Beiträge von Blizzard

    Hallo Hummelmann,

    ja, deine Situation ist wirklich saumäßig ernst, um es mal so auszudrücken.

    Du musst dringend was unternehmen. Am besten als ersten Schritt zur Suchtberatung oder zum Arzt, dann als zweiten Schritt zum klinischen Entzug (erspart dir nicht nur die körperlichen Gefahren eines kalten Entzuges, sondern wird auch von deiner Psyche als "konsequenter" Schritt verarbeitet, nicht so wie deine Wischiwaschi-Selbstentzüge die dich keinen Schritt vorangebracht haben). Und drittens solltest du dann dringend wieder eine Therapie in Augenschein nehmen um konsequent an dir zu arbeiten. Denn so wie ich es verstehe, wirst du viel aufzuarbeiten haben, nachdem du dich Jahre lang konsequent (nicht nur mit Alkohol) zugeballert hast.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo kleine Biene und Phonix,

    und alle anderen die hier gelegentlich mitlesen!

    Heute war ich wieder bei der Suchtberatung und habe mit meiner Psychologin dort den Antrag auf ambulante Reha ausgefüllt, soll heißen, ich habe ihr meine ganze Trinkergeschichte für den Sozialbericht offenbart. Irgendwie war es seltsam, denn ich habe über dieses eigentlich so dunkle Kapitel meines Lebens gerne geredet.

    Am Nachmittag war ich bei meiner Hausärztin und habe ihr den Teil des Antrages überreicht, den sie für mich ausfüllen muss.

    Phonix, dass was du über die "Leere" geschrieben hast, ist richtig und wichtig. Es ist tatsächlich so, dass die "Feierstunde" einfach entfallen ist. Die Leere selbst habe ich damit "beendet", indem ich mir die nächsten sportlichen Ziele vergegenwärtigt habe, nach dem Motto: "Nach dem Wettkampf ist vor dem nächsten Wettkampf". Meine künftige Arbeit, bzw. mein künftiges Ziel ist es aber auch, Erfolge dann auch richtig feiern zu können, ohne Alkohol und ohne Gedanken daran. Mich sozusagen aus tiefstem Herzen nüchtern freuen und das Leben genießen können. :D

    Als ich da so heute darüber nachdachte, wurde mir bewusst, wie wichtig der Sport für mich, insbesondere die letzten 2 Monate, war und ist. Ohne die regelmäßigen Trainingseinheiten hätte ich diese emotional so aufwühlende und anstrengende erste Zeit der Trockenheit wohl kaum so gut hinbekommen, wäre womöglich in ein richtig tiefes seelisches Loch gestürzt. Das Training war tatsächlich irgendwo mein größter Halt in dieser Zeit, wo ich mich gehen lassen und freuen konnte - ohne Gedanken an Alkohol und meine Probleme.

    Vielen Dank an dieser Stelle allen, die bisher in meinem Thread geantwortet haben. Macht weiter so - ich freue mich über jedes Feedback!

    Hallo Melli,

    gut das du dir Sorgen um deinen Alkoholkonsum machst, das ist der erste Schritt zur Erkenntnis, dass du definitiv ein Problem mit dem Trinken hast.

    Du setzt Alkohol ganz bewusst ein, um bestimmte Gefühlszustände zu erreichen. Man nennt das auh Alkoholmissbrauch - und der ist der direkte Weg in die Sucht.

    An deiner Lage gibt es nichts zu beschönigen. So wie bei dir, haben hier viele Sucht-Karriere begonnen, meine eigene auch. Als ich so alt war wie du, hatte ich genau die gleichen Trinkgewohnheiten (ausser das ich vorwiegend Bier trank). Und natürlich hatte ich auch ein schlechtes Gewissen - denn insgeheim wusste ich ja, dass das nicht richtig und gut sein konnte, was ich meinem Körper und meiner Psyche damit antat.

    Trotzdem musste ich noch jahrelang weitersaufen, bevor ich mich entschloss, ernsthaft etwas dagegen zu unternehmen.

    Ich kann dir nur wünschen, dass du nicht so viel wertvolle Lebenszeit wie ich ins Land streichen lässt, sondern möglichst bald beginnst, etwas gegen deine Trinkerei zu tun. Der erste Weg sollte dich zum Hausarzt oder zu einer Suchtberatungsstelle führen. Dort wird man dir weiterhelfen.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Schein der Sonne,

    wenn du heute noch leben willst, musst du noch heute anfangen, etwas in die richtige Richtung zu unternehmen. Das bedeutet: Entweder zu Deinem Hausarzt zu gehen, oder (so wie ich es tat) in die örtliche Suchtberatung.

    Nur vom darüber nachdenken und schreiben wird sich nichts ändern. Ich weiß, dass dieser erste Schritt, sich zu öffnen und fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, schwierig ist - allerdings führt kein Weg daran vorbei.

    Wenn du wüsstest (oder den starken Verdacht hättest), dass du Krebs hast, würdest du wahrscheinlich auch sofort zum Arzt gehen, anstatt die Wohnung aufzuräumen. Alkoholismus ist eine Krankheit, die immer tödlich endet (bei dem einen dauerts länger, beim anderen gehts schneller).

    Dein junges Alter erspart dir momentan vielleicht noch schlimmere körperliche Schäden, dein skizzierter Alkoholkonsum sollte dich aber zutiefst beunruhigen und tut das ja auch, sonst wärst du ja nie auf dieses Forum gestoßen.

    Und ja, deine psychischen Probleme kommen definitiv auch (oder alleine) vom Alkoholkonsum. Alkohol ist ein toxisches Gift, welches das Nervensystem angreift und bei sehr vielen Menschen die unterschiedlichsten psychischen Störungen auslöst.

    Was willst du also tun? Dich weiterhin quälen? Eine Panikattacke nach der anderen erleben? Immer tiefer sinken, auch emotional? Oder willst du etwas dagegen unternehmen? Wenn ja, dann geh so schnell wie möglich zu deinem Arzt und/oder Suchtberatungsstelle. Alleine wirst du es nicht dauerhaft schaffen.

    Viele Grüße,

    Blizzard

    Hallo pla,

    ich denke auch, dass dein (Stief?-)Vater erst mal seine Ruhe zur körperlichen Entgiftung braucht. Wahrscheinlich wird er momentan sediert, d.h. er bekommt starke Medikamente, um den körperlichen Entzug erträglicher und v.a. ungefährlich zu machen (um Halluzinationen, Krampfanfällen usw. vorzubeugen).

    Wenn er dann nach drei Tagen verlegt wird, wie du es schreibst, wird das Schlimmste möglicherweise vorbei sein. Frühestens dann würde ich über einen Besuch nachdenken. Bis dahin solltet ihr einfach mit dem behandelnden Arzt telefonieren, der ja solche Fälle von seiner tagtäglichen Arbeit kennt und weiß, ob eine Kontaktaufnahme jetzt sinnvoll und vom Patienten erwünscht ist.

    Grüße,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    da bin ich wieder.

    Der Wettkampf am Wochenende war erfolgreich. Ich habe zahlreiche persönliche Bestleistungen aufgestellt und meine Wetten mit Freunden allesamt gewonnen.

    Trotzdem war alles irgendwie anders. Denn zum ersten Mal seit Beginn meiner jüngsten Trockenheit hatte ich nach Ende des Wettkampfes echt das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen, als ich manch anderem zusah, wie er sein Belohnungsbier trank.

    Ich geriet zwar überhaupt nicht in Versuchung (dafür ist mein Vorsatz dieses Mal viel zu eindeutig und stark), jedoch hatte ich kurzzeitig dieses Gefühl "ach ich armes Würmchen, niemals werde ich wieder so ausgelassen einen Erfolg genießen können, wie die da".

    Und das übertrug sich dann auch ein wenig auf meine Stimmung nach dem Wettkampf und auf die folgenden Tage danach. Denn es war zwar ein gutes Gefühl, seine Ziele erreicht zu haben, auf die man 9 Monate lang hintrainiert hat, jedoch hielt es nicht lange vor - nicht wie es eigentlich bei einem solchen Erfolg sein sollte. Stattdessen fiel ich in den letzten Tagen (insbesondere gestern) zeitweise in ein Loch der Leere und Traurigkeit. Früher hätte ich nach einem solchen Erfolg erstmal eine Woche lang gefeiert und mich gut gefühlt. Das ist jetzt anders.

    Die angst- und sorgenbeladenen Gedanken, wie es mit mir gesundheitlich (psychisch) und beruflich weitergeht, haben mich wieder gnadenlos gefangengenommen.

    Gestern war ich beim Arzt und habe mir eine Überweisung für den Internisten geben lassen, weil ich noch einen Leber-Ultraschall machen muss. Ansonsten werde ich am Freitag den Antrag auf die ambulante Therapie mit meinem Hausarzt ausfüllen.

    Bis dahin geht es hoffentlich wieder gefühlsmäßig aufwärts.

    Grüße an euch alle!

    Blizzard

    Hallo Ketch,

    ja da ist guter Rat teuer - zumal wir hier ja deine genaue persönliche Situation und den Charakter/die Art deines Freundes nur erahnen können. Wir können dir daher höchstens unverbindliche Tipps geben, was du tust musst du selber sehr sorgfältig überlegen.

    Es gibt aber ein paar grundlegende Überlegungen, die du dir verdeutlichen musst:

    Auch wenn es nervenaufreibend für dich ist - du darfst aus deiner offenen Ablehnung seines Alkoholkonsums weiterhin kein Geheimnis machen. Sobald du aufgibst und ihn nicht mehr darauf ansprichst, wird er sich beruhigt zurücklegen und weitertrinken, weil er ja keinen Druck mehr verspürt.

    Ich kann dich gut verstehen, da es meiner Freundin mit mir ähnlich ergangen ist. Bei ihr gibt es zwar keine familiäre Vorbelastung mit Alkohol, jedoch reagiert sie auch geradezu allergisch auf Alkohol-Fahnen und Ausdünstung im Schlafzimmer. Das geht also nicht nur Menschen mit einer vorbelastenden Familiengeschichte so! Alkoholiker stinken nun mal einfach. Niemand findet diesen Geruch angenehm. Am wenigsten die Alkoholiker selber sobald sie trocken sind. Wenn sich in der U-Bahn jemand mit einer zum Himmel stinkenden Fahne neben mich setzt, setze ich mich weg, weil das einfach widerlich ist.

    Leider kapieren viele von uns erst wirklich, dass die Trinkerei ein Ende haben muss, wenn alles zu spät ist. Die meisten von uns müssen erst richtig tief sinken, bevor sie bereit sind, den Alkohol völlig und überzeugt zu entsagen. Ich hoffe, dass das bei dir nicht so ist, jedoch deutet darauf im Moment vieles hin. Seinen eigenen Alkoholkonsum systematisch herunterzuspielen ist eine der prägnantesten Verhaltensweisen von nassen Alkoholikern. Wir reagieren im Allgemeinen äußerst gereizt darauf, wenn man uns darauf anspricht.

    Im Allgemeinen ist es mit dem Trinken so: Am Anfang überwiegen bei uns allen die Vorteile des Trinkens. Der Rausch, die Lockerheit, die wegfallenden Hemmungen usw. Im Laufe der Zeit nehmen dann aber die Nachteile zu (körperliche Schäden, Vergesslichkeit, Desinteresse an anderen Lebensinhalten, Beziehungskrisen, Führerscheinentzug, Arbeitslosigkeit usw.). Dadurch wird unser Leidensdruck irgendwann so groß, dass wir dann - an unserem persönlichen Tiefpunkt angelangt - endlich sagen: Ich muss was ändern.

    Der Leidensdruck bei deinem Freund ist offensichtlich noch lange nicht groß genug, um etwas ändern zu müssen.

    Was kannst du also tun?

    Du könntest ihn mal damit konfrontieren, dass du überzeugt davon bist, dass er ein schweres Alkoholproblem hat. Dies wird er dann energisch abstreiten. Als nächstes forderst du ihn auf, den Beweis anzutreten, und, sagen wir mal, 4 Wochen nichts zu trinken. Ein Mensch der kein Alkoholproblem hat, kann das jederzeit, auch ohne dass er dies explizit für einen anderen Menschen tut (z.B. für den Partner). Provoziere ihn und sage ihm, dass du ihn nicht für fähig hältst, diese Zeit durchzuhalten.

    Möglicherweise fühlt er sich davon herausgefordert und geht auf deine Provokation ein. Wenn er dann in den 4 Wochen einknickt, wird er sich sehr schämen (auch wenn er das natürlich nicht zeigt) und das Problembewusstsein wird wachsen. Wenn er nicht einknickt, hast du 4 Wochen Zeit, dich mit ihm im nüchternen Kopf über die Alkohol-Sache zu unterhalten, ihm sagen, wie schön du diese Zeit findest, und dass du dich ehrlich davor ekelst, wenn er wieder anfangen sollte zu trinken und spätestens dann auf die Couch übersiedelst!

    Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich nur meine Gedanken niederschreibe. Ich bin kein Experte für Co-Abhängige! Das sind nur die Gedanken, von denen ich denke, dass sie bei mir auf fruchtbaren Boden gestoßen wären, in der Situation deines Freundes.

    Grüße,

    Blizzard

    Hallo Charlotta,

    eine Entgiftung dauert in der Regel 6-10 Tage, in Einzelfällen auch länger. Ist auch stark vom jeweiligen Krankenhaus abhängig was ich in einer Selbsthilfegruppe erfahren habe. Bei uns im Bezirk sind die Betten ständig so ausgelastet, dass der Aufenthalt des Einzelnen so kurz als möglich und körperlich nötig gehalten wird. Lässt sich aber hoffentlich nicht verallgemeinern.

    Diese Entgiftung zahlt normalerweise die Krankenkasse. Dazu holt man sich die Überweisung vom Hausarzt, der ja immer der erste Ansprechpartner sein sollte. Mit der Überweisung gehst du dann zur Krankenkasse und lässt dir die Entgiftung bewilligen. Oder der Arzt überweist deinen Mann als Notfall (vom Hausarzt auf der Übeweisung entsprechend zu vermerken). Dann kanns sofort losgehen.

    Von der "Entgiftung" zu unterscheiden ist die "Entwöhnung". Letzteres kann im Rahmen einer stationären oder ambulanten Langzeittherapie erfolgen. Ob und welche Maßnahme nach der Entgiftung bei dem Einzelnen Sinn macht, klärt man am besten im gemeinsamen Gespräch, optimalerweise im fachlichen Rahmen (z.B. einer örtlichen Suchtberatungsstelle) ab.

    Für die Finanzierung dieser Langzeittherapien ist bei den meisten Menschen der Rentenversicherungsträger zuständig. Notwendig sind hierfür eine bestimmte Anzahl an Monaten an denen man Rentenversicherungsbeiträge bezahlt hat. Wenn man sich unsicher ist, einfach die Rentenversicherung anrufen und fragen ob sie für eine Therapie zuständig wäre.

    Wenn nicht, muss die Krankenkasse zahlen.

    Viele Grüße und viel Glück für dich und deinen Mann!

    Gruß,

    Blizzard

    Liebe Ketch,

    vorneweg: Du täuscht dich nicht! Dein Freund hat ein Alkoholproblem und alles was du über ihn geschrieben hast, passt perfekt ins Bild. Im Großen und Ganzen erkenne ich mich in seinem Verhalten zu 100 % wieder (jetzt wo ich trocken bin natürlich nicht mehr). Ich glaube auch, dass dein Freund das selber weiß, aber noch nicht in der Lage ist, sich seine Alkoholsucht selber einzugestehen.

    Jaja, die "ich-trinke-ja-nur-Bier"-Alkoholiker. Ich gehörte auch dazu. Was zählt ist die Alkoholmenge. Und wenn dein Freund an einem Abend z.B. 4 Flaschen Bier trinkt, dann ist das von der Menge genausoviel wie eine Flasche Wein oder eine halbe Flasche Likeur.

    Das dein Freund nach 2 Abenden ohne Bier wieder ein 6-Pack in den Einkaufswagen hievte, zeigt, wie schwer er sich damit tut, auf den täglichen "Mini-"Rausch zu verzichten.

    Wir Alkoholiker sind im Übrigen "Meister der Tarnung und Täuschung". Wir wissen, dass unsere Umgebung teilweise sehr reserviert und unerfreut unserem Alkoholkonsum gegenübersteht - deswegen passen wir schon auf, wo und wann wir wieviel trinken. "Sich gehen lassen" - das tun nur die Obdachlosen auf der Parkbank. Ich würde mich daher auch nicht darauf verlassen, wenn dir dein Freund z.B. sagt, dass er am Abend vor dem Fernseher nur die 2 Bier getrunken hat. Vielleicht hat er bevor er nach Hause kam schon auf dem Weg 2 weitere Flaschen getrunken. Ich jedenfalls habe das immer gemacht und meiner Freundin so systematisch vorgemacht, nur halb so viel getrunken zu haben, wie es tatsächlich der Fall war.

    Ich kann dir daher nur den Rat geben, nicht nachzugeben. Zum Schlafen auf die Wohnzimmercouch auszuziehen, so wie du es planst, kann ein wirkungsvolles Instrument sein. Das würde ihm ganz schön zu denken geben. Allerdings kann es natürlich auch passieren, dass er sich trotzdem nicht ändert und du nicht für alle Ewigkeiten auf der Couch schlafen willst.

    Wie auch immer, ich wünsche dir viel Glück!

    Blizzard

    Hallo kleine Biene,

    ja, ich werde meinen Weg weitergehen - denn zu den von dir beschriebenen "verlorenen Seelen" will ich nie wieder gehören. Ich weiß genau was du meinst. Und oft saß ich ja selber so gedankenverloren mit meinem Bier auf der Parkbank und habe darüber nachgedacht, was jetzt wohl die anderen, gesunden Passanten von mir denken mögen. Und was immer sie auch dachten, sie hatten damit recht.

    Hallo Falk,

    danke für guten Wünsche. Ich hoffe das wird alles am Wochenende glatt über die Bühne gehen. Ich bin gut vorbereitet und bis jetzt auch noch nicht nervös.

    Heute war ich wieder bei der Psychologin der Suchtberatung. Wir kamen jetzt an einen Punkt, wo ich mich entscheiden muss: Ambulante Therapie ja oder nein?

    Ich wollte zuerst abblocken und eher verneinen, doch dann wurde mir schnell bewusst, dass das wieder so eine typische Abwehrhaltung von mir ist. Eine Haltung mir einen möglichst bequemen Weg zu suchen. Innerlich weiß ich, dass so eine Therapie sehr sinnvoll für mich wäre, aber das Fleisch ist bisweilen schwach.

    Nachdem wir vor Ort klären konnten, das in meinem Fall von der Finanzierung her die Rentenversicherung zuständig ist, habe ich mir die notwendigen Formulare mitgeben lassen, und für mich die Entscheidung getroffen, so eine Therapie jetzt doch zu machen. Im Gespräch mit meiner Psychologin habe ich einfach gemerkt, das es viele offene Punkte in meinem Leben gibt, viele "Baustellen", die bearbeitet werden müssen. Und mittlerweile habe ich auch eingesehen, dass es immer erfolgsversprechender ist, dies nicht alleine zu versuchen.

    Gruß an euch alle,

    Blizzard

    Hallo Brigitte, Falk und alle anderen Besucher meines Threads,

    auch in den letzten Tagen geht es mir weiterhin gut. Wenn ich rückblickend die letzten 52 Tage (seitdem bin ich ja wieder trocken) betrachte, stelle ich fest, das es jetzt langsam von meinem Grundgefühl bergauf geht. Diese letzten gut 7 Wochen waren vielleicht die bisher intensivste Zeit in meinem Leben. Ich habe mich sehr viel mit mir und meinen Gedanken, Gefühlen, Ängsten und Sorgen beschäftigt und merke jetzt langsam, dass es besser wird.

    Diese intensive Auseinandersetzung (die ja auch weiterhin andauert) habe ich gründlich notwendig gehabt. Mir ist schon vieles klar geworden und es wird mir noch vieles klar werden müssen, um dorthin zu kommen, wo ich hin will: Zu einer zufriedenen Trockenheit. Ich möchte auch betonen, dass dies nur funktionieren konnte, weil ich die notwendige Zeit dafür hatte. Wenn ich momentan Vollzeit arbeiten hätte müssen, hätte das nicht funktioniert. Und so bin ich froh, dass ich meine derzeitige Arbeitslosigkeit bisher bestens "investiert" habe.

    Am Wochenende habe ich einen schweren und herausfordernden sportlichen Wettkampf, der sich über 2 Tage zieht. Ich habe mich akribisch darauf vorbereitet und freue mich jetzt schon richtig darauf.

    Demnächst werde ich die Stellensuche wieder aufnehmen, am liebsten wäre mir vorerst eine Beschäftigung in Teilzeit. Ausserdem wollte ich mich ja wieder an der Uni bewerben. Das geht dann alles nächste Woche los.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Slicks,

    du befindest dich gerade in einem Entscheidungsfindungsprozess. Du überlegst, ob du weitermachen sollst, wie bisher, ob du eventuell deinen Konsum auf ein "gesundes Maß" runterschrauben kannst, oder ob du dem Alkohol voll und ganz entsagst und fortan versuchst dir ein erfülltes und glückliches Leben ohne Alkohol aufzubauen.

    Das sind 3 Möglichkeiten, wobei die 2. (Stichwort: "kontrolliertes Trinken") bei Alkoholikern nicht funktioniert. Bleibt also noch a) weitertrinken oder b) aufhören.

    Diese Entscheidung kann dir keiner abnehmen.

    Setz dich in aller Ruhe hin, und mach dir eine Liste über die Vor- und die Nachteile des Alkohol-Trinkens. Wenn die Vorteile bei dir noch überwiegen, wirst du den Absprung nicht schaffen, denn dann wird bei dir permanent der Gedanken im Vordergrund stehen, auf etwas "Verzichten" zu müssen. Dann ist der Rückfall vorprogrammiert.

    Wenn jedoch die Liste der Nachteile von dir auch emotional als viel länger empfunden wird, solltest du für dich die Entscheidung treffen, etwas zu ändern, die dann auch eine reelle Chance hat, sich zu behaupten. Dazu braucht es einen großen entschiedenen Willen, keine "ich kanns ja mal versuchen-Einstellung".

    Ansonsten kann ich dir nur empfehlen, dich zu informieren. Lies hier im Forum, lies im Internet, lass dir Infomaterial zum Thema schicken, z.B. von bekannten Alkoholselbsthilfegruppen. Es gibt viele Bücher zum Thema, auch viele Biographien von Leuten die es geschafft haben.

    Jeder muss seinen eigenen Weg finden, keiner hat ein Patentrezept. Wichtig ist aber erstmal sich von ganzen Herzen zu entscheiden, den Weg in ein trockenes Leben zu beschreiten und den 1. Schritt zu machen: Keinen Alkohol mehr zu trinken.

    Hallo Slicks,

    du fragst nach der Belohnung. Das zeigt mir eindeutig (und das ist ja aufgrund deiner noch sehr jungen Saufkarriere normal), dass du noch lange nicht tief genug gesunken bist, um ernsthaft dem Alkohol zu entsagen zu können und zu wollen.

    Ich habe (bzw. ich bin gerade dabei) ja "schon" mit 27 die Konsequenzen aus meinem Verhalten gezogen. Andere tun dies erst viel später. Ich tat bzw. tue das, weil ich merkte, in welche Richtung mich der Alkohol trieb. Ich bekam Depressionen durch den Alkohol, ich bekam eine Fettleber. Das ist übrigens nicht ungewöhnlich! Auch die Leber von jungen Leuten verträgt nicht mehr als von anderen!!! Lies dazu doch einfach folgende Geschichte:

    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…ftopic2565.html

    Obwohl ich die Fettleber (= erste Stufe auf dem Weg zur Leberzirrose) schon mit 24 diagnostiziert bekam, habe ich versucht, weiterhin - mit der Einlage von Trinkpausen (wie gesagt, die längste dauerte über 5 Monate), weiterzutrinken.

    Erst jetzt, wo ich mit meinem Berufsleben Probleme bekam, mich Depressionen quälten und ich noch dazu demnächst heiraten werde und irgendwann auch Kinder in die Welt setzen will, wurde mir klar, dass es SO nicht funktioniert. Alles was ich mir in meinem Leben wünsche (z.B. beruflicher Erfolg, Familiengründung, Hausbau, Ostseeurlaube, körperliche und psychische Gesundheit, sportlicher Erfolg) kann ich defintiv nur erreichen, wenn ich dem Alkohol ade sage. Kontrolliertes Trinken gibt es für mich nicht. Das gibt es für keinen Alkoholiker. Viele hier haben das versucht, alle sind daran gescheitert.

    Wenn ich weitertrinken würde, wäre ich eventuell mit 35 oder 40 TOT! Wenn ich jetzt aber aufhöre, habe ich eine Chance, dass sich meine Leber vollständig erholt und ich werde vielleicht 100 Jahre alt und habe die Möglichkeit, alle Ziele zu erreichen. IST DAS NICHT GENUG BELOHNUNG?

    Ein kleiner Tipp noch zu der Sache mit dem "nie wieder trinken". Dieser Gedanke kann einem wirklich erschlagen. Deshalb solltest du bewusst, so wie es von vielen Selbsthilfegruppen und Suchttherapeuten (z.B. steht das auch im Grundsatzprogramm der Anonymen Alkoholiker) empfohlen wird, dein Leben in Einheiten von Tagen gliedern.

    Sage dir also stets in der Früh beim Aufstehen: "Heute ist ein schöner Tag, ich werde HEUTE mal nichts trinken". Und das machst du dann jeden Morgen. Das sind dann jeweils nur 24 Stunden. :wink:

    Hallo Slicks,

    gut, dass du dir in deinem Alter schon Sorgen machst, um deinen Alkoholkonsum. Du hast ganz offensichtlich ein Problem mit dieser Volksdroge umzugehen und das weißt du auch. Ich (jetzt 27 Jahre alt) wusste das auch bereits mit 18. Aber ich machte mir keine weiteren Gedanken darüber, trank weiter, hatte äußerlichen Erfolg im Leben (Schule, Studium, Beziehung usw.) und dachte daher, das die ganze Sache für mich kein Problem darstellt.

    Ich erkenne mich gut in deiner Situation wieder und möchte dich daher eindringlich warnen. Denn auch wenn wir dir hier keine Ferndiagnosen stellen können, ob du tatsächlich abhängig bist oder nicht, so steht nach Lesen deines Textes für mich fest, das "normales Trinken" für dich offenbar nicht möglich ist. Warum die einen Menschen "normal" trinken können, und die anderen nicht, weiß kein Mensch. Auch die Wissenschaft hat darauf noch keine befriedigende Antwort gefunden.

    Bei dir kommt aber noch etwas sehr entscheidendes dazu: Du setzt den Alkohol BEWUSST ein, um bestimmte Gefühlszustände zu erreichen: Schmerzen abzutöten, Freude zu erzeugen, Stress abzubauen usw. Das nennt man auch AlkoholMISSBRAUCH. Dieser führt fast zwangsläufig in die Abhängigkeit, wenn er laufend praktiziert wird.

    Dein Weg scheint mir vorgezeichnet, zumindest, wenn ich ihn mit meinem eigenen Werdegang vergleiche. Ich hatte auch schon mit 18 schwere Gewissensbisse, immer wieder mal richtig depressive Tage (meist nach totalen Abstürzen), wo ich mich fragte, wie es bloß so weitergehen soll. Allerdings hielten diese schlechten Gefühle nur, bis ich mich körperlich wieder erholt hatte - dann gings weiter. Selbst Trinkpausen von bis zu einem halben Jahr änderten daran nichts. Und so soff ich bis vor einem halben Jahr weiter, ohne einen wirklichen Schlussstrich überhaupt in Erwägung zu ziehen.

    Wie wichtig ist dir der Alkohol?könntest du, sagen wir, einfach mal so (ohne mit der Wimper zu zucken) 2 Monate nichts trinken, ohne dass es dir irgendetwas ausmacht, ohne dass du irgendwas vermissen würdest, ohne dass dein Leben dadurch negativ beeinflusst wäre? Ich glaube nicht. Von daher hast du definitiv ein Alkoholproblem, auch wenn (noch) keine körperliche Abhängigkeit vorliegt.

    Wenn du jetzt nicht grundlegend was änderst und dem Alkohol vollständig und von ganzem Herzen entsagst, hast du noch viele bittere Momente vor dir, viele regnerische Tage an denen du dich fragen wirst, warum du gestern wieder so voll warst. Du wirst dich schämen und im Bett hin- und herrrollen und das wird immer und immer wieder passieren. So war es jedenfalls bei mir.

    Solange du mit deinen Freunden in die Kneipe gehst, ist das nächste Glas nicht weit entfernt. Vielleicht schaffst du es heute und nächste Woche, dich mit Mineralwasser daneben zu setzen, aber irgendwann reißen die Dämme. Verlass dich darauf.

    Gruß,

    Blizzard

    Zitat von Karsten

    Hallo banananas,

    da mir meine Saufzeit fast das Leben gekostet hat, interessiert es mich überhaupt nicht, wie andere Menschen damit klar kommen, dass ich in meinem Umfeld keinen Alkohol will.

    Ich sehe das eben von einer anderen Seite, nämlich von der Seite, dass mir ein Rückfall mein Leben kostet.
    Ja, ich habe damals von meinem Umfeld verlangt, dass sie nichts trinken, wenn sie in meiner Nähe sind. Wen das nicht passte, ist aus aus meinem Leben verschwunden.
    Ich gehe keine in meiner Nüchternheit keine Kompronmisse ein.

    Jetzt haben sich wohl hier zwei, drei gefunden, die uns hier beweisen wollen, dass man auch in einem alkoholtrinkenden Umfeld nüchtern bleiben kann?

    Hallo Karsten,

    es stand aber nicht jeder hier so wie du kurz vor dem von Alkohol verursachtem Tod.

    Es gibt auch Menschen hier, die ihr Problem schon früher erkannt haben (ich zähle mich jetzt mal auch dazu), und bei denen eine Radikalkur wie bei dir (da war es ja die letzte Chance) nicht indiziert ist.

    Klar: Jeder der ernsthaft aufhören will zu trinken, sollte sich dazu zuerst ein alkoholfreies Umfeld aufbauen. Trotzdem gibt es auch da Grenzen, die wir nicht beeinflussen können.

    Wenn ich z.B. aus meinem Fenster rausschaue, dann sehe ich abends oft Jugendliche mit einer Flasche Bier bei den gegenüberliegenden Garagen "abhängen". Wenn ich an einem lauen Sommerabend auf dem Balkon sitze, höre ich, wie am linken Nachbarbalkon die Nachbarn mit einem Glas Wein anstoßen. Wenn ich in den Supermarkt gehe, leuchten mir zuerst die Bier-Werbetafeln entgegen, bevor ich mir im Markt dann selber meinen Weg durch Kisten von Bier und vorbei an Regalen voll Schnaps freikämpfen muss. SO IST DAS NUNMAL. Ich weiß dass diese Dinge ständig geschehen. Soll ich deswegen ausziehen und mich in einer Hütte im Wald verbarrikadieren?

    Petra hat vollkommen recht. Soll sie jetzt nicht mehr auf Elternabende in der Schule gehen, weil dort möglicherweise im Lehrerkollegium abends mit einem Glas Sekt angestoßen werden könnte? Soll sie vielleicht später der Abiturfeier ihres Sohnes fernbleiben, weil dort mit Garantie auch Alkohol fließt?

    Jeder Alkoholiker sollte sich wie gesagt ein Alkoholfreies Umfeld aufbauen, da sie sonst rückfallgefährdet sind.

    Wo dabei aber genau die Grenzen liegen, muss jeder für sich selbst festlegen und herausfinden.

    Und ich finde es im Übrigen sehr bedenklich, das hier jeder, der auch nur im Ansatz eine andere Meinung vertritt, als der Administrator oder der eine oder andere Moderator sofort hier zwischen den Zeilen rausgemobbt und rausgeekelt wird (so nach dem Motto: "Wenn du meinen Ratschlag nicht annimmst, wirst du sowieso rückfällig, also was willst du noch hier?")

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Brigitte und alle anderen, die gelegentlich in meinem Thread mitlesen,

    in den letzten Tagen hat sich meine psychische Situation weiterhin stabilisiert, was mich sehr freut, gleichwohl ich weiterhin nicht in gefährliche Euphorie verfalle. Habe ja schon dazu geschrieben.

    Gestern war ich wieder in der Suchtberatung hatte das bisher fruchtbarste Gespräch mit der dortigen Psychologin. Wir sprachen über das Thema "Werte" und was für mich persönlich im Leben einen Wert habe. Da ich mir darüber vor ein paar Tagen schon Gedanken gemacht habe, und ich momentan in der oft in der Laune bin, alles in Frage zu stellen und allem und jedem einen dauerhaften Wert abzusprechen, antwortete ich: "Nichts hat für mich einen überzeugenden Wert". Sie fragte mich daraufhin: "Warum sind sie dann hier bei mir in der Suchtberatung? Warum machen Sie sich Sorgen um ihre Gesundheit? Warum wollen sie demnächst heiraten?" Damit hatte sie mich natürlich schon eingefangen. Natürlich habe ich Werte, Dinge, die für mich WERTvoll sind. Aber als Alkoholiker der sich auf den Weg in ein trockenes Leben begeben hat, habe ich nach dem "Verlust" meines Wegbegleiters alles in Frage gestellt, wie ein verlassener Liebhaber.

    Diese Erkenntnis war für mich sehr wichtig.

    Als zweites sprachen wir über meine ständig im überweltlichen verweilenden Gedanken. Wie ich ja schon früher andeutete, befinde ich mich in einer Art Sinnkrise, einerseits meine Person betreffend, andererseits die Menschheit allgemein betreffend. Gerade letztere Gedanken haben mich dazu gebracht, quasi im "Kosmos" herumzuschwirren, von wo aus es mir unmöglich war, irgendetwas an meiner Gefühlswelt im positiven zu verändern, weil ich ja eigentlich gar nicht da war.

    Zuguter letzt konnte mir meine Psychologin auch erklären, warum ich immer noch nicht meine Bewerbung an die Universitäten verschickt habe, weil ich doch eigentlich wieder studieren will. Sie sagte mir, dass sie darüber nicht verwundert sei, da ich ja in meinem inneren noch keine überzeugende Entscheidung getroffen habe - ohne diese deutliche Entscheidung können aber auch keine Energien freigesetzt werden, um die "Sache ins Rollen zu bringen".

    Diese 3 Punkte haben mir sehr geholfen. Seit dem geht es mir wieder besser, weil mir dadurch wieder klarer darüber geworden bin, was mit mir los ist. Ich sehe momentan von Tag zu Tag ein Stücken klarer.

    Der Alkohol spielt in meiner Gedankenwelt mittlerweile eine untergeordnete Rolle, was ich aber schon in der Vergangenheit während meiner "Trinkpausen" so erlebt habe, und was mich sicherlich nicht leichtfertig machen lässt.

    Viele Grüße an euch alle und die besten - und trockenen - Wünsche für ein sonniges Wochenende!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Kemimale,


    Suchtberatung der Caritas
    Kolpingstr. 62
    02761 / 921-1411
    02761 / 921-1410
    suchtberatung@caritas-olpe.de

    Wende dich an diese Suchtberatung! Ruf an oder schreibe eine E-Mail. Schildere deine Situation und lass durchaus anklingen, dass die Situation sehr ernst ist, dass dein Vater eine Gefahr für sich und andere ist usw.!!!

    Eine Suchtberatung ist nicht nur für Alkoholiker da, sondern natürlich auch für deren Angehörige. Es ist also völlig normal wenn du als Tochter dort hin gehst und dein Problem schilderst. In der Regel sind die Suchtberatungsstellen gut vernetzt mit anderen sozialen Diensten und werden dir auf jeden Fall weiterhelfen können.

    Wenn es zwischenzeitlich richtig schlimm kommen sollte, ruf sofort die Polizei! Keine falsche Scham an dieser Stelle - das kann Leben kosten.

    Viele Grüße und meine besten Wünsche.

    Hallo Kimmi,

    für den Moment kannst du nicht mehr tun, auch wenn du das verständlicherweise wollen würdest.

    Der entscheidende nächste Schritt muss von deiner Freundin SELBST kommen. Sie muss die Entscheidung treffen, mit dem Trinken aufzuhören. Sie muss von sich aus bereit sein, alles nötige dafür in die Wege zu leiten.

    Sich als Alkoholiker für ein zukünftig abstinentes Leben zu entscheiden, ist ein Riesenschritt, der nur Erfolg haben kann, wenn er aus freien Stücken und aus EIGENEM ANTRIEB heraus geschieht. Wenn deine Freundin das nicht will und vielleicht nur zum Arzt geht, weil ihre Angehörigen sie dazu drängen, ist der Rückfall vorprogrammiert.

    In meiner örtlichen Suchtberatung habe ich Menschen getroffen, die zur Entgiftung im Krankenhaus waren, nach 7-9 Tagen entlassen wurden und die dachten, jetzt seien sie geheilt. Keine 2 Tage später hingen sie wieder an der Flasche! Denn die eigentliche "Schwerstarbeit" beim Aufbau eines trockenen Lebens beginnt erst nach dem Ende des körperlichen Entzugs.

    Auch wenn es für dich als Angehörige (die natürlich helfen will wo es nur geht) schwer sein wird zu akzeptieren: Du kannst an dieser Stelle nicht mehr machen, als du bereits getan hast. Die eigentliche Arbeit muss deine Freundin selber machen - und diese Arbeit beginnt mit der Erkenntnis ein Alkoholproblem zu haben (hat sie ja bereits eingesehen) und folgt mit dem nächsten Schritt, etwas dagegen zu tun.

    Jeder Alkoholiker, der beschließt der Droge zu entsagen und fortan trocken zu leben, hat zuvor seinen persönlichen Tiefpunkt erreicht. Ein Tiefpunkt der ihm/ihr sagen ließ: "So gehts nicht weiter, ich MUSS jetzt was tun, oder ich stürze irgendwann völlig ab und geh bei der Sache drauf". Aber für viele von uns ist ein offensichtlicher Tiefpunkt noch nicht tief genug - wir trinken noch weiter, bis wir unseren persönlichen Tiefpunkt erreicht haben, bevor wir bereit sind konsequent etwas zu unternehmen.

    Ich hoffe, deine Freundin hat diesen Punkt schon erreicht und sie will von sich aus die notwendigen Schritte einleiten.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Kimmi,

    Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Deine Freundin hat schon länger gewusst (vielleicht schon seit Jahren, das weiß ich natürlich nicht), dass sie ein Problem im Umgang mit der Droge Alkohol hat - jetzt hat sie einen wichtigen Schritt getan, indem sie sich gegenüber den ihr wichtigen Menschen geoutet hat. Das war wichtig und ist ihr bestimmt nicht leicht gefallen.

    Deine Freundin muss jetzt aus ihrer Erkenntnis die Konsequenzen ziehen und sich so schnell wie möglich an den Arzt ihres Vertrauens wenden, der ihr dann hoffentlich baldest eine Einweisung ins Krankenhaus zur Entgiftung geben wird. Dies ist notwendig, da ein körperlicher Entzug ohne ärztliche Aufsicht (=kalter Entzug) tödliche Folgen haben kann. Hier im Forum kannst du zu diesem Thema viel lesen.

    Danach sollte in Absprache wiederum mit dem Arzt, dem Krankenhaus oder der örtlichen Suchtberatung geschaut werden, ob eventuell weitere therapeutische Maßnahmen indiziert sind. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe (einer "realen" oder auch einer "virituellen" wie hier) sind empfehlenswert.

    ZUALLERERST muss aber deine Freundin selbst von sich aus die Entscheidung treffen, dass sie mit dem Trinken schluss machen will. Denn ohne diesen Willen wird ihr niemand auf der Welt helfen können.

    Was dich selbst betrifft: Behandle deine Freundin weiterhin wie einen normalen Menschen, nicht wie einen Ausserirdischen. Alkoholismus ist kein Stigma oder Brandzeichen, sondern eine anerkannte Krankheit, die unheilbar ist, deren Sympthome man aber durch dauerhafte Abstinenz stoppen kann.

    Grüße,

    Blizzard

    Hallo sungold,

    ich denke, jeder hier weiß, wie es dir geht und viele von uns haben ab und an noch ähnliche Gefühlszustände.

    Dagegen hilft nur die Zeit. Du solltest dich aber auch aktiv darum bemühen, positive Gedankenmuster zu entwickeln, um solche Situationen in Zukunft gelassener meistern zu können. Dazu ist es wohl zu allererst von Nöten, den von dir angesprochenen "Verzichtsgedanken" zu "bearbeiten". Versuch doch einfach mal den Gedanken umzudrehen: Wenn du nicht trinkst, dann verzichtest du auf nichts - wenn du aber wieder rückfällig wirst in einer solchen Situation, dann verzichtest du auf vieles: körperliche und psychische Gesundheit, die Chance auf dauerhafte Zufriedenheit u.v.m.

    Was ich jetzt noch schreibe, ist vielleicht nicht "politisch korrekt", aber es ist doch in der Tat so, dass wir Alkoholkranken nicht die einzigen sind, die auf dieser Welt auf irgendetwas verzichten müssen! Zehntausende Menschen in diesem Land müssen ohne gesunde Beine oder Arme auskommen, Millionen von Menschen in diesem Land haben diverse Pollen-Allergien, weswegen sie keinen Frühlingsspaziergang genießen können; Millionen von Menschen haben zu wenig Geld, um sich wenigstens gelegentlich einen Auslandsurlaub leisten & genießen zu können;

    Was ich damit sagen will: Verzicht gehört für jeden Menschen irgendwie zum Leben - ich bin sicher, dass es keinen Menschen (selbst unter den reichsten der Reichen) gibt, der nicht auf irgendwas "verzichten" muss. Selbst Millionäre und Stars müssen verzichten - zb. auf ihre Freiheit, überall und jederzeit ohne Personenschutz hingehen zu können.

    Diese Gedanken können einem helfen, den eigenen "Verzicht" in eine gesunde Relation zu setzen - und damit nicht im Selbstmitleid zu versinken.

    Viele Grüße,

    Blizzard