Beiträge von Johanna89

    Liebe Lesenden,

    ich möchte mir mal wieder ein bisschen was von der Seele schreiben. Das hilft ganz gut, um alles ein bisschen zu sortieren.

    Die „Eskalationen“ folgen einem bestimmten Muster: er ballert sich richtig, richtig voll, macht dann ja auch teilweise durch, leistet sich wirklich ziemlich übles Benehmen, um dann für 1,2,3 Tage relativ „normal“ zu wirken (er trinkt natürlich trotzdem, immer die Mindest-24h-Dosis von min. 1 Flasche Schnaps plus Beiwerk). Und dann eskaliert es wieder.

    Übrigens, was neu ist: in seiner Tasche habe ich diese kleinen Flaschen mit Doppelkorn und Vodka gefunden, die man an der Kasse kaufen kann.

    Zurück bleibt bei mir immer absolute Verwirrung und Wut über dieses innere und äussere Chaos, das er mit jedem „Auftritt“ hinterlässt.

    Er verbringt ja wirklich fast den ganzen Tag in seinem Büro, wo er auch schläft. Eigentlich gut für mich. Aber sobald er dann betrunken unten aufschlägt, bricht Chaos aus. Blöde Sprüche, sinnloses Geschwafel („Kannst du mich morgen irgendwo hinfahren?“ - „Klar, wann denn und wohin?“ „Egal, Hauptsache weg!“ - „Ich müsste schon ungefähr wissen welche Uhrzeit und welche Richtung!“ - (wutentbrannt) „Also wenn eine einfache Frage so komplizierte Antworten nach sich zieht, VERGISS ES EINFACH!“).
    Und dann sitze ich da. Mit Herzklopfen, fühle mich gelähmt und erschöpft und ratlos.

    Gestern dann zunächst das Gegenteil.

    Er schwankte die Treppe herunter und stürzte die letzten drei Stufen fast ab, landete auf dem Po.

    Und sagte oh du bist noch hier, ich wollte nicht stören! - und das immer wieder. Ging dann wieder hoch. Dann tauchte er eine Stunde später wieder auf. Und da kippte es schon wieder in Verachtende und vernichtende Kommentare.

    Ich lasse mich nicht darauf ein und antworte in den meisten Fällen noch nicht mal.

    Dennoch brennt es in mir.
    Am nächsten Tag als wäre nichts gewesen. Wenn ich dann noch reserviert und zurückhaltend bin, ernte ich noch mehr Verachtung. Heute sagt er lachend „Haha, mein Po tut weh von dem Sturz gestern!“ ich sage nur „Ja..“

    Kein Wort von den anderen Dingen die so passiert sind. Weiss er sowas wirklich nicht mehr?!?!

    Und nun war ja auch Weihnachten.

    Die Nacht auf Heiligabend war eine einzige Katastrophe. Ich habe bis in die Nacht Geschenke eingepackt und jede Stunde tauchte er auf und terrorisierte mich regelrecht mit blöden Sprüchen.
    Am nächsten Tag gegen Mittag lag er noch im Bett (um 7.00 morgens hatte er auch da schon zwei Flaschen Prossecco getrunken), und ich hatte noch viel vorzubereiten, da bin ich zu ihm rein und habe ihm leise und sehr deutlich gesagt dass er mir und unserem Sohn dieses Weihnachten nicht verderben wird. Er lallte nur verachtend „Merry Christmas“.

    Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, und mein Sohn hatte wunderbare Weihnachten. Heiligabend war meine ganze Familie hier. Mein Mann war eher Zaungast. Purzelte meist kurz vor Ankunft der Gäste oder Abfahrt zu Aktivitäten aus dem Bett.
    Mich nervt diese „pro forma“ Frage in halbwegs klaren Momente „Kann ich dir was helfen?“ Er fragt das wirklich nur um sein Gewissen zu beruhigen.
    Und dann bekam ich zwei recht teure Geschenke zu Weihnachten, ein Konzert im Sommer und noch eine Auswärts-Aktivität im März. Natürlich freue ich mich, aber wie soll das bitte funktionieren?!

    Momentan ist es eher so, als hätte ich ein großes erwachsenes Kind, das nur Chaos verursacht.
    Ich male mir immer häufiger aus, wie ich es gestalten könnte, auf Abstand zu gehen.

    Gestern fuhr meine Schwester, und ich winkte ihr zum Abschied und ich fragte mich: wie wäre es wohl, wenn ich jetzt die Tür schließen und wirklich einfach meine Ruhe hätte? Mein Kind ins Bett bringen, und dann Zeit für mich, alles ohne Anspannung und Angst?

    Dann gab es noch ein Problem mit einer Küchenschublade. Sie schleifte plötzlich an der darüber und zog nicht ganz ein. Das gab mir den Rest. Ich musste weinen vor Wut, dass eben nicht einfach ein Mann in Reichweite ist, der sagt „Zeig mal her, ich regel das!“ Mein Mann war ja schon längst wieder nach oben verschwunden. Ihn dazu holen hätte absolut keinen Sinn gemacht. Er kann nicht mal einen Imbus-Schlüssel erkennen. Und ich hätte wieder nur abwertende Kommentare über meine neue Küche geerntet. Also Krone gerichtet, YouTube-Tutorial gegoogelt und nachdem ich beide Schubladen raus, und wieder eingesetzt hatte, war alles wieder ok. Ein Beispiel für all diese kleinen Dinge, die ich jeden Tag alleine meistern muss.
    Wäre ich wirklich alleine, wäre das etwas anderes. Ich bin so wütend weil ja jemand DA is der helfen KÖNNTE aber stattdessen nur Stress und Chaos auslöst.

    Ich könnte aktuell alleine die Miete nicht zahlen, aber ausziehen will ich auf gar keinen Fall, wir sind im August erst eingezogen und mein Sohn hat sich hier gerade so eingelebt, hat Freunde gefunden und auch ich fühle mich wohl und sicher.

    Wäre da nur nicht….

    Man sieht es ihm inzwischen auch an. Er hat eine ganz seltsame Lippenfarbe. Ist das normal?
    Er hat meistens knallrote Wangen. Und dieser unangenehme „Muff“ der von ihm ausgeht fällt mir auf, dieser wird im seltenen Fall dass er das Haus verlässt notdürftig übertüncht.
    So, das musste alles mal raus. Danke fürs Lesen ❤️

    Liebe RH, ich habe mir deine Geschichte gerade durchgelesen und bin ziemlich berührt. Ich erkenne mich total wieder, der Punkt an dem du warst, ist der Punkt an dem ich bin. Dein Mut beeindruckt mich sehr und macht auch mich ein kleines bisschen mutiger. Ganz liebe Grüße

    Der Termin bei dee Beratungsstelle war aber wirklich voll guter Inputs.

    Ich habe viele Fragen zum Krankheitsbild gestellt, denn ich möchte definitiv auch verstehen was da passiert.
    Personen mit Narzisstischer Persönlichkeitsstörung haben wohl ein höheres Risiko in die Abhängigkeit zu rutschen, nämlich dann, wenn der Suply von außen aufhört. Hinzu kommt seine Essstörung, er hatte eine Magen-OP, auch hier ist das Risiko durch eine Suchtverlagerung erhöht.

    Der Schlüsselsatz von ihr war aber: Wenn ich ihm helfen will, geht das nur, wenn ich Abstand nehme. Denn es stimmt, es geht mir wirklich nicht gut. Und ich bin ja nicht nur für mich verantwortlich… mein Sohn braucht seine Mama. Eine Mama, die nicht völlig runter ist mit den Nerven.
    Seit heute weiss ich, dass auch sein Job in akuter Gefahr ist.
    Ich gebe zu, ich bin völlig überfordert und weiss eigentlich, was richtig wäre. Aber dazu fehlt mir der Mut. Noch.

    Leider weiss ich, dass er das nur machen würde, um von sich zu sagen: was willst du noch, ich gehe doch hin? .. aber unterm Strich absolut nicht dahinter steht, und dann heimlich trinken würde. Ich kenne dieses Muster schon. Die richtige Reihenfolge wäre, das er auszieht, und sich dann unter Beweis stellt. Alles andere würde nur noch mehr Druck machen, aber bei mir, weil er dann eine wahnsinnig hohe Erwartungshaltung an mich hätte. Zitat: Du musst dich dann aber auch mal mehr bemühen!

    Liebe Mitlesenden, ich bin unfassbar angespannt. Heute habe ich (heimlich) einen Termin bei einer Suchtberatungsstelle. Vielleicht kann man mir da noch mal ganz genau erklären was für Optionen es gibt. Für mich ist klar: wenn ich ihm sage, hole dir Hilfe oder du ziehst aus, wird er das brav machen. Aber eben ohne dahinter zu stehen. Sondern für mich. Und um zu beweisen „ich kooperiere doch, was willst du denn?!“ Vielleicht erwähnte ich es schon, aber bei ihm wurde vor einigen Jahren eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Da kommt also viel zusammen. Mit anderen Worten: Manipulieren kann wirklich gut! Und das macht die Lage so verzwickt. Niemand würde mir glauben. Ich wäre die Böse. Das Problem nur ich. Das kenne ich schon aus früheren Konflikten und deshalb fühle ich mich wahrscheinlich auch so ohnmächtig und Hilflos.
    Für mich ist die ganze Situation so anstrengend.

    Ich bin faktisch alleinerziehend. Den Alltag mit allem drum und dran meistere ich alleine. Nur das ein „grosses“ Kind - mein Mann - auch noch Verantwortung für sein Empfinden auf mich ablädt und im Inneren wie im Äusseren Chaos produziert. Urinpfützen um die Toilette, weil er betrunken nicht getroffen hat („Kann gar nicht sein, die Toilette ist undicht!“) oder sogar vermeintlich Urin im Flur, auf dem Weg zum Bad. Ist Inkontinenz eine typische Folge von zu viel Alkohol?

    Ich erwähnte oben nicht dass die Menge von 1-1,5 Flaschen Schnaps (wenn er mit sich selbst durchmacht auch 2 Flaschen, vorzugsweise billiger Korn oder Whisky) plus Bier, Prossecco, Wein,… wirklich ausnahmslos jeden Tag konsumiert wird. Hat er sich einen halben Tag beherrscht, wird nachgeholt.

    Wenn er dann mal in irgendeiner Form Physisch anwesend ist, ist er entweder übertrieben freundlich, aber nur kurz, oder direkt genervt von den Umgebungsgeräuschen, die Kinder nun mal machen. Oder sagt gar nichts, aber man spürt mehr als deutlich, dass ihm irgendwas nicht passt. Machmal fragt er dann sogar „pro Forma“ ob er helfen könne, aber wenn dann offensichtlich Handlungsbedarf wäre (Sohn spielt im Spülbecken mit JetSki, und plötzlich schwappt alles über), sitzt er da und schaut, und ich muss meinen Toilettengang abbrechen um Schadensbegrenzung zu betreiben. Ja, alleine würde sich kaum etwas ändern. Ausser dass vielleicht diese erdrückende Erschöpfung auf meinen Schultern nachlassen würde. Heute habe ich mich immerhin aufgerafft zu duschen. Und wenn mir dann klar wird das selbst das so anstrengend ist, merke ich erst, wie sehr die Situation mich zerfrisst.
    Liebe Grüße

    Hallo zusammen,

    ich habe mich nun auch endlich angemeldet. Seit einigen Wochen lese ich still und leise mit. Ich bin 36 Jahre alt, mein Mann 45 Jahre, unser Sohn wird bald 5 Jahre alt.

    Alkohol war schon immer ein Thema bei meinem Mann. Er war gerne in Kneipen mit seinen Kumpels. Aber seit etwa 2 Jahren hat es sich schleichend immer mehr verändert. Irgendwann ist er nicht mehr in Kneipen gegangen, hat für sich alleine getrunken. Immer mehr. Immer öfter. Immer früher am Tag.

    Er stürzte irgendwann im Rausch über Spielzeug und verletzte sich schwer. Kein Grund etwas zu verändern. Nach einer OP bekam er 2 Wochen später einen Schlaganfall, ein milder ohne Folgen, kein Grund etwas zu verändern.

    Wir sind umgezogen, und aufgrund der Verletzungen und Einschränkungen blieb alles an mir. Er sass meistens rum, trank. Er arbeitet von Zuhause aus, das war dann immer seine perfekte Ausrede. Meine Mutter kam um zu helfen, da fiel es zum ersten Mal auch ausserhalb unserer Familie auf das etwas nicht stimmt.

    Im Rausch kippte jedesmal die Stimmung von Euphorisch in Hass und Verachtung. Fiese Kommentare und blöde Sprüche. Ziemlich verletztend. Irgendwie schaffte ich den Umzug.

    Dann kam der Sommer, wir waren im Urlaub mit Bekannten, und auch dort trank er jeden Tag extrem viel. Eines Abends drohte er mir verbal. Unsere Freunde haben es mitbekommen, und am nächsten Morgen sagte ich ihm, dass ich will das er auszieht. Er reagierte ziemlich gelassen, vielleicht war ihm da schon klar dass ich keine Stunde später wieder zurückrudere?

    Die Trinkmenge steigerte sich um Laufe der Monate weiter. Inzwischen ist er bei etwa 1-1,5 Flaschen Schnaps plus "Beiwerk" in Form von Bier, Wein, Sekt,.. binnen 24 Stunden. Er macht immer öfter die Nächte mit sich selbst durch. Das Arbeiten schleift bereits ziemlich. Und die verbalen Drohungen wurden auch mehr.

    Regelmäßig entstehen wahnsinnig anstrengende, chaotische Situationen die mich unfassbar stressen. Ein - zwei Beispiele: Ich war mit meinem Sohn nachmittags unterwegs, mein Mann schon gut dabei. Mir war klar: Der gönnt sich jetzt noch richtig. Ist ihm am liebsten, wenn keiner da ist. Als ich am Abend heim kam, war mein Sohn im Auto eingeschlafen, ich trug ihn ins Bett, und als ich die Küche sah traf mich der Schlag: Alles voller Blut und Scherben. Ein Schaden in meiner Nagelneuer Arbeitsplatte. Ich fragte ihn was passiert sei. Ihm sei eine Tasse runtergfallen, beim einräumen der Spülmaschine. Ich konnte das nicht glauben, und mir fiel ein dass die Haustierkamera auch einen kleinen Bereich der Küche einsehen kann. Und tatsächlich: Er schlug MEINE Tasse mit roher Gewalt fluchend auf die Arbeitsplatte, bis sie zersrpang. er verletzte sich dabei offensichtlich an der Hand. Und schimpfte dabei über die Tatsache, dass ich nicht ausgetrunken hatte. Ich sagte ihm nicht, dass ich die Wahrheit kenne, aber als ich nochmal nachhakte blieb er bei seiner Version. "Du willst mir doch nicht unterstellen dass das Absicht war?!?!"

    Das andere Beispiel: Wir waren auf einer 3-Stündigen Rückfahrt, ich hielt zum tanken, er hatte auf der ersten Etappe schon eine Flasche Wein und eine Flasche Prossecco (aus der Flasche...!) getrunken und war dann eingeschlafen. Ich klopfte beim Tanken an seine Scheibe, um zu wissen ob er noch etwas möchte von drinnen, er reagierte nicht, ich öffnete die Tür und - PENG - flog eine Flasche Wodka raus und zerbrach auf dem Boden. Warum ich denn einfach die Tür öffnen würde, ich könne doch auch klopfen?! Ich klaubte mühsam die Scherben auf, kaufte eine neue Flasche, hab aber wohl eine übersehen, denn da fuhr ich beim Anfahren noch rüber. Unfassbares Chaos. Und immer der Spagat, alles für meinen Sohn irgendwie stabil zu halten. Und noch ein paar weitere Kleinigkeiten, die alleine in diesen drei Stunden passiert sind. Ich war fix und fertig. Ein unfassbarer Druck auf der Brust, Herzklopfen, Schwindel und totale Erschöpfung. Ein sehr vertrautes Gefühl inzwischen. Ich kann einfach nicht mehr. Wenn er sich dann mal stundenweise zusammenreisst, weiß ich inzwischen sicher eines: Verzicht heisst nicht Veränderung, Verzicht heisst Eskalation. Er tut dann auch ernsthaft so, als sei GAR NICHTS gewesen. Er macht sich kaputt. Und mich gleich mit. Und mein Kind? Liebt ihn abgöttisch, deshalb halte ich auch alles ruhig und es wird ausgesprochen selten laut, weil ich nie groß reagiere auf Provokationen.

    Was soll ich bloß tun? Nirgends ist dokumentiert, dass er ein Problem hat. Er selbst gesteht sich das glaube ich auch nicht ein. Wie lange macht sein Körper das mit? Er hat eh schon einiges an Vorerkrankungen, also Diabetes und Bluthochdruck usw.

    Ich kann nicht mehr, und bin so froh, hier vielleicht ein wenig Input und Erfahrungsaustausch zu erleben. Ich bin doch nicht die einzige in so einer Situation..

    Liebe Grüße.