Beiträge von Vroni

    Hallo Chaoskat

    ich bin auch Kind eines Alkoholikers, der vorletztes Jahr gestorben ist. Alles was du schreibst, könnte ich genauso unterschreiben. Ich habe vor 1,5 Jahren die Diagnosen ADHS und Autismus bekommen. Nachdem ich mich lange damit beschäftigt hatte, habe ich festgestellt, dass ich unheimlich viele Symptome habe, es nur wahnsinnig gut getarnt hatte. Inzwischen bin ich mir sicher, dass sowohl meine Eltern als auch ein Großteil der Familien ebenfalls betroffen waren und sind.

    Ich habe auch immer gedacht, ich bin anders oder gehöre nicht dazu, weil meine Familie irgendwie falsch ist. Jetzt weiß ich aber, dass ich einfach ein anderes Nervensystem habe. Leider hat man damit auch ein höheres Risiko süchtig zu werden.

    Es ist wirklich hart. Wenn es einem meiner Kinder so furchtbar geht, dann fühle ich das extrem mit. Bei vielen anderen Dingen weiß ich halt aus Erfahrung, dass es irgendwann besser wird, aber bei dieser Droge könnte er auch sterben, wenn er nicht rechtzeitig Hilfe bekommt.

    Und das ist ganz furchtbar, wenn ein so junger Mensch immer wieder sagt, dass er das Gefühl habe, er komme nie wieder in Ordnung und er möchte so nicht weiterleben.

    Ich musste mich heute krank melden, weil es mich gerade völlig umgehauen hat. Nach drei Monaten Suchtklinik ist mein Sohn anschließend anscheinend völlig abgestürzt und hat noch viel häufiger Koks konsumiert. Seine Freundin musste heute nacht den Krankenwagen rufen, weil es ihm nach einer hohen Dosis sehr schlecht ging.

    Es ist so schrecklich, mit ansehen zu müssen, wie ein so kluger Mensch, dem das ganze so bewusst ist, trotzdem nicht aufhören kann zu konsumieren. Er sagt, er will unbedingt aufhören und kann es einfach nicht. Ich hoffe, er geht jetzt wieder in die Klinik, auch wenn das bedeutet, dass er seinen Arbeitsplatz verliert und die Wohnung aufgeben muss. Ich kann verstehen, dass er riesige Angst hat. Gefühlt verliert er alles und hat auch noch Angst, dass ihn seine Freundin verlässt und er gar nicht mehr leben möchte.

    Vielen Dank für eure lieben Worte. Es geht mir total schlecht. Ich würde mich am liebsten irgendwo verkriechen und nie wieder rauskommen. Ich liebe meinen Sohn so sehr und kann die Situation gerade kaum aushalten. Mir ist in den letzten Tagen erst klar geworden, dass er seit Jahren abhängig gewesen sein muss und ich das nicht realisiert habe. Im Nachhinein interpretiere ich einige seiner Bemerkungen ganz neu. Ich komme mir unendlich dumm und naiv vor. Das blöde ist, dass ich zwar echt intelligent bin, aber nicht zwischen den Zeilen lesen oder hören kann. Ich frage mich jetzt, ob sein Bruder und sein Vater schon lange wussten, dass er abhängig ist.

    Heute abend hat mein Sohn seinen Bruder angerufen und gesagt, dass er Beruhigungsmittel geschluckt habe und jetzt sterben wolle, aber dabei nicht allein sein wolle. Nachdem sein Bruder eine halbe Stunde mit ihm geredet hat , hat er den Hörer an mich weitergegeben. Ich habe ihn dann gefragt, wie viele Tabletten er genommen hat und wie lange das her ist und er meinte, das wäre schon acht Stunden her und es wäre jetzt auch egal, es würde auch nicht mehr wirken und er würde jetzt einfach schlafen gehen. Er sagte, er wolle seine Freundin noch anrufen und ich könnte später ja noch mal durchrufen.

    Seinem Bruder hatte er vorher gesagt, er hätte 13 Beruhigungstabletten genommen, was eine gefährlich hohe Dosis wäre. Ich habe dann im Internet recherchiert und gelesen, dass ein Atemstillstand drohen könnte. Daraufhin habe ich noch einmal versucht ihn zu erreichen, ebenso sein Bruder und seine Freundin. Als wir ihn dann gar nicht erreichen konnten, habe ich den Notruf angerufen.

    Ich konnte kaum sprechen, weil ich so gezittert habe und musste mir dann noch die Telefonnummer der 600 km weit entfernten Rettungsstation geben lassen, weil mein Sohn gerade in Süddeutschland wohnt und ich hier in Norddeutschland sitze. Mein anderer Sohn hat dann auf meine Bitte die Rettungsstation in Süddeutschland angerufen und um Hilfe gebeten.

    Sie haben einen Rettungswagen und die Polizei hingeschickt, weil nicht sicher war, ob sie die Tür aufbrechen müssten. Wegen des Suizidverdachts müsste er mit ins Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin hat er mir dann geschrieben, dass er mich nie wieder sehen will und ein Kontaktverbot erwirken würde. Das gleiche hatte er mir noch mal aus dem Krankenhaus geschrieben, aber auch, dass er mich jetzt anrufen müsse, weil die Ärztin das so wolle.

    Ich habe dann erst einmal mit ihm gesprochen. Er hat gesagt, dass es ihm jetzt schon besser ginge und dass er jetzt nach Hause wolle und schlafen. Er habe halt am Abend vorher etwas genommen und über 1000 € ausgegeben und wolle jetzt schlafen und morgen einfach nur zur Arbeit und seine Freundin vom Flughafen abholen. Das alles sagt er total nett und freundlich, als sei er völlig nüchtern.

    Seiner Freundin hatte er kurz vorher gesagt, dass er Schluss mit ihr macht und all ihre Sachen aus der gemeinsamen Wohnung in den Keller stellen würde und sie eine Woche Zeit hätte sich etwas Neues zu suchen.

    Die Ärztin wollte mit mir sprechen. Sie sagte mir, sie müsse entscheiden, ob er für die Nacht zwangseingewiesen werden sollte oder entlassen werden könnte. Ich habe ihr gesagt, dass er bereits zum zweiten Mal angerufen hätte mit einem genauen Plan sich umzubringen und dass ich Angst hätte, dass es ihm, wenn er von den Medikamenten und der Droge runterkomme, wahrscheinlich psychisch und physisch sehr schlecht ginge und er nicht alleine sein sollte. Sie hat sich für das Telefonat bedankt und daraufhin anscheinend entschieden, dass er eingewiesen werden sollte.

    Kurze Zeit später habe ich von seiner Freundin erfahren, dass er der Polizei weggelaufen ist. Er hat mich dann auf dem Telefon blockiert und sich zum Glück von seinem Bruder und seinem Vater überreden lassen, sich bei der Polizei zu melden und mit einem Taxi nach Hause zu fahren.

    Mir geht's jetzt hundeelend und ich hoffe, dass er die Nacht übersteht. Ich denke, er geht davon aus, dass er zu Hause einfach in Ruhe seinen Drogenrausch ausgeschlafen hätte und nur weil ich die Polizei informiert habe, hat er diese Odyssee hinter sich, Ärger mit der Polizei und hat versehentlich mit seiner Freundin Schluss gemacht, weil er dachte, sie hätte den Notruf gewählt.

    Ich lasse ihn gerne glauben, dass ich diejenige war, die den Notruf getätigt hat und mit der Polizei gesprochen hat. Ich hoffe einfach mal, dass er bei klarem Verstand versteht warum wir Hilfe geholt haben.

    Solange er nichts mit mir zu tun haben will, kann ich die Zeit hoffentlich nutzen, um mit der Situation klarzukommen. Das ist jetzt das dritte Mal, dass mein Sohn mir konkret sagt, dass er nicht mehr leben will. Auch wenn ich weiß, dass ich niemanden davon abhalten kann sich umzubringen, bricht es mir trotzdem jedes Mal das Herz zu sehen wie er leidet.

    ;(

    Hallo,

    ich bin Tochter eines inzwischen verstorbenen Alkoholikers und Mutter eines Sohnes, der Alkohol und Kokain konsumiert. Ich habe erst vor zwei Tagen erfahren, dass mein Sohn regelmäßig konsumiert bis hin zu lebensgefährlichen Abstürzen. Ich habe Angst um ihn und würde ihm so gerne helfen, weiß aber, dass er das alleine schaffen muss. Ich bin total traurig, dass er mir erst jetzt die ganze Wahrheit erzählt hat. Ich kann aber gut verstehen mit wie viel Scham das ganze behaftet ist.

    Ich bin 57 Jahre alt, Tochter eines vor 2 Jahren verstorben Alkohol- und Schmerzmittelabhängigen und Mutter eines Alkohol-und Kokain abhängigen Sohnes.

    Ich möchte meinen Sohn auf seinem Weg in die Abstinenz begleiten und eine liebevolle aber gesunde Beziehung zu ihm aufrecht erhalten.