Beiträge von Inez

    Nayouk24

    Gut, dass du verstanden hast, wie ich es gemeint habe. Ich wollte damit nicht sagen, dass ich kontrolliert trinken kann. Ich habe meinen Konsum eine Zeit lang begrenzt, um meinen Alltag noch irgendwie auf die Reihe zu bekommen.

    Was für mich im Nachhinein viel entscheidender ist:
    Ich konnte das nur, weil ich ständig gegensteuern musste. Und genau das ist für mich das eigentliche Warnsignal. Dinge, die kein Problem sind, brauchen keine Kontrolle.

    Ich habe früher sehr tief in der Sucht gesteckt, mit zahlreichen Entgiftungen und Therapie. Irgendwann war einfach nichts mehr übrig – weder Kraft noch Selbstwert. Und auch wenn ich vorher oft dachte, tiefer geht’s nicht, ging es bei mir immer noch ein Stück weiter runter.

    An dem Punkt hatte ich nur noch zwei Optionen: weitermachen oder wirklich aufhören. Und ich habe aufgehört.

    Was ich rückblickend sagen kann: Für mich war Abstinenz kein Kampf, sondern eine echte Befreiung.

    Und genau deshalb nehme ich das jetzt auch ernst, wenn ich merke, dass sich wieder etwas einschleicht – auch wenn es diesmal „harmloser“ aussieht.

    Bei dem Gedanken, dass man Alkohol nicht einfach deshalb weglässt, weil er einem nicht schmeckt, musste ich ein wenig schmunzeln. Das war bei mir nämlich genau umgekehrt: Alkohol hat mir nie geschmeckt, und trotzdem habe ich über lange Zeit Unmengen davon getrunken. Ich war von Anfang an nur an der Wirkung interessiert.

    Wo ich dir absolut zustimme, ist, wie gefährlich es sein kann, das Ganze irgendwann aus dem Blick zu verlieren. Genau das ist mir passiert.

    Die Zeit meines Rückfalls war im Vergleich zu der Zeit vor meiner Abstinenz noch keine Katastrophe und nicht ansatzweise vergleichbar mit früher. Allerdings liegt das weniger daran, dass „alles besser lief“, sondern eher daran, dass ich heute ein kleines Kind habe und ich mir Grenzen setzen musste. Was im Umkehrschluss heiß , dass ich meinen Konsum stark kontrolliert habe – nicht, weil ich es wirklich wollte, sondern weil ich immer eine unterschwellige Angst mitgeschwungen hat. Aber eines ist gewiss, diese Grenzen sind fragil...

    Und genau das war für mich der Punkt, an dem klar wurde: Ich bin wieder auf einen Zug aufgesprungen, der in eine völlig falsche Richtungfährt. Ich kenne die nächsten Stationen nur zu gut.

    Für mich heißt es deshalb jetzt: rechtzeitig aussteigen, solange es noch vergleichsweise überschaubar ist.

    Vielen Dank🙂

    Die acht Jahre Abstinenz sehe ich heute tatsächlich etwas anders als früher. Nicht, weil ich damals bewusst gedacht hätte „ich hab’s geschafft“, sondern eher, weil es für mich irgendwann so selbstverständlich geworden ist, ohne Alkohol zu leben, dass ich mich mit dem Thema Sucht gar nicht mehr beschäftigt habe.
    Im Nachhinein glaube ich, dass es mir fast zu leicht gefallen ist, das alles komplett aus meinem Leben rauszuschieben. Und irgendwann kam eher unterschwellig der Gedanke auf, ob das damals vielleicht einfach nur eine schwierige Phase war oder ob ich es nicht sogar ein Stück weit überdramatisiert habe.
    Dadurch habe ich die Gefahren für mich nicht mehr richtig eingeschätzt und Alkohol nach und nach wieder in mein Leben gelassen. Es ist zwar nicht annähernd so eskaliert wie früher, aber ich habe gemerkt, dass er wieder einen ungesunden Stellenwert einnimmt.
    Mit genau diesem Bewusstsein möchte ich jetzt weiterarbeiten – nicht, um ständig daran zu denken, sondern um es nicht wieder aus den Augen zu verlieren.
    Danke dir auf jeden Fall für den Impuls 🙂

    Hallo zusammen,
    ich melde mich wieder zurück.
    Ich bin weiterhin abstinent, war inzwischen bei der Suchtberatung und habe mir auch zwei Selbsthilfegruppen rausgesucht, die ich jetzt regelmäßig besuche.
    Im Moment arbeite ich täglich an meiner Nüchternheit – mal mehr, mal weniger elegant, aber immerhin konsequent.
    Insgesamt geht es mir damit gerade ganz gut, auch wenn es durchaus schon brenzlige Situationen gab. Aber das Leben bleibt halt das Leben – mit allem, was dazugehört. Nur weil ich wieder meine beschlagene Brille abgenommen habe, bekomme ich keinen Freifahrtschein auf ein sorgenfreies Leben, bei dem mir dauerhaft die Sonne aus dem Allerwertesten scheint.
    Darum geht es ja auch gar nicht. Ich möchte einfach Schritt für Schritt wieder zu der Frau zurückfinden, die in der Lage ist, sich dem Leben zu stellen und Dinge auszuhalten, ohne sich betäuben zu müssen.

    Danke, ich habe das letzte mal vor 2 Tagen getrunken und ich bin mir der Gefahr eines kalten Entzugs durchaus bewusst, aber bei meiner Konsummenge in der letzten Zeit ist es vertretbar und bisher ist auch alles gut. Wie ich schon erwähnte, habe ich die letzten 1,5 Jahre nicht regelmäßig getrunken und auch wesentlich geringere Mengen als früher, allein schon, weil ich Fürsorge für ein Kleinkind zu tragen habe. Allerdings wird es auch immer schwerer für mich dieses zu "kontrollieren" und die Gedanken an Alkohol haben massiv zugenommen. Ebenso der Kontrollverlust kam schon vor. Ich habe absolut vor, dauerhaft abstinent zu leben, so wie die 8 Jahre davor auch schon. Nur ist es für mich dieses mal sehr wichtig, einiges anders zu machen wie zuvor. Alkohol muss weiterhin ein Thema bleiben, auch wenn ich nicht mehr trinke

    Ja, auch wenn ich den Begriff Alkoholiker nicht mag. Ich sehe mich aber als alkoholkrank. Ich konnte nie gut mit Alkohol umgehen, habe auch stets nur wegen der Wirkung getrunken, geschmeckt hat es nie. Ein Entzug ist in sofern nicht notwendig, da ich keine Entzugserscheinungen habe. Ich habe in den letzten 1,5 Jahren nicht täglich getrunken, oft mit 4 bis 6 wöchiger Pause. Meinen Arzt werde ich einbeziehen, er kennt ja meine gesamte Alkoholgeschichte von damals genau. Es gab eine Zeit, da war ich Dauergast in Entgiftungskliniken. Zusätzlich werde ich ein bis zweimal in der Woche eine Gruppe aufsuchen. Rückblickend wird mir klar, dass es keine kluge Entscheidung war, mir in der abstinenten Zeit kein Notfallnetz aufzubauen

    Hallo zusammen,
    ich möchte mich kurz vorstellen. Ich habe seit etwa anderthalb Jahren wieder mit Alkohol zu kämpfen. Davor war ich fast acht Jahre abstinent. In dieser Zeit ging es mir eigentlich sehr gut, allerdings habe ich mich auch überhaupt nicht mehr mit dem Thema Alkohol beschäftigt – ich habe es geschafft nach sehr vielen Versuchen aufzuhöre und Alkohol spielte ab den Zeitpunkt einfach keine Rolle mehr in meinem Leben.
    Nach der Geburt meines 2.Sohnes, 22 Jahre nach meinen Erstgeborenen wurde mein Leben noch einmal ziemlich auf den Kopf gestellt. In dieser Zeit kam plötzlich wieder ein starkes Verlangen nach Alkohol zurück, was mich sehr überfordert hat, weil ich darauf überhaupt nicht vorbereitet war. Eine Weile ging es noch einigermaßen, aber in den letzten Monaten kam es immer häufiger zu Rückfällen, trotz ernstgemeinte Aufhörversuche.
    Letztes Weihnachten ist die Situation mit meiner Familie eskaliert, und dabei hat meine Familie auch erst wieder von meinem Rückfall erfahren. Das war für mich ein sehr schmerzhafter Moment.
    Ich möchte unbedingt wieder aufhören zu trinken. Gestern habe ich für mich den klaren Entschluss gefasst, ernsthaft mit dem Alkohol aufzuhören und mir Unterstützung zu suchen. Deshalb habe ich mich hier angemeldet und hoffe auf Austausch und Unterstützung.
    Vielen Dank fürs Lesen.