Hallo phoenix,
natürlich können wir aus der Ferne (ja wahrscheinlich nicht mal du selber) beurteilen, ob dieser Typ da die Wahrheit gesagt hat (von wegen er habe sich immer noch um seine Kinder gekümmert). Sowas ist sowieso immer eine subjektive Wahrnehmung. Bei jemanden der lange als nasser Alkoholiker und obendrein als Junkie gelebt hat, lässt sich das für mich nur schwer vorstellen. Grundsätzlich gibt es aber tatsächlich Unterschiede, die meiner Erfahrung nach in der eigenen Sozialisation und Erziehung mitbegründet sind, aber auch im jeweiligen Typus des Alkoholikers begründet liegen. Will sagen: Auch mir ist aufgefallen, das Alkoholiker einen sehr unterschiedlichen Grad des "sich gehen lassens" in ihrer nassen Zeit an den Tag legen.
Der eine trinkt plötzlich exzessiv (Quartalssäufer z.B.) und 1-2 Wochen durchgehend bevor er schließlich auf der Intensivstation landet. Er/Sie lässt in dieser Zeit alles stehen und liegen um sich dem Rausch hinzugeben. Lässt Kinder Kinder sein, Arbeit Arbeit und isst nicht mal mehr.
Ein anderer lebt jahrzehntelang als "versteckter Alkoholiker", der nach aussen hin ein verantwortungsvolles und geregeltes Leben führt, bevor er schließlich irgendwann doch psychisch einbricht und sich - zum Erstaunen und Schock aller - in suchttherapeutische Behandlung begibt. Dieser Typ Alkoholiker hat womöglich tatsächlich die ganze Zeit über sich mehr oder weniger gut um seine Kinder kümmern können.
Das sind natürlich 2 Extremfälle. Die Majorität liegt wohl irgendwo dazwischen.
Jedenfalls sind die Fälle eben teilweise sehr unterschiedlich. Wie ein Süchtiger sein Leben letztendlich trotzdem noch unter Kontrolle hat, hängt - wie ich weiter oben schon erwähnt habe - meiner Meinung nach auch sehr mit der persönlichen Herkunft ab. In meiner Suchtberatungsstelle sehe ich leider immer wieder, wie verantwortungslos und ich-bezogen gerade Alkoliker aus bildungsfernen Schichten mit ihrer Umwelt (und damit natürlich auch mit ihren Kindern) umgehen. Mir drängt sich daher schon der Verdacht auf, das es da einen statistischen Zusammenhang zwischen Bildung/Erziehung einerseits und Verantwortungsgefühl andererseits gibt.
Herzlichst,
Blizzard