Beiträge von Farfalla

    Ich bin Angehörige einer Alkoholikerin und beobachte, dass sich immer mehr Wut in mir anstaut.
    … dass sie alle behandelt wie Dreck, wenn sie vollgesoffen ist und sogar körperlich angreift. Dass sie keinerlei Scham oder Reue zeigt, wenn sie wieder nüchtern ist und dann noch die Nerven hat ständig schlecht über andere zu reden, die sie im Suff regelmäßig verbal (und teils körperlich) misshandelt.

    Ich verliere den Respekt und verachte sie, wenn sie betrunken ist, teils auch noch danach.

    Viele schreiben hier, dass sich die Wut bei Alkoholismus eigentlich die Wut auf einen selbst ist. Dem kann ich so pauschal nicht zustimmen. Ich bin wütend darüber, dass sie dem Rest meiner Familie so weh tut.


    Wie kann man mit dieser Wut und Verachtung umgehen? Unsere Familie ist sehr eng miteinander vernetzt, einen Kontaktabbruch will ich nicht

    Danke für die Freischaltung Linde!

    Ich bin mir sicher, dass mein Vater sehr gerne Hilfe in Anspruch nehmen würde. Er hat sehr dankbar und positiv auf meine Initiative reagiert, einen Termin in der Angehörigenberatung auszumachen.

    Ich glaube er hat oft das Gefühl, dass ihm nicht schlecht gehen darf, weil ja meine Mutter die ist, der es schlecht geht.
    Dazu kommt wahrscheinlich, dass es vielen Männern schwerfällt, aktiv um Hilfe zu fragen.

    Mir fällt es auch immer schwerer mit meiner Wut der Situation und meiner Mutter gegenüber umzugehen.
    Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass ich hier meine Gedanken mit anderen teilen kann, die ähnliche Situationen (von beiden Seiten) erlebt haben.

    Hallo zusammen,

    meine Mutter (ca. 60) ist seit circa 8 Jahren in Behandlung wegen Depressionen (damals Klinikaufenthalt, jetzt nur noch ambulant) und seit circa 6-7 Jahren auch alkoholabhängig.
    Mein Bruder und ich sind mittlerweile beide erwachsen und ausgezogen, ich weiter weg, er in der Nähe. Mein Vater ist mir ihr lange verheiratet und sie leben zusammen. Er leidet am aller Meisten und das tut mir sehr weh. Er ist der liebste Mensch, den ich kenne.

    Wie so oft, hat sich ihr Alkoholkonsum schleichend entwickelt und später dann enorm verstärkt. Problematisch sehe ich vor allem, dass durch ihren behandelnden Psychologen ihr Alkoholkonsum damals fast entschuldigt worden ist damit, dass Depressive den Alkohol oft benutzen, um mir ihrer Depression besser umzugehen. Was anderes ist dann nicht mehr zum Alkohol passiert in der Therapie. Auch vor kurzem hat sie mich einen Brief der noch behandelnden Psychiaterin lesen lassen, der von ihr zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung geschrieben worden ist. Mit einem Satz wurde auch der Alkohol erwähnt: "ein episodischer Alkoholmißbrauch im Sinne einer dysfunktionalen Emotionsregulation". Von episodisch kann aber keinesfalls die Rede sein. Sie trinkt mit einer großen Regelmäßigkeit 1-2 Flaschen Sekt/ Wein oft schon mittags und geht auch gerne mal an den hochprozentigen Schnaps. Sie hat regelmäßig Filmrisse, wird sehr aggressiv und schreibt dann auch gerne Hassnachrichten an Familie/ Freunde/ Bekannte (inkl. mir). Ich habe auch eine psychologische Ausbildung und kann mit Sicherheit sagen, dass sie die Diagnosekriterien einer Alkoholsucht erfüllt.

    Mein Vater ist total hilflos, leidet unter Schlafproblemen und unter ihren verbalen sowie körperlichen Aggressivität. Er ist ein Mal für zwei Wochen ausgezogen in das Haus meiner damals gerade verstorbenen Oma. Nachdem sie versprochen hat, sie geht zu AA Treffen und ändert was, ist er dann wieder zurück gekommen. Nach zwei Wochen war alles wieder beim Alten und sie hat weiter getrunken. Angeblich hat sie von ihrer Psychiaterin eine Überweisung zur Suchtberatung bekommen. Gesehen hat die niemand, sie ist auch nie hingegangen.

    Ich habe überlegt, ob ich ihrer Psychiaterin mal einen Brief schreiben soll, indem ich ihr das Ausmaß schildere. Darf man sowas aber überhaupt? Bringt das was? Außerdem will ich zur Angehörigenberatung mit meinem Vater gehen, mein Bruder will auch mitkommen. Damit kann ich vielleicht wenigstens meinem Papa helfen.

    Ich sehe aktuell wenig Potenzial für einen Tiefpunkt bei ihr, bei dem es dann Klick macht. Sie arbeitet nicht und hat dementsprechend keine sozialen Verpflichtungen, bei denen irgendwas Extremes passieren kann. Wie es um ihre Gesundheit steht weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin mir sicher, dass mein Vater es nicht schaffen würde sich scheiden zu lassen. Außerdem sind an ihren Depressionen sowie an allem anderen eh immer alle anderen Schuld. Der ihrer Meinung nach unproblematische Alkoholkonsum wurde durch das Verhalten der Therapeuten weiterhin verstärkt.

    Mir ist gerade tatsächlich am Wichtigsten meinen Papa an die Hand zu nehmen, dass er aus der Co-Abhängigkeit raus kommt. Nachdem ich hier einige Beiträge gelesen habe, ist mir klar geworden, dass wir eh sehr wenig Einfluss auf das Trockenwerden meiner Mutter haben. Ich habe sie sehr lieb, aber bin auch extrem wütend auf sie - mein Bruder noch mehr und die Beziehung leidet extrem.

    Ich freue ich über Ratschläge oder auch einfach über Erfahrungsberichte! Danke auf jeden Fall im Voraus.