Sein Abbau war gerade im letzten halben Jahr extrem und es kam zu Bier und Sekt dann noch Schnaps (wie er sagte gegen Panikattacken...) dazu.
Wir bekamen eine heftige Erkältung, ich erholte mich nach fast 3 Wochen davon, er brauchte fast 2 Monate dafür, ich denke das war ein Warnzeichen bezüglich seiner Probleme, die er mit Aussagen wie Long Covid und so weiter erklärte.
Er hörte zu rauchen auf, dies brachte auch eine kurzzeitige Verbesserung seines Zustandes.
Dann kam die Atemnot wieder teilweise dazu, er konnte nicht gut durchschlafen, schlief aber auf Etappen doch eher viel.
Er fühlte sich schlapp, seine Ängste und Panikattacken nahmen zu.
Im letzten halben Jahr schlief er eigentlich nur noch auf der Couch, selten im Bett, er wollte sein Wohnzimmer nicht verlassen, dies war der Ort wo er sich am wohlsten fühlte, er wünschte sich dort mehr Gesellschaft von mir, ich wollte der Situation aber oft aus dem Weg gehen und mit Fernseh gucken kann ich auch halt nicht viel anfangen.
Die erste Zeit kümmerte ich mich sehr viel um ihn und übernahm sämtliche Aufgaben, wir hatten einige auch gute Gespräche.
Später übernahm ich zwar immer noch alle Aufgaben, aber distanzierte mich vermehrt und ich begann oft einen Streit bezüglich seiner Probleme , des Schnapskonsums und wurde manchmal auch richtig sauer, dann verteidigte er sich damit das ich mit einem kranken und labilen Mann nicht so umgehen könne (das verfolgt mich bis heute).
Mir fiel auf, das er manchmal Dinge vergaß, das irritierte mich zwar, aber ich schob es auf seine Depression und diese kann ja auch dazu führen (ich verdrängte massiv).
Er konnte immer schlechter laufen, wollte aber weder einen Sanka, noch einen Arzt.
Ich begleitete ihn auf´s Klo, da er bereits einmal hinfiel und bettelte darum das er mehr essen solle.
Er hielt seinen Pegel, er fiel nicht um weil er zu betrunken war, sondern weil die Kraft seiner Beine nachliess, er trank zwar viel (er vertrug auch viel), aber er konnte sich immer klar ausdrücken und bis die Probleme mit seinen Beinen dazukamen auch immer selbstständig ohne hinzufallen oder zu torkeln laufen.
Er hatte auch nie Halus, er übergab sich nie.
In den letzten zwei Wochen seines Lebens verschlechterte sich sein Zustand massiv, Tage davor schwollen seine Beine, Hände und sein Bauch extrem an, zwei Tage zuvor bekam er Gelbsucht, wurde immer vergesslicher, wusste nicht mehr das er seit einem halben im Wohnzimmer schlief und so gut wie nix´aß, er meinte was ich da sage stimme nicht.
Auch bekam er die Nacht davor glibberigen schwarzen Durchfall, wahrscheinlich geronnenes Blut.
Er verweigerte immer noch einen Arzt, als er am nächsten Tag richtig gelb war und über Schmerzen klagte rief ich einen Sanka gegen seinen Willen und sie kamen vorbei.
Er konnte noch den Tag benennen, aber nicht das Jahr auf Frage einer der Sanitäter.
Sie nahmen ihn mit, ich rief später an und erfuhr über den Ernst der Lage.
Sie versetzten ihn in ein künstliches Koma, schlossen ihn an allerlei an, inklusive starker Schmerzmedis.
Der Arzt rief mich mitten in der Nacht an und wir vereinbarten das ich am Vormittag vorbeikomme.
Nach Gesprächen mit zwei Ärzten beschloss ich, die Intensivmedizin abbrechen zu lassen, damit er sterben konnte und informierte seine Eltern, damit auch die die Chance bekamen sich zu verabschieden.
Ich bin froh darum, das er nicht mehr realisierte zu sterben und ihm zumindest diese Angst genommen war.
Für mich war es ein hartes erwachen, emotional eine einzige Achterbahnfahrt.
LG, Nine