Beiträge von Blizzard

    Hallo Falk,

    was du da gerade machst, das weißt du sicher, nennt sich "kalter Entzug". Was du vielleicht nicht weißt, ist die Tatsache, dass dieser lebensgefährlich werden kann. So wie du es beschreibst, leidest du unter heftigen körperlichen Entzugssympthomen. Diese können noch schlimmer werden und du könntest einen schweren Krampfanfall bekommen. Daran sind schon genug Menschen gestorben!

    Wenn dir dein Leben lieb ist, solltest du dich daher sofort als Notfall ins Krankenhaus einliefern lassen. Falscher Stolz wäre hier völlig fehl am Platze.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Timster,

    ich danke dir vielmals für deine ausführliche Antwort. Eigentlich kann ich dem gar nicht viel hinzufügen, ich erkenne mich in vielen deiner Gedanken wieder.

    Das was du als "Flucht" beschrieben hast, was ich zuvor als "abschalten" darstellen wollte, ist eine ganz wichtige Bemerkung! Kein gesunder Mensch hat es notwendig, sich das Gehirn zu benebeln, um abzuschalten. Das war halt noch so ein typisch "nasser" Gedanke von mir.

    Würde mich freuen, in Zukunft hier in diesem Thread noch öfter ein Feedback von dir zu bekommen.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Elfmerlin,

    im Prinzip vertraue ich ja darauf, das es besser wird. Ich bin ein sehr hoffnungsvoller Mensch. Aufgrund von (Selbst-)enttäuschungen in der Vergangenheit scheue ich aber momentan davor zurück, zu schnell wieder euphorisch zu werden.

    "Die Zeit heilt alle Wunden", aber man muss ihr wohl auch die Zeit dafür geben.

    Irgendwie kann man ja auch nicht erwarten, das die eigene Seele, das Unterbewusstsein von heute auf morgen 12 Jahre Sauf-Geschichte vergißt, nur weil es das Bewusstsein so am bequemsten findet. Geduld ist also angebracht - und ich werde versuchen sie aufzubringen.

    Hallo Elfmerlin,

    ich habe mich sehr über deinen Bericht gefreut und finde es toll, wie du deinen Weg gehst. Mit deinen jahrzehntelangen Erfahrungen kannst du hier sicher vielen Leuten (inklusive mir) gute Tipps geben.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Karsten,

    mit "solche Lebensmittel" wollte ich mich ausschließlich auf die genannten Schokoriegel beziehen, weil ich sie persönlich für ungefährlich halte. Das gilt natürlich nicht für die unbestreitbar gefährlichen Lebensmittel wie alkoholfreies Bier, Rumkugeln, Essig usw, deren Rückfallpotential sehr hoch liegt.

    Ich respektiere deine Verantwortung für dieses Forum, welche du als Administrator hast und werde mich daher in Zukunft bemühen, mich nicht mehr missverständlich auszudrücken.

    Edit
    den genannten Namen des Schokoriegels habe ich entfernt.

    Hallo sweety und elfmerlin,

    im Prinzip weiß ich, dass ihr recht habt. Aber ich habe halt noch eine Menge an geistiger und seelischer Arbeit vor mir. Denn eines ist mir klar geworden in den letzten Wochen: Die Fragen, die mich bedrängen - und auch quälen - waren immer (zumindest die letzten 12 Jahre) schon da und wollten beantwortet (zumindest aber wahrgenommen) werden. Leider habe ich versucht sie im Alkohol zu ertrinken - und jetzt da ich mich trocken gelegt habe, merke ich, dass sie leider auch unter Wasser atmen konnten und mir brennender denn je auf der Seele liegen.

    Aber ich mache Fortschritte - und diese Woche war in dieser Hinsicht wirklich sehr fruchtbar. Ich glaube ich kann wirklich sagen, dass ich diese Woche besser drauf war, als die vorangegangenen. Allerdings halte ich mich seelisch derzeit noch für sehr labil, weshalb ich auch deswegen keine Freudensprünge mache.

    Die Arbeit an mir, das gute Wetter draußen und die Nachricht dass ich mein ALG ohne Abzüge bekomme (und damit wenigstens die finanziellen Sorgen für die nächste Zeit weg sind) haben ihren Beitrag dazu geleistet.

    Trotzdem bleibt da eine unausgesprochene Angst in mir, dass ich doch wieder in ein dunkles Loch fallen könnte (weshalb ich meinen Zustand ja auch als labil bezeichne). Einerseits ist das sehr quälend - andererseits denke ich mir, dass dies auch eine gute Sache sein kann, wenn ich die Angst als einen Freund betrachte, der mir vor Augen führt, wie ernst meine Situation im Allgemeinen ist und mich daher auch vor einem Rückfall behüten kann.

    Liebe Grüße an Euch verbunden mit den besten Wünschen für ein sonniges und nüchternes Wochenende!

    Blizzard

    Hallo Karsten,

    ich empfehle niemanden, alkoholhältige Lebensmittel zu sich zu nehmen, und wenn du mein Posting gewissenhaft gelesen hättest, dann würdest du das auch wissen.

    Deswegen habe ich auch deutlich gesagt, dass in dieser Hinsicht Alkoholiker auch unterschiedlich sind. Es ging mir darum, eine gesunde Relation herzustellen. Und es ist nun mal ein Unterschied (zumindest für mich), ob man einen Schokoriegel zu sich nimmt (deren "Alkoholgehalt" irgendwo im tausendstel Promillebereich, wenn überhaupt liegt), oder ob man "das erste Glas trinkt".

    Wir hatten das Thema "Alkohol in Lebensmitteln" neulich sehr ausführlich in der Gesprächsgruppe unserer Suchtberatung durchgenommen. Der Feind lauert überall - das ist klar. Trotzdem gibt es irgendwo eine Trennlinie zwischen Vernunft und Hysterie.

    Wer wusste z.B. vor 10 Jahren, das in Schokoriegeln Alkoholrückstände enthalten sein können? Wissen es heute alle trockenen Alkoholiker?

    Wer weiß, was wir heute essen, wo wir nicht mal ahnen, dass dort irgendwelche chemischen Substanzen, die alkoholhaltige Verbindungen enthalten, enthalten sind? Irgendwann in 10-15 Jahren erfahren wir dann vielleicht, dass in Kaugummis und Hustenbonbons Alkohole enthalten sind. Hörst du deswegen auf, sie zu essen, auch wenn es dir die letzten 20 Jahre nichts ausgemacht hat?

    Wohl kaum einer hier ist Chemiker oder Ernährungswissenschaftler, der mit Gewissheit sagen kann, dass alle alkoholhältigen Lebensmittel entdeckt sind. Und in Anbetracht der Tatsache, dass diese Liste auch ständig erweitert wird, auch in den letzten Jahren, zeigt, dass wir da noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen sind.

    Streng genommen dürften wir ja dann auch keine Äpfel mehr essen, weil die im Magen zum gähren beginnen können - v.a. bei Menschen mit einem langsamen Stoffwechsel. Und so weiter und sofort.

    Ansonsten kann ich nur sagen, dass es den besten Selbstschutz darstellt, niemals den Respekt vor der Droge Alkohol zu verlieren und immer an das "letzte Glas" zu denken.

    Edit
    den Namen der Schokoriegel habe ich entfernt.

    Hallo Inanna,

    ich würde mich an deiner Stelle nicht so verrückt machen wegen eines Rückfalls, v.a. bezüglich der von dir angesprochenen Lebensmittel. Ob man bestimmte Lebensmittel als Alkoholiker "vertragen" kann, ist sehr unterschiedlich. Sicher, es mag Alkoholiker geben, die selbst einen Schokoriegel mit Alkohol nicht abkönnen ohne einen Rückfall zu erleiden (ich kanns mir zwar nicht vorstellen, aber bitte ich weiß es auch nicht besser), jedoch denke ich dass das dann die Ausnahme ist.

    Solange du einen gesunden Respekt vor der Droge Alkohol hast, werden dir solche Lebensmittel nichts ausmachen. Mit der gedanklichen Ebene sieht es da schon ganz anders aus. Wir alle haben ja Gründe dafür gehabt, warum wir tranken. Wir wollten gewisse Gefühlszustände erzeugen (Freude, Entspannung, Gelöstheit usw...) oder andere Gefühle betäuben (Angst, Stress, Unsicherheit...). Wenn du nach einer Phase der Abstinenz nachlässig wirst in Gedanken und denkst, dass vielleicht doch nicht alles so schlimm bei dir ist, dann halte ich das für hundertmal gefährlicher als irgendwelche ominösen alkoholhältigen Schokoriegel.

    Jeder Rückfall beginnt im Kopf und kommt nicht aus heiterem Himmel.

    Was Deine Schlafstörungen anbelangt, kann ich dich insofern beruhigen, als dass wir diese fast alle hatten oder haben. In der Gesprächsrunde meiner Suchtberatungsstelle hat fast jeder 2. davon gesprochen. Am Wichtigsten ist, dass du dich deswegen nicht verrückt machst. Schlaf kann man nicht erzwingen - man kann aber auch nicht auf ihn verzichten. Der Körper holt sich seinen Schlaf schon, wenn er ihn braucht.

    Der vielleicht wichtigste Tipp: Wenn du wieder mal nicht einschlafen kannst, und dich nur genervt im Bett hin- und herdrehst, dann steh auf. Sieh fern oder lies ein Buch oder mach einen Spaziergang.

    Langfristig hilft bei Schlafstörungen nur ein geregelter Tagesablauf - und der Verzicht auf jegliches Nickerchen tagsüber.

    Edit
    ich habe mal den Namen der Kinderriegel entfernt.

    Hallo Lukas,

    du bist gerade drauf und dran deine Familie zu verlieren, weil du dich nicht vom Alkohol distanzieren kannst (=willst), und fragst dich allen ernstes noch, ob du vielleicht ein Suchtproblem haben könntest? Gehts noch?

    Du darfst dich nicht davon beirren lassen, das du möglicherweise körperlich noch nicht abhängig bist (du hast zwar nichts darüber geschrieben, aber es hört sich so an). Das ist der Fehler der vielen Alkoholikern passiert, so nach dem Motto "Meine Hände zittern nicht, und Sport mache ich ja auch noch, also kann ich ja nicht süchtig sein".

    Ich finde es sehr vernüftig von deiner Frau, dass sie dir dieses Ultimatum gestellt hat. Denn jetzt musst du dich entscheiden was wichtiger für dich ist. Du selbst weißt - und hast es ja hier selbst ausführlich beschrieben - dass eine Ausprache mit deiner Frau und damit verbundene "Trinkkompromisse" nur kurzfristigen Erfolg hatten, du aber nach kurzer Zeit wieder in dein altes Trinkverhalten verfallen bist. Deshalb solltest du endlich zu der Erkenntnis gelangen, die jedem hier klar ist, der deinen Bericht gelesen hat: Du kannst mit dem Alkohol nicht umgehen! Deshalb gibt es für dich keine Kompromisse: Entweder weitersaufen (und mit Garantie deine Familie früher oder später verlieren), oder aufhören und dir ein neues, abstinentes Leben aufbauen.

    Dazwischen gibt's nix.

    Du musst dich nun entscheiden.

    Hallo Elfmerlin und alle anderen,

    heute war ich wieder in der Suchtberatung, diesmal auf Vorschlag der Psychologin gemeinsam mit meiner Freundin. Wir haben über die Thematik "Druck" gesprochen und es war sehr hilfreich. Auch meine Freundin fand den Austausch sehr produktiv, und wir haben gleich einen neuen Termin ausgemacht.

    Wichtig ist mir, meine Suchtgeschichte aufzuarbeiten. Eine ambulante Therapie würde sich hierfür anbieten und ich bin auch echt am überlegen, eine solche zu machen. Jedoch schrecke ich davor momentan noch zurück. Werde mich wohl in den nächsten Wochen entscheiden. Bis dahin habe ich die wöchentlichen Termine.

    Im Mai beginnt ausserdem ein Programm zur Rückfallprophylaxe an dem ich gerne teilnehmen werde. Momentan denke ich, dass das tägliche sich mit der Alkoholkrankheit beschäftigen, schon ein gewisses Schutzpotential an und für sich hat. Momentan fühle ich mich nicht gefährdet, einen Rückfall zu erleiden, bleibe aber natürlich wachsam.

    Was mir momentan noch fehlt, ist die Gewissheit, ob sich das Leben an und für sich lohnt. Diese und andere verdrängte Gedanken sind es, die ich in den letzten 12 Jahren mit Alkohol scheinbar ersoffen hatte, und die jetzt wieder an die Oberfläche kommen und beantwortet werden wollen.

    Die letzten Tage waren ganz in Ordnung, jedoch überkommt mich immer wieder so ein Unruhegefühl zwischendurch, verbunden mit Gedanken des Zweifels und der Sorgen.

    Geistig habe ich mir jetzt schon Druck von mir weggenommen und beschlossen, die Sache mit der "Auszeit" jetzt durchzuziehen.

    Den Wunsch zu trinken (in Form von Saufdruck) verspüre ich derzeit nicht, jedoch macht sich immer mal wieder der Wunsch abzuschalten in meinem Denken breit. Früher setzte ich den Alkohol sehr geziehlt ein, um mich in meine eigene Gedankenwelt zurückzuziehen und völlig zu entspannen (deshalb trank ich auch vorüberwiegend zu hause und alleine). Ich empfand das (wie viele andere wohl auch) als meine Belohnung für die vorangegangene Bewältigung des Alltages.

    Dieser bekannte "Belohnungseffekt" ist jetzt natürlich weg und ich frage mich, wie ich mir einen neuen Belohnungseffekt ohne Alkohol an-konditionieren kann. Es gibt zwar Dinge, die ich ganz gerne mache, wie z.B. heiß baden, Internet-surfen oder Nachrichten-lesen, aber das habe ich ja in meiner nassen Zeit auch getan - da aber eben mit Alk. Ein Punkt meiner Arbeit wird also sein: Neue Belohnungsstrategien entwickeln. Vielleicht bekomme ich hier ja ein paar Tipps.

    Hallo Sweety,

    danke für deine Antwort. Die Sache mit dem Druck hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht und in mancherlei Hinsicht muss ich da tatsächlich mir auch ein neues Denken antrainieren.

    Was die Heirat und meine Schwiegermutter betrifft, ist die Sache nicht so einfach. Eigentlich mag ich meine Schwiegermutter nämlich, wie überhaupt die ganze Familie meiner Verlobten. Meine Verlobte selber ist meine absolute Traumfrau, mit der ich jetzt seit vielen Jahren glücklich zusammenlebe. Der Mensch halt, den man nur einmal im Leben trifft.

    Wenn ich jetzt mit der ganzen Wahrheit rausrücke, dann gibt das nur Stress, so kurz vor der Hochzeit - und das wiederum würde nicht in erster Linie mich, sondern meine Freundin belasten, die Spannungen dieser Art hasst, was ich in diesem Falle sehr gut nachvollziehen kann. Nach der Hochzeit schaut alles anders aus. Dann werde ich auch darüber reden. Aber jetzt gilt es erstmal, unnötige Diskussionen, die für alle Teilnehmer nur belastend und für niemand erleichternd wirken, zu vermeiden.

    Gut, das wir beiden geografisch weit von unseren Familien entfernt wohnen, so hält sich der Stress Gott sei Dank in Grenzen.

    Gruß,

    Blizzard

    So, da bin ich wieder.

    Das Wochenende war äußerlich sehr schön. Das Wetter war wunderbar und ich habe es ausgenutzt. War am Samstag 3 Stunden trainieren und am Sonntag mit meiner Verlobten an einem frühlingshaften See lange spazieren.

    Mein gefühlsmäßiger Zustand hat sich in den letzten 4 Wochen, in denen ich wieder nüchtern bin nicht besonders verändert. Weder zum Positiven noch zum Negativen. Ich grüble nach wie vor sehr viel und habe Sorgen, was die Zukunft betrifft. Was die Droge Alkohol betrifft und was meine berufliche Zukunft betrifft.

    Heute war ich bei einem Gespräch mit meiner Psychologin bei der Suchtberatung. Wir redeten über den Druck, den ich mir selber. Sie meinte, dass die Dinge, die ich mache zuwenig wertschätze. Sie gab mir ausserdem den Rat mir eine dreimonatige berufliche Auszeit zu nehmen, um neu zu erkundschaften, wie es mit mir beruflich weitergehen soll und gleichzeitig meine Nüchternheit zu stabilisieren. Momentan kann ich nämlich mit meiner angeschlagenen Psyche definitiv nicht arbeiten gehen, bekomme aber aus meinem Umfeld (Eltern, Schwiegereltern) gehörigen Druck. Offen über mein Problem Alkoholismus kann und werde ich mit meiner Schwiegermutter in spe (die Hochzeit ist in wenigen Monaten) nicht reden. Das würde nur zu Spannungen und eventuell Verwerfungen führen.

    Ich würde gerne das ganze Grübeln einfach abschalten und wieder in den Tag hineinleben können wie ein Kind. Dann würde wahrscheinlich alles glatt von der Hand gehen. Schade das man da keinen Schalter umlegen kann.

    Grüße an alle,

    Blizzard

    Hallo Kurt,

    was du über das Thema Rückfall geschrieben hast, kann ich nur voll bestätigen. Ich hatte früher öfters Trinkpausen, die ich auch bewusst nur als solche gesehen habe, und wo ich eigentlich immer nur den Tag x abgewartet habe, um wieder anfangen zu können. Erst dieses Jahr habe ich mir ernsthaft zum Ziel gesetzt, dauerhaft abstinent zu leben und dieses Leben von Grund auf zu Lernen.

    Mein letzter Rückfall hat sich, wie du gesagt hast, über Wochen aufgebaut. Aus der Phase, das einfache Dinge (wie z.B. eine Party oder ein Frust-Erlebnis) einen plötzlichen Rückfall auslösen können, bin ich raus, bzw. war das bei mir nie so. Momentan versuche ich an den Mechanismen zu arbeiten, die bei mir einen sich anbahnenden Rückfall betreffen. Momentan bin ich weit davon entfernt, rückfällig zu werden, aber ich möchte nicht in einigen Monaten wieder in diese Situation kommen, wie im März.

    Grüße,

    Blizzard

    Hallo Nighttrain,

    herzlich willkommen im Forum - nun auch als schreibender Teilnehmer.

    Gut, dass du zu der Erkenntnis gelangt bist, dass dein Alkoholkonsum ein wachsendes Problem darstellst. Mit dem Ausmaß deines Konsums gehörst du tatsächlich zum Kreise der Hochgefährdeten. Du solltest dich keinesfalls versuchen selbst zu "beruhigen", weil du körperlich noch nicht abhängig bist und keine Entzugserscheinungen hast. Das geht den meisten "Jung-Alkoholikern" so. Ich bin 27 und hatte bis heute auch nie Entzugserscheinungen.

    Das ist aber kein Grund zur Freude oder Erleichterung, sondern stellt sogar noch eine Gefahr dar - und zwar die, das man den Zeitpunkt, an dem man tatsächlich bereit ist, sein Leben völlig zu verändern, immer weiter hinausschiebt. Denn die Entscheidung dauerhaft abstinent zu leben, ist viel mehr als ein Lippen- oder Wollens-Bekenntnis. Man muss dafür sehr viel selber tun, nicht nur bloß Aufhören zu trinken.

    Und ob du psychisch von der Droge noch nicht abhängig bist, sei dahingestellt. Das wirst du erst merken, wenn du ein paar Monate völlig trocken gelebt hast.

    Ich wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg auf Deinem Weg in die Trockenheit.

    Hallo Elfmerlin und Kurt,

    danke erstmal für eure Antworten.

    Die letzten Tage verliefen ganz gut. Ich bin jetzt noch bis Anfang nächster Woche in dieser Tagesgruppe und habe dann noch ein Gespräch mit einer Psychologin, danach werde ich weitersehen, wegen nachfolgender Maßnahmen.

    Ihr habt schon sehr richtig erkannt, dass in meiner derzeitigen Situation sich viel in meinem Kopf abspielt. Die letzten Wochen waren sehr hilfreich, auch durch die Denkanregungen die wir in dieser psychologisch betreuten Tagesgruppe bekommen haben. Dadurch wurde ich mir auch mal richtig bewusst, was mich immer wieder zum Trinken gebracht hat. Einerseits Langeweile, andererseits auch v.a. Angst vor Entscheidungen, v.a. beruflicher Natur.

    Was momentan dazu kommt, ist auch Druck aus meiner Familie und meiner Schwiegerfamilie. Ich heirate nämlich im Sommer, und weder meine Eltern noch meine Schwiegereltern wollen verständlicherweise dass ich dann arbeitslos bin. Jetzt gibt aber einerseits der Arbeitsmarkt hier im Osten nicht allzuviel her momentan und andererseits bin ich nach meinem letzten Job noch ziemlich angeschlagen, soll heißen mein Selbstvertrauen ist in dieser Hinsicht im Keller. Mein Job war nämlich gar nicht schlecht und die Leute waren mit meiner Arbeitsleistung auch sehr zufrieden. Irgendwann kam dann für mich ziemlich unerwartet der psychische Koller, kurz darauf der Alkohol-Rückfall. Das nagt jetzt noch natürlich an meinem Selbstvertrauen und man hat natürlich die Sorge, dass sich das ja jederzeit wiederholen könnte.

    Naja, mal sehen. Jetzt steht erstmal das Wochenende vor der Tür und das wird dank des tollen Wetters sicherlich auch sehr schön werden! In diesem Sinne wünsche ich allen Usern hier einen schönen und trockenen Wochenabschluss!

    Euer Blizzard

    Hallo Bieger,

    jeder Alkoholiker - so zeigt sich immer wieder - braucht seinen absoluten persönlichen Tiefpunkt, um ernsthaft bereit zu sein, etwas an seiner Lage zu ändern. Die Situation, in der du jetzt steckst, kenne ich sehr gut. Ich hoffe für dich, dass du jetzt die Reissleine ziehst und einsiehst, dass es so nicht weitergeht. Ich habe diesen Punkt an dem du stehst öfters mal erreicht, mich geschämt, gehofft das sich was ändert - und dann doch wieder weitergesoffen. Erst als es mir psychisch immer schlechter ging und dem Nervenzusammenbruch bedrohlich nahe kam, habe ich kapiert, dass ich ohne Wenn und Aber jetzt etwas dramatisches ändern muss.

    Ich hoffe du erkennst diese Situation für dich auch, denn wenn nicht, dann wirst du bald wieder anfangen zu trinken, und es wird noch schlimmer werden.

    Grüße,

    Blizzard

    Hallo Elfmerlin,

    danke für deine Antwort. Was du da über das Gefühl der Langeweile gesagt hast und dass man diese zulassen soll finde ich einen sehr interessanten Ansatz. Habe ich bisher nicht so gesehen.

    Heute ging es mir den ganzen Tag sehr gut, wobei ich, seit ich wieder nüchtern bin (also wie gesagt seit 3 Wochen) mich ständig selbst reflektiere, mich frage wie's mir geht usw. Ich glaube das nennt man Grübeln.

    Was mir momentan auch den Kopf zerbricht, ist die Frage wo es mit mir beruflich hingehen soll. Ich bin jetzt 27, habe meiner Meinung nach das falsche studiert und bin auch mit meinem bisherigen Berufsleben (habe 2 Jahre seit dem Studium gearbeitet) äußerst unzufrieden. Momentan habe ich oft das Gefühl, das ich keinen Job finden werde, der mich erfüllt. Das wiederum trägt dann zu einem lethargischen Grundgefühl bei, was mich momentan durch den Tag hinweg ständig begleitet.

    Ich verspüre keinen Saufdruck und es geht mir momentan eigentlich nicht so schlecht. Aber ich habe schon wieder gewisse Sorgen, wie die Sache in 1,2 oder 3 Monaten aussehen wird.

    Werde ich wieder in Depressionen verfallen? Werde ich dadurch wieder rückfällig? Ich hoffe nicht. Ich bin mir diesmal ja mehr denn je dem Ernst der Lage bewusst, habe mir professionelle Hilfe gesucht und setze mich jeden Tag mit mir und meiner Krankheit auseinander. Trotzdem bleibt einfach die Angst, dass das nicht reichen könnte. Momentan ist diese Angst gering, ich hoffe dass das so bleibt.

    Viele Grüße

    Blizzard

    Hallo zusammen,

    vorgestellt habe ich mich "Wer ist Wer-Forum" schon vor einiger Zeit. Auch in diesem Forum habe ich schon mal einen Thread eröffnet, allerdings handelte es sich dabei eher um eine einzelne Frage.

    Ich möchte mich und mein Alkoholproblem an dieser Stelle noch mal etwas ausführlicher darstellen und diesen Thread dann auch dazu nutzen über meine Gefühle, Probleme und Fortschritte regelmäßig zu berichten. In den letzten Wochen war ich in erster Linie als lesender Gast hier unterwegs.

    Ich bin 27 Jahre alt und derzeit arbeitslos. Seit ich ungefähr 15 bin, habe ich ein stetig steigendes Alkoholproblem, von dem ich im Prinzip schon mit spätestens 18 wusste, dass es ein Problem ist. Als Jugendlicher trank ich aus Langeweile (ich hatte keine Hobbies und kaum Interessen ausser Alkohol) meist schon nach der Schule 3-8 Flaschen Bier, am Wochenende natürlich noch mehr. Nach der Schule ging das ganze dann während des Zivildienstes weiter, ebenso in den ersten Studiensemestern. Seit 2000 habe ich jedes Jahr Trinkpausen eingelegt (in der Regel zwischen 5-25 Wochen) um mich und mein Gewissen zu beruhigen, was auch gut geklappt hat, da ich auch nach monatelangem, täglichen Alkoholkonsum keinerlei Entzugserscheinungen hatte. 2001 und 2004 hatte ich nach vorzeitigen Abbrüchen meiner selbstauferlegten Trinkpausen erste Depressionen, wohl weil ich merkte, dass ich dem Alkohol immer ohnmächtiger gegenüberstand. Sinnkrisen und die berühmte Suche nach dem Sinn im Leben (weniger in meinem eigenen Leben, mehr der allgemeine Sinn) machten mir das Nüchternsein immer schwieriger. Trotz der Diagnostizierung einer Fettleber im Jahr 2004 trank ich weiter.

    Ende 2006 kündigte ich meinem Arbeitgeber wegen unüberbrückbarer persönlicher Differenzen (Alkohol spielte hier ausnahmsweise keine Rolle). In den Wochen darauf ging es mir so gut wie lange nicht: Ich schlief aus, kümmerte mich jeden Tag ein bisschen um den Haushalt, schrieb täglich 1-2 Bewerbungen, ging zum Training (ich betreibe Leichtathletik auf gehobenem Hobby-Niveau) und trank dann abends meine 2-3 Liter Bier.

    Arbeiten gehen wollte ich zwar schon wieder (alleine aus finanziellen Aspekten), wäre aber durchaus froh gewesen, nicht so schnell einen Job zu bekommen. Mitte Januar 2007 trat ich dann nach 10 Wochen der Arbeitslosigkeit einen neuen Job an. Am 2. Januar beendete ich wieder mal das Trinken und hatte dieses Mal aber einen anderen Vorsatz: Ich wollte diesmal keine Trinkpause machen, sondern wirklich aufhören. Ich wollte trocken werden. Dazu habe ich mich viel im Internet informiert, hier im Forum gelesen und auch mit dem Gedanken gespielt, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen, was ich dann aber aus Bequemlichkeit nicht gemacht habe.

    Anfang März hatte ich einen insgesamt 10-Tage andauernden Rückfall, der mich in tiefe Verzweiflung gestürzt hat und durch den ich meine junge Stelle verloren habe. Der Rückfall hat sich etwa 2 Wochen lang angebahnt, nachdem mir mein Leben immer trostloser und monotoner vorkam. Ich war ständig am Grübeln, mir machte nichts mehr wirklich Freude. Jeden Tag aufstehen und in eine stinklangweilige Arbeit gehen, war mir ein Greuel, zuhause vor dem Fernseher sitzen aber auch.

    Nachdem ich die ersten drei Tage meines Rückfalls noch "moderat" trank und zur Arbeit ging, erlitt ich am 4. Tag eine Art Nervenzusammenbruch nach der Arbeit, fühlte mich völlig verängstigt und in einer surrealen Welt, kaufte mir 8 Bier und schrieb nach der 4. Flasche eine Mail an meinen Arbeitgeber, dass ich schwer krank bin und deshalb in den nächsten Monaten nicht zu gebrauchen sei, was der Wahrheit entsprach, weil ich echt kurz davor war, psychisch völlig zusammenzubrechen.

    Noch während meines Rückfalls wurde mir der volle Ernst meiner Lage immer mehr bewusst, weshalb ich schließlich die örtliche Suchtberatung aufsuchte. Seitdem befinde ich mich dort wochentags täglich für eine Stunde in einer betreuten Gesprächsrunde. Diese "Tagesgruppe" kann man max. 4 Wochen besuchen, dann sollte klar sein, wohin die weitere Reise geht. Seit ich in die Gruppe gehe bin ich wieder nüchtern (ich weiß das "trocken" hier der falsche Ausdruck wäre). Heute bin ich seit genau 3 Wochen wieder nüchtern und plane demnächst eine ambulante Therapie zu machen. Diese werde ich voraussichtlich Dienstag nächste Woche in Absprache mit der Leiterin der örtlichen Suchtberatung beantragen.

    In den letzten 2 Wochen habe ich hunderte Seiten (keine Übertreibung) im Internet besucht, die sich mit dem Thema Alkohol befassen und fühle mich jetzt doch schon sehr gut informiert.

    Ich lebe zusammen mit meiner Freundin die so gut wie nie Alkohol trinkt und gerne auf das bisschen auch noch verzichtet, wenn ich sie darum bitte. Auch meine Freunde (alle von meinem Hobby, dem Sport) trinken sehr selten Alkohol, sodass ich in meinem direkten sozialen Umfeld wenig Probleme sehe, die bei mir einen Rückfall bewirken könnten. Bei einer kritischen Selbstanalyse muss ich feststellen, das ich hauptsächlich alleine getrunken habe und das aus Langeweile oder weil ich völlig abschalten wollte.

    Mein Ziel lautet ein glückliches und zufriedenes Leben ohne Alkohol zu führen und ich bin dankbar für jeden der mir antwortet. Vor allem interessiert mich, wie es dem einen oder anderen psychisch in der Entwöhnungsphase gegangen ist, und wie ihr in dieser Phase gelernt habt, euch wieder über die kleinen alltäglichen Dinge zu freuen, was mir momentan nicht gelingt.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Anna,

    zuerst solltest du dich fragen, in welcher Situation du momentan genau trinkst, wenn du dieses eine eine mal pro Woche Alk konsumierst. Am Wochendende? Beim Spieleabend? Am langweiligen Sonntag-Nachmittag? Oder eher zufällig an einem x-beliebigen Tag.

    Wenn du dir darüber im klaren bist, solltest du die entsprechende Situation natürlich tunlichst meiden, auch wenn du dadurch eventuell Freunden oder Bekannten absagen musst. Es geht hier schließlich um eine schwere Krankheit und um dein weiteres Leben.

    Dann solltest du unbedingt (wieder?) zur Suchtberatung gehen und von deiner Entwicklung erzählen. Da die Mitarbeiter dort in der Regel sehr erfahren sind, kann schon ein einziges Gespräch wieder den Mut und die Motivation in dir wecken, wieder auf den richtigen Weg zu kommen, bevor du wieder vollends abstürzt. Auch eine eventuell angebrachte weitere Therapie kann dann erörtert werden. Ausserdem gibt es in den meisten Suchtberatungsstellen gute ergänzende Angebote, bei uns z.B. auch eine Rückfallprophylaxe.

    Wichtig ist aber vor allem deine innere Einstellung in diesen schweren Tagen. Mach dir bewusst, dass es da draussen keine unsichtbare Macht gibt, die dich zwingt, das erste Glas anzurühren. Du bist nicht machtlos!