Beiträge von Glitzermücke

    Hallo Nora,

    willkommen hier! Ich bin auch noch sehr neu hier, habe auch noch nicht viel hier geschrieben. Aber ich lese sehr viel hier. So wie deine Vorstellung. 😉

    Und ich glaube, dass es fast wenig Unterschied macht, ob man lange mit seinem Menschen zusammen ist oder nicht. Die Erkenntnis ballert einem unweigerlich irgendwann um die Ohren und dann sind wahrscheinlich alle oder zumindest ähnliche Gefühle im Spiel bei einem wie bei anderen auch. Auch wenn sie vielleicht diese und jene Situationen nicht oder noch nicht erlebt haben oder ob sie den Menschen lange oder kurz kennen, verheiratet sind oder nicht, Kinder ja oder nein, wie lange der Mensch abhängig ist oder nicht etc.
    Für die eigene Gefühlswelt in der ich mich befinde, macht es wenig Unterschied, denke ich.
    Dass du Scham empfindest, kann ich nachvollziehen. So ging es mir auch anfangs. Allerdings habe ich dieses Gefühl jetzt nicht mehr. Es ist einfach ein Gefühl, dass oftmals daher kommt (zumindest bei mir), irgendwelchen „Erwartungen“, die ich mir oft auch selbst auferlegt habe, nicht zu entsprechen. Ich habe mich geschämt, weil ich dachte: wie konnte ich das übersehen, wie konnte ich überhaupt in so eine Situation kommen. Und dann kommt ja irgendwie auch der Gedanke, was denken andere jetzt von mir? Dass ich schwach oder naiv bin?
    Vielleicht sind es Gedanken, die du auch kennst…

    In jedem Falle möchte ich dir aber sagen: geh nicht so hart mit dir ins Gericht in diesem Fall. Genauso wie alkoholabhängige Menschen sich ihre Sucht bestimmt nicht ausgesucht haben, genauso wenig haben wir mit Indianerblick die Prärie abgesucht nach einem Menschen, wo wir sagen können: ey cool, bei dem kann ich leiden, das wird erschöpfend und mich ziemlich viel emotionale Achterbahn 🎢 Fahrt kosten!

    Ich finde gut, dass du den Weg hierher gefunden hast. Hier kann man viel lesen, um sich selbst und sein eigenes Verhalten besser zu verstehen. Seine Schlüsse für sich zu ziehen und so wird mit der Zeit auch klarer, wie du für dich am besten mit der Situation umgehen kannst, möchtest und vielleicht auch musst.

    Aber jetzt komm erstmal an hier… ich schreibe hier in meinem Faden sehr wenig, aber ich spreche in der analogen Welt viel darüber mit meinen Freunden. Es hilft mir, die Gedanken loszuwerden und ich denke, hier kann man sehr gut so eine Art Tagebuch schreiben wenn man mag.

    Also hau in die Tasten wenn dir danach ist! Ganz ohne Scham… die Leute hier wissen mit Sicherheit, was in dir vorgeht. Sie erleben oder haben es mindestens ähnlich erlebt.

    Lg glitzermücke

    Ja, man kann es wohl als "nasses" Denken beschreiben. Ich sehe es für mich so:

    Es ist eine Mischung aus Teilen meiner Persönlichkeit und „gelerntem“ Verhalten. Ich habe nicht gut gelernt, für mich Dinge zu tun. Zu schauen, dass es mir gut geht. Gefühlt war es lange etwas, was ich mir selbst sozusagen unbewusst verboten habe. Einerseits , weil ich dann ein schlechtes Gewissen hatte und dieses Gefühl gar nicht erst haben wollte-also schon mal gleich im Keim erstickt, bevor es überhaupt aufkommen konnte. Dann das Gefühl der vermeintlichen Sicherheit. Dabei war es Kontrolle, die ich geglaubt hatte zu haben. In der Realität war es nur das Streben nach dessen was sich bekannt und gewohnt angefühlt hat. Und somit war es sicher. Das ist jetzt krass ausgedrückt, ich bin nun auch niemand, der nicht für sich einstehen kann. Aber gerade in Beziehungen/Partnerschaften sind es Muster und Glaubenssätze, die irgendwann wie automatisch abgelaufen sind. Das hat sich rückblickend wie ein roter Faden durch alle Beziehungen gezogen. Den Selbstwert habe ich in Beziehungen ganz oft davon abhängig gemacht, wie viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung ich von meinem Partner bekommen hatte. Also habe ich danach mein Verhalten angepasst. Meinen Tag danach gerichtet. Mit mir allein sein ging auch nicht so gut. Dann kamen ja die blöden Gefühle, die ich dann erfolgreich weggedrückt hatte, indem ich mich mit anderen Menschen umgeben habe oder was unternommen habe mit ihnen.
    Also ja, es sind recht ähnliche Mechaniken schätze ich, wenn auch nicht der Alkohol meine Sucht ist, sondern das sich umgeben mit anderen Menschen und eben Wertschätzung und Anerkennung und Liebe und Geborgenheit etc. zu bekommen. Und davon abhängig habe ich meinen Wert definiert. Basierend auf dem unbewussten Wunsch, irgendwelche unangenehmen Gefühle nicht fühlen zu müssen, Erleichterung und Bestätigung, dass ich liebenswert bin im Außen gesucht. Und dafür Dinge getan, die mir selbst schaden und wenn ich ehrlich bin auch irgendwie ja dem anderen auch eine Verantwortung übertragen habe, die gar nicht seine ist.
    Und diese Erkenntnis hat gesessen. Mich einerseits wie eine Marionette von der Bewertung anderer abhängig gemacht zu haben. Und auf der anderen Seite, die „Schuld“ bei anderen gesucht habe, und eigentlich versucht habe, Dinge zu kontrollieren, die ich gar nicht kontrollieren kann. Und alles schön unter dem Deckmantel ich möchte nur helfen. Mal ganz vereinfacht ausgedrückt. Und nun den Weg so langsam, aber ehrlich mit sich selbst neu zu formen, ist meine Aufgabe.

    Also kurz und knapp: unbewusst reingerutscht in das Muster, die ganze Beziehung darauf ausgerichtet, das zu bekommen was ich vermisst hatte, mit quasi fast allen Mitteln, Erleichterung bekommen kurzfristig aber über Jahrzehnte, dann die Erkenntnis durch die Beziehung mit dem Alkoholiker und nun auf dem Weg in ein „trockenes“ Leben.

    Ach das muss ich doch noch aufschreiben… dieser Gedanke ist mir während des Gesprächs gestern gekommen als er wieder von seiner Tochter erzählt hatte und sagte, er fühlt sich so hilflos. Und ich habe so gedacht, dass ihm seine Tochter jetzt ziemlich hart in gewisser Weise den Spiegel vorhält (wenn es stimmt und natürlich auch nicht bewusst und es sollte natürlich auch nicht so eine Situation der „Auslöser“ sein, versteht mich bitte nicht falsch) in welchem Gefühlschaos man sich befindet. Dieser Vergleich ist nicht ganz korrekt, denn es sind zwei völlig unterschiedliche Situationen, aber die Auswirkung auf die Angehörigen ist ähnlich.

    Ich weiss gar nicht mehr was ich überhaupt noch glauben soll oder kann. Mein Partner hat mich Montag kontaktiert. Ich hatte ihn über WhatsApp blockiert, aber gar nicht dran gedacht, dass er mich dann ja trotzdem über die normale Telefonleitung auf dem Handy erreichen kann. Jedenfalls erzählte er mir unter Tränen und völlig aufgelöst, dass seine Tochter die wahrscheinlich Leukämie hat. Seine Mutter hätte ihm gesagt, er soll wieder arbeiten gehen, sonst fliegt er raus. Er wohnt dort im Obergeschoss, mit separatem Eingang, aber es ist ihr Haus. Das glaube ich nicht, dass sie das macht. Sie macht seinen Dreck da oben immer mal wieder weg und bringt die Flaschen zum Glascontainer.

    Ich weiss auch nicht 100%ig , ob die Tochter wirklich krank ist oder nicht. Aber diese Mitteilung wird doch keiner unter Tränen zurecht spinnen, oder? Jedenfalls habe ich jetzt wirklich irgendwie ein komisches Gefühl in mir. Ich halte den Kontakt weiterhin im Vergleich zu vor ein paar Wochen sehr sparsam, allerdings ging es mir am Mittwoch auch wirklich nahe, ihn so aufgelöst zu erleben am Telefon.

    Also habe ich gesagt, er kann zur Sporthalle kommen wenn er mag, ich hatte Training und wir hätten dann sprechen können. Ich hatte seit Montag Abend auch den Eindruck, er wäre nüchtern am Telefon. Er meinte, er hört auf zu trinken, er ist Alkoholiker und abhängig.

    Tja, und dann stehe ich da und warte im Auto, dass er aus dem Haus kommt und was sehe ich? Voll, nicht ohne zu schwanken stehen können, mit der Hauswand redend und ein Bein hochziehend als wollte er den Storchengang machen. :? Ich habe gedacht, ich spinne… Dann bin ich zu ihm hin, er musste sich auf die Bank neben dem Eingang setzen…hab ihm in die Augen geschaut und zu ihm gesagt: Du verarschst mich nicht noch einmal.

    Ich war soooo wütend… ich hätte ihm eine klatschen können. Und dann habe ich auf dem Hacken kehrt gemacht und bin zum Sport.

    Wütend war ich aber nicht nur auf ihn…auch auf mich selbst. Dass ich wirklich gedacht habe, er ist nüchtern, dass ich an seiner Sprache nichts gemerkt habe, obwohl die sonst das erste ist, was ich auffällig finde. Dass ich hin gefahren bin, weil ich verstehen kann wie schlimm es ist wenn man solche Nachrichten bekommt und ihn nicht allein lassen wollte in der Situation. Und wieder einen Tritt in den Allerwertesten bekommen habe - von mir selbst.

    Er hat gestern wieder angerufen, ich schaffe es noch nicht, nicht ranzugehen. Aber ich bin ein bisschen stolz auf mich trotzdem, denn ich habe mich ganz bewusst innerlich zurückgehalten. Ich war zwar zugewandt, aber ich habe ihm nicht die Emotionen abgenommen oder reguliert oder „Tipps“ gegeben, was jetzt vielleicht wichtig wäre. Und wenn er mir gesagt hat, dass er mich liebt und braucht etc, habe ich ihm gesagt, das mag sein, aber ich kann es nicht sehen. Wenn er sagte, er hat Fehler gemacht, habe ich gesagt, du wirst deine Gründe gehabt haben, du wusstest was du tust.

    So, reicht jetzt erstmal hier in meinem „Logbuch der Glitzermücke“… Morgen gehe ich in den Wellnesstempel und ich bin gespannt wie es mir gefällt, ganz alleine für mich.

    Ein Buch werde ich mitnehmen und dann bin ich ganz gespannt auf die LomiLomi-Behandlung.

    Guten Morgen Moni87,

    Ja, die Hoffnung ist ein großer Aspekt in der ganzen Geschichte. Aber sie ist eben auch etwas, was mir sagt, dass ich mir ein Ergebnis vorstelle oder ausmale, was ich gerne hätte oder wie ich es mir wünsche.
    Alles gut oder wie früher ist dann trotzdem nicht. Vermutlich verändert die Sucht auch den Menschen und die, die es schaffen, sind wahrscheinlich auch einen harten Weg gegangen, denn da anzuknüpfen wo man vor der Sucht stand, funktioniert ja nicht. Es gibt ja Gründe warum sie in die Sucht geraten sind. Einfach den Alkohol weglassen, reicht nicht, denke ich.

    Dann müsste es für uns auch deutlich einfacher sein, mit der Sache umzugehen. Uns hält auch irgendwas fest, irgendwelche Überzeugungen, Muster oder gelerntes Verhalten. Das ist bei uns auch ein Prozess. Und oft lese ich hier raus, dass es meistens der Umstand ist, dass das eigene Leiden in der Situation letztlich den Ausschlag gibt, sich aus dem Geschehen zu ziehen.

    Und das ist dann eine andere Phase wie du sagst. Allerdings ist sie dann dauerhaft für uns. Bis dahin auch immer wieder mit „Rückschlägen“ verbunden möglicherweise und auch ein Weg, der kein Spaziergang ist. Selbstwirksamkeit und den Fokus bei sich zu behalten und überhaupt auf sich selbst aufzupassen, ist auch erst zu lernen, vermute ich. Also ich weiß noch nicht so richtig, wie es geht. Aber es fängt klein an und Kleinvieh macht auch Mist. 😊

    Ich habe mir jetzt erstmal im nahegelegenen Wellnesstempel ein Ticket gebucht Anfang Mai. Da gehe ich ganz alleine hin. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich ganz bewusst niemanden mitnehme.
    Das wird bestimmt komisch für mich. Aber ich freue mich auch drauf.

    In diesem Sinne wünsche ich dir ein entspannendes Wochenende! ☀️

    Also diese Logik ist auch manchmal echt zum piepen.. wenn es nicht so ernst und traurig wäre, könnte man schon fast manchmal lachen.

    Genau, und wenn du da bist und es fühlt sich nicht gut an, dann gehst du auch wenn du möchtest.
    Ganz spontan, nach Stimmigkeit ist glaube ich eine gute Herangehensweise. Wer weiß heute schon was übermorgen ist…😉

    Planen kann man das sowieso nicht, man weiß ja nicht wie der Tag dann ist wenn er da ist. Beständigkeit ist nicht gegeben, außer die, dass sehr wahrscheinlich alles ist wie sonst auch was den Alkohol betrifft. 🤷🏻‍♀️

    Und irgendwann kommt man auch an den Punkt, dass man sich einfach sozusagen schonungslos verhält. Diese Vorsicht nichts falsches zu sagen oder zu tun, nur damit es nicht zur Diskussion kommt oder mehr getrunken wird . Dieses mit Samthandschuhen anfassen, ist auch eine Form, den vermeintlichen Frieden zu bewahren. Aber in dir tobt der Krieg. Den darfst dann alleine regulieren nachdem du die Situation vorher für den Betroffenen reguliert hast.
    So empfinde ich diese Situationen manchmal. Auch doof, oder?
    Kennst du das auch?

    Hallo Aurora,

    Vielen Dank für deine Nachricht!
    Im Moment empfinde ich es gar nicht als Erlösung. 🤔 Eher als Ausweglosigkeit, Traurigkeit und Hilflosigkeit und Bedauern. Gut geht es mir damit auch nicht. Kommt vielleicht noch. Ich vermisse, mit ihm zu lachen und zu reden und einfach sein zu können. Das war etwas, was ich bei ihm immer konnte. Egal wie schräg oder albern oder ernst oder zickig oder sonstwas ich war. Er war einfach ein sicherer „Ort“ für mich - bis ich mitbekommen habe, was los ist.
    Ich empfinde keine Schuld, dass er trinkt. Das hat er vorher schon, vielleicht habe ich das Gefühl deshalb nicht.
    Manchmal frage ich mich, ob ich ihn überhaupt jemals wirklich nüchtern erlebt habe.
    Und dann sage ich mir immer wieder als Mantra: er ist erwachsen und kann sich sein Leben so gestalten wie er es möchte und richtig findet.

    Guten Morgen Moni87,

    Ja, so meinte ich. Nicht für immer, aber dann wenn es okay ist für dich. Unabhängig davon, ob du ihn sonst regelmäßig oder zu bestimmten Anlässen besucht hast. Dass du da schaust, ob es dir damit gut geht. Dann weil du ihn sehen möchtest und nicht aus einem Pflichtgefühl heraus zb oder so. So meine ich. Geburtstag, Feiertage sind ja gerne so Anlässe, die eine gefühlte Verpflichtung hervorrufen können den Eltern gegenüber. Weil es sind ja die Eltern so nach dem Motto.
    Oder das man sich einfach offen hält, wie lange man bleibt. Für das eigene Gefühl ist es unter Umständen wichtig hinzufahren, aber dann reicht vielleicht auch ein gemeinsamer Kaffee oder was und wenn du merkst, es ist einseitig dann gehst einfach wieder.
    Dass man sich damit nicht unter Druck setzt. Und vielleicht für danach gleich noch was schönes vornimmt, damit man sich was Gutes tut. Dann nehmen die Traurigkeit oder generell die Gefühle und Gedanken nicht sofort so viel Raum ein.

    Ja, wir haben immer noch mal Kontakt. Also schon täglich von seiner Seite aus, aber es ist auch immer dasselbe. Über Nachrichten kommt sein Selbstmitleid und er wäre nichts wert und nie genug und gleichzeitig ich bin tot für ihn und er ist raus. Und am Telefon große Liebesbekundung.
    Ich glaube, dass er deutlich mehr trinkt seit wir uns nicht mehr sehen.
    Allerdings merke ich, dass ich langsam aufhöre zu reden. Ich will nicht mehr mit Engelszungen auf ihn einreden.
    Es bringt sowieso nichts.
    Ich habe ihn gestern auch spontan und kühn blockiert. Ich war so dermaßen genervt von diesem hin und her Geeier und die Krönung war dann so ein Reel wo gesagt wird: meine Reise gehört mir, mein inneres ist meine Festung und niemand hat das Recht sich einzumischen und zu urteilen.
    Damit hat er absolut recht. Unterschreibe ich zu 💯 Prozent.
    Allerdings ist das keine Einbahnstraße. Und ich kann für mich entscheiden, diese Reise nicht mehr mitzugehen. Und wenn er das Gefühl hat, ich urteile oder mische mich ein, dann ist keine Reaktion wohl die beste Antwort. Das er das offensichtlich so sieht, hat mich getroffen.
    Ich lasse den Kontakt jetzt erstmal auf blockiert, mal sehen wie es mir damit geht.

    Ich glaube gleichgültig sind wir ihnen nicht. Ich denke eher, dass das ursprüngliche Gefühl in den Hintergrund rückt. Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass Alkohol im Kopf auf eine funktionelle Bremse für Emotionen drückt, sie also verstärkt. Ich glaube nicht, dass das Gehirn einen Unterschied machen kann zwischen guten und negativen Emotionen. Dann wird wohl alles an Emotionen gedeckelt.

    Und solange man immer noch mal eincheckt, sieht es für deinen Vater vielleicht auch wirklich so aus, als wäre alles okay. Meinst du, ihm würde es auffallen wenn du plötzlich nicht mehr zu Besuch kommst?

    Hallo Moni87,

    Vielen lieben Dank für deine Nachricht!

    Ja, rational ist es der einzige Weg für mich. Allein schon, weil ich es nicht noch einmal erleben möchte und es scheinbar nicht einmal in einem nüchternen Zustand „sicher“ ist, mit ihm Zeit zu verbringen. Mir war nicht bewusst, dass so ein epileptischer Anfall nach 3 Tagen Nüchternheit auftreten kann. Und dass man 3 Stunden später sich selbst aus dem Krankenhaus entlässt.
    Wie auch immer… Ich habe ihm gesagt, ich möchte ihn gar nicht mehr sehen bis er einen klinischen Entzug und anschließend psychischen Entzug macht. Daran halte ich mich. Wahrscheinlich sehe ich ihn nie wieder.
    Aber den Kontakt komplett abbrechen, schaffe ich nicht. Oder noch nicht. Ich reagiere äußerst wenig auf Nachrichten. Telefonate seit dem nur das wo er sich bedankt hat, dass ich ihm geholfen hab an dem Tag. Sonst nicht mehr. Dann würde eh nur wieder die Endlosschleife kommen von er wäre nichts wert, nie genug gewesen und hätte er jemals mich schlecht behandelt etc…

    Es macht mich traurig, ihn so zu sehen. Er ist ein toller Mann und selbst betrunken reflektiert und tiefgründig. Weiß nicht wie er das hinkriegt, noch klare Gedanken zu haben dann. Nur das Thema Alkohol und Abhängigkeit spaltet er manchmal komplett ab. Als würde es nicht existieren.
    Dann wiederum redet er davon als wäre ihm alles bewusst. Seltsam oder?
    Ist das bei deinem Vater auch so?

    Und ja, es ist wahrscheinlich eine ganz andere Situation für dich (wenn auch runter gebrochen auf die Fakten und alles an Emotion und Verbindung beiseite geschoben die gleiche Situation) , du bist anders gebunden.
    Allerdings hast ja auch du das Recht, für dich selbst zu entscheiden, was in deinem Leben einen Platz haben darf und was nicht und wenn ja in welcher Form. Biologie hin oder her. Es muss auch nicht bedeuten, daraus sofort ein für immer zu machen. Aber die Akzeptanz, nicht mehr einer Illusion nachzujagen, und die Realität so zu sehen wie sie momentan ist, ist halt auch kein Bonschi🍬 in unseren Situationen. Für niemanden auf keiner „Seite“.

    Lg Glitzermücke

    Hallo zusammen,

    Ich habe mich hier angemeldet, um mich mit meiner Situation auseinanderzusetzen und hier auch schon eine Weile still gelesen. Ich frage mich, ob ich co-abhängig bin und warum es so schwer ist, mit den Tatsachen auf dem Tisch (mein Kopf weiß das alles und wird hier auch immer wieder „bestätigt“ ) den Weg der Vernunft zu gehen. Das Herz will irgendwie nicht mitgehen. Oder nur ich nicht? Das ist doch irgendwie bescheuert.
    Bin durcheinander, geschockt vom Wochende (musste den Krankenwagen für meinen Partner rufen) und trotzdem fällt mir loslassen schwer.
    Vielleicht möchte ich mir auch nur von der Seele schreiben. Denn eigentlich weiß ich ja Bescheid, die Fakten liegen auf dem Tisch. Vielleicht bin ich auch einfach entsetzt wie krass die Sucht sich zeigt und ich war einfach nur zu naiv und mir nicht bewusst über das Ausmaß der Sucht. Ich glaube, ich muss erstmal meine Gedanken sortieren.