Hallo Simsalabim ,
danke für den Einblick, wie es für Dich verlaufen ist und es ist gut zu hören, dass Du für Dich diesen guten Abschluss finden konntest.
So einen inneren Impuls hatte ich vor ca. 8 Wochen, wo ich einen ca. 30 Minütigen Besuch bei meiner Mutter hatte. War ich vorher noch sehr wütend, war nach dem Besuch viel Frieden in meinem Herzen - sie kann mir "nichts mehr anhaben". Seit 2 Jahren verabschiede ich mich so, als wenn es das letzte Mal wäre, denn sie hat sehr viele Organ- und Hirnschäden. Der Tod wäre eine Erlösung.
Ich hatte totales Mitgefühl mit ihr, denn sie saß dort, nahezu bewegungsunfähig in ihrem Sessel. Es ist Wahnsinn, was ihr Körper alles aushält. Sie wollte nie in eine solche Situation kommen und nun ist sie gefangen in diesem Körper und durch das Korsakow weder noch "da" und im Verhalten wirklich schwer einzuschätzen.
Sie fragt auch nicht nach mir - was ich jedoch tröstlich finde. Ich glaube nicht, dass sie das, was sie uns Kindern am Ende angetan hat, wirklich wollte. Das macht es mir am Ende nur nicht einfacher.
So wie ich den Impuls vor 8 Wochen hatte zu ihr zu fahren, so war und bin ich mir zu 97% sicher, dass sie nicht mehr in diesem Zustand sehen möchte. Den Leichnam meines Vaters habe ich noch besucht - das hat mir geholfen, da er über Nacht plötzlich verstorben ist. Ich weiß nicht mal, ob ich sie nochmal so wiedersehen möchte. Es zerreißt mich innerlich.
Sie hat mich in den letzten Jahren nach dem Tod psychisch so unter Druck gesetzt und alles aus mir heraus geholt. Mit Selbstmord gedroht und das sogar den Ärzten gegenüber zugegeben, dass sie mich "gefügig" machen wollte.
Dabei wohne ich zwei Stunden von ihr entfernt. Sie wollte auch in meinen Ort ziehen - da habe ich geistesgegenwärtig "Nein" gesagt. Sie hat vier enge Freundinnen, die sie regelmäßig besuchen und begleiten. Das ist mein Glück, denn so ist sie nicht "allein". Mein Bruder besucht sie ebenfalls - nur, während ich die harten Entscheidungen treffen musste, konnte er einfach Zeit mit ihr verbringen. Ein Zustand, den ich mir gewünscht habe - nur, bei jedem Besuch habe ich nur Aufträge erhalten und sollte alles mögliche für sie tun. Ich habe ihr gesagt, ich sei kein Double von meinem Vater - da sagte sie: Doch!
Ich regle seitdem alles aus der Ferne. So habe ich nach meinem letzten Besuch die Weichen für eine palliative Versorgung gestellt. Zum Glück, denn nun hat sie es gebraucht. Nun wird sie palliativ versorgt und hat keine Schmerzen. Kein Rein/Raus aus dem Krankenhaus, oder einen Tod in einer fremden Umgebung habe ich ihr so erspart.
Ich glaube, weiter kann ich nicht mehr gehen. Ich entdecke gerade erst, dass ich Grenzen habe - wenn ich sie überschreite, verletze ich mich wieder selbst.