Beiträge von Nebelglas

    Vielen Dank.

    Ja, auch diesen Fall decken die Szenarien ab. Wir werden sehen, ob er es schafft sie einzuhalten oder es dann an dieser Stelle endgültig vorbei ist. Er hat ganz groß beteuert, dass es diesmal ganz anders wird und sowieso und überhaupt. Ich weiß aber auch, dass man dem einfach nicht vertrauen kann.

    Leider bin ich selbst sehr vorbelastet. Meine Mutter ist gestorben als ich 12 war und ab diesem Zeitpunkt musste ich mich um meinen alkoholkranken Vater kümmern. Der sich selbst Zeit seines Lebens ebenfalls in der Opferrolle sah.

    Um das alles aufzuarbeiten habe ich überhaupt erst eine Therapie angefangen und an und für sich bin ich auch schon damit weit gekommen und konnte das gut bearbeiten.

    Aber das reißt einfach viele alten Wunden wieder auf und triggert dort wo ich dachte, dass es nicht mehr weh tut. Vor allem auch, weil der Freund als Betrunkener ziemlich dasselbe Gehabe hat wie mein Vater es hatte.

    Und gerade auch dieses Verantwortung an mich abgeben wollen, meine Gefühle klein reden, mir Schuldgefühle einreden - das sind Dinge, wo ich mich wieder fühle als wäre ich 12 Jahre alt. Und es funktioniert oberflächlich, es taucht immer wieder in meinem Kopf auf: vielleicht reagierst du wirklich über. Das war schon gemein von dir, er kann ja nichts anders, er ist ja süchtig.

    Aber Dank Therapie weiß ich, dass das vorbei geht.

    Ich glaub ein Teil in mir will immer noch sehr verzweifelt versuchen "den Vater" im Archetypen des Freundes zu retten und träumt von einer wirklich ehrlichen Entschuldigung und Übernehmen der Verantwortung. Quasi stellvertretend.

    Aber immerhin bin ich so reflektiert das zu erkennen und so realistisch um zu wissen, dass das vermutlich nie passieren wird. Und dass ich mich da einfach sehr distanzieren muss.

    Aber dieser Austausch hier hilft wirklich enorm, ich fühle mich so verstanden und gesehen :)

    Danke für eure Antworten und eure Unterstützung :)

    Ja, es gibt verschiedene Notfallpläne für verschiedene Szenarien. Die habe ich gemeinsam mit meiner Therapeutin ausgearbeitet, ich denke, sie sind ganz solide.

    Zusätzlich war seine Lebensgefährtin dabei bei dem Gespräch und kennt nun alle Pläne und auch unseren Standpunkt in der Sache, sie wird ein Auge auf ihn haben und notfalls die Exit-Strategien durchsetzen, wenn er es nicht kann.

    Mein Mann würde voll hinter mir stehen, wenn ich sage, ich fühle mich nicht wohl mit ihm und ihn ausladen, respektive die Freundschaft beenden.

    Aber ich möchte ihn seine eigenen Erfahrungen machen lassen, der Entschluss mit seinem eigenen besten Freund zu brechen muss meiner Meinung nach alleine von ihm kommen. Auch wenn davor noch mehr Schmerz und Enttäuschung sein wird, wie ich ja schon sehr genau weiß.

    Ich werde mich dagegen aus dieser Freundschaft zurück ziehen. Wir haben uns so weit angenähert bei dem Gespräch, dass es nicht super seltsam ist, wenn wir uns wo treffen, aber mehr wird da für mich nicht mehr sein. Muss aber auch nicht, ist ja nicht mein bester Freund.

    Und vielleicht schafft er ja wirklich irgendwann den Absprung und kann erkennen, wie die Situation wirklich war. Aber bis dahin werden sich unsere seltenen Gespräche um das Wetter und das Essen drehen. Alles andere hat keinen Sinn. Und ob es ein danach gibt wird man sehen.

    Danke für eure Antworten :)

    Wir hatten nun gestern die aussprache - so lange hat es gedauert, bis wir ihn quasi nüchtern angetroffen haben. Er ist definitiv Alkoholiker, das sagt er von sich selbst. Aber er ist noch in seiner "Ich kann eh jederzeit aufhören, so schlimm ists nicht." - Phase.

    Und ja, dieses Gespräch war für mich ebenfalls ernüchternd.

    Ich habe vorher mit meiner Therapeutin sehr genau durchgesprochen, was ich sagen möchte etc.

    Er hat sich entschuldigt, auch sehr ehrlich, ich glaube wirklich, dass es ihm Leid tut - und dann kamen eine Million Abers.

    Wie gemein das nicht von uns ist, dass wir da so ein Drama drum machen. Es waren nur 3 Bier und wir bauschen das da jetzt alles so arg schlimm auf. Und überhaupt, er hat das einfach trinken müssen, denn er hat so viel Stress. Und was wir da jetzt für eine Hexenjagd veranstalten, nur weil er 3 Bier getrunken hat. Wir hätten ihm halt sagen sollen, dass er heimgehen soll, aber wir haben nichts gesagt, also muss es ja wohl okay gewesen sein für uns. Die anderen Gäste (die ihm gesagt haben wie scheisse sie dieses Verhalten finden) waren so gemein zu ihm und er so arm, weil alle sind auf ihn losgegangen.

    Aber im August da wird das ganz anders, da ist der Stress dann vorbei und er braucht den Alkohol nicht mehr und da trinkt er ganz bestimmt nichts, überhaupt ist er dann schon trocken. Und er wird das alles wieder gut machen.

    Er ist der beste Freund meines Mannes, deshalb habe ich mich viel zurück gehalten. Mein Mann möchte ihm gerne noch eine Chance geben.

    Ihn auszuladen würde sein Ego derart kränken, dass es einem Kontaktabbruch gleich käme, denn er ist ja das arme Opfer.

    Aber ich war sehr, sehr klar wie wir uns das vorstellen im August und welche Konsequenz ein weiterer Fehler in diese Richtung bringt. Immerhin das.

    Unterm Strich bedeutet das für mich, dass ich mich aus dieser Freundschaft sehr weit zurück ziehe.

    Scheisse bauen ist eine Sache, aber sich dann selbst künstlich in die Opferrolle hineinwinden und keine Verantwortung dafür übernehmen eine andere.

    Jemand hat gefragt wo meine Wut ist.

    Und hier ist sie jetzt. Ich sitze nach diesem Gespräch hier und hab so eine Stinkwut im Bauch. Ich möchte ihn anbrüllen und ihm an drn Kopf werfen, was für ein verdammter Scheisskerl er ist, der mir jetzt auch noch die Schuld gibt für seine Fehler.

    Aber ich weiß von meinem Vater, dass das einfach keinen Sinn hat. Er windet sich nur noch tiefer in die Opferrolle.

    Deshalb ist das einzige was ich jetzt tun kann den Kontakt auf so wenig wie möglich beschränken und mich sehr, sehr abzugrenzen.

    Und das tue ich auch.

    Vielen Dank, hier passt es gut hin, denke ich :)

    Ihn auszuladen für die große Feier steht im Raum. Es wäre allerdings fürchte ich gleichbedeutend mit einem Kontaktabbruch, weil er sehr beleidigt reagieren würde.

    Prinzipiell bin ich bereit diesen Schritt zu gehen. Aber es wäre mir einfach lieber ihn zu vermeiden.

    Das aber widerrum bedeutet, dass wir um ein klärendes Gespräch nicht herumkommen werden. Denkt ihr es wäre sinnvoll einen Brief zu schreiben?

    Vielen, lieben Dank!

    Folgende Geschichte konfrontiert mich nun wieder mit dem Thema:

    Ich habe vor 3 Tagen meinen Mann standesamtlich geheiratet. Wir haben uns aufgrund meiner Vorgeschichte für eine Dry Wedding (also eine Hochzeit ganz ohne Alkohol) entschieden und das entsprechend an die Gäste kommuniziert.

    Der beste Freund meines Mannes war sein Trauzeuge. Wir kennen F. schon lange. Vor etwa einem Jahr hat er eingesehen, dass er ein Alkoholsuchtproblem hat und sich auch professionelle Hilfe bei einer Suchtberatung geholt. Allerdings nur sehr oberflächlich, denn sobald es um den tatsächlichen Entzug ging, hat er immer wieder Rückzieher gemacht. Hat sich eingeredet, er ist trocken, weil er nur 4 Bier getrunken hat statt 8. Uns gegenüber hat er aber immer wieder betont, wie gut es ihm jetzt gehe ohne Alkohol und wie toll er das schaffe etc. Wir haben uns natürlich gefreut für ihn und ihn unterstützt.

    Als es dann um die Frage ging, ob F. Trauzeuge werden will, haben wir sehr klar kommuniziert, dass wir uns eine Hochzeit ohne Alkohol wünschen, ob das für ihn denn gehe? Ja, das sei überhaupt kein Problem, er sei ja quasi schon trocken und überhaupt braucht er ja gar keinen Alkohol.

    Nun, das Ende vom Lied führt uns zurück auf unsere Hochzeit vor 3 Tagen.

    Er kam bereits mit einem mächtigen Schwips auf die Hochzeit. Hat sich dann dort mit ein paar anderen zusammengetan und sich vor der Tür des Lokals (irgendjemand hatte Alkohol im Kofferraum und verteilte ihn) völlig abgeschossen. Uns, dem Brautpaar, ist er den ganzen Tag geflissentlich aus dem Weg gegangen, weil wir seine Fahne nicht riechen sollten. Aber irgendwann fiel natürlich der torkelige Gang und das Lallen auf.

    Als meine Trauzeugin und 2 andere meiner Freunde ihn darauf ansprachen, dass das eine richtig, richtig bescheidene Aktion ist, kamen ganz viele "gute Gründe". Er habe so viel Stress, es gehe ihm im Moment nicht gut und überhaupt hätten ja die anderen auch getrunken.

    Als er als Antwort bekam, dass nichts davon diese Aktion entschuldigt, wurde er ausfallend und ungut zu den betreffenden Leuten.

    Kurz vor dem Gehen hat er mir eine halbseidene Entschuldigung ins Ohr geleiert, die auch noch eine Lüge war (er hätte zuhause getrunken und das täte ihm leid, obwohl er dabei gesehen wurde, wie er aus dem Kofferraum vor unserer Location mitgetrunken hat). Das habe ich schnell abgewiegelt und gesagt, ich will darüber nicht reden. Das ging in dem Moment einfach überhaupt nicht für mich. Da ist er dann gegangen.

    Alles, was wir bis jetzt von ihm gehört haben, war, wie gemein und unfair es ist, dass wir böse auf ihn sind, denn die anderen haben schließlich auch getrunken.

    Die Konsequenz für die anderen, beteiligten Gäste ist übrigens ein Kontaktabbruch. Also wenn unser Verhalten unfair ist, dann zu seinen Gunsten.

    Leider hat mich diese ganze Situation sehr getriggert und von ihm sind wir einfach besonders enttäuscht. Denn die anderen waren eben nicht Trauzeuge und wussten auch nichts von meiner Vergangenheit. Er dagegen schon.

    Ich weiß genau, dass es mir nicht gut tut, wenn wir das Thema besprechen, denn es werden nur mehr Ausflüchte und Gründe kommen, wieso er keine Verantwortung für sein Verhalten trägt.

    Die Konsequenz Kontaktabbruch wiederum ist etwas, das eigentlich niemand will, denn eigentlich mögen wir ihn ja als Freund. Andererseits werde ich nicht noch einmal einen Suchtkranken mitschleppen. Ich weiß, dass er uns nicht absichtlich und vorsätzlich hat verletzen wollen. Das ändert aber nichts daran, dass er es getan hat.

    Nun ist in knapp einem Monat unser großes Hochzeitsfest mit all unseren Freunden. Und er wäre natürlich wieder Trauzeuge. Wir feiern ein ganzes Wochenende, mit Übernachtungen für die Gäste, wieder Dry Wedding. Das werden 3 Tage sein. Bei unserem Standesamt hat er es nichtmal ein paar Stunden geschafft.

    Aber wie soll ich, sollen wir, ihm nach dieser Aktion noch vertrauen können? Mal abgesehen davon, dass die anderen Gäste, zu denen er ungut war, sich mit seiner Anwesenheit nicht besonders wohl fühlen, verständlicherweise.

    Und nun sitze ich hier wirklich ratlos, was ich aus dieser vertrackten Situation machen soll. Wie ansprechen? Was sagen? Welche Konsequenz?

    Gleichzeitig merke ich, wie ich wieder in ein altes Muster zurückfalle und mir selbst die Schuld für diese Situation gebe, was mir besonders nicht gut tut.

    Ich freue mich über eure verschiedenen Blickwinkel und Denkanstöße, ich bin offen für jeden Vorschlag!

    Ich wünsche den Nachtschwärmern eine gute Nacht :)

    Ein freundliches Hallo aus einer kleinen Ecke in Österreich.

    Ich bin 37 Jahre alt und mit meinem alkoholkranken Vater aufgewachsen. Ich musste ab meinem 12. Lebensjahr, nach dem Tod meiner Mutter, die Verantwortung für ihn übernehmen. Bis er 2014 gestorben ist konnte er dem Alkohol nicht entfliehen.

    Ich selbst lebe seit jeher komplett abstinent, meine Psyche diktiert mir, dass Alkohol widerlich ist und mir wird ab dem ersten Schluck übel. Meine Vergangenheit habe ich durch viel Therapie ganz gut aufgearbeitet.

    Nun bin ich aber wieder mit dem Thema konfrontiert und es triggert mich. Ich fühle mich machtlos, unsicher, wütend, enttäuscht. Und daher hoffe ich auf unterschiedliche Sichtweisen.