Hallo theel,
ja ich habe nach 30 Jahren "über Nacht" aufgehört zu trinken. Von einem kalten Entzug kann ich nur dringend abraten denn das kann schnell lebensgefährlich werden und auch mit dem Tod enden. Seit dieser Entscheidung (November 2009) bin ich trocken, es gab also auch keinen Rückfall mehr. Davor habe ich viele Versuche gestartet aber immer die Tür offengelassen, wieder zu trinken - das funktioniert grundsätzlich nicht und das wird dir auch jeder erfahrene Suchttherapeut bestätigen.
Kontrolliertes Trinken oder auch die Menge zu reduzieren kann jemandem, der Alkoholiker ist (und ich bin ein trockener Alkoholiker) nicht wirklich helfen. Es gibt nur einen Weg:
Mit dem Trinken aufzuhören und diese Entscheidung ohne Ausnahme konsequent beizubehalten. Eine Entgiftung unter ärztlicher Aufsicht, idealerweise stationär, wäre ein gesunder Einstieg in das alkoholfreie Leben. Dann fängt allerdings die Arbeit erst an, nämlich trocken zu bleiben und zwar ohne Ausnahme. Ob wir uns dann als trocken oder abstinent bezeichnen ist im Grunde ohne Bedeutung. Das haben mir erst vor kurzem die beiden Therapeuten bestätigt, mit denen ich viele Jahre zusammengearbeitet habe bzw. jetzt noch im 4 bis 6 - wöchigen Abstand zusammenarbeite. Die Langzeitbetreuung ist etwas, das mir sehr geholfen hat, stabil zu bleiben.
Also: trocken bedeutet nicht geheilt, denn ein Alkoholiker kann niemals von der Alkoholsucht geheilt werden. Es ist auch sehr wichtig, dass wir das als Alkoholiker (ob noch nass oder schon trocken) immer im Kopf behalten.
Seit meiner Entscheidung im November 2009 hat sich vieles in meinem Leben langsam positiv entwickelt. Und nach einiger Zeit hatte ich auch nicht mehr das Gefühl, dass mir ohne das Zellgift (denn nichts anderes ist Alkohol) etwas fehlt. Im Gegenteil, es geht mir gut, wie vor 2009 lange nicht mehr und ich bin mir auch bewusst, dass jeder Versuch, kontrolliert zu trinken, für mich als trockener Alkoholiker mit einer Katastrophe enden kann. Das mache ich mir immer wieder klar, ganz gleich, was andere Menschen in meinem Umfeld zu dem Thema meinen.
Und - ich habe mich mittlerweile öffentlich zu meiner Alkoholsucht bekannt (das muss natürlich niemand machen, der es nicht wirklich will). Die Reaktion im privaten und beruflichen Bereich waren ohne Ausnahme sehr positiv.
ZurueckimLeben