass das die schönen Dinge in meinem Leben immer wieder so überschattet. Ich habe auch ganz ähnlich wie du das Bedürfnis nichts weiter zur Erkrankung meines Vaters zu hören oder zu lesen und konnte bei deinen Zeilen innerlich deutlich zustimmen und aus der Außensicht sagen "Ja, genau, das ist richtig und gesund! Halt es dir vom Hals und sorge für dich!" Vielleicht kann ich mir das selbst auch etwas mehr zugestehen. Interessanterweise geht es auch mir so, dass ich manchmal vor Sorge nicht schlafen oder essen kann.

    Manchmal denke ich mir auch: Es gibt keine Preis für 'die besorgteste Tochter' oder keiner merkt es oder hat was davon, wenn ich mir Tag und Nacht Gedanken mache. In akuten Phasen hilft das kaum aber manchmal kann ich darüber dann doch mal das Karussell stoppen...

    Alles Gute!

    Mir wäre es wichtig, dass er gar nicht mehr trinkt. Es hat mittlerweile wirklich die Qualität eines schleichenden Suizids, bei dem er uns zwingt zuzusehen und dafür stehe ich nicht mehr zur Verfügung.

    Hat dich denn der Tod deines Vaters irgendwie "befreit" - also vielleicht von der ständigen Sorge? Das klingt krass, aber das wäre wenigstens meine Hoffnung, wenn es soweit ist...

    Kleines Update: Ich habe gerade mit meinem Vater telefoniert, der verschiedene Ausflüchte genannt hat, weshalb er keine stationäre Entwöhnung machen wird. Ich habe ihm gesagt, ich breche den Kontakt ab, wenn er wieder anfängt zu trinken. Soweit, so gut. Allerdings hab ich jetzt Zweifel, ob ich das beispielsweise beim Weihnachtsbesuch wirklich sicher merken würde, wenn er heimlich trinkt. Man muss dazu wissen, dass er Spiegeltrinker ist, der nie wirklich besoffen gewirkt hat - sitzt halt permanent mit m Bier in der Hand da. Wie ich diesen Anblick hasse!!!! Meine Familie neigt leider auch dazu mich zu belügen, um zu kriegen, was sie wollen. Hab das Gefühl, jetzt in einer Sackgasse zu sein. Ich sage, ich komm nicht mehr, wenn er trinkt und dann sagen die halt, er trinkt nicht mehr.

    Was für ermutigende Worte und gangbare Anregungen!

    Ich habe beim Lesen alter Nachrichten und Emails festgestellt, dass ich mich über die Jahre bereits ganz ohne festes Vorhaben oder Entschluss Stück für Stück entfernt habe.

    Wenn ich jetzt nochmal darüber nachdenke, ist von meinem Vater und dem, was uns verbunden hatte, auch nicht mehr viel übrig inzwischen. Das macht mir das weitere Abstandnehmen leichter, aber es macht mich auch traurig.

    Ich denke, es ist für das Loslösen auch ein wichtiger Schritt, um das (wenn auch vielleicht wenige) Gute zu trauern. Und sich auch erlauben, wütend zu sein, dass das Elternteil das offenbar aufgegeben und sich stattdessen für den Alkohol entschieden hat.

    Liebe Gemeinschaft,

    ich habe ein paar Gedanken zum oben genannten Thema und frage mich, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat:

    Ich habe einen alkoholkranken Vater, für den ich mich schon als Kind unheimlich verantwortlich gefühlt habe, was mich natürlich heillos überfordert und mir ein Stück Kindheit geraubt hat. Zeitlebens hatte ich Schwierigkeiten mich auf Freund- und Partnerschaften einlassen zu können. Ich bekam es richtig mit der Angst zu tun, wenn mir jemand nahe kam und wichtig für mich wurde. Heute vermute ich, dass es daran liegt, dass ich befürchte wieder so ungesund verstrickt zu werden und mich für jemanden verantwortlich zu fühlen, der selbst keine Verantwortung für sich übernimmt - kurz: wieder in eine solche Beziehung zu geraten wie zu meinem Vater.

    Dennoch habe ich ein schöne Partnerschaft aufbauen können, mich sogar getraut zu heiraten und seit einigen Monaten haben wir ein wundervolles Baby.

    Und hierauf beziehen sich meine Überlegungen: Ich glaube, dass die Bedürftigkeit meiner Babies (auch, wenn es hier eine natürliche, gesunde ist, der ich als nun erwachsene Frau gewachsen bin) alte Erinnerungen an die überfordernde Bedürftigkeit meines Vaters wach ruft. Ich habe manchmal mit diffusen Ängsten und einem Überforderungserleben zu kämpfen, was ich mir allein durch die zweifelsohne schon auch anstrengende Umstellung auf das Leben mit Baby nicht erklären kann.

    Vielleicht kennt das ja jemand und kann seine Erfahrungen teilen.

    Danke hochfelln15 für deine Nachricht! Ja, bei mir hat es auch dazu geführt, dass ich recht verzögert und mit großen Schuldgefühlen Zuhause ausgezogen bin. Es gab bei uns so eine Dynamik zwischen meinen Eltern, wo ich immer der Puffer war, der den Vater geschützt und gestützt hat.

    Und Landliebe , danke auch für Deine Worte. Gegen einen Kontaktabbruch spricht aus meiner Sicht nichts mehr, sobald es nach dem aktuellen Knall wieder anfängt zu trinken. Man muss dazu sagen, dass mein Vater nie einen ernsthaften Entzug+Entwöhnung versucht hat. Auf meine Versuche ihm zu helfen hat er zwar immer wortreich mit Eingeständnis und Änderungszusicherung geantwortet - passiert ist dann aber nie was. Nun hat er sich zum ersten Mal halbtot gesoffen, ist in der Klinik und in ein paar Wochen hat er einen Platz zur stationären Entwöhnung. Wenn er die antritt und tatsächlich zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder mal richtig nüchtern ist, müsste ich mal gucken, wie es sich anfühlt und was noch übrig ist von ihm und unserer Beziehung. Aber wenn er dann einfach so weitermacht, kann ich mir das einfach nicht weiter antun. Es ist etwas kompliziert mit dem Kontaktabbruch, weil er ja mit meiner Mutter zusammenlebt - aber dann muss die eben zu uns kommen, wenn sie uns sehen will...

    Danke für die Aufnahme und die Antworten! Ja er lebt tatsächlich sogar mit meiner Mutter zusammen, die aber die Königin der Co-Abhängigen ist und sehr erfolgreich die Augen verschließen bzw an mich und meine Schwester delegieren kann.

    Mich quälen immer wieder die Ängste vor dem nächsten Treffen - wie wird er aussehen? Geht es ihm noch schlechter? Dann kommen immer Tage danach, wo ich ganz krank vor Sorge bin, selbst kaum essen und schlafen kann und meine Gedanken so um ihn kreisen, ohne das da ein was herauskommt.

    Gleichzeitig merke ich auch gerade deutlicher, dass es mich ärgert, dass er und sein Alkoholismus so viel Raum in meinem Leben einnimmt! Ich will das nicht mehr. Ich hab das lange genug mitgemacht und hab nun eine eigene kleine Familie, die ich unbeschwert genießen will.

    Liebes Forum,

    Ich bin Pia und mir reicht's jetzt. Ich bin erwachsene Tochter eines alkoholkranken Vaters, der es Zeit meines Lebens verstanden hat, mich in seine ungesunde Selbstregulation zu verstricken. Der Alkohol spielt dabei eine wesentliche aber nicht die einzige Rolle.

    Im Gegenteil zu gewalttätigen Vätern, von denen ich häufiger gelesen habe, bindet mein Vater seine Angehörigen über scheinbare Selbstaufopferung und -vernachlässigung. Die Sorge ist also nie gewesen "Er tut mir was an!", dafür aber seit Jahrzehnten "Er tut sich was an!", was mich sehr zermürbt, obwohl ich mich seit meinem Auszug besser distanzieren konnte und auch schon zwei Therapien gemacht haben (da ging es aber nicht hauptsächlich um die Vaterbeziehung). Nun kam es am Wochenende zu einer lebensbedrohlichen Situation, nachdem mein Vater seit dem Renteneintritt vermehrt trinkt, viel rumliegt und sich immer weniger um sich kümmert - er isst kaum noch, und ist halb verhungert ins Krankenhaus gekommen. Ich habe aus der Ferne Rettungswagen organisiert, bin aber bewusst nicht hingefahren. Es gelingt mir mehr oder weniger mich durch reduzierten Kontakt zu schützen, aber meine Gedanken kreisen dann trotzdem um meinen Vater und ein kaum zu bändigendes Schuld- und Verantwortungsgefühl lastet schwer auf mir - dieses Botschaft meines Vaters "Ich sterbe, wenn du mir nicht hilfst!" wird gerade sehr real und ich kann durch diese Erbärmlichkeit kaum Wut entwickeln, die mir ein inneres Abstandnehmen erleichtern würde.

    Vielleicht kennt das jemand? Es würde mir schon viel helfen, damit nicht alleine zu sein.