Beiträge von Hannah

    Riesige Motivation vs. Angst vor dem „Überdrehen“ – Wie viel Veränderung verträgt der Anfang?

    Hallo zusammen,

    ich bin heute an meinem neunten Tag ohne Alkohol und merke, dass sich gerade eine gewaltige Welle an Optimismus und Motivation in mir breitmacht. Ich habe das Gefühl, am liebsten direkt alles anpacken und verändern zu wollen, was mich belastet.

    Konkret geht es dabei um meinen Job. Ich arbeite in der Pflege. Die ständigen Schichten, die Wochenend- und Feiertagsdienste und das permanente Einspringen im Frei gehen extrem an meine psychischen Reserven. In der Vergangenheit hat das meinen Suchtdruck massiv befeuert. Gerade nach den Nachtdiensten, wenn ich tagsüber nicht schlafen konnte, aber genau wusste, dass um 12 Uhr die Kinder aus der Schule kommen und ich wieder funktionieren muss...das war ein brutaler Kreislauf.

    Ich hätte jetzt sogar schon eine konkrete, ruhigere Option in Aussicht: Eine Freundin hat mich schon ein paar Mal gefragt, ob ich nicht bei ihr in der Arztpraxis anfangen möchte. Ich könnte dort mit reduzierten Stunden einsteigen. Allerdings wäre das ein komplett neuer Bereich für mich... ich bin schließlich Pflegefachkraft und keine medizinische Fachangestellte. Es wäre also mit völlig neuen Herausforderungen verknüpft.

    Ich bin gerade total hin- und hergerissen:

    Auf der einen Seite denke ich mir: Nutze die Energie jetzt! Geh die Baustelle an, um diesen riesigen Trigger Schichtdienst loszuwerden. Die neuen Herausforderungen in der Praxis könnten mir auch eine richtig tolle, positive Ablenkung und eine neue Struktur geben.

    Auf der anderen Seite habe ich eine riesige Scheu davor, mich jetzt völlig zu übernehmen. Ich habe Angst, dass der Neustart in einem fremden Bereich mich zu sehr stresst, ich durch dieses ganze Überengagement am Ende in ein tiefes Loch falle und mein eigentliches Ziel – die Trockenheit – gefährde.

    Wie sind da eure Erfahrungen aus der Anfangszeit? Habt ihr direkt größere Lebensbaustellen wie einen Jobwechsel angepackt, oder ist es sicherer, erst mal nur das Fundament stabilisieren zu lassen?

    Ich freue mich sehr auf eure Gedanken!

    Liebe Grüße,

    Hannah

    Hallo Tabsi,
    dein Beitrag trifft mich mitten ins Herz. Das Thema Kinder ist auch für mich der wichtigste Grund, warum ich diesen Weg gehe. Ich möchte einfach, dass meine drei Kinder sich wieder richtig gesehen fühlen und sich niemals für mich schämen müssen.
    Mir ist wichtig klarzustellen: Meine Kinder sind nie ungepflegt oder ohne Essen und Trinken aus dem Haus gegangen. Das hat immer gestimmt. Aber die Auswirkungen waren trotzdem da: die Unberechenbarkeit meiner eigenen Stimmung je nach Pegel, die Hektik am Morgen oder abends die geschlossene Schlafzimmertür, damit niemand die Fahne riecht. Auch im Alltag ging vieles unter. Elternbriefe zum Beispiel, die man abends in seinem eigenen Film nur kurz abgenickt, weggelegt und am nächsten Tag vergessen hat. Es hat den Kindern einfach an echter, verlässlicher Aufmerksamkeit gefehlt.
    Heute bin ich an meinem neunten Tag ohne Alkohol und erlebe, wie sich das verändert. Heute Morgen hatten wir plötzlich Zeit und Ruhe. Während mein Sohn sich fertig gemacht hat, konnte ich meinen beiden Mädels in aller Ruhe Flechtfrisuren und Locken machen. Sie haben diese ungeteilte Aufmerksamkeit unheimlich genossen.
    Ich habe tatsächlich sogar schon darüber nachgedacht, ob ich offen mit meinen Kindern darüber sprechen soll. Aber ich glaube, sie sind einfach noch zu jung, um das in seiner Gänze zu verstehen, und ich will ihnen mein Problem auch nicht aufbürden. Mein Impuls kam aus dem tiefen Wunsch, ihnen zu erklären: „Es lag nie an euch, dass Mama manchmal so daneben war.“ Aber ich glaube fest daran, dass Taten hier viel mehr zeigen als Worte. Wenn ich jetzt dauerhaft nüchtern bleibe, wird sich dieses neue, verlässliche Gefühl in ihren Köpfen verfestigen. Sie werden die Vergangenheit vielleicht nicht komplett vergessen, aber sie werden erleben, wie die Mama jetzt ist.
    Natürlich sitzt das schlechte Gewissen tief, wenn man weiß, wo die Kinder zu kurz gekommen sind. Aber es bringt nichts, nur in der Schuldhaftigkeit zu verharren. Ich möchte das jetzt als Chance nutzen, positiv nach vorne schauen und an mir arbeiten, um diese Fehler Schritt für Schritt wieder auszumerzen und die Beziehung zu meinen Kindern in die richtigen Bahnen zu lenken.
    Danke für diesen wichtigen Impuls!
    Liebe Grüße,
    Hannah

    Nayouk, danke für deine klare Perspektive. Dass das „Draußen“ erst mal zweitrangig sein darf, nimmt mir tatsächlich eine enorme Last von den Schultern. Du hast völlig recht: Der Fokus liegt jetzt erst mal nur bei mir und auf meiner eigenen Ehrlichkeit.

    Der Satz „Nur nicht trinken reicht nicht!“ leuchtet mir absolut ein. Genau deshalb bin ich hier...ich möchte nicht nur aufhören, sondern lernen, wie man sich Schritt für Schritt ein zufriedenes, nüchternes Leben aufbaut.

    Deine Nachricht macht mir auf jeden Fall Mut, dass dieser Weg funktioniert. Ich werde mir heute Abend ganz in Ruhe die Grundbausteine durchlesen.

    Viele Grüße

    Hannah

    Hallo Nayouk,

    vielen Dank für das Willkommenheißen und die schnelle Freischaltung!

    Alles klar, die Regel merke ich mir und halte mich in den nächsten Wochen im Vorstellungsbereich erst mal zurück.

    Ich freue mich auf den Austausch hier.

    Viele Grüße

    Hannah

    Danke für den tollen Tipp und die Links! Ich habe die Beiträge bisher nur ganz kurz überflogen.
    Ich werde mir das aber heute Abend, sobald meine Kids im Bett sind und hier Ruhe eingekehrt ist, ganz intensiv und in aller Ruhe durchlesen. Ich freue mich schon darauf, mich da heute Abend mal richtig durchzustöbern und durchzuschmökern!
    Liebe Grüße

    Hallo Elly,

    vielen Dank für das herzliche Willkommenheißen und deine Nachricht!

    Zu deiner ersten Frage: Ja, meine Hausärztin betreut mich da wirklich sehr gut. Sie hat mir direkt Blut abgenommen, um meine Werte zu checken, und mich für zwei Wochen krankgeschrieben, damit ich erst mal zur Ruhe kommen kann. Sie hat mir auch ganz klar angeboten, dass ich jederzeit medikamentöse Unterstützung von ihr bekommen kann, falls die Entzugssymptome oder der Suchtdruck zu stark werden. Ich soll mich bei jedem gesundheitlichen Problem sofort bei ihr melden. Ich fühle mich da also medizinisch absolut sicher begleitet.

    Ich bin jetzt seit acht Tagen komplett abstinent ... genau seit dem Tag nach dem Vorfall an der Schule.

    Und ja, mein Ziel ist ganz klar die lebenslange Abstinenz. Ich möchte dieses Versteckspiel und die ständige Scham nie wieder erleben und dauerhaft ohne Alkohol leben.

    Liebe Grüße,

    Hannah

    Hallo Stehaufmännchen, hallo Tabsi,

    vielen lieben Dank für eure schnellen und so verständnisvollen Worte! Ich bin wirklich überrascht und total dankbar, dass nach so kurzer Zeit schon eine Antwort von euch kommt. Das gibt mir gleich ein richtig gutes Gefühl.

    Der Austausch mit euch ist mir unglaublich wichtig, weil es im privaten Umfeld einfach verdammt schwer ist, offen darüber zu reden. Da blockieren mich die Angst und die Scham im Moment noch viel zu sehr. Hier bei euch habe ich das Gefühl, dass ich einfach ehrlich sein kann, ohne dass jemand mit dem Zeigefinger auf mich zeigt.

    Es hat mich unendlich viel Überwindung gekostet, mir einzugestehen, dass ich es allein nicht mehr schaffe. Aber jetzt, wo ich es hier einmal laut ausgesprochen habe, fällt mir schon ein kleiner Stein vom Herzen.

    Ich freue mich darauf, hier bei euch zu lesen und mich mit euch auszutauschen.

    Liebe Grüße,

    Hannah

    Hallo Barthel,

    ja ich sehe mich definitiv als Alkoholikerin.

    Zu deiner zweiten Frage: Der Wunsch, alkoholfrei zu leben, war eigentlich schon länger als leise Stimme in meinem Kopf da. Ich wusste tief im Inneren schon eine ganze Weile, dass mein heimliches Trinken am Abend nicht normal ist. Aber ich habe es mir lange Zeit schön geredet und verdrängt. Erst der Vorfall an der Schule vor ein paar Tagen hat aus diesem leisen Wunsch eine absolut feste, lebensnotwendige Entscheidung gemacht. Ich will und kann so nicht mehr weitermachen.

    Hallo zusammen,

    ich bin 40 Jahre alt, verheiratet und habe drei Kinder (12, 10 und 8 Jahre). Ich suche hier den Austausch mit Menschen, die mich verstehen. In letzter Zeit wächst mir privat einfach alles über den Kopf: Meine älteste Tochter hat massive Probleme, ich weiß oft nicht, wie ich ihr helfen soll, und mit meinem Mann gibt es deswegen viel Streit.

    Bisher habe ich meistens abends heimlich getrunken, um den Stress abzuschalten. Doch durch den Druck der letzten Zeit merkte ich, dass ich auch tagsüber die Kontrolle verliere.

    Vor ein paar Tagen kam dann der absolute Weckruf: Ich hatte am Vormittag getrunken, als die Schule anrief, weil mein Kind krank war und ich es abholen musste. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich musste also angetrunken dorthin. Die Angst und die Scham danach waren schrecklich. Das hat mir endgültig die Augen geöffnet: Es funktioniert so nicht mehr. Ich will für meine Kinder da sein und niemals Gefahr laufen, dass sie sich für mich schämen müssen.

    Am Tag nach diesem Vorfall war ich direkt bei meiner Hausärztin und habe offen mit ihr gesprochen. Sie hat mich erst mal für zwei Wochen krankgeschrieben, damit ich wieder zu Kräften kommen kann, und mir engmaschige Hilfe angeboten, falls gesundheitliche Probleme auftreten. Seit dem Vorfall vor einigen Tagen habe ich keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt.

    Ich will dieses Versteckspiel für immer beenden und dauerhaft alkoholfrei leben. Ich freue mich auf den Austausch mit euch.