Beiträge von Nine

    Eigentlich wollte ich allgemein noch nichts schreiben, aber hier muss ich unbedingt.

    Ich gehöre zu den Co. Abhängigen und ich empfinde dieses Thema hier als verdammt wichtig, weil obwohl ich denke ich nicht dumm bin, aber auf eine gewisse Art und Weise in dieser Thematik lange! gefühlsblind war, es für mich schon vor langer Zeit verdammt wichtig gewesen wäre, dies genauso klar sehen zu können/annehmen zu können.

    Klar Worte/Geschichten die man liest, deren Worte versteht man auch wenn man der Sprache mächtig ist, sie aber wirklich in ihrer kompletten Bedeutung BEWUSST !!! zu verstehen, sind zwei paar Stiefel, das nimmt man nicht gerne auf seine persönliche, tragische Geschichte an = da liegen Welten dazwischen und trotz klarer Worte herrschte zumindest bei mir eins vorrangig vor: VERDRÄNGUNG, egal was ich las oder wusste und diese Verdrängung bestand auf beiden Seiten.


    Dir ist das vielleicht inzwischen klar/wirklich bewusst, das bedeutet aber nicht das es jedem klar/wirklich bewusst ist.


    Im übrigen mein Bruder ist genauso Bipolar wie es meine Mutter war, aber er geht in Therapie, nimmt seine Pillen und kämpft sich in sein Leben zurück, klar ist das nicht einfach, aber ich ziehe meinen Hut vor ihm, das er sich stellt.

    Meine Mutter war Bipolar und die letzten zwei Jahre auch Alkoholikerin, hat sie sich helfen lassen, NEIN und sie hat in ihrem Leben bestimmt auch mal den ein oder anderen ärztlichen ! Artikel über Alkoholismus gelesen, BEWUSST verstanden hat sie genau NICHTS.

    Gerade solche Erfahrungsberichte bringen mich gerade enorm weiter und ja halten mich über Wasser.


    Und mit nüchternem Kopf zu sterben ist einfach mal was KOMPLETT anderes.

    Sorry, ich muss zugeben das hat mich gerade hart getriggert und verletzt.


    LG, Nine

    Ês ist richtig das ich hier eben lese wie vieles sich auch ähnelt und sich wiederholt, es ist wichtig das ich dies auch hier lese.

    Bevor ich hier las, hat mein überschaubares Wissen über Alkoholismus dazu geführt, wie soll ich es sagen, das ich eben dachte das wird....mit genug und Liebe und Verständnis (hätte man nach 26 Jahren ja mal bemerken können...) oder eben dem aufzeigen auch meiner Gefühle und Ängste, mal auch mit Wut....war ein verdammt naives Denken...du schüttest immerzu von oben alles in deinen Augen erdenkliche gute hinein und unten fällt es einfach wieder heraus, solange bis du selbst leer bist.

    Und es half der Person VIELLEICHT für einen kleinen guten Augenblick, mehr nicht.

    In diesem Teufelskreislauf war ich gefangen, vielleicht auch weil ich den Fehler machte zu denken, das würde mir helfen all´diese Liebe zu bekommen...(ich wollte Liebe, habe aber nicht gemerkt das dies nicht stimmte, ich suchte nach einer Wiederholung die ich so ähnlich kannte, machte mir das Angst...JA, aber ging ich...NEIN).

    Klar schlagen hätte mich niemand mehr dürfen (ich hätte mich gewehrt, das hätte gereicht um zu gehen, mein Mann tat es nie!), aber das war ja auch nur eine körperliche Ebene, ich habe nicht erkannt, das dies ja auch seelische Schläge sind (zum Teil schon, aber...).

    Ich bin froh heute immer noch einigermaßen aufrecht zu stehen, das verdammte Leben hat mich nicht komplett kleinbekommen (davor hatte ich immer große Angst so zu werden wie meine Mutter!), aber jetzt möchte ich etwas anderes und lerne gerade meine Grenzen zu ziehen und mich nicht mehr auf ungesunde Dynamiken einzulassen, wie´s gelingt und ob werde ich im Verlauf der Zeit erzählen und auch manches mal hier nachfragen (so ganz traue ich mir da noch nicht aus verständlichen Gründen oder werde wahrscheinlich auch manchmal unsicher sein, ob meine Empfindungen richtig sind).

    Ich bin halt auch ein gutmütiger Depp, hab viel Liebe für jeden, aber eben kaum für mich und das muss sich ändern.

    Ah und ja mein typisches ADHS Gerechtigkeitsempfinden ist da auch ein Problem...(klar es hat auch was gutes, aber eben nicht nur).

    Möchte immer alles verstehen und begreifen, es fällt mir sehr schwer zu kapieren, das dies nicht immer möglich ist.

    Ich denke auch dazu ist so ein Forum da, sich dabei helfen Emotionen und Situationen richtig einschätzen zu lernen und eine Bestärkung zu finden auf seinem Weg zu bleiben!


    Danke das ich mich hier mitteilen darf und auch Danke für Eure Geschichten aus dem Leben!


    LG, Nine


    PS.: Und das wurde mir erst bewusst, meine Mutter war in den letzten zwei Jahren auch eine Alkoholikerin (das war die Zeit in der ich mich distanzierte), sie hat Sachen gemacht, die furchtbar waren (ihrer Schwester nach einer Kneipentour ein Foto ihres blauen Auges gezeigt, weil im Suff dort ihr ein Kerl eine verpasst hat... über alles andere rede ich später, das ist extrem schambehaftet).

    Heute war mal ein besserer Tag, mein Bruder kam zu Besuch, er half mir ein paar Dinge zu erledigen und wir unterhielten uns doch recht entspannt auch über meinen Mann.

    Was ich ganz vergessen hatte zu sagen, mein Mann sah sich als Alkoholiker, allerdings denke ich war ihm trotzdem das Ausmass nicht bewusst...mir zum Teil oberflächlich betrachtet auch nicht, innerlich denke ich schon = Verdrängung.

    Nachdem ich hier auch schon einiges gelesen habe, denke ich auch manchmal, bitte ! nicht falsch verstehen - das es besser gewesen wäre sein Körper hätte früher/heftiger darauf reagiert (als eindeutiger Warnschuss zumindest für mich, ob es eine Chance für ihn gewesen wäre, weiß ich nicht)), ich habe vieles so nicht in diesem großem Ausmass erlebt (kein Übergeben, keine Inkontinenz, kein Delir bzw. dies erst teilweise auftretend die letzten 2 Wochen,keine Halus, keine Gewalt, kein Trinken bis zur Besinnungslosigkeit usw.).

    Und er ist nur 55 Jahre alt geworden.

    Soll bedeuten, Menschen von aussen ist das weniger aufgefallen und das es zum Tod führt muss eben NICHT bedeuten das es das volle Programm ist (ich glaube jeder versteht was ich meine), das will ich eigentlich hier klar machen als Augenöffner, damit es vielleicht manch anderer in meiner Lebenssituation nicht so verdrängt (damit meine ich beide Seiten/Personen).

    Er hat aber NIE nur eine Entgiftung gemacht leider, manchmal glaube ich, das er es unterbewusst !!! so wollte...zumindest ein Teil von ihm.


    LG, Nine

    Kinder hatten wir keine, ganz früher hätte ich mir welche gewünscht, später und heute bin ich froh das wir keine hatten in Anbetracht der Situation.

    Puh, Mutter und Bruder gleichzeitig zu verlieren ist auch wirklich hart, gut wie du es für dich verarbeitet hast!

    Ich bin eigentlich ein Mensch der gerne Frieden mit allen hat, aber um welchen Preis...man kann gerne versuchen miteinander zu reden, wenn aber eine Seite zu keinem Kompromiss bereit ist und vieles auch einfach nicht verstehen will/kann oder möchte macht das keinen Sinn, endlos Diskussionen (die habe ich leider mit meiner Mutter und meinem Mann geführt) und Streitereien machen für mich keinen Sinn, also gehe ich (keine Ahnung warum ich das bei meinem Mann und teilweise bei meiner Mutter nicht konnte, gut sie standen mir näher), gut ich hätte auch keine Kraft mehr gehabt auf mehr Fronten zu kämpfen.

    Hätte sie anders gefragt, hätten sie auch noch ein paar mehr Erinnerungsstücke bekommen, ich bin da eigentlich sehr offen (meine Tante wünschte sich auch ein paar Dinge meiner Mutter/ihrer Schwester und bekam sie auch, sie benahm sich aber auch anders und fragte freundlich).

    Was seine Mutter allerdings tatsächlich nicht wahrnimmt ist ihre Art oder sie nimmt sie wahr und ihr ist es wurscht, das war auch etwas was meinem Mann immer störte und er fühlte sich von klein an weder geliebt, noch gesehen und das kann ich bei ihr sehr gut nachvollziehen (sie schlug ihn mal als Kind weil er ein schlechter Esser war in seinen Grießbreiteller nur soviel dazu).

    Für mich persönlich hatte ich dort immer ein Gefühl von Enge, Kälte und Spießigkeit, da prallten natürlich Welten aufeinander.

    Ich muss aber zugeben, mein Mann war kein leichter Mensch, ich auf eine andere Art sicher auch nicht.

    Im Moment betrauere ich auch, das ich mich dadurch verändert hatte (die guten Veränderungen betrauere ich nicht), dadurch das ich in diesen zwei Beziehungen (also Mutter und Mann) keine Distanz finden konnte, war ich irgendwann in Anteilen auch ein wütender Mensch (die Wut gehört sicher auch dazu) und klar darf man auch mal wütend sein keine Frage, aber es kam natürlich durch die äußeren Umstände zu oft vor und ich war wer der ich so oft nicht sein wollte...

    Als Kind war ich mal in der Wohnung allein mit knapp 5 Jahren (mein Vater holte meine Mutter von der Arbeit ab), es brannte eine Kerze in der Wohnung und ich wollte wissen ob es möglich ist sich mit Tesafilm zu schützen um einen Finger gewickelt und dann kurz damit durch die Flamme zu ziehen....da kamen gottseidank meine Eltern zurück...

    Ich wurde ins Krankenhaus gefahren, verlor einen halben cm meines Fingers und anschließend wieder nach Hause, mein Jammern ging meinen Eltern nach einer halben Stunde auf den Keks und ich wurde deutlich ermahnt jetzt damit aufzuhören...

    Das prägte mich und ich wollte es meist allen Recht machen, koste es was es wolle um nicht verlassen zu werden...

    Meine Mutter tat Dinge wie ich jammerte nach meinem leiblichen Vater mit 4 Jahren und sie war wieder genervt, stellte mich vor unserer Wohnungstür ab und meinte kannst ja gehen und schloss die Tür...

    Na ja, das macht was mit einem, mit wenig Selbstwertgefühl wird es schwierig sich wichtig genug zu sein.

    Ich war deswegen schon in Therapie und werde dies auch erneut tun, gerade durch den Tod meines Mannes wird da vieles wieder aufgewühlt.

    Das hat mich geprägt.

    LG, Nine

    PS: im Moment schreibe ich noch nirgends woanders, da ich nicht die Kraft habe und momentan der Meinung bin das hätte auch nichts gutes (muss selbst noch viel lernen und fühle mich noch nicht ausgereift genug andern Tips zu geben, das wäre grundfalsch meiner Meinung nach), ich lese aber viel und benutze Emojis.

    Er ist seit heute Mittag um 12.00 Uhr beerdigt, ich war nicht dabei, ich überliess das seiner Familie, mir ist dieses Ritual nicht so wichtig (ich werde das mit einem Freund nachholen) und ich wollte ehrlich gesagt mit seiner Familie dort nicht zusammensein.

    Ich hatte aus diversen Gründen seit Jahren den Kontakt abgebrochen (er von sich aus seit 2 Jahren), es war schwierig genug für mich mit Ihnen am Sterbebett zu sein, seine Mutter hat es da wirklich fertiggebracht, als ich seine Hand hielt mir zu sagen, das mache man nicht jemand sterbendes festzuhalten, sonst könne seine Seele nicht weg...sorry mag sie glauben woran sie will das respektiere ich in soweit, das sie es gerne so machen möchte und daran glaubt, es mir damit regelrecht aufzuwingen finde ich übergriffig, da ich keine weiteren Diskussionen am Sterbebett meines Mannes wollte, ließ ich es.

    Auch die Gespräche am Sterbebett gingen viel darum wie schuldig er doch sei und sie ja für ihr Verhalten insbesondere früher nix können....puh, das eine ist die spätere Sucht, für die hat er sich entschieden, das andere ist aber komplett unabhängig davon.

    Ich hatte es recht schnell bereut, sie dazu geholt zu haben, eigentlich hätte er es nicht gewollt, andererseits kann ich einen sterbenden Menschen auch nicht mehr fragen ob er es anders möchte und ich hatte Mitleid.

    Jeder darf leben wie er möchte, ich respektiere dass mich gewisse Dinge nichts angehen und ich bin auch nicht dafür da, andere zu ändern.

    Ich bin dafür da mich zu ändern und das will ich, ich möchte nicht mehr übergangen und mich benutzt fühlen, so nie wieder.

    Mich aber seit Wochen zu nerven, mich aber nicht einmal zu fragen wie es mir geht, habe ich mir eine Zeit lang gefallen lassen, jetzt ist Schluß.

    Ich werde noch den größten Teil seiner Kinderfotos ihnen zuschicken (einen Teil behalte ich für mich als Erinnerung), auch da ärgerte ich mich, da ein Text kam sie hätte die gerne, ich könne ja eh´nichts damit anfangen...das ist einfach keine Art zu fragen.

    Geantwortet habe ich darauf nicht mehr und werde ich auch nie wieder, ich schick´s einfach und gut ist´s.

    Ich bin froh, das er jetzt unter der Erde liegt und verbunden mit der Natur ist, ich weinte heute für mich allein und das war gut so.

    LG, Nine

    Sein Abbau war gerade im letzten halben Jahr extrem und es kam zu Bier und Sekt dann noch Schnaps (wie er sagte gegen Panikattacken...) dazu.

    Wir bekamen eine heftige Erkältung, ich erholte mich nach fast 3 Wochen davon, er brauchte fast 2 Monate dafür, ich denke das war ein Warnzeichen bezüglich seiner Probleme, die er mit Aussagen wie Long Covid und so weiter erklärte.

    Er hörte zu rauchen auf, dies brachte auch eine kurzzeitige Verbesserung seines Zustandes.

    Dann kam die Atemnot wieder teilweise dazu, er konnte nicht gut durchschlafen, schlief aber auf Etappen doch eher viel.

    Er fühlte sich schlapp, seine Ängste und Panikattacken nahmen zu.

    Im letzten halben Jahr schlief er eigentlich nur noch auf der Couch, selten im Bett, er wollte sein Wohnzimmer nicht verlassen, dies war der Ort wo er sich am wohlsten fühlte, er wünschte sich dort mehr Gesellschaft von mir, ich wollte der Situation aber oft aus dem Weg gehen und mit Fernseh gucken kann ich auch halt nicht viel anfangen.

    Die erste Zeit kümmerte ich mich sehr viel um ihn und übernahm sämtliche Aufgaben, wir hatten einige auch gute Gespräche.

    Später übernahm ich zwar immer noch alle Aufgaben, aber distanzierte mich vermehrt und ich begann oft einen Streit bezüglich seiner Probleme , des Schnapskonsums und wurde manchmal auch richtig sauer, dann verteidigte er sich damit das ich mit einem kranken und labilen Mann nicht so umgehen könne (das verfolgt mich bis heute).

    Mir fiel auf, das er manchmal Dinge vergaß, das irritierte mich zwar, aber ich schob es auf seine Depression und diese kann ja auch dazu führen (ich verdrängte massiv).

    Er konnte immer schlechter laufen, wollte aber weder einen Sanka, noch einen Arzt.

    Ich begleitete ihn auf´s Klo, da er bereits einmal hinfiel und bettelte darum das er mehr essen solle.

    Er hielt seinen Pegel, er fiel nicht um weil er zu betrunken war, sondern weil die Kraft seiner Beine nachliess, er trank zwar viel (er vertrug auch viel), aber er konnte sich immer klar ausdrücken und bis die Probleme mit seinen Beinen dazukamen auch immer selbstständig ohne hinzufallen oder zu torkeln laufen.

    Er hatte auch nie Halus, er übergab sich nie.

    In den letzten zwei Wochen seines Lebens verschlechterte sich sein Zustand massiv, Tage davor schwollen seine Beine, Hände und sein Bauch extrem an, zwei Tage zuvor bekam er Gelbsucht, wurde immer vergesslicher, wusste nicht mehr das er seit einem halben im Wohnzimmer schlief und so gut wie nix´aß, er meinte was ich da sage stimme nicht.

    Auch bekam er die Nacht davor glibberigen schwarzen Durchfall, wahrscheinlich geronnenes Blut.

    Er verweigerte immer noch einen Arzt, als er am nächsten Tag richtig gelb war und über Schmerzen klagte rief ich einen Sanka gegen seinen Willen und sie kamen vorbei.

    Er konnte noch den Tag benennen, aber nicht das Jahr auf Frage einer der Sanitäter.

    Sie nahmen ihn mit, ich rief später an und erfuhr über den Ernst der Lage.

    Sie versetzten ihn in ein künstliches Koma, schlossen ihn an allerlei an, inklusive starker Schmerzmedis.

    Der Arzt rief mich mitten in der Nacht an und wir vereinbarten das ich am Vormittag vorbeikomme.

    Nach Gesprächen mit zwei Ärzten beschloss ich, die Intensivmedizin abbrechen zu lassen, damit er sterben konnte und informierte seine Eltern, damit auch die die Chance bekamen sich zu verabschieden.

    Ich bin froh darum, das er nicht mehr realisierte zu sterben und ihm zumindest diese Angst genommen war.

    Für mich war es ein hartes erwachen, emotional eine einzige Achterbahnfahrt.


    LG, Nine

    Der Ursprung bei mir war das ich eine Mutter hatte die bipolar war (das wusste damals keiner und unserer Meinung, auch meines Bruders narzisstisch war), in der Ehe mit meinem Vater war sie halbwegs geerdet (als dieser verstarb wurde es über die Jahre immer schlimmer und die Rollen vertauschten sich), aber sie benutzte mich für ihre Launen, war oft extrem drüber, erpresste mich emotional damit ich funktionierte wie erwünscht, ich versuchte sie in meiner Verzweifelung extrem zu unterstützen (von Messie über Selbstmordversuche) und sah wie verblendet immer einen Funken sinnloser Hoffnung, vor ihrem Tod distanzierte ich mich und hatte einen Kontaktabruch meinerseits, ich war nervlich und seelisch am Ende, letzteres erklärt vielleicht auch ein bisschen warum ich keine Kraft mehr hatte mich auch von meinem Mann zu distanzieren ...und ja, auch wenn sich das keiner vorstellen kann, ich liebte ihn (er war nie gewalttätig) und hatte auch Angst um ihn.

    Die härteste Lektion war für mich, du kannst niemanden retten der das nicht will.

    Kontrolliert habe ich ihn nie wegen des Alkohols, er versteckte auch nichts und ich wollte in diesem Punkt nicht seine Nanny spielen (tat ich bestimmt in anderen Dingen bereits).

    Ich habe irgendwo mal hier von Kontrollsucht gelesen, nein ich kann nur sagen dieser Punkt stimmt bei mir nicht, an Kontrolle habe ich keine Freude und möchte diese auch nicht übernehmen, sie erdrückt mich und der Rest der selbst auferlegten Verantwortung reichte mir schon.

    LG, Nine

    Das tut mir sehr leid!

    Aber genau das war es bei meinem Mann auch, eigentlich von Kindheit an depressiv, im Verlauf der Jahre kamen Ängste, Panikattacken hinzu.

    Als wir ein Paar wurden, war er noch nicht alkoholkrank, das hat sich im Laufe vieler Jahre langsam eingeschlichen, er ging zwar ein paarmal zum Therapeuten, nahm auch Psychopharmaka regelmäßig, aber es half nicht.

    Wir kamen beide aus Familien, die uns quasi zur Hälfte adoptiert hatten (mich mein Vater, ihn seine Mutter) und die Beamtin damals im Standesamt war platt, das sie meinte die Konstellation hatten sie noch nie.

    Es war ein bisschen so als hätten sich zwei gebrannte Kinder erkannt...

    Der Ursprung meiner Co Abhängigkeit lag bereits in meiner Kindheit, es gab bei uns zwar keine Alkoholprobleme familiär (bei ihm auch nicht, ausser seiner leiblichen Mutter, die aber heute längst trocken ist seit vielen Jahren), aber trotz erfolgreicher Familie viele Probleme und Defizite die nach aussen hin einfach versteckt blieben, ebenso wie bei ihm.

    Beide hatten und haben wir auch ADHS, ich lernte den Umgang damit in Therapie, ihm fiel es schwerer damit umzugehen.

    LG, Nine

    Hallo Ihr Lieben!

    Lieben Dank für Eure freundlichen und anteilnehmenden Worte!

    Hätte er noch für ein paar Monate weitergelebt, hätte er einen Betreuer gebraucht und niemand hätte genau vorhersagen können, wieviel er noch verstanden hätte und er hätte weiterhin intensivmedizinische Hilfe benötigt, also hätte er auf jeden Fall untergebracht werden müssen und das war auch eine große Angst von ihm gewesen (und auch mir) , nicht mehr selbstbestimmt sein zu können .

    Ja, ich würde gerne mein Leben und Handeln hier offen beleuchten, es gibt einiges zu verarbeiten und zu verstehen.


    Lieben Dank!

    Nine

    ich wollte mich hier vorstellen und es mir vielleicht dabei auch von der Seele reden.

    Mein Mann starb vor 3 Wochen auf der Intensivstation an Organversagen aufgrund von Alkoholismus.

    Er wurde unter anderem beatmet.

    Da die Ärzte sagten, das die Chance ihn zu stabilisieren sehr gering ist und es selbst dann in wenigen Monaten zum Tod führen würde - mit geistigen bleibenden Beeinträchtigungen usw. entschied ich mich, wie es auch seinem Wunsch entsprochen hätte ihn gehen zu lassen und auch unter anderem die Beatmung abstellen zu lassen (die Ärztin meinte das wäre okay = er bekäme nichts mit und würde einfach in den Tod schlafen und so war es auch) und würde den Tod nicht noch tagelang heraus zögern), natürlich bekam er weiterhin starke Schmerzmittel.

    Ich weiß im Moment nicht so genau was ich fühlen soll, es wechselt zwischen Wut, schnell vorbeihuschender Trauer (vielleicht eine Art Selbstschutz im Moment) und das nehme mir jetzt bitte keiner bös´aber auch eine Erleichterung die ich für ihn, aber auch für mich empfinde, obwohl loslassen nicht einfach war, aber der einzig richtige Weg.

    Zwischendurch fühle ich mich innerlich wahnsinnig leer.

    Diesen Freitag wird er in einem Friedwald bestattet (das war sein Wunsch und auch meiner), ich finde das eine sehr schöne Art der Bestattung und diese Freiheit hätte er sich gewünscht.

    Ich vermisse ihn,


    LG, Nine