Beiträge von Hannah

    Hallo zusammen,

    ich wollte euch kurz ein Update geben, wie mein Wochenende verlaufen ist. Ich bin ehrlich gesagt mit einem ziemlich unguten Gefühl reingegangen.

    Am Samstag stand bei uns in der Nachbarschaft ein Kindergeburtstag an. Bei uns in der Straße ist das nicht einfach nur Kind abgeben und wieder holen. Das ist eigentlich immer ein riesiges Straßenfest mit Lagerfeuer, Scheune, Pferdekoppel und Feiern bis tief in die Nacht. Bisher war ich da immer mittendrin und habe fleißig Wein und Sekt mitgetrunken.

    Für mich war völlig klar: Da darf ich auf gar keinen Fall hin. Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt eine riesige Gefahr für mich gewesen. Gleichzeitig wollte ich mich im Dorf nicht zum Gesprächsthema machen, weil es extrem auffällt, wenn ich fehle und meine Kinder komplett ohne Erwachsenen da drüben sind. Die Nachbarn würden natürlich sofort reden und nachfragen, was los ist. Weil das Vertrauensverhältnis in der Nachbarschaft jetzt nicht das allergrößte ist – man trifft sich zwar ab und zu zum Feiern und sagt Hallo und Tschüss, aber es ist eben nicht mein engerer Kreis – wollte ich meine Erkrankung dort auf keinen Fall direkt offenlegen.

    Deshalb habe ich das Gespräch mit der Nachbarin gesucht und ihr gesagt, dass es mir gesundheitlich heute einfach nicht passt und es mir nicht gut geht. Mein Mann ist eher introvertiert und geht bei sowas nie mit. Wir haben dann ausgemacht, dass die Kids drüben feiern, sich jederzeit melden können und wir um 21 Uhr kurz telefonieren.

    Ich saß zu Hause aber trotzdem extrem unruhig da. Mein Mann hat das gemerkt und mir den Rücken gestärkt. Wir haben kurz mit der Nachbarin abgeklärt, dass wir für ein bis zwei Stunden wegfahren. Meine Eltern wohnen im Nachbardorf und wären im Notfall in drei Minuten da gewesen. Also ist mein Mann mit mir in die nächste Stadt gefahren.

    Erst wollten wir uns wie sonst draußen beim Italiener hinsetzen, aber als ich da die ganzen Menschen mit ihren Gläsern gesehen habe, merkte ich sofort, dass das gar nicht geht. Mein Mann hat dann vorgeschlagen, ein ganz neues Café auszuprobieren. Es gab dort unglaublich viele ausgefallene, alkoholfreie Getränke, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich habe mir eine Himbeer Rosmarin Limonade bestellt und entgegen meiner sonstigen Art, weil ich eigentlich gar nicht auf Süßes stehe, eine Zimtschnecke. Mein Mann hatte einen Matcha. Es war einfach ein richtig schönes Erlebnis, das ganz bewusst und ohne Alkohol zu genießen.

    Als wir uns auf den Rückweg gemacht haben, kam die Unruhe aber wieder auf. Ich wusste, wenn ich nach Hause komme, höre ich das ganze bunte Treiben der Nachbarschaft. Mein Mann hat dann super reagiert, ist mit mir direkt in die nächste Buchhandlung marschiert und meinte, ich soll mir ein Buch aussuchen. Er hat gesagt, er übernimmt heute den Kinder Radar, während ich mir oben einen Tee mache und gemütlich lese. Das hat wunderbar funktioniert und mir extrem geholfen.

    Der Sonntagmorgen war dann ein richtiger Belohnungsmoment. Die Kinder und mein Mann waren noch völlig platt vom Abend und die ganze Straße hat noch friedlich geschlafen. Ich bin um 7 Uhr morgens topfit aufgestanden, habe mir meine Laufschuhe angezogen und wollte eine Runde um den See joggen.

    Allerdings gab es auf dem Weg dorthin noch eine fette Erkenntnis. Ich musste vorher tanken und das entpuppte sich als riesiger, unerwarteter Triggerpunkt. Die Tankstelle ist einfach scheiße. Da steht ein Getränkeautomat, an dem man sich jederzeit mit allen möglichen alkoholischen Getränken versorgen kann. Den habe ich früher natürlich auch immer extrem gerne genutzt, wenn ich nach der Arbeit heimgefahren bin. Das ist mir in dem Moment beim Tanken wirklich massiv ins Auge gestochen.

    Gott sei Dank war es Sonntag und ich hatte nur die EC Karte dabei, weil der ganze Geldbeutel ja nicht in die Laufhose passt. Sonntags kann man nicht rein zum Zahlen, sondern zahlt am Tankautomaten. Aber dieser verschissene Alkoholautomat nimmt eben leider auch Kartenzahlung. Da war ganz kurz dieser Gedanke da: Ach, so ein Döschen könntest du dir doch mitnehmen.

    Ich bin Gott froh, dass ich nicht an diesen Automaten gegangen bin, sondern wirklich ganz fokussiert getankt habe und sofort weg bin. Die Runde laufen danach hat extrem gutgetan. Gerade durch die Bewegung konnte ich diesen Moment an der Tankstelle noch mal richtig sacken lassen, reflektieren und diesen kurzen Suchtdruck einfach wunderschön weglaufen. Aber für die Zukunft muss ich mir da bezüglich der Tankstelle echt noch was überlegen.

    Auch für meine Arbeit habe ich jetzt eine wichtige Entscheidung getroffen. Ich werde das Gespräch mit der Pflegedienstleitung suchen. Ich werde sagen, dass der Spagat mit den drei Kindern extrem anstrengend für mich ist, da mein Mann selten zu Hause ist. Ich bitte ihn dann darum, mich vorerst aus den Nachtschichten rauszunehmen.

    Gerade die Nachtschichten sind für mich nach wie vor ein gewaltiger Triggerpunkt. Ich komme völlig erschöpft nach Hause und muss erst noch die Kinder versorgen, bis sie um Viertel vor acht aus dem Haus sind. Bis ich dann um 9 Uhr endlich im Bett liege, weiß ich schon genau, dass die Kids um 12 Uhr wieder da sind. Das war bisher genau der Punkt, an dem ich mir dann immer ein Schlummertrünkchen gegönnt habe, um überhaupt schlafen zu können. Genau aus so einer Situation heraus ist ja auch der Vorfall mit der Schule entstanden, von dem ich euch schon erzählt hatte, als ich wegen des Sektkonsums nach der Schicht dann angetrunken losmusste. Diesen Teufelskreis will ich jetzt endgültig durchbrechen und mich vor solchen Situationen schützen.

    Trotz allem ziehe ich ein super positives Fazit aus dem Wochenende. Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört, Grenzen gezogen, tolle neue Momente erlebt und bin gesund und nüchtern geblieben.

    Danke euch fürs Zuhören!

    Hallo Morgenrot,
    wie ich ja vorhin schon geschrieben habe, ist das Thema für mich extrem schambehaftet und ich bin absolut nicht bereit, meine Krankheit im Außen zu teilen. Und genau das hat einen ganz bestimmten Grund:
    Ich habe im Kollegenkreis live miterleben müssen, wie mit einem betroffenen Kollegen umgegangen wurde. Nach außen wurde zwar Hilfe signalisiert, aber hintenrum wurde extrem getratscht. Am Ende wurden Kollegen von der Chefetage sogar angehalten, bei ihm nach einer „Fahne“ zu schnüffeln. Der Kollege kam irgendwann gar nicht mehr.
    Zwar bin ich eigentlich super im Team integriert und auch recht "beliebt", weshalb ich gar nicht weiß, ob man mit mir genauso umgehen würde. Aber das Vertrauen ist durch diese Erfahrung einfach komplett weg. Die potenziellen Auswirkungen, gerade was das Getratsche ins weitere Umfeld angeht , kann ich nicht abschätzen. Ich habe drei Kinder zu Hause und möchte deren soziales Umfeld unter keinen Umständen gefährden.
    In meinem privaten Kreis bin ich offen und habe tollen Rückhalt. Aber Berufliches und Privates muss ich hier zum Schutz meiner Familie und meiner eigenen Grenzen absolut strikt trennen.
    Danke dir aber trotzdem von Herzen für deinen lieben Impuls!
    Liebe Grüße
    Hannah

    Ein liebes Hallo an alle anderen,

    erst mal ein riesiges Danke in die ganze Runde. Ich bin gerade einfach nur überwältigt, wie viele von euch sich hier hinhocken, sich mit mir auseinandersetzen und so tolle Ratschläge dalassen!

    Nayouk Deine Nachricht hat mich besonders intensiv beschäftigt. Ich möchte da direkt mal ein kleines, potentielles Missverständnis ausräumen, damit das nicht nach einem wankelmütigen Widerspruch aussieht:

    Der Vorschlag, überhaupt mit meiner PDL zu reden, kam ja hier aus der Runde, darüber hatte ich mir vorher noch gar keine Gedanken gemacht. Als ich dann geantwortet habe, dass ich "offen und ehrlich" sein will, klang das vielleicht so, als wollte ich mich dort direkt outen.

    Das war aber überhaupt nicht meine Absicht. Wie ich in meinem allerersten Post geschrieben habe, sind die Hemmungen und die Scham da viel zu groß, und ich bin absolut nicht bereit dazu, meine Krankheit im Außen zu teilen. Dazu fehlt mir einfach das Vertrauen.

    Meine Grundintention war von Anfang an: Wenn ich diesen Schritt gehe und das Gespräch suche, dann ausschließlich, um die allgemeine Überlastung anzusprechen. Aber selbst das ist für mich ein riesiger Schritt. Ich bin einfach ein Mensch, der extrem ungern zugibt, wenn er an seine Grenzen stößt...ich will immer alles irgendwie alleine wuppen. Aber ich werde jetzt über meinen eigenen Schatten springen, diese Überlastung ansprechen und dann ganz nach Bauchgefühl schauen, was zurückkommt. Nach eins kommt zwei.

    Ein riesiger Meilenstein für mich zu Hause:

    Um direkt im Alltag ein Zeichen für mich zu setzen, habe ich gestern mein komplettes Schlafzimmer umgeräumt. Das war bisher meine typische „Saufhöhle“ und mein geliebter Ohrensessel die absolute Zentrale, in der ich meinen Wein getrunken habe.

    Rausschmeißen wollte ich den gemütlichen Sessel zum Reinkuscheln natürlich nicht, aber ich habe jedes einzelne Möbelstück, das irgendwie verrückbar war, an einen anderen Platz gestellt... Habe mir gestern sogar noch eine neue Tagesdecke besorgt, den Sessel mit neuen Kissen ausstaffiert und völlig andere Bettwäsche aufgezogen , komplett gegen mein sonstiges Farbmuster. Der Raum fühlt sich jetzt völlig neu und frisch an.

    Gestern Abend saß ich dann mit einer Kanne Tee in meinem „neuen“ Sessel und habe ein Buch gelesen. Und das Beste: Ich habe endlich mal wieder kapiert, was ich da eigentlich lese, ohne jede Seite dreimal lesen zu müssen, weil der Pegel im Kopf alles vernebelt.

    Danke euch allen für den großartigen Rückhalt!

    Liebe Grüße,

    Hannah

    Hallo zusammen,

    danke für das liebe Willkommen und eure ehrlichen Worte! Das tut unheimlich gut.

    Um direkt auf euch einzugehen:

    Tabsi Dein Gedanke mit dem „stabilen Außen“ ist so wahr. Den Schichtdienst loszuwerden, würde enorm viel Druck rausnehmen. Mein Bauchgefühl meldet sich auch langsam wieder.

    Alex_aufdemweg : Danke für deinen Zuspruch. Dass du den harten Schnitt damals nie bereut hast, macht mir richtig Mut ...auch wenn ich es jetzt erst mal langsam angehen lasse.

    Bolle : „Tun muss man tun“ ...das hat gesessen. Das Gespräch mit der PDL anzugehen, kostet Überwindung, aber dein Zuspruch baut mich echt auf.

    Zu euren Fragen:

    Alleinerziehend bin ich zwar nicht, aber mein Mann ist als Fernfahrer oft tagelang in ganz Europa unterwegs. Im Alltag bin ich mit den drei Kids also meistens auf mich allein gestellt.

    Wie es jetzt weitergeht:

    Ich bin gerade noch krankgeschrieben und überstürze nichts ,nach eins kommt zwei. Ich werde erst mal mit meiner Ärztin sprechen und dann das Gespräch mit meiner PDL suchen, um zumindest das ständige Einspringen im Frei zu stoppen.

    Ein kleiner Lichtblick heute: Ich habe mich aufgerafft und war seit Ewigkeiten mal wieder im Fitnessstudio. Es hat mir wahnsinnig gutgetan!

    Danke für eure tolle Begleitung hier. Ich halte euch auf dem Laufenden!

    Liebe Grüße,

    Hannah

    Hallo Bibi,

    danke dir für deine schnelle und so liebe Antwort!

    Das mit dem Stunden reduzieren an meiner jetzigen Stelle ist leider keine wirkliche Option. Wenn ich die Stunden offiziell runterfahre, verdiene ich natürlich weniger Geld , arbeite am Ende durch das ständige Einspringen aber wahrscheinlich trotzdem das gleiche Pensum und treibe nur meine Überstunden in die Höhe. Am Hauptproblem ändert das also leider gar nichts: Man wird im Frei trotzdem ständig angerufen.

    Bei uns läuft es im Moment leider wie fast überall in der Pflege: Viele Kollegen gehen und die, die noch da sind, müssen das Ganze irgendwie auffangen. Da herrscht einfach ein enormer sozialer Druck im Team.

    Man kann zwar theoretisch „Nein“ sagen, aber praktisch bleibt es ja nie bei dieser einen Absage. Man wird mehrfach angerufen, bis hin zu Argumenten wie: „Du bist unsere allerletzte Option, du kannst das Team jetzt nicht hängen lassen.“ Dieser Druck ist brutal. Am Ende ist es oft fast einfacher, ja zu sagen und den Dienst irgendwie durchzuziehen. Sagt man nämlich doch mal Nein, hockt man den ganzen Tag mit einem quälenden schlechten Gewissen zu Hause und kann sich eh nicht erholen. Und genau dieser emotionale Stress und die Schuldgefühle füttern am Ende natürlich wieder massiv den Suchtdruck.

    Die Arztpraxis meiner Freundin habe ich mir tatsächlich schon mal angeschaut, das ist wirklich sehr nett dort.

    Zum Glück bin ich aktuell noch ein paar Tage krankgeschrieben. Das gibt mir gerade den nötigen Abstand und die Ruhe, um mir ohne den direkten Alltagsstress im Nacken Gedanken darüber zu machen, wie es für mich und meine Familie am besten weitergehen kann.

    Danke dir jedenfalls für den lieben Rat, meine Abstinenz jetzt erst mal ganz klar an Prio 1 zu setzen. Das tut unheimlich gut zu hören und genau das versuche ich gerade auch.

    Liebe Grüße,

    Hannah

    Riesige Motivation vs. Angst vor dem „Überdrehen“ – Wie viel Veränderung verträgt der Anfang?

    Hallo zusammen,

    ich bin heute an meinem neunten Tag ohne Alkohol und merke, dass sich gerade eine gewaltige Welle an Optimismus und Motivation in mir breitmacht. Ich habe das Gefühl, am liebsten direkt alles anpacken und verändern zu wollen, was mich belastet.

    Konkret geht es dabei um meinen Job. Ich arbeite in der Pflege. Die ständigen Schichten, die Wochenend- und Feiertagsdienste und das permanente Einspringen im Frei gehen extrem an meine psychischen Reserven. In der Vergangenheit hat das meinen Suchtdruck massiv befeuert. Gerade nach den Nachtdiensten, wenn ich tagsüber nicht schlafen konnte, aber genau wusste, dass um 12 Uhr die Kinder aus der Schule kommen und ich wieder funktionieren muss...das war ein brutaler Kreislauf.

    Ich hätte jetzt sogar schon eine konkrete, ruhigere Option in Aussicht: Eine Freundin hat mich schon ein paar Mal gefragt, ob ich nicht bei ihr in der Arztpraxis anfangen möchte. Ich könnte dort mit reduzierten Stunden einsteigen. Allerdings wäre das ein komplett neuer Bereich für mich... ich bin schließlich Pflegefachkraft und keine medizinische Fachangestellte. Es wäre also mit völlig neuen Herausforderungen verknüpft.

    Ich bin gerade total hin- und hergerissen:

    Auf der einen Seite denke ich mir: Nutze die Energie jetzt! Geh die Baustelle an, um diesen riesigen Trigger Schichtdienst loszuwerden. Die neuen Herausforderungen in der Praxis könnten mir auch eine richtig tolle, positive Ablenkung und eine neue Struktur geben.

    Auf der anderen Seite habe ich eine riesige Scheu davor, mich jetzt völlig zu übernehmen. Ich habe Angst, dass der Neustart in einem fremden Bereich mich zu sehr stresst, ich durch dieses ganze Überengagement am Ende in ein tiefes Loch falle und mein eigentliches Ziel – die Trockenheit – gefährde.

    Wie sind da eure Erfahrungen aus der Anfangszeit? Habt ihr direkt größere Lebensbaustellen wie einen Jobwechsel angepackt, oder ist es sicherer, erst mal nur das Fundament stabilisieren zu lassen?

    Ich freue mich sehr auf eure Gedanken!

    Liebe Grüße,

    Hannah

    Hallo Tabsi,
    dein Beitrag trifft mich mitten ins Herz. Das Thema Kinder ist auch für mich der wichtigste Grund, warum ich diesen Weg gehe. Ich möchte einfach, dass meine drei Kinder sich wieder richtig gesehen fühlen und sich niemals für mich schämen müssen.
    Mir ist wichtig klarzustellen: Meine Kinder sind nie ungepflegt oder ohne Essen und Trinken aus dem Haus gegangen. Das hat immer gestimmt. Aber die Auswirkungen waren trotzdem da: die Unberechenbarkeit meiner eigenen Stimmung je nach Pegel, die Hektik am Morgen oder abends die geschlossene Schlafzimmertür, damit niemand die Fahne riecht. Auch im Alltag ging vieles unter. Elternbriefe zum Beispiel, die man abends in seinem eigenen Film nur kurz abgenickt, weggelegt und am nächsten Tag vergessen hat. Es hat den Kindern einfach an echter, verlässlicher Aufmerksamkeit gefehlt.
    Heute bin ich an meinem neunten Tag ohne Alkohol und erlebe, wie sich das verändert. Heute Morgen hatten wir plötzlich Zeit und Ruhe. Während mein Sohn sich fertig gemacht hat, konnte ich meinen beiden Mädels in aller Ruhe Flechtfrisuren und Locken machen. Sie haben diese ungeteilte Aufmerksamkeit unheimlich genossen.
    Ich habe tatsächlich sogar schon darüber nachgedacht, ob ich offen mit meinen Kindern darüber sprechen soll. Aber ich glaube, sie sind einfach noch zu jung, um das in seiner Gänze zu verstehen, und ich will ihnen mein Problem auch nicht aufbürden. Mein Impuls kam aus dem tiefen Wunsch, ihnen zu erklären: „Es lag nie an euch, dass Mama manchmal so daneben war.“ Aber ich glaube fest daran, dass Taten hier viel mehr zeigen als Worte. Wenn ich jetzt dauerhaft nüchtern bleibe, wird sich dieses neue, verlässliche Gefühl in ihren Köpfen verfestigen. Sie werden die Vergangenheit vielleicht nicht komplett vergessen, aber sie werden erleben, wie die Mama jetzt ist.
    Natürlich sitzt das schlechte Gewissen tief, wenn man weiß, wo die Kinder zu kurz gekommen sind. Aber es bringt nichts, nur in der Schuldhaftigkeit zu verharren. Ich möchte das jetzt als Chance nutzen, positiv nach vorne schauen und an mir arbeiten, um diese Fehler Schritt für Schritt wieder auszumerzen und die Beziehung zu meinen Kindern in die richtigen Bahnen zu lenken.
    Danke für diesen wichtigen Impuls!
    Liebe Grüße,
    Hannah

    Nayouk, danke für deine klare Perspektive. Dass das „Draußen“ erst mal zweitrangig sein darf, nimmt mir tatsächlich eine enorme Last von den Schultern. Du hast völlig recht: Der Fokus liegt jetzt erst mal nur bei mir und auf meiner eigenen Ehrlichkeit.

    Der Satz „Nur nicht trinken reicht nicht!“ leuchtet mir absolut ein. Genau deshalb bin ich hier...ich möchte nicht nur aufhören, sondern lernen, wie man sich Schritt für Schritt ein zufriedenes, nüchternes Leben aufbaut.

    Deine Nachricht macht mir auf jeden Fall Mut, dass dieser Weg funktioniert. Ich werde mir heute Abend ganz in Ruhe die Grundbausteine durchlesen.

    Viele Grüße

    Hannah

    Hallo Nayouk,

    vielen Dank für das Willkommenheißen und die schnelle Freischaltung!

    Alles klar, die Regel merke ich mir und halte mich in den nächsten Wochen im Vorstellungsbereich erst mal zurück.

    Ich freue mich auf den Austausch hier.

    Viele Grüße

    Hannah

    Danke für den tollen Tipp und die Links! Ich habe die Beiträge bisher nur ganz kurz überflogen.
    Ich werde mir das aber heute Abend, sobald meine Kids im Bett sind und hier Ruhe eingekehrt ist, ganz intensiv und in aller Ruhe durchlesen. Ich freue mich schon darauf, mich da heute Abend mal richtig durchzustöbern und durchzuschmökern!
    Liebe Grüße

    Hallo Elly,

    vielen Dank für das herzliche Willkommenheißen und deine Nachricht!

    Zu deiner ersten Frage: Ja, meine Hausärztin betreut mich da wirklich sehr gut. Sie hat mir direkt Blut abgenommen, um meine Werte zu checken, und mich für zwei Wochen krankgeschrieben, damit ich erst mal zur Ruhe kommen kann. Sie hat mir auch ganz klar angeboten, dass ich jederzeit medikamentöse Unterstützung von ihr bekommen kann, falls die Entzugssymptome oder der Suchtdruck zu stark werden. Ich soll mich bei jedem gesundheitlichen Problem sofort bei ihr melden. Ich fühle mich da also medizinisch absolut sicher begleitet.

    Ich bin jetzt seit acht Tagen komplett abstinent ... genau seit dem Tag nach dem Vorfall an der Schule.

    Und ja, mein Ziel ist ganz klar die lebenslange Abstinenz. Ich möchte dieses Versteckspiel und die ständige Scham nie wieder erleben und dauerhaft ohne Alkohol leben.

    Liebe Grüße,

    Hannah

    Hallo Stehaufmännchen, hallo Tabsi,

    vielen lieben Dank für eure schnellen und so verständnisvollen Worte! Ich bin wirklich überrascht und total dankbar, dass nach so kurzer Zeit schon eine Antwort von euch kommt. Das gibt mir gleich ein richtig gutes Gefühl.

    Der Austausch mit euch ist mir unglaublich wichtig, weil es im privaten Umfeld einfach verdammt schwer ist, offen darüber zu reden. Da blockieren mich die Angst und die Scham im Moment noch viel zu sehr. Hier bei euch habe ich das Gefühl, dass ich einfach ehrlich sein kann, ohne dass jemand mit dem Zeigefinger auf mich zeigt.

    Es hat mich unendlich viel Überwindung gekostet, mir einzugestehen, dass ich es allein nicht mehr schaffe. Aber jetzt, wo ich es hier einmal laut ausgesprochen habe, fällt mir schon ein kleiner Stein vom Herzen.

    Ich freue mich darauf, hier bei euch zu lesen und mich mit euch auszutauschen.

    Liebe Grüße,

    Hannah

    Hallo Barthel,

    ja ich sehe mich definitiv als Alkoholikerin.

    Zu deiner zweiten Frage: Der Wunsch, alkoholfrei zu leben, war eigentlich schon länger als leise Stimme in meinem Kopf da. Ich wusste tief im Inneren schon eine ganze Weile, dass mein heimliches Trinken am Abend nicht normal ist. Aber ich habe es mir lange Zeit schön geredet und verdrängt. Erst der Vorfall an der Schule vor ein paar Tagen hat aus diesem leisen Wunsch eine absolut feste, lebensnotwendige Entscheidung gemacht. Ich will und kann so nicht mehr weitermachen.

    Hallo zusammen,

    ich bin 40 Jahre alt, verheiratet und habe drei Kinder (12, 10 und 8 Jahre). Ich suche hier den Austausch mit Menschen, die mich verstehen. In letzter Zeit wächst mir privat einfach alles über den Kopf: Meine älteste Tochter hat massive Probleme, ich weiß oft nicht, wie ich ihr helfen soll, und mit meinem Mann gibt es deswegen viel Streit.

    Bisher habe ich meistens abends heimlich getrunken, um den Stress abzuschalten. Doch durch den Druck der letzten Zeit merkte ich, dass ich auch tagsüber die Kontrolle verliere.

    Vor ein paar Tagen kam dann der absolute Weckruf: Ich hatte am Vormittag getrunken, als die Schule anrief, weil mein Kind krank war und ich es abholen musste. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich musste also angetrunken dorthin. Die Angst und die Scham danach waren schrecklich. Das hat mir endgültig die Augen geöffnet: Es funktioniert so nicht mehr. Ich will für meine Kinder da sein und niemals Gefahr laufen, dass sie sich für mich schämen müssen.

    Am Tag nach diesem Vorfall war ich direkt bei meiner Hausärztin und habe offen mit ihr gesprochen. Sie hat mich erst mal für zwei Wochen krankgeschrieben, damit ich wieder zu Kräften kommen kann, und mir engmaschige Hilfe angeboten, falls gesundheitliche Probleme auftreten. Seit dem Vorfall vor einigen Tagen habe ich keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt.

    Ich will dieses Versteckspiel für immer beenden und dauerhaft alkoholfrei leben. Ich freue mich auf den Austausch mit euch.