Beiträge von Blizzard

    Hallo zusammen,

    ich wollte mich nochmal kurz melden, um den gestrigen heiligen Abend zu rekapitulieren. Ich übertreibe mit Sicherheit nicht, wenn ich behaupte, das dies das schönste Weihnachtsfest seit meinen Kindheits-Tagen war. Ich war klar und nüchtern - und es herrschte Frieden und Harmonie in unserer Familie. Immer mehr musste ich erkennen, das an den Streitereien in den letzten Jahren wohl ich die Hauptschuld trug. Es ist einfach krass, wie sich mir das dieses Jahr offenbart hat. Die ganzen Tage, die ich jetzt hier in Österreich bin seit dem Abend des 20.12. sind wunderbar verlaufen. Ich mache Sport, säge Holz, lese meine Bücher und verstehe mich mit allen prächtig. Gestern war ich mit meiner Frau auf dem Wiener Christkindl-Markt, dann kurz beim Adventsingen im Rathaus und dann bei der Dom-Vesper im Stephansdom. Dort ging ich nochmal in mich und ließ das letzte Jahr Monat für Monat Revue passieren - alles was mir so in den Sinn kam. Der psychische Zusammenbruch im März, der einen widerlichen 10-tägigen Rückfall einläutete, der gleichzeitig das Ende des bisherigen Lebens markierte. Dann mein Entzug ab 19. März, meine Wiedergeburt.

    Die anstrengenden Monate der Trockenheitserarbeitung, die Orientierungslosigkeit, die Verzweiflung über die Frage was ich machen soll, wohin es mit mir gehen soll und wie ich das alles schaffen soll - und ob ich wohl wirklich jemals gesund werde...

    Zwischendurch im Sommer die Hochzeit dieser wunderbarsten aller Frauen auf dieser Welt, meine Leichtathletik-Wettkämpfe mit wechselnden Ergebnissen - aber der immergleichen Begeisterung. Die schwierige Suche nach beruflicher Neuorientierung und die noch viel schwierigere Suche nach einem neuen Job.

    Dann im September der große Knall: Die Entdeckung der Logotherapie nach Viktor E. Frankl. Studium zahlloser Bücher verschiedenster fachlicher Größen. Mein Besuch bei der Psychiaterin und das Anti-Depressivum was ich seitdem einnehme. Meine fast schon aggressive Suche nach einer neuen Arbeit, die darauf folgte.....und schließlich Erfolg zeitigte. Meine wunderbaren Erlebnisse die ich seitdem in meiner neuen Vollzeit-Anstellung hatte. Das sich-klar-werden über die berufliche Zukunft...und jetzt diese wunderbaren Weihnachtstage.

    Und möchte natürlich auch nicht dieses Forum vergessen, was mich den größten Teil dieser Zeit begleitet und unterstützt hat.

    Ich bin wahrlich reich beschenkt worden durch all die Dinge, die im letzten Jahr passiert sind. DANKE.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo an alle!

    Wünsche jedem hier ein frohes, besinnliches und trockenes Weihnachtsfest. Mir gehts einfach nur gut und ich bin unendlich dankbar dafür, dass sich in diesem Jahr mein Leben so zum positiven verändert hat!

    Viele weihnachtliche Grüße an euch alle!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    ich mal wieder. Bin jetzt seit vorgestern bei meinen Eltern in Österreich. Wir, meine Frau und ich sind mit dem Flugzeug angereist - und es war das erste mal seit 1985 (damals war ich 5), dass ich völlig nüchtern ein Flugzeug betreten - und 60 Minuten später wieder verlassen habe. :D . Ich habe bzw. hatte immer eine gewisse Flugangst - zwar nicht extrem, aber schlimm genug um für mich früher als Saufgrund herzuhalten.

    Dieses Mal war mir ja klar, das ich nichts trinken werde - und vor einem Monaten war ich noch richtig panisch bei diesem Gedanken. Vor 3 Monaten wollte ich noch mit dem Zug anreisen - und vor 6 Monaten wollte ich am liebsten jetzt zu Weihnachten gar nicht hier her kommen. So zerfressen war ich von Ängsten und Zweifeln. So sehr hatte der Alkohol mein Seelenleben zerrüttet und verstört. Aber mit jedem trockenen Monat wurde ich entspannter und zuversichtlicher. Die letzten Tage hatte ich kaum mehr eine Furcht vor dem anstehenden Flug. Das unglaublichste: In der Nacht vor dem Abflug konnte ich ganz normal schlafen, stand um 5 Uhr auf, ging bis 16 Uhr ganz normal arbeiten, fuhr völlig entspannt zum Flughafen und saß schließlich lässig in meinem Sitz. Zur Sicherheit hatte ich mir ein Beruhigungsmittel eingesteckt - habs aber nicht gebraucht. Wahnsinn, mir kommt das alles immer noch unglaublich vor. Es war wirklich noch nicht lange her, da schien mir so ein Ereignis völlig unmöglich und unerreichbar.

    Ich kann daher jeden, der versucht Angst- oder Zwangsstörungen, Panikattacken o.ä. mit Alkohol zu bekämpfen, nur zur Umkehr raten! Auch wenn ich sicher nicht der schwerste Fall für solche Sympthome war - so ist mir doch eines klar geworden: Je länger man abstinent lebt, desto mehr lassen diese Sympthome nach. Bei mir sind sie kaum noch vorhanden - und bleiben hoffentlich auch in Zukunft nur eine Erinnerung aus - hoffentlich - engültig vergangenen Zeiten.

    In diesem Sinne: Euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest!!!!

    Viele Grüße,

    euer Blizzard

    Hallo,

    ich habe gestern abend gesehen, dass dieser Thread wieder nach oben geholt worden ist - und was passiert heute nacht? Ich hatte den grausigsten Alptraum überhaupt. Es fühlte sich unheimlich realistisch an. Ich träumte davon, einige Bier getrunken zu haben - und dann am nächsten Tag war wieder der alte Suchtdruck da. Alles was ich bisher an neuem Weg gegangen bin, war umsonst......puh, war ich froh, als ich langsam begriff, dass das nur ein böser Traum war. Es war der erste Traum dieser Art seit einigen Wochen.

    Ich denke aber, solche Träume gehören einfach bei vielen von uns dazu. Sie sollen uns auch warnen, denke ich. Dieses unglaublich negative Gefühl heute nacht in meinem Traum wird mir jedenfalls Warnung und Mahnung zugleich sein, meinen richtigen und konsequenten Weg nicht zu verlassen. Meine Gesundheit ist mir einfach zu wichtig. So gesehen haben diese Träume etwas sehr positives - denn sie verhindern, dass wir in der Freude unseres trockenen Lebens (die ich momentan sehr stark empfinde) vergessen, wie nah die Gefahr ist. Insofern bin ich dankbar für heute nacht.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    schon wieder eine Arbeitswoche rum - wow! Auch diese Woche war sehr ereignis- und lehrreich und hat mich wieder in einiger Beziehung voran gebracht. Ausserdem war ich wieder regelmäßig nach der Arbeit trainieren. Bin momentan immer so ca. 13 Stunden täglich ausser Haus - oh mann, wenn ich das Vergleiche mit der Situation vor gerade mal 2-3 Monaten. :roll: Dadurch dass die Arbeit sehr intersannt, vielseitig, aber nicht übermäßíg stressig ist, vergeht die Zeit wie im Fluge und an das frühe Aufstehen habe ich mich auch schon besser gewöhnt, als ich mir das jemals vorstellen konnte.

    Morgen habe ich wieder mein Suchtberater-Seminar und freue mich da auch schon drauf. Heute hat meine Frau Geburtstag. Wir gehen Einkaufen, dann auf den Weihnachtsmarkt bummeln und danach vielleicht noch einen Happen essen.

    Nächste Woche muss ich noch 4 Tage arbeiten, wobei ich Mittwochs eine ganztägige Exkursion mit meinen Jugendlichen angemeldet habe - wir gehen als "Weihnachtsfeier" zum Bowling danach noch gemeinsam essen - selbstverständlich mit strengem Alkoholverbot für alle - ist ja schließlich während der regulären Arbeitszeit.

    Am Donnerstag fliege ich mit meiner Frau zu meinen Eltern nach Österreich, wo ich bis 28. Dezember verweile. Auf diese besinnliche Zeit freue ich mich schon, da meine Frau und ich uns dann voll unseren Studien hingeben können. Zwischendurch werden wir die winterliche Landschaft genießen bei ausgedehnten Spaziergängen und ansonsten viel und gut essen und Sport treiben.

    Euch allen einen schönen 3. Advent wünscht euch herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Bernsteinfee,

    so wie sich dein Bericht anhört, kann ich das Verhalten deines "Vielleicht-Freundes" sehr gut verstehen. Das ist natürlich nicht irgendwie abwertend dir gegenüber gemeint, keineswegs! Aber dein Freund hat eine sehr schwere Krankheit, eine tödliche Krankheit - und er ist sich dessen offenbar sehr bewusst und gibt dementsprechend auf sich acht.

    Ich bin erst seit viel kürzerer Zeit trocken - gerade mal 9 Monate. Aber ich denke, das ich mich einigermaßen in die Lage deiner Bekanntschaft reinversetzen kann. So wie ich dich verstehe bist du ein sehr lebensfroher und vor allem unternehmungslustiger, aktiver Mensch, der gerne und viel unter Menschen ist. Ich kenne solche Leute - sind mit ihrer Spontanität, ihrer Lebensfreude und ihrem aktiven Wesen eine Bereicherung und ein "Strahlen" in jeder Gesellschaft.

    Aber auch wenn solche Menschen noch so sympathisch sind, könnte ich z.B. mit so jemanden keine Beziehung eingehen, denn: Ich bin in mancherlei Hinsicht das Gegenteil. Ich bin auch froh, genieße die Zweisamkeit mit meiner Frau, die an den gleichen Dingen ihr Vergnügen hat wie ich. Wir gehen ungefähr 5-10 pro Jahr auswärts essen, fahren gemeinsam in den Familienurlaub - und sitzen ansonsten jeden Abend eng umschlungen auf der Couch oder im Bett. Wir harmonieren prächtig, können im Winter jedes Wochenende stundenlang nebeneinander im Wohnzimmer liegen und jeder sein Buch lesen. Ansonsten gehen wir noch Sonntags immer ausgiebig spazieren und hier und da mal auf einen Trödelmarkt oder momentan halt mal auf einen Weihnachtsmarkt. Sport macht jeder für sich. Das wars. Ende. Keine Disko, keine Kneipen, keine Bars, keine Clubs, keine Parties. Der letzte Kinobesuch ist etwa 2 Jahre her. Wir lieben dieses Leben - und würden es nicht eintauschen. Wir sind nun mal nicht sonderlich aktiv.

    Stell dir mal vor, deine Bekanntschaft ist unter Umständen so ein Typ wie ich. Kämst du damit klar? Würdest du dein aktives Leben gegen ein solches - in deinen Augen vielleicht langweilig-trostloses Leben eintauschen? Wohl kaum. Und er würde (wenn er so sein sollte wie ich, wie gesagt) ganz sicherlich nicht sein Leben so radikal ändern, das er deine Ansprüche erfüllen würde. Und das hat bei ihm 2 Gründe: a) er ist halt von Natur aus ein ruhigerer Mensch und b) er meidet aus gutem Grund gewisse Aktivitäten und Lokalitäten, weil er alkoholkrank ist und mit seiner Gesundheit nicht spielen will.

    Das sind so meine Gedanken - vielleicht kannst du ja damit was anfangen. :wink:

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Lütze,

    diese "bei mir ist es ja doch nicht so schlimm, wie bei anderen"-Gedanken kenne ich auch. Objektiv gesehen stimmt es in gewisser Weise ja auch: Wie du selber schreibst, stimmt in deinem sozialen Umfeld noch viel - genau wie bei mir. Ich hatte während meiner nassen Zeit nichtmal mit meiner Ehefrau (damals noch Verlobte) besondere Probleme wegen meinem Gesaufe. Gut, ich habe meinen Job verloren - aber darüber bin ich im Nachhinein sogar froh. Nun ja - stellt sich die Frage, warum für uns beide trotzdem das gleiche gilt, wie für alle anderen Alkoholiker?

    Die Antwort ist einfach: Weil wir krank sind - und diese Krankheit nicht geheilt, sondern nur gestoppt werden kann. Der Alkoholismus ist eine Art Abwärtsspirale - wenn man erkrankt ist, geht es stetig abwärts. Bei dem einen schneller, bei dem anderen langsamer - aber es geht eben unaufhaltsam abwärts. Wir merken das im körperlichen Bereich, im seelischen Erleben - in unserem Umfeld und v.a. anhand unseres chronisch-schlechten Gewissens.

    Der Punkt ist also: Wir sind genauso krank, wie die anderen Alkoholiker, haben lediglich unserer Krankheit an einem anderen, möglicherweise früheren Punkt erkannt, akzeptiert und uns bewusst gemacht. Dadurch war eine Wende möglich, bevor alles an äußeren und inneren Lebensbedingungen zerbrach.

    Auch wenn ich persönlich nie in irgendwelche existentiellen Nöte geriet (das passierte bei mir mehr in der psychischen Dimension) habe ich meinen Tiefpunkt erreicht. Und das Wissen, das ich krank bin, werde ich mir Zeitlebens bewahren. Es ist meine Überlebensversicherung und die Voraussetzung für jedweden Erfolg und jedwede positive Entwicklung in meinem Leben.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Freunde,

    in den letzten Nächten bin ich immer so ungefähr um 1 Uhr aufgewacht (nachdem ich schon um ca. 21 Uhr in die Falle ging) und dann eine Zeit lang wach gelegen. Schlafstörungen dieser Art begleiten mich schon seit Jahren.

    Doch etwas war diesmal anders: Als ich während der Woche in der Nacht aufwachte, war ich nicht nervös, das ich eventuell zuwenig Schlaf bekommen könnte, wie ich es früher war. Ich nahm diese Phase des Wachseins gelassen hin - und schlief dadurch irgendwann auch wieder ein. Noch beeindruckender war aber ein Erlebnis, bei dem ich mich letzte Nacht ertappte: Ich wurde so gegen 2 Uhr wach und ärgerte mich richtiggehend, dass noch nicht morgen war. Ich wollte endlich aufstehen und den neuen Tag in Angriff nehmen!

    Warum schreibe ich das jetzt? Nun, als ich noch trank, war es genau umgekehrt: Wenn ich da nachts aufwachte, hoffte ich beim Blick auf die Uhr jedesmal inständigst, es möge noch einige Stunden vor Morgengrauen sein. Entweder um meinen Rausch auszuschlafen, oder einfach deswegen, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich den kommenden, freien Tag füllen könnte, ausser mit dem viel zu frühen Konsum von Bier....

    Heute war ein herrlicher Tag. Ich stand um ca. 7 Uhr auf, brachte die Wohnung in Ordnung, machte mein Lauftraining, spielte im Internet ein paar Partien Schach, machte ein Nachmittagsnickerchen und ging um 15 Uhr los zum Einkaufen. Satte 255 Euro gab ich aus, bekam dafür aber auch eine Menge guter Produkte, die ich dringend benötigte. Lederschuhe, Sportschuhe, Laufschuhe, neuer Rucksack, Unterwäsche, Sportbekleidung usw. Hat sich echt ausgezahlt.

    Jetzt sitze ich hier vor dem PC und schreibe diesen Text, nachdem ich gerade den Fernseher ausgemacht habe. Mir kam es einfach sinnlos vor, meine Zeit jetzt vor dem TV zu vertrödeln, wenn ich währenddessen auch etwas sinnvolleres tun kann, was mir noch dazu mehr Freude bereitet! Deshalb schreibe ich jetzt hier und werde im Anschluss daran ein paar fachliterarische Texte in Suchtberatung und Psychotherapie durchackern, die ich mir gerade aus dem Internet heruntergeladen habe. Aber viel wird das wohl nicht mehr werden - spüre schon die Müdigkeit kommen.

    Naja - Morgen ist ja auch noch ein Tag.

    Euch allen noch einen schönen Abend und einen wunderschönen Sonntag!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Joe,

    tja, ich kann deine Sorge/Zweifel um Sinn und Unsinn der ambulanten Maßnahme verstehen. Ich war da selber am Zweifeln - und bin es jetzt, da ich kurz vor Beendigung derselben stehe - immer noch.

    Ich habe vor kurzem mal eine Art Aufstellung gemacht - und zwar eine Aufstellung meiner Veränderungen/Maßnahmen, die ich persönlich für die tragenden Säulen halte, damit ich heute - fast 9 Monate nach Beginn meiner Abstinenz - langsam damit beginnen kann von einer "zufriedenen, sich-selbst-tragenden Trockenheit" bei mir zu sprechen.

    - auf körperlicher Ebene: Einnahme eines leichten Anti-depressivums in Absprache mit meiner Fachärztin für Psychiatrie.
    - auf psychischer Ebene: Einzelgespräche mit meiner Psychologin in der Suchtberatungsstelle und die regelmäßige Teilnahme hier im Internetforum
    - auf geistiger Ebene: Meine Beschäftigung mit Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl

    Diese Dinge machen bei mir persönlich den "Mix" aus. Die Einzelgespräche mit der Psychologin sind nun mal Teil der ambulanten Maßnahme - deshalb bereue ich meine Teilnahme daran schon mal nicht. Dazu kommen halt die Gruppengespräche - und von deren Nutzen bin ich - ähnlich wie du - für mich persönlich nicht wirklich überzeugt. Trotzdem bin ich weit davon entfernt, sie als "nutzlos" zu bezeichnen. Auch dort bin ich eigentlich ganz gerne hingegangen, auch wenn sie mich nicht wirklich weitergebracht haben mögen.

    Ansonsten geht es bei mir einfach auch wieder bergauf, seitdem ich regelmäßig einer Arbeit nachgehen muss und dadurch Tagesstruktur bekommen habe. Um aber "fit" für das Arbeitsleben zu werden, mussten erstmal die anderen, oben beschriebenen Maßnahmen "greifen" - was der Fall war. Jetzt hoffe ich, das sich das alles über einen längeren Zeitraum stabilisieren kann. :wink:

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von phonix

    Liebe Freunde,
    Ich muss meinen Mann stehen. Heute lacht keiner mehr. Manchmal gibt es verwunderte Blicke, aber das macht mir nichts mehr aus. Niemand ist perfekt. Das weiß ich heute. Leider wusste ich es früher nicht. Vielleicht hätte ich so manche Flasche nicht trinken müssen, hätte ich es eher gewusst! Aber was wäre dann aus mir geworden?

    Ja, was wäre dann aus mir geworden? Ich habe mir diese Frage schon oft gestellt und werde sie mir, obwohl ich die Antwort darauf schon gefunden habe, immer wieder in meinem Leben stellen!

    Wenn ich diese Ängste nicht so extrem gehabt hätte und es nicht zu einem totalen Zusammenbruch durch den Alkohol gekommen wäre, so wäre mein Leben in „normalen“ Bahnen verlaufen.

    Leider hätten diese normalen Bahnen nur so ausgesehen, dass ich mich weiterhin ängstlich durchs Leben gemogelt hätte und ich Schlussendlich in meiner persönlichen Entwicklung stehen geblieben wäre. Ich hätte mich niemals diesen Situationen gestellt, in denen ich meine Ketten absprengen und mein persönliches Gefängnis verlassen konnte.
    Ich hätte einfach zuviel Angst vorm Leben gehabt.

    Gruß
    phonix

    Hallo phonix,

    deine Geschichte hat mich tief beeindruckt und passt irgendwie ja auch ganz gut zu meiner Signatur.

    Man kann wachsen und steigen im Widerstand. Das ist der Punkt, wo man sogar seiner Alkoholerkrankung einen tieferen Sinn verleihen kann - wenn man durch sie zu einem anderen Menschen wird, der man sonst wohl nicht geworden wäre.

    Hier ist auch der Punkt meines Selbstverständnisses.

    Ich danke dir vielmals dafür, dass du uns an deiner Geschichte hier Anteil haben lässt und wünsche dir weiterhin alles gute. :D

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    die Arbeitswoche ist ja schon wieder fast rum. :wink:

    Es ist weiterhin alles ok. Diese Woche kam eine neue Arbeitskollegin - die ich jetzt einarbeite. Ich bin ja auch schon sooo lange dabei. :roll:

    Es läuft weiterhin alles rund. Die Arbeit liegt mir und ich hatte auch diese Woche einige schöne Erlebnisse, die mir zeigen, dass ich da richtig bin.

    Ich freue mich trotzdem schon aufs Wochenende. Werde dann wohl ein paar Weihnachtsgeschenke kaufen gehen. Insgesamt eine sehr schöne Zeit gerade - den Advent mag ich ja sowieso ganz besonders.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von Freund

    Hallo und guten Abend,
    Ich kann doch nur an deiner Frage, lieber Blizzard, für mich prüfen, inwieweit ich mich geistig vom Alkohol gelöst habe und glücklich und zufrieden ohne ihn lebe, egal was mich konfrontieren mag.
    .

    Genau darum ging es mir bei dieser Frage. :wink:

    Was meine Gruppe anbelangt: Nun ja, das ist eine Therapiegruppe - keine Selbsthilfegruppe. Die anderen haben auch nicht direkt sofort ja zum Trinken in dieser Situation gesagt (bis auf einen). Aber ich denke sie haben ja gemeint und v.a. das "nein" vermieden.

    Diese Frage ist deshalb so wichtig, weil sie eben schonungslos aufzeigt, wie weit man bisher auf seinem Weg in die Trockenheit gekommen ist. Ich hätte diese Frage wohl noch im Mai diesen Jahres anders beantwortet als heute, was mir zeigt, das sich bei mir in den letzten Monaten tatsächlich etwas geändert, etwas vorangegangen ist. Und damit bin ich sehr zufrieden - und hoffe, das es so bleibt.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von JoeDoe75

    Eine kleine Gegenfrage (bitte sei nicht böse!):

    Deine Frau wird Opfer eines brutalen Gewaltverbrechens und verstirbt kur darauf. Greifst Du zur Flasche?

    J.

    Nein, ich würde nicht trinken. Das könnte ich meiner Frau nicht antun - auch wenn sie dann tot wäre und es wahrscheinlich nicht mehr mitbekommen würde. Das Andenken an einen geliebten Menschen bewahrt man nicht indem man sich selbst zerstört.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von Karsten

    Hallo Blizzard,

    eigentlich habe ich mit solchen ahrscheinlichkeits- bzw. Eventualtitätsfragen nichts am Hut.

    Wenn Du aber wirklich der Einzigste in Deiner Gruppe warst, der dan nichts trinken würde, solltest Du mal überlegen, ob es die richtige Gruppe für Dich ist.

    Warum würden die anderen trinken? Üben sie Verzicht und denken, der Alkohol kann doch noch eine Hilfe sein, wenn eh alles alles zu Ende ist?

    Hallo Karsten,

    einer der Gruppenmitglieder sagte sofort und frei von der Leber weg, dass er sich in diesem hypothetischen Falle sofort 5 Tage "die Kante geben" würde. Andere stimmten leise oder zumindest gestisch zu. Ein anderes Mitglied der Runde meinte, ich sei "arrogant", wenn ich behaupten würde, dann nichts zu trinken - woraus man schließen könnte, das meine Behauptung unrealistisch weil großkotzig sei. :?:

    Wie Micha angemerkt hat: Im Prinzip handelt es sich hier zweifelsohne um die "Gretchenfrage": Denn natürlich können wir alle nicht mit 100%-er Sicherheit sagen, wir würden so oder so handeln.

    Aber wenn wir uns diesen hypothetischen Fall trotzdem vorstellen, bekommen wir alle, jeder für sich, zumindest eine Ahnung, ein Gefühl, wie wir wahrscheinlich handeln würden. Es zeichnet sich sozusagen eine gefühlsmäßige Tendenz ab, wie wir dann (in Bezug auf die Frage: trinken - ja oder nein?) reagieren würden.

    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich trinken würde. Und selbst wenn ich morgen auf dem Weg zur Arbeit von der Strassenbahn überfahren werden sollte, würde ich mir im Jenseits (sollte dies möglich sein - wieder so eine Hypothese) NICHT denken, dass es rückblickend sinnlos gewesen wäre, die letzten 9 Monate meines Lebens nüchtern verbracht zu haben.

    Denn letztendlich müssen wir ja alle früher oder später sterben. Und dann ist das einzige was zählt, sprich: was von uns übrig bleibt - die "Spuren", die wir auf dieser Welt hinterlassen haben. Und die Spuren, die ich in den letzten 9 Monaten hinterlassen habe, halte ich für wesentlich fruchtbarer und erinnerungswürdiger, als wenn ich mir in dieser Zeit Tag für Tag die Kante gegeben hätte - im Hinblick auf das so oder so früher oder später unausweichliche.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo,

    die Frage dieses Threads geht an alle Trockenen und abstinent-lebenden unter uns:

    Was würdet ihr tun, wenn in 5 Tagen ein Komet auf die Erde knallt, der sämtliches Leben auslöschen würde? Würdet ihr in diesen 5 Tagen trinken?

    Wie komme ich zu der Frage, werdet ihr euch jetzt vielleicht denken. Nun, ich habe genau diese Frage letzten Dienstag in meiner Therapiegruppe gestellt - und ich war der einzige, der gesagt hat, dass er in diesen 5 Tagen nicht trinken würde. Es gäbe keinen Grund für mich, die letzten 5 Tage in besoffenem Zustand zu verbringen, selbst wenn offensichtlicherweise "eh alles schon egal wäre". Ich würde trotzdem nichts trinken - und das meine ich im vollen Ernst.

    Ich sehe mein trockenes Leben als ein wunderbares Geschenk an und nicht als ein "notwendiges Übel" weil ich krank bin. Abstinent leben ist für mich der einzig gangbare Weg, der mein Leben sinnvoll machen kann - selbst wenn morgen (oder in 5 Tagen) alles vorbei sein würde.

    Wie denkt ihr darüber?

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Bernd,

    ja, diese Diskussionen kenn ich. Am letzten Sonntag war ich bei einem Freund eingeladen, der bisher noch nicht so wirklich was von meiner Krankheit wusste. Als ich ihm sagte, dass ich Alkoholiker bin und seit März jetzt nichts mehr getrunken habe, meinte er, dann wäre ich kein Alkoholiker, weil Alkoholiker ist man ja nur, wenn man nicht aufhören kann zu trinken.

    Wir müssen einfach lernen damit zu leben und umzugehen, dass da draussen viele, viele Menschen leben, die nicht besonders viel über unsere Krankheit wissen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Freunde,

    melde mich mal wieder. Heute ist ein richtig schöner Tag. Durch meine neue Arbeitsstelle habe ich ja jetzt einen ganz anderen Tagesrhythmus. Ich stehe ja wochentags ca. um 5:20 Uhr auf - am Wochenende wirds aber auch nicht so viel später - meistens schlafe ich dann halt bis ca. 6:30 Uhr. Samstags ist bei uns immer vormittags Putzen, Waschen, Saugen, Müllwegbringen ect. angesagt. Meine Frau war gestern zu einer Party eingeladen, kam erst um ein Uhr nachts nach Hause und schlief dann bis halb neun. Als sie aufstand war die Wohnung schon picobello in Ordnung. Das war ein gutes Gefühl. Und der Tag hatte damit ja erst begonnen!

    Nach einem herrlichen Mittagessen war ich eine große Runde laufen (ca. 15 km), danach heiß baden, hab mir dann das Ski-Springen im TV angesehen und war gerade nochmal einen Adventkranz kaufen (die Weihnachtsbeleuchtung habe ich in der Pause des Ski-Springens aufgehängt). Dann waren wir gerade noch in der Videothek und haben uns für heute abend zur Abrundung dieses schönen Tages einen gepflegten Horrorfilm ausgeliehen. :twisted:

    Warum beschreibe ich eigentlich den heutigen Tag? Nun, das ist erst während des Schreibens "mir sozusagen aus den Fingern geflossen". Vielleicht muss ich einfach mal so einen Tag rekapitulieren um mir bewusst zu werden, wie weit ich in den letzten, fast neun Monaten, schon gekommen bin. Ein Wochenende wie dieses - nach einer herausfordernden und gleichzeitig sehr schönen Arbeitswoche - tut da richtig gut.

    Ich bin momentan einfach sehr zufrieden und hoffe euch geht es auch allen gut.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Blizzard